{"id":124694,"date":"2006-07-01T12:00:00","date_gmt":"2006-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/07\/cremers-licht-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:47:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:47:20","slug":"cremers-licht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/07\/cremers-licht\/","title":{"rendered":"Anstieg der Patentanmeldungen &#8211; Fakten und Erkl\u00e4rungsversuche"},"content":{"rendered":"<p>In den meisten L\u00e4ndern wuchsen in den letzten beiden Dekaden die Patentanmeldungen erheblich st\u00e4rker als die T\u00e4tigkeit in Forschung und Entwicklung (F&amp;E). Allerdings sind deutliche Unterschiede zwischen einzelnen L\u00e4ndern festzustellen. F\u00fcr den Anstieg wird in der Literatur eine Vielzahl von Gr\u00fcnden angef\u00fchrt. In den letzten Jahren wurde insbesondere die gestiegene Neigung der Unternehmen hervorgehoben, Erfindungen auch zum Patent anzumelden. Daneben sollte aber nicht vergessen werden, dass Umschichtungen in den F&amp;E-Portfolios, neue Forschungsmethoden und -technologien sowie die verst\u00e4rkte Nutzung externen Wissens zu Effizienzerh\u00f6hungen in der F&amp;E der Unternehmen beitrugen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200607_09_Cremers-Licht_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"263\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den Neunzigerjahren stieg die Anzahl der Patentanmeldungen an allen wichtigen Patent\u00e4mtern stark an. Dies gilt sowohl f\u00fcr die Anmeldungen im jeweiligen Heimatland als auch f\u00fcr Anmeldungen an ausl\u00e4ndischen oder internationalen Patent\u00e4mtern. Wie die Grafik 1 verdeutlicht, fiel der Anstieg jedoch unterschiedlich stark aus. Abgebildet wird Anzahl der Patentanmeldungen am Patentamt der USA sowie die Anzahl der Triadeanmeldungen. Darunter versteht man Erfindungen, die zugleich am japanischen, am europ\u00e4ischen und am US-amerikanischen Patentamt angemeldet werden. Siehe auch Grupp und Schmoch, 1999. Die Anzahl der Anmeldungen am US-Patentamt, die auf Erfinder aus den USA zur\u00fcckgehen, hat sich in den Neunzigerjahren verdoppelt. Triadeanmeldungen mit US-amerikanischen Erfindern stiegen ebenfalls stark an, jedoch nicht mit der gleichen Geschwindigkeit. Noch st\u00e4rker als f\u00fcr die USA erh\u00f6hte sich die Anzahl Triadeanmeldungen von Erfindern aus Deutschland. Jedoch blieben die deutschen Anmeldungen am US-amerikanischen Patentamt hinter der Zunahme der Anmeldungen mit US-Erfindern zur\u00fcck. Die Patentanmeldungen aus Mitgliedsstaaten der EU (exklusive Deutschland) und aus der Schweiz konnten nicht mit den Wachstumsraten der US- und der deutschen Patentanmeldungen mithalten. Der Phase des starken Anstiegs bis 2000 folgte eine Phase geringeren Wachstums.\u00a0Gleichzeitig haben die (inflationsbereinigten) Ausgaben der Wirtschaft f\u00fcr F&amp;E in der ersten H\u00e4lfte der Neunzigerjahre in vielen L\u00e4ndern kaum zugenommen. Viele Untersuchungen weisen auf F&amp;E-Aktivit\u00e4ten als zentralen Input f\u00fcr Erfindungen &#8211; und damit f\u00fcr Patentanmeldungen &#8211; hin. Vgl. Licht und Zoz, 1999. In diesem Zusammenhang wird h\u00e4ufig von steigenden Kosten f\u00fcr F&amp;E berichtet, beispielsweise f\u00fcr neue pharmazeutische Wirkstoffe. Daher sollte ein eher ein st\u00e4rkerer Anstieg der Forschungsausgaben relativ zu den Patenten zu beobachten sein. