{"id":124779,"date":"2006-06-01T12:00:00","date_gmt":"2006-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/06\/balaster-elias-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:47:31","modified_gmt":"2023-08-23T21:47:31","slug":"balaster-elias","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/06\/balaster-elias\/","title":{"rendered":"Gewandelte Wettbewerbsverh\u00e4ltnisse im Schweizer Detailhandel"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Eintreten von international t\u00e4tigen Ladenketten in den Schweizer Markt hat sich der Wettbewerb deutlich intensiviert. Zuvor war der Detailhandel durch die zwei Grossverteiler gepr\u00e4gt, die ihre Position \u00fcber Neuakquisitionen zus\u00e4tzlich gest\u00e4rkt haben. Im folgenden Beitrag gehen die Autoren den Fragen nach: Wie sch\u00e4tzen die Einkaufsverantwortlichen von Grossverteilern und Detailhandel die neue Konkurrenzlage ein? Mit welchen Strategien begegnen sie dem versch\u00e4rften Preiswettbewerb? Welche Gegenkr\u00e4fte behindern nach wie vor den Wettbewerb im Schweizer Detailhandel? Warum unterbleiben oft Parallelimporte, selbst wenn diese rechtlich m\u00f6glich w\u00e4ren? Und wie verh\u00e4lt es sich mit dem Konsumentenverhalten als preisbestimmender Faktor?<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200606_04_Balaster-Elias_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"252\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Dominanz zweier grosser Detailhandelsketten und die Tatsache, dass beide Firmen in relativ grossem Umfang Produkte der Eigenmarken vertreiben, galten lange Zeit als massgebende Charakteristika des hiesigen Marktes. Sich hinziehende Diskussionen um die Schaffung einer \u00abdritten Kraft\u00bb belegen dies. Entsprechend kritisch gew\u00fcrdigt wurden die Entscheide der Wettbewerbskommission (Weko), die nicht nur den Zusammenschluss von Coop mit Waro, sondern kurz darauf auch noch den Aufkauf von Epa durch Coop zuliess. Parallel dazu erwarb die Migros Globus und sprach offensichtlich ein erhebliches Wort mit beim Aufkauf der Pickpay-Gruppe durch Denner, der langj\u00e4hrigen Nummer 3. \u00a0Mit dem Eintritt von Carrefour, Spar und Aldi sowie dem zu erwartenden Eintritt von Lidl sind nun verst\u00e4rkt international t\u00e4tige Ladenketten im Schweizer Markt pr\u00e4sent. Diese Entwicklung beschr\u00e4nkt sich nicht auf den Lebensmittelhandel, sondern erstreckt sich auch auf den Fachhandel bzw. dessen Konkurrenten. Nach dem Auftreten von Ikea, Conforama, Media Markt und Jumbo sind es neu Obi und Hornbach, die an einer wachsenden Zahl von Standorten in der Schweiz t\u00e4tig sind.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen der neuen Konkurrenzsituation<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer vorliegende Artikel fusst auf strukturierten Interviews, welche die Autoren im vergangenen Herbst mit Einkaufsverantwortlichen von Grossverteilern und Grosshandel gef\u00fchrt haben. Frau Irene Moser und Herrn Christian Brechb\u00fchl danken wir f\u00fcr die Aufzeichnung der Gespr\u00e4che.