{"id":124589,"date":"2006-09-01T12:00:00","date_gmt":"2006-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/09\/ackermann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:55","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:55","slug":"ackermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/09\/ackermann\/","title":{"rendered":"Eile mit Weile in der Agrarpolitik?"},"content":{"rendered":"<p>Interne Gr\u00fcnde sprechen noch mehr als externe daf\u00fcr, die AP 2011 zu nutzen, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der schweizerischen Agrarwirtschaft insgesamt zu st\u00e4rken. \u00abTime to market\u00bb ist eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg im Markt. Die von verschiedenen Seiten verlangte Temporeduktion in der Agrarpolitik d\u00fcrfte sich kontraproduktiv f\u00fcr die marktorientierten Landwirte auswirken und gef\u00e4hrdet n\u00f6tige Investitionen auf der Stufe Verarbeitung. Coop wird auch in Zukunft ein verl\u00e4sslicher Partner der Schweizer Landwirtschaft sein. Wir wollen unseren Konsumenten auch bei offeneren Grenzen eine grosse Auswahl von Schweizer Produkten und Spezialit\u00e4ten anbieten. Dies ist aber nur m\u00f6glich, wenn der Staat verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen schafft. Deshalb setzt sich Coop mit Nachdruck f\u00fcr ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU ein. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200609_18D_Ackermann.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"273\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch wenn in der Doha-Runde der WTO kein Durchbruch erzielt werden konnte, ist zu erwarten, dass das heutige hohe Niveau des schweizerischen Agrarprotektionismus nicht gehalten werden kann. Scheitert der multinationale Weg \u00fcber die WTO, so werden bilaterale Abkommen mit der EU, aber auch mit anderen Handelspartnern, an Bedeutung gewinnen. Dabei werden auch Zugest\u00e4ndnisse im Agrarbereich gemacht werden &#8211; ohne dass die schweizerische Land- und Lebensmittelwirtschaft von zus\u00e4tzlichen Exportchancen profitieren k\u00f6nnte. Dies bedeutet den schleichenden Verlust von Marktanteilen im Inland. Die Erwartung von Zugest\u00e4ndnissen in den Bereichen Marktzutritt, Exportsubventionen und interne St\u00fctzung im Rahmen der WTO hat die Erarbeitung der AP 2011 stark beeinflusst. F\u00e4llt der unmittelbare Druck von dieser Seite weg, so ist die Versuchung gross, auf Zeit zu spielen.&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcnde f\u00fcr rasche und umfassende Markt\u00f6ffnung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus Sicht des Detailhandels ist der wachsende Einkaufstourismus der deutlichste Hinweis, dass die Wettbewerbsf\u00e4higkeit sinkt und Marktanteile verloren gehen. Schweizerinnen und Schweizer haben 2005 f\u00fcr den Gegenwert von 2,1 Mrd. Franken Lebensmittel und Near-Food-Produkte im Ausland eingekauft. Im Zentrum stehen dabei Fleisch sowie Milchprodukte &#8211; ausgerechnet Produktkategorien, bei denen die Schweizer Konsumenten angeben, sehr bewusst auf Schweizer Herkunft zu achten. \u00a0Preisdifferenzen von gegen 50% bei Fleisch lassen sich aber nur zu einem kleinen Teil auf h\u00f6here Anforderungen im Bereich Tierhaltung und \u00d6kologie zur\u00fcckf\u00fchren. In der Fleischwirtschaft fallen die hohen Futtermittelpreise ins Gewicht, die in der Schweinemast \u00fcber 40% und in der Gefl\u00fcgelmast gar gegen 60% der gesamten Produktionskosten ausmachen. Futtergetreide ist in der Schweiz bis zu dreimal teurer als in der EU. Coop fordert deshalb eine deutliche Reduktion der Zollzuschl\u00e4ge auf Futtermittel als wichtigsten und kurzfristig wirksamen Hebel zur Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit. H\u00f6here Kosten fallen zudem bei Geb\u00e4uden, Tierarzneimitteln, D\u00fcnger und Maschinen an. Es ist zu erwarten, dass die Zulassung von Parallelimporten einen entscheidenden Beitrag zur Kostensenkung leisten wird. \u00a0Auch auf Stufe Handel und Verarbeitung fallen &#8211; trotz Strukturanpassung &#8211; h\u00f6here Kosten an, die sich durch weniger weit gehende Spezialisierung, tiefere Skaleneffekte und teilweise tiefe Auslastungsgrade erkl\u00e4ren lassen. Dazu kommen die negativen Auswirkungen der seit 2005 schrittweise und gegen den Willen der Branche eingef\u00fchrten Versteigerung von Zollkontingenten. Sie zeigen, dass ohne klare politische Rahmenbedingungen Investitionen in der Landwirtschaft und in der Verarbeitung gef\u00e4hrdet sind. Wir sch\u00e4tzen, dass dadurch in den n\u00e4chsten Jahren Investitionen in der Lebensmittelverarbeitung von rund 300 Mio. Franken nicht get\u00e4tigt werden. Sie w\u00e4ren notwendig, um auch in Zukunft wettbewerbsf\u00e4hig zu sein und den Absatz der landwirtschaftlichen Produktion zu sichern. \u00a0Coop spricht sich deshalb strikt gegen jede weitere Versteigerung von Zollkontingenten aus, weil labile Marktgleichgewichte gef\u00e4hrdet werden und der Verarbeitung zugunsten der Bundeskasse Gelder entzogen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Leitbild f\u00fcr die Schweizer Agrarwirtschaft konsequent umsetzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nCoop steht \u00fcberzeugt hinter dem Leitbild f\u00fcr die Schweizer Agrarwirtschaft, wie es die Beratende Kommission Landwirtschaft im Hinblick auf die AP 2011 erarbeitet hat. Das Leitbild entwirft das Bild einer innovativen, konsequent auf hohe Wertsch\u00f6pfung ausgerichteten, offenen Agrarwirtschaft, welche die nat\u00fcrlichen Ressourcen nachhaltig nutzt und sich durch partnerschaftliche Zusammenarbeit und hohe Qualit\u00e4t auf allen Stufen auszeichnet. Die AP 2011 ist in vielen Teilen eine notwendige Voraussetzung f\u00fcr die Umsetzung des Leitbilds. Sie geht aber definitiv zu wenig weit; und es wurde vers\u00e4umt, einen verbindlichen Zeitplan f\u00fcr die geforderte Markt\u00f6ffnung aufzuzeigen. \u00d6sterreich, das bei vergleichbaren nat\u00fcrlichen Voraussetzungen mit wertsch\u00f6pfungsintensiven Produkten den Durchbruch auf dem europ\u00e4ischen Markt geschafft hat, zeigt die Chancen einer solchen Markt\u00f6ffnung auf.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interne Gr\u00fcnde sprechen noch mehr als externe daf\u00fcr, die AP 2011 zu nutzen, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der schweizerischen Agrarwirtschaft insgesamt zu st\u00e4rken. \u00abTime to market\u00bb ist eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg im Markt. 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