{"id":124629,"date":"2006-09-01T12:00:00","date_gmt":"2006-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/09\/hofreither-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:45","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:45","slug":"hofreither","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/09\/hofreither\/","title":{"rendered":"Anpassungsprozesse der \u00f6sterreichischen Landwirtschaft als Folge des EU-Beitritts"},"content":{"rendered":"<p>Dreissig Jahre nach den ersten Ann\u00e4herungsschritten wurde \u00d6sterreich &#8211; zusammen mit Finnland und Schweden &#8211; 1995 Mitglied der Europ\u00e4ischen Union (EU). Gesamtwirtschaftlich erwartete man Vorteile durch h\u00f6heres Wachstum, mehr Besch\u00e4ftigung und niedrigere Inflation. Im Agrarbereich waren die Einsch\u00e4tzungen zwiesp\u00e4ltig, weil die kurzfristigen Beitrittsprobleme &#8211; prim\u00e4r die Folge von Produktpreisdifferenzen &#8211; die l\u00e4ngerfristigen Vorteile aus dem Zugang zum europ\u00e4ischen Binnenmarkt \u00fcberschatteten. Durch befristete Massnahmen zur Milderung des \u00abBeitrittsschocks\u00bb und langfristige Weichenstellungen in den Bereichen Marktorientierung, Umwelt und l\u00e4ndliche Entwicklung gelang es, den EU-Beitritt erfolgreich zu bew\u00e4ltigen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200609_08_Hofreither_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"245\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Chronologie der Ann\u00e4herung an die EU<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBereits 1961 stellte \u00d6sterreich einen ersten Antrag auf Assoziierungsverhandlungen mit der Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Die 1965 aufgenommenen Verhandlungen m\u00fcndeten 1973 in ein Globalabkommen, welches eine schrittweise Reduktion von Z\u00f6llen und sonstigen Handelshemmnissen vorsah. Im selben Jahr traten spezielle Agrarvereinbarungen in Kraft (\u00abAgrarbriefwechsel\u00bb), die Agrarerzeugnisse von den Zollsenkungsbestimmungen des Globalabkommens ausklammerten.\u00a0Die \u00dcberlegungen in Richtung eines Beitritts zur EWG in den Sechzigerjahren wurden auch von der \u00f6sterreichischen Land- und Forstwirtschaft bef\u00fcrwortet. Die Landwirtschaft k\u00e4mpfte schon damals mit hartn\u00e4ckigen \u00dcbersch\u00fcssen bei Rindfleisch und Milch, die sich auf weitere Produkte ausdehnten. Die EWG-Nachbarl\u00e4nder Deutschland und Italien boten wichtige Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr \u00f6sterreichische Agrarerzeugnisse, die durch Aussenhandelsh\u00fcrden gef\u00e4hrdet waren. Zudem lag damals das Agrarpreisniveau in der Gemeinschaft \u00fcber den \u00f6sterreichischen Inlandspreisen. Als eher kritisch wurde lediglich der Verlust an agrarpolitischem Gestaltungsspielraum im Fall eines Vollbeitritts gesehen.\u00a0Die Ausklammerung der Landwirtschaft aus dem Globalabkommen hatte in den Folgejahren klar negative Folgen f\u00fcr den \u00f6sterreichischen Agrarhandel, dessen Defizit sich von 1,2 Mrd. Schilling (knapp 90 Mio. Euro) im Jahr 1972 bis 1988 auf etwa 13 Mrd. Schilling (950 Mio. Euro) verschlechterte. Die \u00f6sterreichische Landwirtschaft war damit in den fr\u00fchen Neunzigerjahren in einer schwierigen Situation: Einerseits dominierten wenig wettbewerbsf\u00e4hige und institutionell versteinerte Strukturen, anderseits wurde der Export der anfallenden Produktions\u00fcbersch\u00fcsse durch das Wegbrechen der umliegenden Absatzm\u00e4rkte immer schwieriger und kostspieliger.