&#13;<\/p>\n<h3>Preiswirkungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erwartung, dass der Eintritt internationaler Handelsketten den Wettbewerb in der Schweiz intensiviert, wird allgemein best\u00e4tigt, allerdings vorab f\u00fcr das Discountsegment. Gespr\u00e4chspartner von Warenh\u00e4usern halten dies nicht f\u00fcr eine Bedrohung an sich, verzeichnen den zurzeit ver\u00f6ffentlichten Zahlen zufolge aber einen eher schleppenden Gesch\u00e4ftsgang. Die Swiss Retail Federation beklagt u.a. einen R\u00fcckgang der H\u00e4ufigkeit des Einkaufs in den Innenst\u00e4dten bei gleichzeitig deutlich sinkenden Ausgaben je Kunde (vgl. www.swiss-retail.ch, \u00abDownloads\u00bb, \u00abEinkaufen in der Innenstadt: Schlussbericht\u00bb. Langfristig m\u00f6chten sich die Warenh\u00e4user zu Erlebniskaufh\u00e4usern entwickeln, um sich damit vom Segment der Discounter abzuheben.\u00a0Im Food-Bereich, so argumentieren die Befragten, werden die neu eintretenden Firmen die Preise nicht auf ein etwa mit Deutschland vergleichbares Niveau senken k\u00f6nnen, da auch sie in der Schweiz die Lebensmittel aus einheimischer Produktion beziehen m\u00fcssten und der Faktor Agrarpolitik die zentrale Gr\u00f6sse f\u00fcr die Preisunterschiede sei. Berechnungen, die auf den Abgabepreisen der Landwirtschaft einerseits und den Konsumentenpreisen anderseits basieren, zeigen allerdings, dass die Einkommenssicherung f\u00fcr die Landwirtschaft nur beschr\u00e4nkt das Preisniveau im Detailhandel erkl\u00e4rt. So \u00fcberrascht es nur wenig, dass auch der Food-Bereich beste Anschauung f\u00fcr den Wettbewerbs- und Preisdruck liefert, den neue Konkurrenz ausl\u00f6st. Bevor die deutschen Firmen \u00fcberhaupt erste Filialen in der Schweiz er\u00f6ffnet hatten, reagierten die schweizerischen Grossverteiler mit der Einf\u00fchrung von Billiglinien wie \u00abPrix Garantie\u00bb, \u00abBudget\u00bb oder \u00abNo.1\u00bb. Auch auf dem \u00fcbrigen Sortiment wurden Preise gesenkt, wo dies vorher kaum jemand erwartet h\u00e4tte. Vorangegangen war n\u00e4mlich eine Phase, in der man den Kunden mit guter Einkaufsatmosph\u00e4re und speziellen \u00f6kologischen Leistungen eher in das h\u00f6here Preissegment zu f\u00fchren gedachte.&#13;<\/p>\n<h3>Neuorganisation in Einkauf und Vertrieb<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend Coop Einkaufsallianzen mit potenten ausl\u00e4ndischen Partnern sucht, um gemeinsam bei den Lieferanten g\u00fcnstigere Konditionen einhandeln zu k\u00f6nnen, setzt die Migros auf Parallelimporte, mit welchen die Marge der Zwischenh\u00e4ndler in der Schweiz m\u00f6glichst umgangen werden soll. Preisdruck manifestiert sich auch im Bereich der nicht verderblichen Waren. Der M\u00f6belh\u00e4ndler Ikea, der identische Produkte je nach Land zu unterschiedlichen Preisen vertreibt, senkte 2005 die Preise auf seinem Katalog. \u00a0Gest\u00e4rkt wird der Wettbewerb weiter dadurch, dass &#8211; neben Neuerungen im Einkauf &#8211; auch neue Vertriebsformen auftreten. Eine Apotheke im Kanton Solothurn gab mit der Aufnahme des Direktvertriebs von Medikamenten dem Bundesgericht Anlass, das 1996 erlassene Binnenmarktgesetz f\u00fcr einmal offensiv anzuwenden, indem es den neuen Weg zum Kunden sch\u00fctzte. Der Gesetzgeber konnte im Heilmittelgesetz diese \u00d6ffnung dann nur noch in geordnete Bahnen lenken. Ge\u00e4nderte Vertriebsformen &#8211; wie Bestellung \u00fcber das Internet und Versand per Post &#8211; k\u00f6nnten auch im Buchhandel festgeschriebene Verkaufsstrukturen rascher aufbrechen, als es die Wettbewerbspolitik vermag.