{"id":124774,"date":"2006-06-01T12:00:00","date_gmt":"2006-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/06\/bachmann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:47:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:47:47","slug":"bachmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/06\/bachmann\/","title":{"rendered":"Lasst die Konsumentinnen und Konsumenten vom Wettbewerb profitieren!"},"content":{"rendered":"<p>Will der Detailhandel die Konsumentinnen und Konsumenten bei der Stange halten, muss er die \u00fcberrissenen Preise senken. Die j\u00fcngste Entwicklung &#8211; Preissenkungen, Lancierung eigener Billigprodukte, Einkaufsgemeinschaften &#8211; stimmt positiv. Auch die Politik ist gefordert: Technische Handelshemmnisse und das Verbot von Parallelimporten geh\u00f6ren aufgehoben. Nahezu alle Marktabschottungsmassnahmen wurden von den Unternehmen, die davon profitieren, gefordert &#8211; nicht von den Konsumentenorganisationen. Und die Wirtschaftsvertreter im Parlament unterst\u00fctzen immer noch die Marktabschottung. Doch das Eis scheint gebrochen zu sein!&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit wenigen Monaten k\u00f6nnen wir in der Schweiz zwei \u00abKopien\u00bb des Energy Drinks \u00abRed Bull\u00bb kaufen: Sowohl Migros als auch Coop bieten in ihrer jeweiligen Billiglinie einen mehr oder weniger wie das Original schmeckenden Energy-Drink an &#8211; beide zum Preis von 1.20 Franken. Kein Wunder, sind die Billigprodukte der beiden Grossverteiler zu Rennern geworden. Das \u00abFl\u00fcgel verleihende\u00bb Original kostet hingegen stolze 2 Franken. Dennoch wundert man sich, weshalb Migros und Coop erst 10 Jahre nach der Markteinf\u00fchrung des Originals eigene Energy-Drinks ins Ladenregal stellen.\u00a0Die Antwort ist einfach: Es weht ein neuer Wind im Schweizer Detailhandel. Bereits die Ank\u00fcndigung des Markteintritts der deutschen Discounter Aldi und Lidl hat das Preisbewusstsein der zwei marktbestimmenden Grossverteiler gesch\u00e4rft. Dies beweist, dass bisher kaum Wettbewerb im Detailhandel herrschte und \u00fcber Jahrzehnte ungerechtfertigt hohe Preise von den Konsumentinnen und Konsumenten verlangt wurden.\u00a0Einzelne Preissenkungen f\u00fchren aber noch nicht dazu, dass die Hochpreisinsel Schweiz der Vergangenheit angeh\u00f6rt. Zwischen 10% und 50% bezahlen die Konsumentinnen und Konsumenten mehr f\u00fcr identische Konsumg\u00fcter als im Ausland. Diese Preisdifferenzen lassen sich kaum mit h\u00f6heren L\u00f6hnen, der Kleinr\u00e4umigkeit der Schweiz oder der Qualit\u00e4t und auch nicht prim\u00e4r mit den Z\u00f6llen begr\u00fcnden. Vielmehr mangelt es an Wettbewerb.&#13;<\/p>\n<h2>Politik muss Marktabschottung beenden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs braucht drei zentrale politische Massnahmen, um den Wettbewerb zu beleben: \u00a0&#8211; Als Erstes braucht es die umgehende einseitige Einf\u00fchrung des Cassis-de-Dijon-Prinzips: Zahlreiche Vorschriften und Regulierungen weichen heute von denen im Ausland ab. Schweizer K\u00fchlschr\u00e4nke sind 55 cm breit, die EU-Norm hingegen liegt bei 60 cm. Deutsche Lebensmittel, die \u00abSahne\u00bb enthalten, d\u00fcrfen erst in die Schweiz eingef\u00fchrt werden, wenn sie korrekt schweizerisch mit \u00abRahm\u00bb beschriftet werden. Klar, dass derlei den Import verteuert und verhindert &#8211; und den Wettbewerb einschr\u00e4nkt. G\u00fcter, welche die in der EU g\u00fcltigen Vorschriften erf\u00fcllen, sollen daher ohne Hindernisse in die Schweiz importiert werden d\u00fcrfen. Denn bis auf wenige Ausnahmen ist das EU-Schutzniveau gleich gut; die Abweichungen dienen bloss der Marktabschottung.\u00a0&#8211; Als Zweites braucht es die Zulassung von Parallelimporten patentgesch\u00fctzter G\u00fcter. Zwei Drittel aller Detailhandelsg\u00fcter sind patentgesch\u00fctzt. Gem\u00e4ss eines umstrittenen Bundesgerichtsurteils aus dem Jahr 1999 muss der Detailh\u00e4ndler das patentgesch\u00fctzte Gut beim Alleinimporteur einkaufen. Dieser Alleinimporteur verf\u00fcgt somit \u00fcber ein Importmonopol und kann ungeniert h\u00f6here Preise als im Ausland verlangen. Der Bundesrat m\u00f6chte das Verbot von Parallelimporten gar im Patentgesetz festschreiben. Nun liegt es am Parlament, Parallelimporte zuzulassen &#8211; im Minimum aus den EWR-L\u00e4ndern.\u00a0&#8211; Die dritte Forderung: Die Wettbewerbskommission (Weko) muss Z\u00e4hne zeigen. Insbesondere vertikale Absprachen, mit denen die Hersteller Lieferanten und Detailh\u00e4ndler unter die Fittiche nehmen, m\u00fcssen untersagt werden.&#13;<\/p>\n<h2>K\u00e4mpferische Detailh\u00e4ndler gefordert<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch die Detailh\u00e4ndler selbst m\u00fcssen reagieren. Wer weiterhin die Preise hoch h\u00e4lt und nicht f\u00fcr billigere Einkaufspreise k\u00e4mpft, muss sich nicht wundern, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten \u00abmit den F\u00fcssen\u00bb abstimmen, also im Ausland einkaufen. Erste Anzeichen hin zu k\u00e4mpferischen Detailh\u00e4ndlern sind vorhanden: So hat Coop mit vier europ\u00e4ischen Detailhandelsriesen die Einkaufsgemeinschaft Coopernic gegr\u00fcndet, um gest\u00e4rkt gegen\u00fcber den Herstellern aufzutreten. Die Migros hat &#8211; nach der Arroganz von Ferrero im Milchschnitte-Streit &#8211; die teure Ferrero-Milchschnitte aus dem Sortiment gekippt und eine eigene M-Budget-Milchschnitte lanciert. Denner weigert sich, die Preiserh\u00f6hungen von Nestl\u00e9 bei der neu verpackten Cailler-Schokolade zu akzeptieren. Und eben, billigere Energy-Drinks erobern den Markt &#8211; auf dass auch der Detailhandel selbst einen kr\u00e4ftigen Schluck davon nimmt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Will der Detailhandel die Konsumentinnen und Konsumenten bei der Stange halten, muss er die \u00fcberrissenen Preise senken. Die j\u00fcngste Entwicklung &#8211; Preissenkungen, Lancierung eigener Billigprodukte, Einkaufsgemeinschaften &#8211; stimmt positiv. Auch die Politik ist gefordert: Technische Handelshemmnisse und das Verbot von Parallelimporten geh\u00f6ren aufgehoben. 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