&#13;<\/p>\n<h2>Beitrittsdiskussion zwischen irrelevanten Alternativen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00d6sterreich hatte am 17. Juli 1989 einen Antrag auf Aufnahme in die EU eingebracht. Die Herausforderung nach diesem Schritt bestand darin, die durch das Landwirtschaftsgesetz vorgegebenen Ziele auch unter den grundlegend ver\u00e4nderten Bedingungen einer EU-Mitgliedschaft abzusichern. Dabei war &#8211; zumindest den damit befassten Fachleuten &#8211; klar, dass durch die absehbaren Ergebnisse der Uruguay-Runde auch ohne Beitritt zur EU tief greifende Anpassungsschritte erforderlich werden w\u00fcrden. Gleichzeitig wurde auf den Agrarm\u00e4rkten auch die Ost\u00f6ffnung zunehmend sp\u00fcrbar. Dennoch blieb die Beitrittsdiskussion weit gehend auf den Vergleich zwischen EU-Beitritt und der nicht existierenden Alternative \u00abBeibehaltung des Status quo\u00bb fokussiert.\u00a0Objektiv und l\u00e4ngerfristig betrachtet lag der Schritt in die EU durchaus im Interesse der \u00f6sterreichischen Landwirtschaft. Er stand f\u00fcr die Eingliederung in ein hoch entwickeltes F\u00f6rdersystem, dessen Grundausrichtung mit den Zielsetzungen der \u00f6sterreichischen Landwirtschaftspolitik \u00fcbereinstimmte und das bei wichtigen Produkten durch Interventionssysteme und Quotenregelungen ein akzeptables Sicherheitsnetz bot. Die Integration in den europ\u00e4ischen Binnenmarkt stellte zudem die effizienteste M\u00f6glichkeit dar, die durch das EU-Prinzip der Gemeinschaftspr\u00e4ferenz verursachten Zutrittsh\u00fcrden zu umgehen und so (z.B. durch den Importbedarf Italiens) neue Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr die strukturellen Produktions\u00fcbersch\u00fcsse \u00d6sterreichs zu erschliessen. \u00a0In der Diskussion um das F\u00fcr und Wider eines EU-Beitritts spielten Studien zur Absch\u00e4tzung der zu erwartenden Preis- und Einkommenseffekte eine wichtige Rolle. Berechnungen des \u00d6sterreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts Vgl. Schneider (1993). gelangten zum Ergebnis, dass sich die Endproduktion der \u00f6sterreichischen Landwirtschaft um etwa 10 Mrd. Schilling (ca. 0,75 Mrd. Euro) reduzieren w\u00fcrde und daraus ein R\u00fcckgang des landwirtschaftlichen Sektoreinkommens um etwa 20% zu erwarten w\u00e4re. Neunteufel und Ortner (1989) kamen mit einem Partialmodell zu \u00e4hnlichen Ergebnissen. Eine Modellsimulation von Hofreither (1995) verglich den EU-Beitritt mit den Folgen der f\u00fcr \u00d6sterreich in jedem Fall relevanten Ergebnisse der Uruguay-Runde und zeigte auf, dass die Unterschiede zwischen den beiden Szenarien vergleichsweise gering waren.&#13;<\/p>\n<h2>Strukturanpassungen durch Wettbewerbsdruck<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nR\u00fcckblickend betrachtet lassen sich die Wettbewerbsschw\u00e4chen und Strukturm\u00e4ngel der \u00f6sterreichischen Landwirtschaft vor dem EU-Beitritt auf eine zu starke Binnenorientierung der Agrarpolitik zur\u00fcckf\u00fchren. Dadurch wurden Produktionsleistung und Marktorientierung geschw\u00e4cht sowie die Abh\u00e4ngigkeit von politischen Entscheidungen und \u00f6ffentlichen Transfers erh\u00f6ht.\u00a0Nach Abgabe des Beitrittsantrags wurde damit die Steigerung von Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Marktorientierung vordringlich. In der Urproduktion ging es darum, die verbleibende Zeit f\u00fcr die St\u00e4rkung der Wettbewerbsposition durch Kostensenkungen, Strukturverbesserungen und auch Anpassungen im Qualit\u00e4tsbereich zu nutzen. Im vor- und nachgelagerten Bereich wurden \u00abSektorpl\u00e4ne\u00bb zur Steigerung von Effizienz und Wettbewerbsf\u00e4higkeit entwickelt, die Schlagkraft von Marketingkonzepten und Exportstrategien verbessert sowie gesetzliche Vorschriften angepasst.&#13;<\/p>\n<h2>Beitrittsverhandlungen und befristete Anpassungshilfen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts der prognostizierten Beitrittsfolgen bestand politischer Konsens dar\u00fcber, dass ein EU-Beitritt \u00d6sterreichs im Agrarbereich umfangreiche Anpassungshilfen erforderlich machen w\u00fcrde. \u00d6sterreich trat in den Beitrittsverhandlungen auch f\u00fcr mehrere Jahre umfassende \u00dcbergangsregelungen in Bezug auf die Angleichung der Agrarpreise und die Markt\u00f6ffnung ein.