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall: Das Verh\u00e4ltnis von Patenten und F&amp;E-Aufwendungen ist deutlich angestiegen. \u00a0Daher lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung des Quotienten von Patentanmeldungen und F&amp;E-Ausgaben. Gem\u00e4ss der Logik der von Griliches (1990) entwickelten Erfindungsproduktionsfunktion wird dabei nicht auf die F&amp;E-Ausgaben im Jahr der Priorit\u00e4tsanmeldungen, sondern auf den F&amp;E-Kapitalstock aus dem Vorjahr zur\u00fcckgegriffen. Die Grafik 2 zeigt die Entwicklung dieses Quotienten, der zur besseren Vergleichbarkeit auf ein einheitliches Ausgangsniveau f\u00fcr die L\u00e4nder im Jahr 1991 normiert wurde. Auffallend ist, dass insbesondere die deutschen Unternehmen aus ihren F&amp;E-Aufwendungen heute deutlich mehr Patente herausholen als noch zu Beginn der Neunzigerjahre. Auch in den anderen L\u00e4ndern zeigt sich ein deutlicher, wenn auch schw\u00e4cherer \u00abProduktivit\u00e4tsgewinn\u00bb. Parallel zum nachlassenden Wachstum der Patentanmeldungen in den Jahren nach der Jahrtausendwende kommt die Zunahme des Patente-F&amp;E-Quotienten zum Erliegen. Die geringste Zunahme ist in den EU-15-L\u00e4ndern ohne Deutschland zu verzeichnen.\u00a0Besonders \u00fcberraschend ist, dass die deutschen Unternehmen auch bei Patentanmeldungen in den USA ein st\u00e4rkeres Wachstum als dasjenige der US-Unternehmen aufweisen. Genau diese Zunahme des Patent-F&amp;E-Quotienten der Unternehmen in den USA bez\u00fcglich der Anmeldungen am US-Patentamt war ein wesentlicher Ausl\u00f6ser f\u00fcr die aktuelle Diskussion um die Patentstrategien der Unternehmen. Im Folgenden wollen wir daher auf einige der in dieser Diskussion genannten Erkl\u00e4rungsfaktoren eingehen.&#13;<\/p>\n<h2>Steigende Erfindungsproduktivit\u00e4t oder steigende Patentneigung?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nM\u00f6gliche Ursachen f\u00fcr den starken Anstieg der Patentanmeldungen sowie das Auseinanderklaffen der Entwicklung der Patentanmeldungen und der F&amp;E-T\u00e4tigkeit von Unternehmen lassen sich leichter einordnen und bewerten, wenn man den Zusammenhang in zwei Elemente zerlegt: \u00a0&#8211; Erstens besteht ein Zusammenhang zwischen dem Umfang der F&amp;E-T\u00e4tigkeit und den daraus resultierenden Erfindungen (\u00abErfindungsproduktivit\u00e4t\u00bb).\u00a0&#8211; Zweitens geht es um die Entscheidung der Unternehmen, Erfindungen auch zum Patent anzumelden (\u00abPatentneigung\u00bb). \u00a0\u00a0Beide Elemente k\u00f6nnen sich in Hinblick auf ihren Erkl\u00e4rungsbeitrag f\u00fcr die Ver\u00e4nderung der Patente-F&amp;E-Relation gegenseitig verst\u00e4rken oder abschw\u00e4chen.&#13;<\/p>\n<h2>Patente und der Schutz der Ertr\u00e4ge aus Erfindungst\u00e4tigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nPatente besitzen aus der Sicht der Unternehmen &#8211; dies zeigen empirische Studien &#8211; unter den verschiedenen Instrumenten zum Schutz der Ertr\u00e4ge aus Innovationen (z.B. Geheimhaltung) eine sehr hohe Bedeutung. Dies gilt ungeachtet der Zweifel an der Effektivit\u00e4t von Patenten als Schutzmechanismus. Vgl. f\u00fcr die USA Cohen et al., 2000. Selbst wenn der direkte Schutz der