&#13;<\/p>\n<h2>Gegenkr\u00e4fte zu mehr Wettbewerb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGegenkr\u00e4fte zu mehr Wettbewerb &#8211; und damit auch zu mehr Preisangleichung an das umliegende Ausland &#8211; bleiben nach wie vor wirksam. Nachstehend gehen wir auf Preisabsprachen, Normenprotektionismus, Haftungsfragen und Servicepakete ein.&#13;<\/p>\n<h3>Preisabsprachen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEin offen deklariertes Kartell besteht unseres Wissens heute nur noch im Bereich des Buchhandels. Die Buchpreisbindung in der deutschen Schweiz ist allerdings Gegenstand eines langj\u00e4hrigen Kartellverfahrens. Kollektiv durchgesetzte Rabattordnungen und mit dem Preis\u00fcberwacher abgesprochene Tabellen f\u00fcr die Umrechnung der Preise von Euro in Schweizer Franken w\u00fcrden ein Ende finden, sollte das Urteil der Weko vom 31.3.2005 definitiv rechtskr\u00e4ftig werden. In der Franz\u00f6sisch sprechenden Schweiz wird der Import von B\u00fcchern dagegen in hohem Mass durch 1-2 Firmen kontrolliert, mit der Folge, dass die Preisdifferenzen bei B\u00fcchern zwischen der Romandie und Frankreich prozentual gr\u00f6sser sind als zwischen der Deutschschweiz und Deutschland. Ob diese Differenz auch bei jenen Bestsellern besteht, wo die Fnac die Hachette-Gruppe als Besitzerin der Librairies Payot konkurrenziert, soll hier offen gelassen werden. Konzentration statt Kartell bleibt jedenfalls eine Herausforderung bei griffigerer Ausgestaltung des Wettbewerbsrechts. \u00a0Anlass zu wiederholten Abkl\u00e4rungen der Wettbewerbsbeh\u00f6rde hat der Markt f\u00fcr Sanit\u00e4rinstallationen geliefert; neben andern M\u00e4rkten schimmern auch bei Bauprodukten kartellrechtlich fragw\u00fcrdige Verh\u00e4ltnisse durch. Nach wie vor ist eine Tendenz der Abschottung feststellbar, die durch verbleibende technische Handelshemmnisse gest\u00fctzt wird und mit Folgen f\u00fcr die Preise verbunden ist. Baum\u00e4rkte oder Fachm\u00e4rkte, die zu tieferen Preisen verkaufen m\u00f6chten, werden von einigen schweizerischen Produzenten generell nicht beliefert. Nach Aussagen der Befragten h\u00e4lt sich der Sanit\u00e4r-Fachhandel nach wie vor an die empfohlenen Preise der Produzenten. Der Kunde bezahle dies, weil die Schweiz ein \u00abMieterland\u00bb sei. Die Hausbesitzer gingen davon aus, die Kosten auf die Mieterschaft \u00fcberw\u00e4lzen zu k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h3>Normenprotektionismus<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZwar ist das Technische Recht weit gehend harmonisiert und die Schweizerische Normenvereinigung hat sich \u00fcber ihre Mitgliedschaft in den europ\u00e4ischen Normenorganisationen verpflichtet, Schweizer Normen zur\u00fcckzuziehen, wenn internationale Normen erlassen worden sind. Dennoch besteht ein gewisser Normenprotektionismus fort, z.T. aus schwer ver\u00e4nderlichen historischen Gr\u00fcnden. Zahllose K\u00fcchen wurden \u00fcber Jahrzehnte f\u00fcr K\u00fcchenm\u00f6bel mit der Normbreite 55 cm geplant. Immerhin planen Architekten neue K\u00fcchen nun auch nach dem europ\u00e4ischen Standardmass von 60 cm. \u00a0Im Bereich Bau und Baum\u00e4rkte verteuern noch einige weitere Schweizer Normen viele Produkte. Bei Elektroger\u00e4ten, Armaturen oder \u00d6fen hat der Kunde M\u00fche auszuweichen, will er nicht Stecker \u00e4ndern, Gewinde auswechseln oder riskieren, dass er mit Vorschriften der kantonalen Feuerversicherungen in Konflikt ger\u00e4t. So gilt etwa bei den Armaturen in der Schweiz die Anschlussnorm von 153 mm; hingegen gelten in der EU 150 mm. Eine deutsche Firma produziert Armaturen speziell f\u00fcr den Schweizer Markt. Diese Produktion dauert bloss einen Tag pro Jahr, an dem die Produktionsmaschinen auf die Schweizer Norm umgestellt werden &#8211; eine Partikularit\u00e4t mit entsprechenden Folgen f\u00fcr Preis und Wettbewerbslage.