{"id":124574,"date":"2006-10-01T12:00:00","date_gmt":"2006-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/10\/leuthard-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:53","slug":"leuthard-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/10\/leuthard-7\/","title":{"rendered":"\u00abDen Faktor Mensch vermehrt ins Zentrum r\u00fccken\u00bb:Im Gespr\u00e4ch mit Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard"},"content":{"rendered":"<p>Seit Anfang August ist die neue Vorsteherin des Eidg. Volkswirtschaftsdepartements (EVD), Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard, im Amt. Im Gespr\u00e4ch mit dem Magazin \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb \u00e4ussert Sie sich zu ihrem Amtsantritt, ihren wirtschaftspolitischen Zielen und den anstehenden Gesch\u00e4ften.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200610_14D_Leuthard_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Volkswirtschaft: Frau Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard, wie leicht war der Rollenwechsel von ihren bisherigen beruflichen Rollen zur Bundesr\u00e4tin und Volkwirtschaftsministerin? Wie f\u00fchlen Sie sich in Ihrer neuen Aufgabe?\u00a0Leuthard: Ich f\u00fchle mich wohl &#8211; alles andere w\u00e4re ja auch nicht gut (lacht). Im Ernst: Der Wechsel in den Bundesrat bedeutete einen grossen Einschnitt. Ich musste zum Beispiel die Anwaltskanzlei aufl\u00f6sen und mit den Klienten alle Dossiers abschliessen. Diesen Rollenwechsel muss man erst bewerkstelligen. Erleichtert wurde mir der Wechsel dadurch, dass ich im Eidg. Volkswirtschaftsdepartement (EVD) auf eine motivierte Crew gestossen bin. Ich habe mir am Anfang Zeit genommen, das Departement kennen zu lernen. Denn es war mir wichtig zu sehen, welches die Leute sind, die konkret mit den jeweiligen Themen besch\u00e4ftigt sind. Das hat mir sehr geholfen bei der Einarbeitung in die schwierigen Dossiers. \u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Jeder Bundesrat bzw. jede Bundesr\u00e4tin setzt eigene Akzente. Wo ist &#8211; gegen\u00fcber Ihrem Vorg\u00e4nger &#8211; bei Ihnen mit Kontinuit\u00e4t und wo mit neuen Akzenten zu rechnen?\u00a0Leuthard: Es ist noch sehr fr\u00fch, um wirklich sagen zu k\u00f6nnen: Das sind meine Akzente. Bei einer Reihe von Gesch\u00e4ften ist Kontinuit\u00e4t angesagt, zum Beispiel in der Agrarpolitik 2011, die ich so zu vertreten habe, wie sie vom Bundesrat \u00fcberwiesen wurde, aber auch bei der Umsetzung des Wachstumspakets.\u00a0Akzente setzen kann und werde ich vorerst im Binnenmarktbereich, einerseits mit dem Cassis-de-Dijon-Prinzip und anderseits dem Abbau der administrativen H\u00fcrden. Letzteres war mir bereits vor meiner Wahl zur Bundesr\u00e4tin besonders wichtig. \u00a0Mein haupts\u00e4chliches Anliegen aber ist es, den Faktor Mensch vermehrt ins Zentrum zu r\u00fccken. Schliesslich geht es in der \u00d6konomie ja nicht nur um makro\u00f6konomische Gr\u00f6ssen. Deshalb lege ich besonderen Wert auf Forschung, Bildung und Innovation, aber auch auf die Bek\u00e4mpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die Unterst\u00fctzung der \u00e4lteren Bev\u00f6lkerung und die Anliegen der Frauen.\u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Die Schweizer Wirtschaft befindet sich gegenw\u00e4rtig in ausgezeichneter Form. Gleichzeitig treiben Sie die Wachstumspolitik voran. Ist das \u00fcberhaupt noch n\u00f6tig?