{"id":124644,"date":"2006-09-01T12:00:00","date_gmt":"2006-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/09\/knuesel-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:48","slug":"knuesel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/09\/knuesel\/","title":{"rendered":"Ohne Industrie keine produzierende Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Eine produzierende Landwirtschaft ist auf Verarbeitungskapazit\u00e4ten &#8211; sprich: die Nahrungsmittelindustrie &#8211; angewiesen. Die schweizerische Nahrungsmittelindustrie mit ihren rund 80000 Arbeitspl\u00e4tzen fordert Planungssicherheit und langfristige Perspektiven, EU-kompatible Rahmenbedingungen, Entwicklungspotenzial und M\u00f6glichkeiten zur Kostensenkung. Werden in diesen vier Anspruchskategorien nicht wesentliche Verbesserungen stattfinden, sind die inl\u00e4ndischen Betriebe gegen\u00fcber ihren EU-Konkurrenten diskriminiert. Diskriminierungen f\u00fchren mittelbis langfristig immer zu einem Abfluss von Investitionen, was verheerend w\u00e4re. In der AP 2011 wird zu wenig unternommen, damit die inl\u00e4ndischen Betriebe ihre Konkurrenzf\u00e4higkeit erhalten und ausbauen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Migros-Industrie &#8211; verwurzelt im Schweizer Markt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Gruppe der Migros-Industrie besteht aus 13 Produktionsbetrieben im Nahrungsmittelbereich und 2 Produktionsbetrieben im Near-Food-Bereich. Im Jahr 2005 erzielten die 15 Betriebe insgesamt einen Umsatz von 4,5 Mrd. Franken. Ganze 93,5% der Produkte wurden in der Schweiz verkauft &#8211; allein 84% \u00fcber die L\u00e4den der Migros. Der Rest im Umfang von 291 Mio. Franken ging an Kunden im Ausland (davon 186 Mio. Fr. Exporte im Food-Bereich). Die Migros-Industrie besch\u00e4ftigte 2005 gegen 10000 Mitarbeitende, wovon rund 9300 im Nahrungsmittelbereich. Neben der Verbesserung der Produktivit\u00e4t wird der Fokus auf Produktinnovation immer wichtiger. J\u00e4hrlich werden etwa 1450 neue Food-Artikel aus der Migros-Industrie ins Sortiment aufgenommen; der Umsatzanteil mit Innovationen in diesem Bereich betr\u00e4gt beachtliche 9%. Innovationen sind nur mit einer aktiven Innovationspolitik m\u00f6glich. Die Migros-Industrie tut dies mit j\u00e4hrlichen Investitionen in Anlagen und Geb\u00e4ude in durchschnittlicher H\u00f6he von 200 Mio. Franken.\u00a0Die Migros ist weltweit einer der wenigen grossen Retailer mit einer eigenen bedeutenden Industrie im Bereich Food und Near Food. Dank dieser konsequenten Eigenmarkenpolitik hat die Migros das beste Preis-\/Leistungs-Verh\u00e4ltnis erzielt, welches zum Erfolg der f\u00fchrenden Dachmarke Migros beigetragen hat. Die Migros-Industrie will auch in Zukunft mit Leistung, Innovation, tiefen Kosten und nachhaltigem Wirken ihre Marktstellung verbessern. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, braucht es Wachstum, damit von den \u00abeconomies of scale\u00bb profitiert werden kann. Werke sind beispielsweise dreischichtig auszulasten. Wachstumspotenziale bestehen im Exportbereich und im Sektor Gastronomie. \u00a0Viele Sektoren der Lebensmittelindustrie sind heute ges\u00e4ttigt und starken Strukturbereinigungsprozessen ausgesetzt. Es herrscht ein Verdr\u00e4ngungsmarkt mit intensivem Margendruck, obwohl die Kostenschere in den letzten Jahren gr\u00f6sser geworden ist (LSVA, Hygiene, Sonderregelungen Schweiz). Der globalisierte Handel mit fortschreitender Arbeitsteilung beschleunigt diese Entwicklungen. Als einzige Branche der Wertsch\u00f6pfungskette ist die Nahrungsmittelindustrie nicht standortgebunden. Bei zunehmender Grenz\u00f6ffnung m\u00fcssen die Betriebe die St\u00e4rken und Chancen ihres Standortes im internationalen Wettbewerb ausspielen k\u00f6nnen.\u00a0F\u00fcr die Schweiz als Produktionsstandort sprechen auch in Zukunft folgende Faktoren: \u00a0&#8211; das duale Bildungssystem mit gut ausgebildeten Berufsleuten;\u00a0&#8211; flexibilisierte Arbeitszeiten in Unternehmen;\u00a0&#8211; hochwertige Rohstoffe der Schweizer Landwirtschaft;\u00a0&#8211; gutes Image f\u00fcr Schweizer Produkte.&#13;<\/p>\n<h2>Grosses Preissenkungspotenzial<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMittelfristig ist die inl\u00e4ndische Nahrungsmittelindustrie auf EU-Rohstoffpreise angewiesen. Deshalb ist f\u00fcr sie die \u00d6ffnung der Produktm\u00e4rkte zentral. Durch das Wegfallen des Grenzschutzes entst\u00fcnde bei den Migros-Industriebetrieben ein Preissenkungspotenzial von rund 450 Mio. Franken, beim gesamtschweizerischen Detailhandel von 2,5-3 Mrd. Franken.\u00a0Nebst dem Rohstoffhandicap sind die Betriebe der Nahrungsmittelbranche durch weitere wettbewerbsfeindliche Rahmenbedingungen benachteiligt. Im Zentrum stehen der Abbau von technischen Handelshemmnissen und die Zulassung von Parallelimporten. Staatliche Regulierungsmassnahmen sind in der Regel immer kostentreibend, wie z.B. Zollformalit\u00e4ten, Bewilligungsverfahren, Bewirtschaftung von Importkontingenten. \u00a0Mit der AP2011 droht die Chance verpasst zu werden, nachhaltige Reformen f\u00fcr inl\u00e4ndische Betriebe durchzusetzen. Noch immer herrscht in Kreisen der Landwirtschaft die Meinung vor, f\u00fcr Agrarprodukte gebe es so etwas wie eine Abnahmegarantie. Dem ist nicht so. F\u00fcr die Industrie haben die n\u00e4chsten vier Jahre n\u00e4mlich eine besondere Relevanz, weil ab dem Jahr 2012 die passive Veredelung liberalisiert wird. Damit sind f\u00fcr die Industrie die Grenzen quasi offen &#8211; inl\u00e4ndische Rohstoffe k\u00f6nnen im angrenzenden Ausland veredelt werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine produzierende Landwirtschaft ist auf Verarbeitungskapazit\u00e4ten &#8211; sprich: die Nahrungsmittelindustrie &#8211; angewiesen. Die schweizerische Nahrungsmittelindustrie mit ihren rund 80000 Arbeitspl\u00e4tzen fordert Planungssicherheit und langfristige Perspektiven, EU-kompatible Rahmenbedingungen, Entwicklungspotenzial und M\u00f6glichkeiten zur Kostensenkung. Werden in diesen vier Anspruchskategorien nicht wesentliche Verbesserungen stattfinden, sind die inl\u00e4ndischen Betriebe gegen\u00fcber ihren EU-Konkurrenten diskriminiert. 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