&#13;<\/p>\n<h3>Haftungsfragen und R\u00fcckverfolgbarkeit<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZwar hat das Thema \u00abProdukthaftung\u00bb in der Schweiz niemals jene Bedeutung, die es in den USA hat. Bei Campinggasflaschen wurde aber &#8211; neben dem eben genannten technischen Handelshemmnis &#8211; auch das Haftungsrisiko als Ursache f\u00fcr die beachtliche Preisdifferenz zum Ausland angef\u00fchrt. Statt als Importeur zu haften, bevorzugt der Handel ohne entsprechenden Konkurrenzdruck den Einkauf beim lokalen Hersteller oder autorisierten Vertreter. Eng verwandt mit der Frage der Haftung ist die Frage der R\u00fcckverfolgbarkeit, die heute vermehrt unter Aspekten des Konsumentenschutzes gew\u00fcnscht wird. Allerdings hat sie fragw\u00fcrdige R\u00fcckwirkungen auf den Konsumenten, trifft diese Auflage &#8211; sofern unzweckm\u00e4ssig ausgestaltet &#8211; doch den Parallelimportkanal und nicht den \u00aboffiziellen\u00bb Importeur.&#13;<\/p>\n<h3>Kundenbindung durch Serviceleistungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kundenbindung durch Serviceleistungen hat sich insbesondere in der Autobranche etabliert. Unterschiedliche Servicepakete erschweren Preisvergleiche zwischen den L\u00e4ndern erheblich und wirken so der Preisarbitrage durch Parallelimporte entgegen. Bestimmte Automarken haben auf dem Schweizer Markt teilweise sogar 10 Jahre Garantie (inkl. Service und Ersatzteile) angeboten. Hinzu kommen l\u00e4nderspezifische Ausstattungen, so genannte \u00abSwisslines\u00bb, die dem Bed\u00fcrfnis der Schweizer Kunden nach einer besseren Ausstattung und Qualit\u00e4t entsprechen sollen. Obwohl die Anzahl parallel importierter Fahrzeuge relativ klein geblieben ist, hat eine Preisangleichung an Europa stattgefunden, wenn auch nicht in vollem Ausmass. Dass die Weko mit ihrer Bekanntmachung zu vertikalen Abreden im Personenwagenhandel dem Unterlaufen des Gebotes der Preistransparenz durch Formen von Kuppelgesch\u00e4ften wie den Servicepaketen Grenzen gesetzt hat, bleibt deshalb mit Blick auf die Interessen der Kunden wichtig.&#13;<\/p>\n<h2>Weshalb rechtlich zul\u00e4ssige Parallelimporte unterbleiben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesprochen auf die M\u00f6glichkeit, bei sp\u00fcrbaren Preisdifferenzen zum umgebenden Ausland selber direkt zu importieren, geben die Gespr\u00e4chspartner auf Handelsstufe vorwiegend eine negative Antwort. Die Gr\u00fcnde liegen bei den Grossen im Detailhandel allerdings anderswo als bei den kleineren Einzelh\u00e4ndlern.&#13;<\/p>\n<h2>Situation des Einzelhandels<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKleinere Einzelh\u00e4ndler kaufen selten zum weltweit g\u00fcnstigsten Preis ein. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind &#8211; kumulativ &#8211; die fehlende Transparenz, die fehlende Zeit und die unterentwickelte Einkaufs-Organisation. Entsprechend fest verankert ist die historisch gewachsene Praxis des Wareneinkaufs beim vom Produzenten bezeichneten Importeur. Dieser wird zum \u00aboffiziellen\u00bb Importeur, obwohl keine staatliche Stelle ihm diesen Status verleiht. Die vom Produzenten eingesetzte Schweizer Vertriebsorganisation erledigt alle Formalit\u00e4ten. Auch werden die Produkte bereits in der schweizerischen Version und mit der dem Sprachgebiet entsprechenden Beschriftung geliefert. Dem Einzelhandel fehlt es dagegen oft an der Vertrautheit mit Deklarationsvorschriften, und sie scheuen die Schwierigkeiten am Zoll. Einzelh\u00e4ndler haben zudem regelm\u00e4ssig weder die Lagerkapazit\u00e4ten noch die finanziellen Mittel, um ein gr\u00f6sseres Warenlager zu unterhalten. Dies w\u00e4re aber Voraussetzung f\u00fcr konkurrenzf\u00e4hige Preise, da mit wachsender Bezugsmenge g\u00fcnstiger eingekauft wird. Weiter ist es bei Reklamationen einfacher, wenn der H\u00e4ndler die Produkte an den Vertreter retournieren kann, statt selber die Reparatur organisieren zu m\u00fcssen. Insgesamt erweisen sich Direktimporte f\u00fcr den Einzelh\u00e4ndler heute somit noch als zu umst\u00e4ndlich und zu kostspielig und werden erst in Betracht gezogen, wenn die Preisdifferenzen erheblich sind.&#13;<\/p>\n<h3>Situation des Zwischenhandels<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Angebot des Zwischenh\u00e4ndlers kommt nicht nur den eben beschriebenen Bed\u00fcrfnissen des Einzelhandels entgegen &#8211; wichtig ist auch dessen Logistikangebot: Viele Hersteller m\u00f6chten grosse Mengen an einen H\u00e4ndler verkaufen, der die Feinverteilung \u00fcbernimmt und die Qualit\u00e4t der Beratung sowie die Zuverl\u00e4ssigkeit der Verkaufspunkte garantiert. Da der Generalimporteur oder Grossh\u00e4ndler den Schweizer Markt mit seinen Kundenw\u00fcnschen kennt, kann er dem Produzenten auch Auskunft geben \u00fcber die im jeweiligen Land abzusetzenden Mengen und Chancen neuer Variet\u00e4ten eines Produktes. \u00a0Nicht nur wegen der Direktimportm\u00f6glichkeiten der Einzelh\u00e4ndler ist der Zwischenhandel nicht unbedingt profitabel. Er steht auch in Konkurrenz zu Vertriebsorganisationen, welche die Hersteller spezifisch f\u00fcr ihre eigenen Produkte aufbauen. Im Lichte der neuen Bestimmungen des Kartellgesetzes zu horizontalen Lieferverpflichtungen in selektiven Vertriebssystemen k\u00f6nnten eigene Verkaufsorganisationen als Instrumente der Preisdiskriminierung zu Lasten der Schweizer Kunden sogar noch an Attraktivit\u00e4t gewinnen. Allgemein wird aber erwartet, dass im Zeichen der heute einfachen grenz\u00fcberschreitenden Kommunikation &#8211; auch in Sachen Werbung und Verbrauchsgewohnheiten &#8211; Vertriebsorganisationen zunehmend auf ganz Europa oder zumindest eine Sprachregion ausgerichtet werden.&#13;<\/p>\n<h3>Situation der Grossverteiler<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGrossverteiler sind an sich in einer starken Position gegen\u00fcber den Herstellern. Vgl. hierzu die Ausf\u00fchrungen der Weko in Sachen des Treueprozentes, das Coop unter dem Namen CoopForte einzufordern begann (RPW 2005\/1 S. 146ff.). Umgekehrt ben\u00f6tigen Grossverteiler regelm\u00e4ssig gewisse beim Kunden sehr gut verankerte Produkte zur Vervollst\u00e4ndigung ihres Sortiments. In dieser Situation haben sie M\u00fche, \u00fcber die Drohung mit Parallelimporten den Produzenten unter Druck zu setzen. Zu schwer wiegt das Risiko, mit den ben\u00f6tigten Mengen auf den alternativen Versorgungskan\u00e4len nicht zeitgerecht und sicher genug versorgt zu werden.