\u00a0Leuthard: Die Schweiz hat tats\u00e4chlich seit letztem Jahr positive Wirtschaftszahlen zu verzeichnen. Dieses Jahr d\u00fcrften wir wohl mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 2,7% rechnen. F\u00fcr n\u00e4chstes und \u00fcbern\u00e4chstes Jahr erwarten wir jedoch bereits wieder eine Abschw\u00e4chung des Wachstums. Wenn wir die Wachstumspolitik nicht weiterf\u00fchren, dann riskieren wir, dass sowohl die Steuereinnahmen wie auch die Einnahmen f\u00fcr die Sozialversicherungen zur\u00fcckgehen. Deshalb ist Wachstumspolitik immer auch die beste Sozialpolitik.\u00a0Nachhaltiges Wachstum muss auch im Licht des globalen Wettbewerbs das erste Ziel sein, damit wir unseren jetzigen Wohlstand halten k\u00f6nnen und wir keine Marktanteile an andere L\u00e4nder verlieren. \u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Greifen wir ein Dossier heraus, mit dem Sie sich besch\u00e4ftigen und in den Medien zitiert wurden, n\u00e4mlich die Vorlage Cassis-de-Dijon. Die entsprechende Schlagzeile in den Medien lautete: \u00abLeuthard macht Dampf\u00bb: Warum wollen Sie beim Abbau technischer Handelshemmnisse Dampf machen?\u00a0Leuthard: Weil ich davon \u00fcberzeugt bin, dass es Hindernisse gibt, die insbesondere f\u00fcr die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) preistreibend sind und weder einen Nutzen noch eine Qualit\u00e4tsverbesserung bringen. Solche Vorschriften geh\u00f6ren abgeschafft. Hier gilt es, die Hochpreisinsel Schweiz zu schleifen, damit sich das Preisniveau an das Niveau der EU angleicht.\u00a0Ich bin auch \u00fcberzeugt, dass die einseitige Einf\u00fchrung verantwortbar ist. Wir k\u00f6nnen dadurch viel Zeit gewinnen. Zudem sind die Vorschriften in vielen Bereichen schon harmonisiert. In den wenigen Bereichen, wo wirklich Diskriminierungen f\u00fcr die Schweizer Produzenten entstehen, wird der Bundesrat bem\u00fcht sein, f\u00fcr geeignete Auffangmechanismen zu sorgen. \u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Im Augenblick wird wild dar\u00fcber spekuliert, mit wie vielen Ausnahmen vom Cassis-de-Dijon-Prinzip zu rechnen sein wird.\u00a0Leuthard: Ich m\u00f6chte mich zwar nicht auf eine Zahl festlegen; doch allzu viele Ausnahmen d\u00fcrfen es nicht sein, weil sonst das Prinzip verw\u00e4ssert wird. Es darf und muss jedoch gewisse Ausnahmen geben &#8211; speziell im Bereich der Gesundheits- und Umweltpolitik, wo wir h\u00f6here Standards haben. Dies kann auch eine Marktchance f\u00fcr Schweizer Unternehmen sein, die sich bewusst im Premium-Quality-Segment positionieren. \u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Die Reduktion der Ausnahmen erweist sich als eine grosse Herausforderung. Weshalb ist dies so schwierig? Liegt das Problem in der Verwaltung?\u00a0Leuthard: Widerstand kommt von verschiedenen Seiten. Ein Beispiel sind die Kantonschemiker, die einen Teil ihrer Zust\u00e4ndigkeit verlieren. Daf\u00fcr habe ich ein gewisses Verst\u00e4ndnis. Doch schlussendlich kommt es auf das Resultat an. Ein weiterer Grund sind die komplizierten technischen Vorschriften, die auch ein Ausdruck des \u00abSwiss Finish\u00bb sind, also der \u00fcberperfekten Art der schweizerischen Umsetzung. Es gilt zun\u00e4chst die grossen Linien zu finden, anstatt uns bereits von vornherein in den Detailfragen zu verlieren. Das scheint mittlerweile in der Verwaltung auch klar zu sein. \u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Die erste grosse Vorlage, die Sie vor dem Parlament zu vertreten haben werden, ist die AP 2011, die Weiterentwicklung der Agrarpolitik f\u00fcr die Jahre 2008 bis 2011. Was sind f\u00fcr Sie die wichtigsten Argumente, mit denen Sie das Parlament &#8211; angesichts des nun fehlenden Reformdrucks seitens der WTO &#8211; vom Reformtempo der AP 2011 \u00fcberzeugen wollen?