{"id":124649,"date":"2006-09-01T12:00:00","date_gmt":"2006-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/09\/luethi-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:46:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:46:53","slug":"luethi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/09\/luethi\/","title":{"rendered":"Agrarpolitik &#8211; die Sicht der Milchproduzenten"},"content":{"rendered":"<p>Eine breite \u00d6ffentlichkeit anerkennt den durch die Agrarreform ausgel\u00f6sten Unternehmergeist der Bauern und ihre Bem\u00fchungen, unterschiedliche Erwartungen verschiedenster Anspruchsgruppen unter einen Hut zu bringen und soweit m\u00f6glich zu erf\u00fcllen. Dagegen kritisieren Exponenten aus Politik und Wissenschaft, die Landwirtschaft koste zu viel und sei ineffizient. Sie fordern ein noch h\u00f6heres Reformtempo und die Umlagerung der Bundesmittel in Bereiche mit h\u00f6herer Wertsch\u00f6pfung. Aus Sicht der Milchproduzenten ist die AP 2011 auf die notwendigen Anpassungen der AP 2007 zu beschr\u00e4nken und eine grundlegende \u00dcberpr\u00fcfung der Agrarpolitik einzuleiten, sobald die aussenhandelspolitischen Rahmenbedingungen klarer sind. Eine K\u00fcrzung der Bundesmittel ist umso inakzeptabler, als keine Bereitschaft besteht, den aktuellen Mitteleinsatz auf seine Effizienz hin zu \u00fcberpr\u00fcfen.&#13;<\/p>\n<h2>Unterschiedliche Wahrnehmung der Reformen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie betroffenen Bauern nehmen die Reformen sehr unterschiedlich wahr, und zwar nicht nur aufgrund unterschiedlicher subjektiver Wertvorstellungen. Das Kernst\u00fcck der Agrarreform &#8211; die Entkoppelung von Preis- und Einkommenspolitik und die Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen durch fl\u00e4chenbezogene Direktzahlungen &#8211; hat zu ungleichem Anpassungsdruck auf die Betriebe und zu grossen innerlandwirtschaftlichen Umverteilungen gef\u00fchrt. Produktionsorientierte Betriebe sind st\u00e4rker unter Druck als extensiv produzierende Betriebe, in denen sinkende Preise durch die fl\u00e4chenabh\u00e4ngigen Direktzahlungen ganz oder in grossem Ausmass kompensiert wurden. \u00a0Am st\u00e4rksten betroffen von den bisherigen Reformen sind die Milchproduzenten. Mit der Milchkontingentierung konnte unter der alten Ordnung \u00fcber die produktgebundenen St\u00fctzungen und die daraus resultierenden Preise Einkommen wirksam gesichert werden. Mit der Markt\u00f6ffnung und dem St\u00fctzungsabbau kam die Milchwirtschaft im teuren schweizerischen Kostenumfeld stark unter Druck. Der Strukturwandel bei den Milchbetrieben war in den letzten Jahren doppelt so hoch wie bei den Betrieben insgesamt. Wachstum \u00fcber die Fl\u00e4che f\u00fcr die Milchbetriebe ist stark eingeschr\u00e4nkt, weil die extensive Weiterf\u00fchrung von kleinen und kleinsten Betrieben im Nebenerwerb dank den Direktzahlungen interessant bleibt. Die \u00f6konomische Tretm\u00fchle, die mit jedem Rationalisierungsschritt in den Betrieben den Brotkorb h\u00f6her h\u00e4ngt, frustriert viele Produzenten. Wer investiert und arbeitet gerne mehr, um gleichviel oder weniger zu verdienen? Letztlich werden es wohl nur noch diejenigen sein, die wegen fortgeschrittenem Alter oder mangels Alternativen keine andere Wahl haben. \u00a0Der Druck auf die Milchwirtschaft hat sich auch im nachgelagerten Bereich ausgewirkt. Mit dem Niedergang des gr\u00f6ssten Milchverarbeiters Swiss Dairy Food wurden die industriellen Verarbeitungsstrukturen weit gehend bereinigt. Beim wichtigsten Exportprodukt Emmentaler sind innerhalb weniger Jahre ann\u00e4hernd zwei Drittel der K\u00e4sereien verschwunden. Die Verarbeitungskosten wurden reduziert, die Strukturen schlanker und die Vermarktungsleistungen sind besser. Im Vergleich zu anderen Produktionszweigen ist die Milchproduktion konkurrenzf\u00e4higer geworden. Im magischen Dreieck von \u00d6kologie, \u00d6konomie und Sozialvertr\u00e4glichkeit ist das erste Ziel gr\u00f6sstenteils, das zweite und das dritte aber nicht erreicht worden. Insbesondere wird verkannt, dass Sozialvertr\u00e4glichkeit sehr eng mit dem Tempo des Wandels zusammenh\u00e4ngt.