\u00a0Hohe Preise aufgrund starker Marken sind in einer Marktwirtschaft an sich kein Problem. In einem dynamischen Marktumfeld m\u00fcssen solche Positionen erst errungen und sp\u00e4ter laufend mit Leistung verteidigt werden. Namentlich gilt es, beim Kunden den psychologischen oder allenfalls auch faktischen Zusatznutzen eines Markenproduktes mit Verkaufsanstrengungen (Werbung, Beratung) zu verankern. Die Preisdiskriminierung zu Lasten der hiesigen Kunden kann von den Grossverteilern allerdings auf mindestens zwei Wegen in Schranken gehalten werden: durch Eigenmarken und durch das Eingehen von Einkaufskooperationen.\u00a0Entgegen unseren Erwartungen &#8211; die Harmonisierung des Chemikalienrechts mit der EU erfolgte erst 2005 &#8211; verzeichnete die Schweiz bei einem grenz\u00fcberschreitenden Preisvergleich einen g\u00fcnstigen Preis f\u00fcr Blumend\u00fcnger. Der Grund liegt darin, dass zumindest jener Anbieter, dessen Preis in die Erhebung einging, Mitglied einer europaweiten Einkaufskooperation ist. Grenzen finden die Vorteile von Eigenmarken allerdings in der Gr\u00f6sse des Landes. Wenn mehrere Schweizer Grossverteiler je eine eigene Linie von No-Name-Produkten f\u00fchren, hat dies viele Kleinstauflagen zur Folge, die preislich nicht an die Verh\u00e4ltnisse im deutschen, franz\u00f6sischen oder italienischen Markt heranreichen k\u00f6nnen, wo mit einem Produkt ganz andere Umsatzzahlen zu erzielen sind. Das Eingehen von grenz\u00fcberschreitenden Einkaufskooperationen muss deshalb auch bei Markenartikeln faktisch m\u00f6glich sein. Dies bringt unter anderem das Kartellgesetz ins Spiel.&#13;<\/p>\n<h3>Offene Wirkung des neuen Kartellgesetzes<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den gef\u00fchrten Gespr\u00e4chen wurden die M\u00f6glichkeiten skeptisch eingesch\u00e4tzt, dank dem versch\u00e4rften Wettbewerbsrecht bei Markenartikeln eine Senkung der Preise auf das europ\u00e4ische Niveau herbeizuf\u00fchren. Wohl soll es nach Art. 5 Abs. 4 des Kartellgesetzes (KG) keine absolute territoriale Exklusivit\u00e4t mehr geben, was impliziert, dass sich der Handel in der Schweiz beim Grosshandel im Ausland sollte eindecken k\u00f6nnen. Dies wirft allerdings nicht nur die Frage auf, wie sich eine solche schweizerische Bestimmung gegen\u00fcber Produzenten und H\u00e4ndlern im Ausland durchsetzen l\u00e4sst. Der fragliche Artikel k\u00f6nnte in der Realit\u00e4t auch dadurch ausgehebelt werden, dass die Detailhandelsstufe den Vertrag direkt mit dem Hersteller abschliessen muss, welcher zwecks Fortbestand der Preissegmentierung den bisherigen Alleinimporteur in die Schweiz noch als so genannten \u00abFrachtf\u00fchrer\u00bb einsetzt. Ob und unter welchen genauen Voraussetzungen sich solche Praktiken als Rechtsumgehung zu den Bestimmungen in Sachen \u00abterritoriale Exklusivit\u00e4t\u00bb im KG qualifizieren, wird wohl erst die h\u00f6chstrichterliche Rechtssprechung zeigen.