\u00a0Leuthard: Bereits seit einigen Jahren stellen wir die Landwirtschaftspolitik um. Gem\u00e4ss Verfassungsauftrag wollen wir von einem Subventionierungssystem von Produkten wegkommen zu einem System mit Direktzahlungen, in dem die gemeinwirtschaftlichen Leistungen der produzierenden Bauern abgegolten werden. In diesem Rahmen ist es wichtig, die Marktst\u00fctzungen noch weiter abzubauen und zu Direktzahlungen zu verlagern. Das entspricht einem marktgerechteren System, das den Bauern mehr Freiheiten gibt, was und wie sie produzieren, und sich vermehrt nach den Bed\u00fcrfnissen der Konsumierenden richtet. Diese Stossrichtung ist sicher richtig.\u00a0Die zweite Frage ist diejenige des Tempos. Hier hat der Bundesrat nichts anderes getan, als das bisherige Reformtempo beizubehalten, d.h. mit einer Quote von rund 2,5% Betrieben weniger j\u00e4hrlich resp. Einkommenseinbussen in dieser H\u00f6he. Diese Geschwindigkeit tr\u00e4gt dem Generationenwechsel Rechnung. Es geht also um Kontinuit\u00e4t mit einer kleinen Richtungs\u00e4nderung.\u00a0Wenn wir in der Schweiz eine produzierende Landwirtschaft wollen, dann brauchen wir diese Strukturreform. Es braucht sie im Hinblick auf zuk\u00fcnftige Markt\u00f6ffnungen &#8211; sei es innerhalb der WTO oder mit einem allf\u00e4lligen EU-Agrarfreihandel. Da der Preisdruck auf die Schweiz weitergehen wird, ist es gescheiter, diese Reform jetzt durchzuziehen, als zu warten und das Tempo zu verlangsamen. Denn die aufgeschobenen Reformen werden immer einschneidender werden, je l\u00e4nger wir damit zuwarten. Und von den Reformen profitieren letztlich Produzenten und Konsumenten &#8211; mit geringeren Kosten und Preisen.\u00a0Die Volkswirtschaft: \u00dcberzeugungsarbeit leisten m\u00fcssen Sie auch bei der Vorlage zum Rahmenkredit f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation f\u00fcr die Jahre 2008-2011 (BFI 2011) &#8211; und da bereits im Bundesrat. Sie m\u00f6chten, dass die Ausgaben des Bundes um j\u00e4hrlich 6% und nicht &#8211; wie im Finanzplan vorgesehen &#8211; nur um 4,5% erh\u00f6ht werden. Warum wollen Sie die deutliche Erh\u00f6hung des Kreditrahmens?\u00a0Leuthard: Auch der Bundesrat ist ja f\u00fcr eine Erh\u00f6hung. Die 4,5% bedeuten einen substanziellen Mehrbetrag. Mir geht es vor allem um drei Dinge. Erstens: Im internationalen Standortwettbewerb verf\u00fcgen wir nicht \u00fcber \u00d6loder Gasreserven. Unsere Ressource ist wissensorientiert. Wir m\u00fcssen also darum bem\u00fcht sein, weltweit die Topleute in der Forschung oder in der Wirtschaft hervorzubringen, damit wir an Innovation und Produktivit\u00e4t weiterhin einen Vorsprung haben.\u00a0Zweitens: Im Rahmen des Berufsbildungs- und Fachhochschulgesetzes wurden Versprechungen gegen\u00fcber den Kantonen abgegeben, dass der Bund seine Beteiligung in diesen beiden Bereichen erh\u00f6hen werde. Es geht also darum, Wort zu halten.