Innovationsertr\u00e4ge durch Patente nur in eingeschr\u00e4nktem Masse gegeben ist, so liegt es nahe zu vermuten, dass neben dem Motiv der Patente als \u00abTauschw\u00e4hrung\u00bb im Rahmen von M&amp;A-Transaktionen Mergers and acquisitions (M&amp;A): Fusionen und \u00dcbernahmen. andere Motive eine Rolle spielen. Der einfachere Zugang zu Patentinformationen und die wachsende Kapazit\u00e4t der Informationsverarbeitung l\u00e4sst jedoch auch die Gefahr eines Wissensabflusses durch die mit der Patentierung verbundene Informationsver\u00f6ffentlichung realer erscheinen. Mit jeder Patentanmeldung ist so die Gefahr eines Wissensabflusses verbunden. Vgl. Horstmann et al. 1985.\u00a0Hussinger (2006) zeigt anhand der Daten der ZEW-Innovationserhebung, dass der Umsatzerfolg mit neuen Produkten enger mit Patenten verkn\u00fcpft ist als mit strategischer Geheimhaltung von Forschungsergebnissen. Dies l\u00e4sst eine h\u00f6here Effektivit\u00e4t von Patenten gegen\u00fcber Geheimhaltung als der wichtigsten Alternative vermuten. In eine \u00e4hnliche Richtung deuten auch die Befragungsergebnisse bei deutschen Unternehmen von Blind et al. (2003), die ebenfalls feststellen, dass die Unternehmen Patente als zentralen Mechanismus zum Schutz von Innovationsertr\u00e4gen ansehen und dass sich deren Bedeutung nach Ansicht der Unternehmen in der zweiten H\u00e4lfte der Neunzigerjahre nochmals deutlich erh\u00f6ht hat. Insbesondere in grossen, sehr patentstarken Unternehmen und in exportierenden Unternehmen war ein solcher Bedeutungsgewinn zu beobachten. Diese Feststellungen sind besonders interessant vor dem Hintergrund, dass Wachstumsimpulse in den Neunzigerjahren in Deutschland prim\u00e4r aus der Auslandsnachfrage resultierten.\u00a0Mit dem Abschluss des Trips-Abkommens im Jahre 1995 erh\u00f6hte sich die Durchsetzbarkeit von Patentrechten in internationalen Raum und in der Folge auch der Anreiz, Erfindungen zum Patent anzumelden. Dies trug ebenso wie internationale Harmonisierung und die Einf\u00fchrung neuer Anmeldeweg zu einer vermehrten Nutzung der internationalen Patentsysteme bei.&#13;<\/p>\n<h2>Patente als zentrales Element der Wettbewerbsstrategie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKortum und Lerner (1999) diskutieren m\u00f6gliche Ursachen f\u00fcr die Patentexplosion in den USA. Ihre erste Hypothese bezieht sich auf die Ver\u00e4nderung der Rechtsgrundlage in den USA und die Schaffung eines zentralen Patentgerichtshofes im Jahr 1982, wodurch die Rechte der Patentinhaber deutlich gest\u00e4rkt wurden. In der Konsequenz sollte daher die Patentneigung der Unternehmen angestiegen sein. Zudem wurde als Folge von Gerichtsurteilen das Feld der Patentierbarkeit deutlich ausgeweitet. Die schrittweise Ausdehnung der Patentierbarkeit umfasste die Genforschung (Diamond vs. Chakrabarty 1980), reine Softwareerfindungen (Diamond vs. Diehr 1981) und computerbasierte Gesch\u00e4ftsmethoden (State Street and ATT vs. Excel 1998). Da jedoch diese Erweiterungen in Europa und Japan bis heute nicht vollst\u00e4ndig nachvollzogen wurden, kann dies kaum als Erkl\u00e4rungsursache f\u00fcr den Anstieg der Triadeanmeldungen herangezogen werden. Auch f\u00fcr die US-Patentanmeldungen l\u00e4sst sich der Anstieg mit der Erweiterung der patentierbaren Technologien kaum erkl\u00e4ren.