\u00a0Das Ergebnis der Beitrittsverhandlungen im Bereich der nationalen Marktordnungsregelungen ber\u00fccksichtigte weitestgehend die \u00f6sterreichischen Produktionsgegebenheiten (z.B. Milch) und erm\u00f6glichte f\u00fcr einige Produktgruppen (z.B. Mutterk\u00fche, m\u00e4nnliche Rinder, Mutterschafe) sogar zus\u00e4tzliche Entwicklungsm\u00f6glichkeiten. Die Erwartungen eines schrittweisen EU-Beitritts mit l\u00e4ngeren \u00dcbergangszeiten konnten allerdings nicht realisiert werden, weil die Kommission auf einem sofortigen Beitritt beharrte, um das erst vor Kurzem realisierte Binnenmarktkonzept nicht zu gef\u00e4hrden.&#13;<\/p>\n<h2>Degressiver Preisausgleich und Lagerabwertung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie drohenden Einkommenseinbussen durch den sofortigen \u00dcbergang auf die Erzeugerpreise in der EU wurden f\u00fcr vier Jahre durch j\u00e4hrlich sinkende Ausgleichszahlungen an die Produzenten gemildert. Dieser degressive Preisausgleich wurde produktbezogen geleistet und war insgesamt mit 15,9 Mrd. Schilling (1150 Mio. Euro) dotiert, wovon die EU etwa ein Drittel kofinanzierte. Die Auszahlung erfolgte &#8211; je nach Produkt &#8211; als Zuschlag zu EU-Fl\u00e4chenoder St\u00fcckpr\u00e4mien bzw. zum Erzeugerpreis (Milch). \u00a0Die abrupten Preisanpassungen bewirkten zudem proportionale Wertverluste bei gelagerten Agrarprodukten. Der Ausgleich der mehr als 5 Mrd. Schilling (390 Mio. Euro) betragenden Wertminderung bei Getreide, Zucker, Milchprodukten, St\u00e4rke, Obst und Gem\u00fcse wurde ebenfalls seitens der EU mit knapp 2 Mrd. Schilling (145 Mio. Euro) mitfinanziert. \u00a0Im Bereich der einzelbetrieblichen Investitionsf\u00f6rderung wurden die verf\u00fcgbaren Mittel durch EU-Gelder sowie nationale F\u00f6rdermittel auf etwa 2 Mrd. Schilling angehoben. Ziele waren sowohl der Ausgleich einzelbetrieblicher Strukturnachteile als auch die Steigerung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u00f6sterreichischer Betriebe insgesamt. Als Orientierungshilfen dienten die F\u00f6rdersysteme in Bayern und S\u00fcdtirol.&#13;<\/p>\n<h2>Kurz- und mittelfristige Beitrittsfolgen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dem EU-Beitritt sanken die Preise von Agrarg\u00fctern um durchschnittlich 21%. Zum Teil begannen sie bereits im Herbst 1994 zu sinken; einige lagen im Januar 1995 sogar unter den Niveaus der angrenzenden EU-L\u00e4nder. \u00dcberraschenderweise blieb der bef\u00fcrchtete Anstieg der Importe aus der EU weit gehend aus, jedoch zeigten sich auch auf der Ausfuhrseite aufgrund der bestehenden Wettbewerbsschw\u00e4chen vorerst keine markanten Erfolge. Vgl. Schneider (1995). Allerdings war klar, dass der Binnenmarkt sukzessive zu einem st\u00e4rkeren Warenaustausch mit der EU f\u00fchren und das Ausmass der Verbesserung der heimischen Wettbewerbsf\u00e4higkeit dabei den Handelssaldo bestimmen w\u00fcrde. \u00a0Die beitrittsbedingten Preissenkungen f\u00fchrten 1995 zu einem markanten R\u00fcckgang des landwirtschaftlichen Produktionswerts &#8211; gem\u00e4ss Eurostat &#8211; um 20%. Die Bruttowertsch\u00f6pfung der \u00f6sterreichischen Landwirtschaft zu Erzeugerpreisen sank um etwa 33%. Nur durch eine massive Ausweitung der Direktzahlungen um etwa 250% auf 24,7 Mrd. Schilling (1,8 Mrd. Euro) konnte ein Einbruch der landwirtschaftlichen Einkommen verhindert werden. Als Folge einer Abwanderung von 2,4% ergab sich im ersten Jahr der EU-Mitgliedschaft sogar eine Steigerung der Pro-Kopf-Einkommen um 5%. \u00a0Auf der Konsumentenseite wurden die hoch gesteckten Erwartungen an den EU-Beitritt