\u00a0Drittens: Im Bereich der Berufsbildung haben wir neue Aufgaben, die Mehrkosten verursachen. Wir wollen f\u00fcr die schulisch Schw\u00e4cheren Module einf\u00fchren, die jeden und jede bef\u00e4higen, eine Grundausbildung zu absolvieren. Bei den Fachhochschulen (FH) und in der Berufsbildung kommt neu der Bereich Gesundheit, Soziales und Kunst (GSK) hinzu; ausserdem f\u00fchrte die Einf\u00fchrung von Bologna zu einer Verl\u00e4ngerung der Ausbildungszeiten. Schliesslich wollen wir jene Bereiche aufdotieren, von denen wir denken, dass sie wirtschaftsrelevant sind. Das sind einerseits die KTI und andererseits die Grundlagenforschung \u00fcber den Nationalfonds oder die Universit\u00e4ten\/ETH. Es braucht diese Investitionen, damit wir unseren Standortvorteil erhalten k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Volkswirtschaft: Die Bef\u00fcrworter des moderateren Wachstum von 4,5% argumentieren mit den knappen Bundesfinanzen sowie bald sinkenden Sch\u00fcler- und Studentenzahlen in der Schweiz. Beides \u00abeinsichtige\u00bb Argumente&#8230;\u00a0Leuthard: Im Moment haben wir noch steigende Sch\u00fcler- und Studentenzahlen. Im Fachhochschulbereich werden es rund 5000 mehr sein; auch in der Berufsausbildung ist die Tendenz noch steigend, bei heute 211&nbsp;000 Berufssch\u00fclerinnen und -sch\u00fclern. Eine Abnahme wird erst einsetzen, wenn die \u00abBaby-Boom-Jahre\u00bb vorbei sind, und das betrifft die Periode nach 2011. Insofern ist der Zeitrahmen, f\u00fcr welchen dieser Kredit zu sprechen ist, von einer Zunahme betroffen &#8211; nicht zuletzt auch wegen der stattfindenden \u00d6ffnung zum Ausland, was einen zus\u00e4tzlichen Bedarf an Unterst\u00fctzung mit sich bringt.\u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Die EU strebt mit dem Kopenhagen-Prozess in der Berufsbildung eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit unter den Mitgliedstaaten an. Sie will &#8211; analog dem Bologna-Prozess &#8211; bis 2009 einen europ\u00e4ischen Qualifikationsrahmen (EQR) in Kraft setzen. Soll sich die Schweiz an diesem Prozess beteiligen? \u00a0Leuthard: Im Kopenhagen-Prozess geht es um die gegenseitige Anerkennung &#8211; auch um eine gewisse Justierung &#8211; der Berufsausbildungen. Die Schweiz ist als Nicht-EU-Mitglied zwar nicht direkt involviert; aber wir wurden von der EU eingeladen, unser duales System zu pr\u00e4sentieren. Wir stellen fest, dass dieses System innerhalb der EU auf sehr grossen Goodwill st\u00f6sst. F\u00fcr uns ist es wichtig, eine Anerkennung der Berufsausbildungen zu erhalten und kompatible Systeme zu haben, weil das f\u00fcr die Mobilit\u00e4t unserer Arbeitskr\u00e4fte notwendig ist. Wir sind also in einer guten Beziehung zum Kopenhagen-Prozess.\u00a0Ich hatte vor kurzem ein Gespr\u00e4ch mit dem zust\u00e4ndigen EU-Bildungskommissar, Jan Figel, in dem er uns zu den entscheidenden Gespr\u00e4chen auf Ministerebene eingeladen hat. Das ist eine gute Gelegenheit, unsere Erfahrungen einzubringen.\u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Am 26. November wird das Schweizer Volk \u00fcber die Zusammenarbeit mit den Staaten Osteuropas (Bundesgesetz Ostzusammenarbeit) entscheiden. Bei einem Ja leistet die Schweiz einen Erweiterungsbeitrag zu Gunsten der neuen EU-Staaten. Warum soll das Schweizer Volk der Vorlage zustimmen?