{"id":124619,"date":"2006-09-01T12:00:00","date_gmt":"2006-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/09\/fuhrer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:49","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:49","slug":"fuhrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/09\/fuhrer\/","title":{"rendered":"Mehrwert f\u00fcr Mensch, Tier und Natur: Im Bioland Schweiz gibt es nur Sieger"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizer Landwirtschaft braucht neue Perspektiven. Mehr Wettbewerb, der sich \u00fcber tiefe Preise und Massenproduktion definiert, kann und darf nicht die L\u00f6sung sein. Wettbewerbsf\u00e4hig bleiben die Schweizer Bauern nur, wenn sie die Lebensmittel \u00f6kologisch und tiergerecht produzieren. Klar, dass solche qualitativ hoch stehenden Lebensmittel mehr kosten m\u00fcssen. Aus Sicht von Bio Suisse bleibt deshalb die Vision ein \u00abBioland Schweiz\u00bb und somit auch eine gentechnikfreie Landwirtschaft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nB\u00e4uerinnen und Bauern sowie Politiker und Verbandsmitglieder stehen unter einem grossen Druck und m\u00fcssen mit verschiedenen Sachzw\u00e4ngen umgehen. Denn nicht sie alleine entscheiden, welche Politik verfolgt wird und wie die Landwirtschaft der Zukunft aussieht. Die Aussenhandelspolitik hat genauso ihren Einfluss wie innenpolitische Faktoren. Das macht aus der schweizerischen Agrarpolitik eine h\u00f6chst komplexe Angelegenheit. Klar ist: Der Wandel ist in vollem Gange.\u00a0Alle Beteiligten haben unterschiedliche M\u00f6glichkeiten, mit diesem Wandel umzugehen. Der Einfluss jedes einzelnen Bauern und jeder einzelnen B\u00e4uerin ist nicht sehr gross. Er beschr\u00e4nkt sich auf den eigenen Betrieb. Bauern k\u00f6nnen auf einen politischen Entscheid ihre Betriebskonzepte nicht von heute auf morgen \u00e4ndern. Ich weiss jedoch aus eigener Erfahrung, dass sich viele Bauernfamilien mit grosser Flexibili\u00e4t und einem enormen Innovationsgeist den Herausforderungen stellen.\u00a0Das Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft (BLW) beugt sich stark dem aussenpolitischen Druck. Die AP 2002 des Bundes orientierte sich an den Zielen \u00abmehr Markt und mehr \u00d6kologie\u00bb. Bio Suisse unterst\u00fctzte diese Stossrichtung ohne Wenn und Aber. Die Ausrichtung der AP 2007 wurde dann in \u00abmehr Markt mit gleich bleibender \u00d6kologie\u00bb abgeschw\u00e4cht. Und die AP 2011 begn\u00fcgt sich mit der Forderung nach \u00abmehr Wettbewerb\u00bb. Nach wie vor entspricht die schweizerische Agrarpolitik dem Giesskannenprinzip ohne relevante Steuerungsmechanismen.&#13;<\/p>\n<h2>Vision Bioland Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBio Suisse gibt sich damit nicht zufrie-den. Zu gross ist die Gefahr, diesen Wettbewerb \u00fcber Massenproduktion und tiefe Preise auszutragen. Dabei sind Verlierer vorprogrammiert. Wettbewerbsf\u00e4hig bleiben die Schweizer Bauern nur, wenn sie die Lebensmittel \u00f6kologisch und tiergerecht produzieren. Unsere Vision ist deshalb ein Bioland Schweiz, d.h. eine m\u00f6glichst gesamtschweizerische biologische und gentechnikfreie Landwirtschaft:\u00a0&#8211; Eine gesamtschweizerische Biolandwirtschaft reduziert die negativen Externalit\u00e4ten (externen Kosten) und f\u00fchrt zu positiven \u00f6konomischen Effekten. Die Kosten der Umweltbelastung aus landwirtschaftlicher Produktion sind aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht tragbar.\u00a0&#8211; Geringere CO2-Emissionen reduzieren die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels.\u00a0&#8211; Die biologische Landwirtschaft gew\u00e4hrleistet eine Vielfalt an einheimischer Flora, Fauna und Landschaftstypen.\u00a0&#8211; Die biologische Landwirtschaft ben\u00f6tigt einen h\u00f6heren Arbeitskr\u00e4fteeinsatz und schafft somit Arbeitspl\u00e4tze.\u00a0&#8211; Viele Biobetriebe bieten heute die M\u00f6glichkeit gesch\u00fctzter Arbeitspl\u00e4tze an.\u00a0&#8211; Der Nutzen f\u00fcr den Tourismus ist unbestritten.&#13;<\/p>\n<h2>\u00abSwissness\u00bb mit echtem Inhalt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Umsetzung dieser Vision ist nur \u00fcber den Markt und die Direktzahlungen m\u00f6glich. Mit einer klaren Positionierung der Bioprodukte k\u00f6nnen wir einen respektablen Mehrwert erzielen. Eine k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte Studie des Institutes f\u00fcr Marketing und Handel der Universit\u00e4t St. Gallen zeigt, dass die Konsumenten in der Schweiz bereit sind, f\u00fcr Lebensmittel aus der Region und f\u00fcr nat\u00fcrlich produzierte Lebensmittel mehr zu bezahlen. Im Exportbereich sehe ich auch im Hochpreissegment eine Chance f\u00fcr die Landwirtschaft. Man weiss, dass die Marke \u00abSwissness\u00bb einen um 10% h\u00f6heren Produktepreis erm\u00f6glicht. \u00a0Wohlgemerkt: \u00abSwissness\u00bb ist f\u00fcr Bio Suisse nicht nur eine Verpackung, eine inhaltlose Vermarktung vom heilen Bergwelt-Image. Uns geht es um den wahrhaftigen Inhalt. Dem Anspruch \u00abSchweiz = naturnah\u00bb werden wir nur gerecht, wenn wir nachweislich \u00f6kologisch sind. Dazu braucht es eine glaubw\u00fcrdige biologische Landwirtschaft. Diese erzeugt also im Inland Mehrwert mit Regionalit\u00e4t, mit nat\u00fcrlicher, artgerechter und gentechnikfreier Produktion. Im Ausland f\u00fchren die Stichworte biologisch, artgerecht, gentechnikfrei und \u00abSwissness\u00bb zu einem Mehrwert. In einem Bioland Schweiz kann es deshalb nur Sieger geben &#8211; es ist ein Mehrwert f\u00fcr Mensch, Tier und Natur.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Landwirtschaft braucht neue Perspektiven. Mehr Wettbewerb, der sich \u00fcber tiefe Preise und Massenproduktion definiert, kann und darf nicht die L\u00f6sung sein. Wettbewerbsf\u00e4hig bleiben die Schweizer Bauern nur, wenn sie die Lebensmittel \u00f6kologisch und tiergerecht produzieren. Klar, dass solche qualitativ hoch stehenden Lebensmittel mehr kosten m\u00fcssen. 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