&#13;<\/p>\n<h2>Korrekturbed\u00fcrftige Agrarpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas agrarpolitische Instrumentarium wurde seit Reformbeginn nie grunds\u00e4tzlich auf seine Effizienz bez\u00fcglich der Zielerreichung \u00fcberpr\u00fcft. Mit der AP 2011 h\u00e4lt der Bundesrat am eingeschlagenen Kurs fest und tritt nicht auf die von breiten Kreisen ge\u00e4usserte Kritik ein. Er will sich an den mit Reformen verbundenen Umverteilungswirkungen die Finger nicht verbrennen. Die AP 2011 gibt keine Antwort auf die dr\u00e4ngenden Herausforderungen und l\u00e4sst kein Konzept erkennen, das auf die Oberziele der Agrarpolitik ausgerichtet ist. Der einseitige Abbau der Marktst\u00fctzungen im vorauseilenden Gehorsam zu den internationalen Verpflichtungen ohne Korrekturen bei den Rahmenbedingungen &#8211; insbesondere auch auf der Kostenseite &#8211; macht die Produktion von Nahrungsmitteln in unserem Land immer unrentabler. Mit einer inkoh\u00e4renten, nicht nachvollziehbaren Aussenhandelspolitik (WTO, Freihandelsabkommen) setzt der Bundesrat die Landwirtschaft zus\u00e4tzlich unter Druck. Bei weiter sinkenden Preisen und hohen Kosten soll auch der Zahlungsrahmen reduziert werden. \u00a0Gefragt sind ein besseres Gleichgewicht in der Abgeltung von Produktion und Pflegeleistungen &#8211; insbesondere im Talgebiet &#8211; bei sinkenden Produktepreisen und ein ausgewogeneres Verh\u00e4ltnis in der Behandlung der einzelnen Produktionssektoren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine breite \u00d6ffentlichkeit anerkennt den durch die Agrarreform ausgel\u00f6sten Unternehmergeist der Bauern und ihre Bem\u00fchungen, unterschiedliche Erwartungen verschiedenster Anspruchsgruppen unter einen Hut zu bringen und soweit m\u00f6glich zu erf\u00fcllen. Dagegen kritisieren Exponenten aus Politik und Wissenschaft, die Landwirtschaft koste zu viel und sei ineffizient. Sie fordern ein noch h\u00f6heres Reformtempo und die Umlagerung der Bundesmittel [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2862,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[],"post_content_subject":[126],"acf":{"seco_author":2862,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Direktor Schweizer Milchproduzenten (SMP)","seco_author_post_occupation_fr":"Directeur de la F\u00e9d\u00e9ration des producteurs suisses de lait (PSL)","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":124652,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"9335","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55d71e7becd04"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124649"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2862"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124649"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124649\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128386,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124649\/revisions\/128386"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2862"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124649"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=124649"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=124649"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=124649"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=124649"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=124649"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}