\u00a0Leuthard: Weil es eine gute Investition in unsere Zukunft ist. In diesem Gesetz geht es um zwei Engagements: Erstens geht es um die Fortsetzung der bisherigen, traditionellen Osthilfe an die L\u00e4nder des ehemaligen Ostblocks. Diese ehemals kommunistischen Staaten sollen sich mit dieser so genannten Transitionshilfe zu demokratischen und sozialen Gesellschaften sowie offenen M\u00e4rkten entwickeln k\u00f6nnen. \u00a0Zweitens geht es um den Erweiterungsbeitrag in der H\u00f6he von 1 Mrd. Franken, welcher \u00fcber einen Zeitraum von zehn Jahren ausgegeben wird. Dieser Beitrag stellt eine echte Investition dar. Wir investieren in sichere Beziehungen zur EU, die unser mit Abstand wichtigster Wirtschaftspartner ist. Als Beitrag zur Lastenteilung in Europa schafft er auch den n\u00f6tigen Goodwill seitens der EU f\u00fcr unseren bilateralen Weg. Wir investieren zudem in boomende M\u00e4rkte, in denen die Schweiz einen Handelsbilanz\u00fcberschuss aufweist. Schliesslich kommt der T\u00fcr\u00f6ffner-Effekt hinzu. Die EU hat gewaltige Fonds, die jetzt f\u00fcr diese L\u00e4nder offen stehen. Unsere Unternehmen k\u00f6nnen sich daran beteiligen und Auftr\u00e4ge erhalten. Deren Chancen verbessern sich, wenn Schweizer Firmen im Rahmen unserer Ostzusammenarbeit in diesen Regionen bereits aktiv und sichtbar sind. Dieses Europa hat sehr viel an Stabilit\u00e4t in diese Region gebracht, was wirtschaftlich enorm wichtig ist. Deshalb empfinde ich es auch als Akt der Solidarit\u00e4t, einen Beitrag an die Sicherung der Stabilit\u00e4t zu leisten.\u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Scharfz\u00fcngige Journalisten und Politiker behaupten, aus dem ehemals schlanken Handels- und Zolldepartement sei &#8211; zum Schaden der Wirtschaft &#8211; im Laufe der Jahrzehnte die Interventionsmaschine <a href=\"http:\/\/www.evd.admin.ch\/\">EVD<\/a> geworden, die es auszumisten und zu entr\u00fcmpeln gelte. Was ist hier Ihre Haltung? Wie wollen Sie die Wirtschaft vom \u00abInterventionsstaat\u00bb befreien?\u00a0Leuthard: Gewisse Journalisten sagen ja sogar, es brauche das <a href=\"http:\/\/www.evd.admin.ch\/\">EVD<\/a> gar nicht mehr. Man m\u00fcsste sich also entscheiden, ob es interventionistisch oder \u00fcberfl\u00fcssig ist&#8230; Im Ernst: Die Kultur innerhalb des <a href=\"http:\/\/www.evd.admin.ch\/\">EVD<\/a> ist nicht interventionistisch. Wir sind generell Anh\u00e4nger einer freien Marktwirtschaft, wo der Staat nur interveniert und reglementiert wo n\u00f6tig. Das sieht man am besten im Kartellrecht, wo sich der Staat nur in der Aufsicht des frei funktionierenden Marktes \u00fcbt. Auch beim Schwarzarbeitsgesetz wird es so sein. Unsere Rolle ist nur noch die des W\u00e4chters \u00fcber das Funktionieren des Wettbewerbs. Wir versuchen immer, mehr Wettbewerb einzubringen. Oft sind es eher die am Markt Beteiligten, die nicht jede Reform begr\u00fcssen und f\u00fcr die Wettbewerb eher ein Schreckgespenst ist, weil damit mehr Anstrengungen verbunden sind.\u00a0Das ist im Bereich der Landwirtschaft etwas anderes. Dort bestehen allerdings vom Gesetz her viel mehr Aufgaben im Vollzug. Und auch im Bereich der Fachhochschulen und Berufsbildung haben wir Steuerungselemente. Aber in den anderen Bereichen der Wirtschaftspolitik kann man uns den Vorwurf des Interventionismus sicher nicht machen.\u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Wirtschaftspolitik ist eine Querschnittsaufgabe. Entsprechend gibt es eine Reihe von wirtschaftspolitischen Dossiers, f\u00fcr die andere Departementsvorsteher zust\u00e4ndig sind. Welche Dossiers oder Schwerpunkte halten Sie f\u00fcr besonders wichtig? Oder wo gedenken Sie sich aus wirtschaftspolitischer Sicht besonders engagiert einzubringen?