nicht erf\u00fcllt: Nahrungsmittel und Getr\u00e4nke wurden zwar zwischen Oktober 1994 und M\u00e4rz 1995 um etwa 2,5% billiger, was jedoch unter den rechnerisch erwarteten Preissenkungen lag. Eine Gegen\u00fcberstellung der \u00c4nderung von Einzelhandelspreisen und Rohstoffkosten zeigt, dass die eingetretenen Kostensenkungen nur zum Teil an die Verbraucher weitergegeben worden sind. Vgl. Schneider (1995). \u00a0Die folgenden Jahre waren auf der Einkommensseite prim\u00e4r durch den geplanten R\u00fcckgang der degressiven Ausgleichszahlungen gepr\u00e4gt. Interessanterweise setzte ab1996 ein ausgepr\u00e4gter Investitionsboom ein, dessen Ursachen in der Liquidit\u00e4tszufuhr durch die erstmals im Dezember 1995 ausbezahlten \u00f6ffentlichen Beihilfen sowie den im Rahmen der EU-Strukturpolitik gesetzten speziellen &#8211; und zum Teil zeitlich befristeten &#8211; Investitionsf\u00f6rderprogrammen lagen. \u00a0Parallel dazu begann auch die Abwanderung aus der Landwirtschaft markant zu sinken und erreichte Werte, die seit Jahrzehnten nicht mehr beobachtet worden waren (siehe Grafik 1). Die Landwirte hatten offensichtlich begonnen, die durch den EU-Beitritt bewirkten Herausforderungen im Hinblick auf Strukturanpassungen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Marktausrichtung anzunehmen. Die Entwicklung der Faktoreinkommen in der Landwirtschaft &#8211; pro Kopf in Jahresarbeitseinheiten (JAE) &#8211; spiegelt sowohl die tempor\u00e4ren Beitrittsmassnahmen, die Abwanderungsraten als auch die Bruttowertsch\u00f6pfung wider (siehe Grafik 2). \u00a0Sp\u00e4testens mit dem Auslaufen der agrarpolitischen Begleitmassnahmen 1998 stellte sich eine neue Normalit\u00e4t unter EU-Bedingungen ein, in der das Anpassungsverhalten der landwirtschaftlichen Betriebe an die Marktgegebenheiten zum bestimmenden Element wurde. Das zeigt sich auch im agrarischen Aussenhandel: Zwischen 1995 und 2004 stiegen die Exporte von Agrarwaren um etwa 200%, die Importe jedoch lediglich um etwa 80%, womit sich das agrarische Aussenhandelsdefizit von etwa 1,1 Mrd. Euro im Beitrittsjahr auf eine negative Null reduzierte.&#13;<\/p>\n<h2>Schwerpunkte der Weiterentwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00d6sterreich hatte bereits in den Jahren vor dem EU-Beitritt Umweltanliegen verst\u00e4rkt zu ber\u00fccksichtigen gesucht. Auf der Basis der \u00abflankierenden Massnahmen\u00bb der MacSharry-Reform konzipierte \u00d6sterreich in kurzer Zeit ein umfassendes Agrarumweltprogramm. \u00d6sterreichisches Programm zur F\u00f6rderung einer umweltgerechten, extensiven und den nat\u00fcrlichen Lebensraum sch\u00fctzenden Landwirtschaft (\u00d6pul). Insgesamt war dieses Programm mit 5,5 Mrd. Schilling (400 Mio. Euro) dotiert, was gegen\u00fcber der Zeit vor der EU-Mitgliedschaft eine Verdreifachung der agrarischen Umweltf\u00f6rderung bedeutete. Kennzeichen des neuen Umweltprogramms waren seine Detailliertheit und die sehr hohen Partizipationsraten. \u00a0Im Bereich Bergbauernf\u00f6rderung und sonstige benachteiligte Gebiete konnten die vor dem Beitritt gew\u00e4hrten Direktzahlungen um etwa 50% auf 3 Mrd. Schilling (220 Mio Euro) aufgestockt werden. Zus\u00e4tzlich wurden etwa 50000 Betriebe aufgenommen, die bisher nicht f\u00fcr diese Form der Unterst\u00fctzung qualifiziert waren (\u00abZone-0-Betriebe\u00bb). Bez\u00fcglich der Abgrenzung benachteiligter Gebiete wurde \u00d6sterreich zugestanden, jene Kriterien anderer EU-Mitgliedsstaaten mit alpinen Zonen zu \u00fcbernehmen, die am besten den \u00f6sterreichischen Bed\u00fcrfnissen Rechnung trugen, sowie auf zehn Jahre befristet das bisherige \u00f6sterreichische System dann weiterzuf\u00fchren, wenn es gegen\u00fcber der EU-Ausgleichszulage g\u00fcnstiger war (Wahrungsregelung). \u00a0Zum Zeitpunkt des Beitritts \u00d6sterreichs befand sich die EU in der Strukturfondsperiode 1994-1999. F\u00fcr die Landwirtschaft waren dabei besonders die Ziele 1 (Regionen mit Entwicklungsr\u00fcckstand) sowie 5a (Anpassung der Agrarstrukturen) und 5b (Entwicklung der l\u00e4ndlichen Gebiete) von Relevanz. In Summe wurden in dieser Periode \u00fcber die Strukturfonds in \u00d6sterreich etwa 4,4 Mrd. Euro verausgabt, wovon die EU durchschnittlich 37% kofinanzierte. Die gr\u00f6ssten Anteile entfielen auf die durch die Ziele 5a und 5b abgedeckten Bereiche. Seit 2000 werden die verschiedenen Massnahmen f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum in einem Programm zusammengefasst. Der Anteil dieser \u00abzweiten S\u00e4ule\u00bb am \u00f6sterreichischen Agrarbudget liegt etwa beim Doppelten des EU-Durchschnitts von 19%, inklusive aller nationalen Mittel sogar bei 64%. L\u00e4ndliche Entwicklung wurde damit zum klar dominierenden Politiksegment nach dem EU-Beitritt.&#13;<\/p>\n<h2>Was wurde erreicht?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie \u00f6sterreichischen Landwirte standen einem EU-Beitritt anfangs skeptisch gegen\u00fcber. Durch einen geschickten Interessenausgleich mit anderen politischen Gruppen vor dem Beitritt gelang es, die drohenden Einkommensr\u00fcckg\u00e4nge \u00fcber grossz\u00fcgige Ausgleichs- und Anpassungshilfen zu verhindern. \u00d6sterreichs Landwirte haben die Herausforderungen einer EU-Mitgliedschaft aber auch selbst rasch angenommen, wof\u00fcr zumindest drei Indizien sprechen: \u00a0&#8211; der mit 1996 in der \u00f6sterreichischen Landwirtschaft einsetzende Investitionsboom;\u00a0&#8211; die im historischen Vergleich sehr niedrige Abwanderungsrate;\u00a0&#8211; die deutliche Verbesserung des agrarischen Aussenhandelssaldos. \u00a0\u00a0Zus\u00e4tzlich trugen die politischen Schwerpunktbildungen bei Agrarumweltprogrammen und in der l\u00e4ndlichen Entwicklung dazu bei, den EU-Beitritt erfolgreich zu bew\u00e4ltigen. Mit dem EU-Beitritt hat die \u00f6sterreichische Landwirtschaft an Marktorientierung gewonnen und ist damit besser in der Lage, die Herausforderungen zunehmend deregulierter Agrarm\u00e4rkte erfolgreich zu meistern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abLandwirtschaftlicher Arbeitseinsatz und Abwanderungsrate, 1993-2005\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abWertsch\u00f6pfungstrends, 1993-2005 Index 1993 = 100\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1 \u00abPreisdifferenzen zwischen Deutschland und \u00d6sterreich, 1991\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Literatur<\/b>&#13;<br \/>\n&#8211; Hofreither, M. F., Gatt versus EU Membership. The impact on the Agricultural Sector in Austria, in: Breuss, F. (Hrsg.): The World Economy after the Uruguay Round. Wien (Service Fachverlag), 1995, S. 339-366.- Neunteufel, M. und Ortner, K.M., Auswirkungen eines EG-Beitrittes auf die \u00f6sterreichische Landwirtschaft. Schriftenreihe der Bundesanstalt f\u00fcr Agrarwirtschaft, Nr. 54, Wien, 1989.- Schneider, M., EG-Binnenmarkt als Herausforderung f\u00fcr \u00d6sterreichs Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, Studie des \u00d6sterreichischen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Land- und Forstwirtschaft, Wien, Juni 1993. &#8211; Schneider, M., Bilanz der ersten Erfahrungen mit der Gemeinsamen Agrarpolitik, Wifo-Monatsberichte, 5\/1995, S. 333-338.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dreissig Jahre nach den ersten Ann\u00e4herungsschritten wurde \u00d6sterreich &#8211; zusammen mit Finnland und Schweden &#8211; 1995 Mitglied der Europ\u00e4ischen Union (EU). Gesamtwirtschaftlich erwartete man Vorteile durch h\u00f6heres Wachstum, mehr Besch\u00e4ftigung und niedrigere Inflation. 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