{"id":124639,"date":"2006-09-01T12:00:00","date_gmt":"2006-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/09\/juen-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:47:03","modified_gmt":"2023-08-23T21:47:03","slug":"juen-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/09\/juen-7\/","title":{"rendered":"Hotellerie und Landwirtschaft &#8211; eine Schicksalsgemeinschaft&nbsp;?"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Agrarpolitik 2011 werden die in den Neunzigerjahren eingeleiteten Reformanstrengungen in der Landwirtschaft fortgef\u00fchrt. Die Anpassungen sollten aber &#8211; bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Sozialvertr\u00e4glichkeit &#8211; entschieden konsequenter erfolgen. Die Verhandlungen im Rahmen der WTO stehen unter einem ungl\u00fccklichen Stern. Vorst\u00f6sse auf bilateraler Ebene zur \u00d6ffnung der Grenzen sind deshalb von grosser Bedeutung. Leider konnte die M\u00f6glichkeit eines Freihandelsabkommens mit den USA nicht genutzt werden. Umso wichtiger ist nun ein solcher Vorstoss im Agrar- und Lebensmittelbereich auf EU-Ebene.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLandwirtschaft und Tourismus sind zwei wirtschaftlich eng miteinander verbundene Sektoren. Gerade in Randregionen stiften sie einen bedeutenden regionalwirtschaftlichen Nutzen. Dennoch prallen mit der Hotellerie &#8211; der Leitbranche des Tourismus &#8211; und der Landwirtschaft zwei h\u00f6chst ungleiche Branchen aufeinander: auf der einen Seite die hoch subventionierte und vom Weltmarkt abgeschottete Landwirtschaft, auf der anderen Seite der im internationalen Konkurrenzkampf stehende Tourismus als standortgebundene Exportbranche. Wie die Landwirtschaft durchl\u00e4uft auch die Schweizer Hotellerie seit Jahren einen notwendigen und teils schmerzhaften Strukturanpassungsprozess. Seit 35 Jahren geht die Zahl der Hotelbetriebe im Durchschnitt j\u00e4hrlich um 1% zur\u00fcck.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Preise schaden der Hotellerie und der Landwirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Hotellerie ist in der Wertsch\u00f6pfungskette eine der Landwirtschaft nachgelagerte Branche. Sie ist deshalb von den hohen Preisen, die f\u00fcr landwirtschaftliche Produkte bezahlt werden m\u00fcssen, direkt betroffen. Ein durchschnittliches Schweizer Hotel gibt f\u00fcr Nahrungsmittel zwischen 30% und 60% mehr aus als ein vergleichbarer Betrieb in \u00d6sterreich. Untersuchungen von Avenir Suisse haben ergeben, dass die Nahrungsmittel, die der gastgewerbliche Sektor bezieht, im europ\u00e4ischen Ausland rund 2 Mrd. Franken g\u00fcnstiger bezogen werden k\u00f6nnten. \u00a0Unter den hohen Kosten leidet aber auch die Landwirtschaft. Sie muss Vorleistungen wie Futtermittel und Maschinen im Vergleich zur EU zu \u00fcberh\u00f6hten Preisen beziehen. W\u00e4hrend sich allerdings die Produktionsmittelpreise seit Mitte der Neunzigerjahre nur geringf\u00fcgig ver\u00e4ndert haben, ist die Spanne zwischen Produzenten- und Konsumentenpreisen in der gleichen Zeitperiode stetig gestiegen. Dies sind Hinweise f\u00fcr Marktstrukturen, die schlecht funktionieren oder am Funktionieren gehindert werden. \u00a0Der Tourismus als einzige standortgebundene Exportindustrie ist von der Diskrepanz zwischen tiefen internationalen Preisen und hohen inl\u00e4ndischen Produktionskosten besonders stark betroffen. Der internationale touristische Konkurrenzkampf f\u00fchrt dazu, dass l\u00e4ngerfristig nur wettbewerbsf\u00e4hige und -willige Betriebe \u00fcberleben k\u00f6nnen. Oberste Priorit\u00e4t hat dabei die Qualit\u00e4t. Nur durch Produkte und Dienstleistungen, die den heutigen Kundenbed\u00fcrfnissen entsprechen, k\u00f6nnen sich der Tourismus im Allgemeinen und die Hotellerie im Speziellen von internationalen Konkurrenten abheben und das h\u00f6here Preisniveau im Markt durchsetzen. \u00a0Die verst\u00e4rkte internationale Konkurrenz zwingt auch die Landwirtschaft, ihre Strukturen und Produkte anzupassen. Wie das Beispiel der \u00f6sterreichischen Landwirtschaft zeigt, kann verst\u00e4rkter Wettbewerb durchaus befruchtend sein. Qualit\u00e4t und Innovation sind auch hier richtungweisend. Durch die Ausn\u00fctzung von Nischen und die Konzentration auf Qualit\u00e4tserzeugnisse kann die Landwirtschaft international gefragte und marktf\u00e4hige Produkte anbieten. Die Schweiz hat mit der \u00d6ffnung des K\u00e4semarktes mit der EU einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Weitere m\u00fcssen folgen.&#13;<\/p>\n<h2>Zukunftsperspektiven<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeder die Landwirtschaft noch der Tourismus k\u00f6nnen sich dem verst\u00e4rkten internationalen Wettbewerb entziehen. Dabei d\u00fcrfen nicht nur die Gefahren, sondern es m\u00fcssen auch die Chancen, die sich durch den Abbau von protektionistischen Schranken bieten, gesehen werden. Staatliche Unterst\u00fctzungen unterbinden oft Eigeninitiativen und wirken den Marktmechanismen entgegen. Der Abbau von Subventionen und die \u00d6ffnung der Grenzen wird unternehmerisches Handeln f\u00f6rdern. \u00a0Damit Eigeninitiativen auf fruchtbaren Boden stossen, m\u00fcssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Im Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz sind deshalb entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Neben der Zulassung von Parallelimporten f\u00fcr G\u00fcter, die den Marktmechanismen unterworfen sind, der Anwendung des Cassis-de-Dijon-Prinzips und dem damit zusammenh\u00e4ngenden Abbau von technischen Handelshemmnissen gilt es auch, den landwirtschaftlichen Sektor entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette zu liberalisieren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Agrarpolitik 2011 werden die in den Neunzigerjahren eingeleiteten Reformanstrengungen in der Landwirtschaft fortgef\u00fchrt. Die Anpassungen sollten aber &#8211; bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Sozialvertr\u00e4glichkeit &#8211; entschieden konsequenter erfolgen. Die Verhandlungen im Rahmen der WTO stehen unter einem ungl\u00fccklichen Stern. Vorst\u00f6sse auf bilateraler Ebene zur \u00d6ffnung der Grenzen sind deshalb von grosser Bedeutung. Leider [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2860,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[],"post_content_subject":[126],"acf":{"seco_author":2860,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"CEO Hotelleriesuisse, Bern","seco_author_post_occupation_fr":"CEO Hotelleriesuisse, Berne","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":124642,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"9331","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55d71dba1517b"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124639"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2860"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124639"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124639\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128384,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124639\/revisions\/128384"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2860"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=124639"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=124639"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=124639"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=124639"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=124639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}