\u00a0Leuthard: In der Tat sind viele Themen f\u00fcr die Volkswirtschaft von grosser Relevanz. Dazu z\u00e4hlen die Energiefragen, der im Entstehen begriffene Gesundheitsmarkt, die Fragen rund um das Steuerrecht und die demografische Entwicklung. Das <a href=\"http:\/\/www.evd.admin.ch\/\">EVD<\/a> als Kompetenzzentrum zu volkswirtschaftlichen Fragen sollte eine Meinung dazu entwickeln und die anderen Departemente, die operativ zust\u00e4ndig und in den technischen Fragen kompetent sind, unterst\u00fctzen. Wir k\u00f6nnen die \u00f6konomischen Hintergr\u00fcnde liefern, damit die Ausarbeitung von Reformen in einem gr\u00f6sseren wirtschaftlichen Zusammenhang gesehen wird.\u00a0 \u00a0Die Volkswirtschaft: Frau Bundesr\u00e4tin, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGespr\u00e4chsleitung und Redaktion: Geli Spescha, Chefredaktor \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb\u00a0Aufzeichnung des Gespr\u00e4chs: Simon D\u00e4llenbach, Redaktor \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard zur WTO und Aussenwirtschaftsstrategie<\/b>&#13;<br \/>\nDie Volkswirtschaft: Die WTO steckt seit geraumer Zeit &#8211; und sp\u00e4testens seit der Sistierung der Doha-Runde &#8211; in einer Krise. Wie kann Ihrer Ansicht nach die WTO-Runde neu lanciert werden? Etwa mit einer Ausklammerung des Agrarbereichs?Leuthard: Der Agrarbereich war Bestandteil des Mandats der Doha-Verhandlungen. Deshalb ist es kaum m\u00f6glich, diesen Bereich aus dem Verhandlungspaket herauszutrennen. Es ist vor allem im Interesse der Entwicklungsl\u00e4nder, dass die Industriel\u00e4nder ihnen den Zugang zu Industriebereichen gew\u00e4hren und die Agrarm\u00e4rkte f\u00fcr sie \u00f6ffnen. Das halte ich f\u00fcr ein \u00abmust\u00bb. Die Frage ist, wie das gemacht werden soll. Hier sind die USA mit ihrer Vorgabe von 90% Zollsenkungen \u00fcber das Ziel hinausgeschossen. Dies ist f\u00fcr kleine Agrarm\u00e4rkte v\u00f6llig undenkbar. Im Moment braucht es also auf Seiten der USA ein \u00dcberdenken ihrer Position, und auch die EU m\u00fcsste sich bewegen. Die Schweiz wird nie auch nur ann\u00e4hernd mit den grossen Agrarexporteuren Schritt halten k\u00f6nnen und sich deshalb im Grossen und Ganzen an der Position der EU orientieren. Dieses Spannungsfeld wird weiterbestehen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die USA bewegen werden; dann k\u00f6nnten auch wir \u00fcber weitere Konzessionen nachdenken.Die Volkswirtschaft: Frau Bundesr\u00e4tin, was sind die aussenwirtschaftlichen Schwerpunkte, die Sie setzen werden?Leuthard: Zuerst ist es sicher wichtig, dass wir innerhalb der WTO alles daf\u00fcr tun, damit die Doha-Runde weitergef\u00fchrt werden kann. F\u00fcr die Schweiz ist die multilaterale Ebene immer noch vorrangig. Wenn nur noch auf bilateraler Ebene operiert wird, kommt es zum Wettstreit der verschiedenen regionalen M\u00e4rkte. Auf globaler Ebene sollten m\u00f6glichst einheitliche Regulative und Tarife herrschen. Ob das gelingt, h\u00e4ngt indes nicht nur von uns ab. Nichtsdestotrotz werden wir versuchen, kreativ als Br\u00fcckenbauer zwischen den grossen Playern aufzutreten.Daneben steht f\u00fcr uns der Abschluss von weiteren Freihandelsabkommen im Rahmen der Efta im Vordergrund. Hier haben wir Abkommen mit Kanada und \u00c4gypten in Aussicht. Und schliesslich streben wir mit der EU, unserem wichtigsten Handelspartner, weitere bilaterale Vertr\u00e4ge an, vorrangig im Agrarsektor und im Strom-\/Energiebereich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Anfang August ist die neue Vorsteherin des Eidg. Volkswirtschaftsdepartements (EVD), Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard, im Amt. 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