\u00a0Hall (2005) stellt fest, dass der Anstieg der Patentanmeldungen von US-amerikanischen Unternehmen in nahezu allen Technologiefeldern feststellbar ist, dass jedoch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Industriezweigen vorhanden sind. Damit erscheint der Marktkontext f\u00fcr die Auswirkung der St\u00e4rkung der Rechte der Patentinhaber entscheidend. Die Patentierungsanreize f\u00fcr \u00abNeuank\u00f6mmlinge\u00bb in einer Industrie sind augenscheinlich gestiegen, da sich in den Neunzigerjahren h\u00f6here Patentpr\u00e4mien f\u00fcr diese Gruppe &#8211; im Vergleich zu den etablierten US-Unternehmen &#8211; ergeben haben. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Branchen, in denen Patenten bislang nur eine relativ begrenzte Schutzwirkung zugeschrieben wird und in denen die Produkte h\u00e4ufig auf einer Vielzahl von Einzelerfindung beruhen. Beispiele hierf\u00fcr sind die Elektrotechnik, Elektronik und die Automobilindustrie. Insbesondere in diesen Branchen ist die Gefahr, sich in Patentdickichten zu verirren, besonders hoch. Dagegen beruhen Erfindungen in der (Spezial-)Chemie oder der Pharmaindustrie oft nur auf wenigen Patenten; die Anf\u00e4lligkeit gegen\u00fcber \u00abstrategischen\u00bb Patenten ist dort geringer.\u00a0Am Beispiel der US-Halbleiterindustrie belegen Hall und Ziedonis (2001) den positiven Einfluss der erweiterten Patentierbarkeit von Software auf die Patentneigung in dieser Industrie heraus. Als Motiv dominiert weniger der direkte Effekt von Patenten als Schutzmechanismus zur Sicherung der Ertr\u00e4ge aus eigenen Erfindungen, sondern eher das den Patenten zukommende strategische Potenzial. Die strategische Dimension wird am deutlichsten, wenn ein angemeldetes Patent als Block-Patent genutzt wird, um die Hauptprodukte eines Unternehmens vor \u00e4hnlichen Erfindungen der Wettbewerber zu sch\u00fctzen. In Verhandlungen zu M&amp;A-Transaktionen oder F&amp;E-Kooperationen k\u00f6nnen Patente als strategische Verhandlungsmacht genutzt werden, um die Verhandlungsposition zu st\u00e4rken.\u00a0Bessen und Hunt (2003) beurteilen die Ausweitung der Patentierbarkeit auf reine Softwareerfindungen sehr kritisch. Sie interpretieren die Ergebnisse ihrer \u00f6konometrischen Studie zum Patent-F&amp;E-Verh\u00e4ltnis in der US-Softwareindustrie dahingehend, dass die Ausweitung der Patentierbarkeit nicht zu einer Erh\u00f6hung der Erfindungst\u00e4tigkeit (einem Mehr an F&amp;E-Aufwendungen) in der Softwareindustrie gef\u00fchrt hat, sondern dass dadurch die M\u00f6glichkeit geschaffen wurde, sich mit \u00abTrivialpatenten\u00bb Teile der Ertr\u00e4ge von am Markt erfolgreichen Erfindungen anzueignen. Der Anstieg des Patente-F&amp;E-Quotienten in der Software- und verwandten Industrien w\u00e4re demgem\u00e4ss durch den Anstieg von Trivialpatenten, die auch mit begrenzten eigenen F&amp;E-Anstrengungen \u00aberzeugt\u00bb werden k\u00f6nnen, begr\u00fcndet.\u00a0Lanjouw und Schankerman (2004) untersuchen die Patente-F&amp;E-Relation im Rahmen einer traditionellen Erfindungsproduktionsfunktion. Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Arbeiten ber\u00fccksichtigen sie jedoch die Qualit\u00e4t von Patenten. Dazu entwickeln sie einen Qualit\u00e4tsindex f\u00fcr Patente. Ihre Resultate best\u00e4tigen, dass ein Grossteil der Unterschiede im Patent-F&amp;E-Quotienten durch die unterschiedliche Qualit\u00e4t der Patente bestimmt wird. Auch diese l\u00e4sst vermuten, dass vergleichsweise \u00abgeringwertige\u00bb Patente eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Anstieg des Patent-F&amp;E-Quotienten bieten.&#13;<\/p>\n<h2>Effizienzsteigerungen im F&amp;E-Bereich der Industrie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKortum und Lerner (1999) bieten zwei weitere Erkl\u00e4rungen an: \u00a0&#8211; Ver\u00e4nderte F&amp;E-Strategien f\u00fchrten zu einer Verschiebung von einer mittelfristig orientierten, strategischen Forschung hin zu einer marktorientierten, auf schnellere R\u00fcckfl\u00fcsse abzielenden F&amp;E-T\u00e4tigkeit der Unternehmen. Dadurch k\u00f6nnen &#8211; zumindest vor\u00fcbergehend &#8211; h\u00f6here Erfindungs- und damit Patentzahlen realisiert werden. \u00a0&#8211; Neue Technologien und neue Forschungsmethoden erh\u00f6hen die Effizienz der eingesetzten F&amp;E-Ressourcen.\u00a0Die von Janz et al. (2006) vorgelegten Ergebnisse mit deutschen Unternehmen heben die Bedeutung von F&amp;E-Spillovers hervor. Ein signifikanter Anteil des Anstiegs der Erfindungsproduktivit\u00e4t geht auf die verst\u00e4rkte Nutzung von F&amp;E-Spillovers zur\u00fcck. Die Diskussion um die Globalisierung von F&amp;E l\u00e4sst zudem den R\u00fcckschluss zu, dass diese Spillovers nicht nur auf das nationale Umfeld der forschenden Unternehmen zur\u00fcckgehen, sondern dass auch die Nutzung des im internationalen Umfeld vorhandenen Know-hows die Erfindungsproduktivit\u00e4t gesteigert hat.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erkl\u00e4rung des starken Anstiegs der Patentierungsaktivit\u00e4ten bzw. der Patent-F&amp;E-Relation muss sich auf eine Vielzahl von Erkl\u00e4rungsfaktoren st\u00fctzen. Keine der hier angef\u00fchrten Gr\u00fcnde f\u00fcr den Anstieg der Erfindungsproduktivit\u00e4t oder der Patentneigung reicht f\u00fcr sich genommen aus. Sowohl f\u00fcr einen Anstieg der Effizienz der F&amp;E-Prozesse als auch f\u00fcr einen Anstieg der Patentneigung finden sich empirische Belege. Auch wenn in den letzten Jahren insbesondere strategische Motive diskutiert wurden, sollte nicht vergessen werden, dass Umschichtungen in den F&amp;E-Portfolios, neue Forschungsmethoden und -technologien sowie verst\u00e4rkte Nutzung externen Wissens zu Effizienzerh\u00f6hungen im F&amp;E betrugen und die oft hervorgehobene Kostensteigerung in vielen Bereichen der Industrie \u00fcberkompensiert haben. Die Entwicklung der Anzahl Patentmeldungen hat sich seit 2000 deutlich verlangsamt. Dies k\u00f6nnte indes auf eine Abschw\u00e4chung der weltweiten Konjunktur zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. In diesem Sinne scheint es etwas verfr\u00fcht, von einem Ende der Patentexplosion zu sprechen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abEntwicklung der Patentanmeldungen, 1991-2002 Zuordnungen der Patentanmeldungen gem\u00e4ss Priorit\u00e4tsjahrena, Index 1991=100\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abEntwicklung des Patent-F&amp;E-Quotienten, 1991-2002 Patentanmeldungen dividiert durch F&amp;E-Kapitalstock des Vorjahres, Index 1991=100\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: F&amp;E-Kapitalst\u00f6cke F&amp;E-Kapitalst\u00f6cke