&#13;<\/p>\n<h2>Konsumverhalten als preisbestimmender Faktor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin nicht zu untersch\u00e4tzender, aber in den laufenden Diskussionen um die Erkl\u00e4rung der hohen Preise in der Schweiz wenig beachteter Faktor ist das Verhalten der Konsumenten selber. Statt preisbewusst einzukaufen, wird ein gutes Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis gesucht, wobei einzelne Leistungsaspekte sehr hoch bewertet werden, vermutlich oft deutlich \u00fcber deren direkte Kosten f\u00fcr den Hersteller hinaus. Bei Babynahrung etwa werden in der Schweiz vorwiegend die teuersten Produkte abgesetzt, weil die Eltern glauben, ihren Kindern damit das Beste zu geben. Die Versuche mit Eigenmarken oder mit No-Name-Produkten sind entweder gescheitert oder haben die gew\u00fcnschten Umsatzzahlen nicht erreicht. In Frankreich wird Babynahrung dagegen teilweise wie Sackware angeboten und dennoch gekauft. \u00a0In das gleiche Kapitel geh\u00f6rt auch die in der Schweiz ausgepr\u00e4gte Neigung, Produkte zu kaufen, die eine ethische Verkn\u00fcpfung aufweisen (z.B. Heidilinie der Migros, die der Unterst\u00fctzung der Bergregionen in der Schweiz dient). Mehrmals wurde erw\u00e4hnt, dass die Schweizer h\u00e4ufig emotional kaufen. Mit Schweizer Motiven bedruckte Z\u00fcndh\u00f6lzer eignen sich gut zum Sammeln oder Dekorieren, verteuern aber das eigentliche Produkt erheblich. \u00a0Konsumenten sch\u00e4tzen auch eine gediegene Verkaufsatmosph\u00e4re. Der Offenverkauf von K\u00e4se, Fleisch oder Fisch, der bei Migros und Coop in grossen Stadtgesch\u00e4ften \u00fcblich ist, ist im \u00fcbrigen Europa oft nur in gehobenen Einkaufsgesch\u00e4ften anzutreffen. Die Validit\u00e4t von internationalen Preisvergleichen wird weiter dadurch in Frage gestellt, dass die Aktionst\u00e4tigkeit in der Schweiz am meisten verbreitet ist. Detaillisten in der Schweiz bieten monatlich oder gar w\u00f6chentlich neue verbilligte Aktionen im Stile von \u00ab2 f\u00fcr 1\u00bb an, und eine grosse Anzahl von Kunden stellen ihr Einkaufsverhalten darauf ein. Diese Aktionen haben wenig mit der Entsorgung von Lagerbest\u00e4nden zu tun, sondern sind in erster Linie Ausdruck einer Zweipreisstrategie: ein hoher Preis, der die G\u00fcte des Erzeugnisses signalisiert, und ein tiefer Preis w\u00e4hrend der Aktionen, der auf Umsatz ausgerichtet ist. \u00a0Ausgepr\u00e4gt ist in der Schweiz auch das Bed\u00fcrfnis, Markenartikel zu kaufen. Im Bereich der Unterw\u00e4sche werden die schweizerischen Traditionsmarken immer wieder billigeren No-Name-Produkten vorgezogen, obwohl es kaum mehr Qualit\u00e4ts-, sehr wohl aber Preisunterschiede gibt. Bei mehreren Produkten (Traktoren, Unterhaltungselektronik, PC, Motorroller) ist der Schweizer Konsument gem\u00e4ss den Einkaufschefs auf teure Grundausr\u00fcstung ausgerichtet. Deshalb sind hier die Preisvergleiche teilweise auch nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich. Die in den umliegenden L\u00e4ndern bereits vollgezogene Umstellung der Konsumenten auf Preissensitivit\u00e4t &#8211; sprich auf das Einkaufen billigerer No-Name-Produkte &#8211; steht in der Schweiz offenbar noch bevor. Die Ums\u00e4tze der Markenhersteller werden nach Einsch\u00e4tzung mehrerer Interviewpartner beim versch\u00e4rften Wettbewerbsdruck insk\u00fcnftig allerdings als erste schrumpfen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Eintreten von international t\u00e4tigen Ladenketten in den Schweizer Markt hat sich der Wettbewerb deutlich intensiviert. Zuvor war der Detailhandel durch die zwei Grossverteiler gepr\u00e4gt, die ihre Position \u00fcber Neuakquisitionen zus\u00e4tzlich gest\u00e4rkt haben. Im folgenden Beitrag gehen die Autoren den Fragen nach: Wie sch\u00e4tzen die Einkaufsverantwortlichen von Grossverteilern und Detailhandel die neue Konkurrenzlage ein? 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