ber\u00fccksichtigen sowohl das im laufenden Jahr im Rahmen der F&amp;E-T\u00e4tigkeit der Unternehmen generierte Wissen als auch das bisher akkumulierte Wissen. Dabei wird unterstellt, dass ein Teil des vergangenen Wissens veraltet. In Ermangelung besserer, international vergleichbarer Konzepte werden die F&amp;E-Aufwendungen mit dem Preisindex des Bruttoinlandprodukts inflationsbereinigt. Als Abschreibungsrate f\u00fcr F&amp;E-Kapital wird ein Wert von 25% angenommen. Der Kapitalstock wird gem\u00e4ss der Formel Ft = Ft-1 (1-0,25) + ft berechnet, wobei Ft den Kapitalstock im Jahr t und ft die inflationsbereinigten F&amp;E-Aufwendungen im Jahr t bezeichnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur &#8211; Bessen, J. und R.M. Hunt (2003), An empirical look at software patents, Federal Reserve Bank of Philadelphia Working Paper Nr. 03-17.- Blind, K., J. Edler, R. Frietsch und U. Schmoch (2003), Erfindungen kontra Patente, Studien zum deutschen Innovationssystem (www.technologische-leistungsfaehigkeit.de).- Cohen, W., R. Nelson und J. Walsh (2000), Protecting their Intellectual Assets: Appropriability Conditions and why U.S. Manufacturing Firms Patent or not, NBER Working Paper 7552, Cambridge. &#8211; Griliches, Z. (1990), Patent Statistics as Economic Indicators: A Survey, Journal of Economic Literature 28, S. 1661-1707. &#8211; Grupp, H. und U. Schmoch (1999), Patent Statistics in the Age of Globalisation: New Legal Procedures, New Analytical Methods, New Economic Interpretation, Research Policy 28, S. 377-396. &#8211; Hall, B. H. und R. Ham-Ziedonis (2001), The Patent Paradox Revisited: An Empirical Study of Patenting in the U.S. Semiconductor Industry, 1979-1995, RAND Journal of Economics. 32:1, S. 101-128.- Hall, Bronwyn B. (2005), Exploring the Patent Explosion, Journal of Technology Transfer, 30 1\/2, S. 35-48.- Horstmann, I., G.M. MacDonald, und A. Slivinski (1985), Patents as Information Transfer Mechanisms: To Patent or (Maybe) not to Patent, Journal of Political Economy 93, S. 837-858. &#8211; Hussinger, Katrin (2006) Is Silence Golden? Patents versus Secrecy at the Firm Level, Economics of Innovation and New Technology 15(6), erscheint demn\u00e4chst.- Janz, N., G. Licht und T. Doherr (2006), Innovation Activities and European Patenting of German Firms: A Panel Data Analysis, Mimeo. &#8211; Kortum, S. und J. Lerner (1999), What is Behind the Recent Surge in Patenting?, Research Policy 28, S. 1-22. &#8211; Lanjouw, J.O. und M. Schankerman (2004), Patent Quality and Research Productivity: Measuring Innovation with Multiple Indicators, The Economic Journal 114, S. 441-465. &#8211; Licht, G. und K. Zoz (1998), Patents and R&amp;D, An Econometric Investigation using Applications For German, European and US Patents by German Companies, Annales d&#8217;Economie et de Statistique 49\/50, S. 329-360.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den meisten L\u00e4ndern wuchsen in den letzten beiden Dekaden die Patentanmeldungen erheblich st\u00e4rker als die T\u00e4tigkeit in Forschung und Entwicklung (F&amp;E). Allerdings sind deutliche Unterschiede zwischen einzelnen L\u00e4ndern festzustellen. F\u00fcr den Anstieg wird in der Literatur eine Vielzahl von Gr\u00fcnden angef\u00fchrt. 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