{"id":124784,"date":"2006-06-01T12:00:00","date_gmt":"2006-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/06\/bergmann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:47:45","modified_gmt":"2023-08-23T21:47:45","slug":"bergmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/06\/bergmann\/","title":{"rendered":"Regionale Unterschiede von Unternehmensgr\u00fcndungen in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Unternehmensgr\u00fcndungen sind wichtig f\u00fcr den Strukturwandel und die Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze. Auch wenn die direkten Besch\u00e4ftigungseffekte von Unternehmensgr\u00fcndungen begrenzt sind, zeigen verschiedene Untersuchungen, dass Regionen mit einer hohen Gr\u00fcndungsrate langfristig st\u00e4rker wachsen. Unternehmensgr\u00fcndungen st\u00e4rken n\u00e4mlich den Wettbewerb und bringen Innovationen hervor, die auch bestehende Unternehmen zu einer h\u00f6heren Effizienz antreiben. Vor diesem Hintergrund untersucht dieser Beitrag regionale Unterschiede im Gr\u00fcndungsgeschehen in der Schweiz.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200606_17_Bergmann_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"244\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Das GEM-Projekt als Datenbasis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas internationale Forschungsprojekt Global Entrepreneurship Monitor (GEM) untersucht, in welchem Masse das Niveau der Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten zwischen L\u00e4ndern variiert und welche Faktoren Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten hemmen bzw. f\u00f6rdern (siehe Kasten 1 Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist ein internationales Forschungsprojekt, das 1997 von der London Business School und dem Babson College (USA) ins Leben gerufen wurde. Das GEM-Projekt untersucht Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten in 35 L\u00e4ndern weltweit. Im Mittelpunkt der Untersuchung 2005 standen die folgenden drei Forschungsfragen: &#8211; In welchem Masse variiert das Niveau der Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten zwischen L\u00e4ndern?- Welche Faktoren hemmen bzw. f\u00f6rdern Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten?- Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten und dem wirtschaftlichen Wachstum eines Landes?Die Untersuchung wurde f\u00fcr die Schweiz &#8211; mit Unterst\u00fctzung der KTI &#8211; vom KMU-Institut der Universit\u00e4t St.Gallen und vom IMD Lausanne durchgef\u00fchrt. Vorherige Untersuchungen erfolgten in den Jahren 2002 und 2003. Informationen zum GEM-Projekt sind verf\u00fcgbar unter: <a href=\"http:\/\/www.kmu.unisg.ch\">www.kmu.unisg.ch<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.gemconsortium.org\">www.gemconsortium.org<\/a> .). In der Schweiz wurden daf\u00fcr 5456 Personen vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut GFS Bern befragt. Aufgrund der hohen Fallzahl sind auch regionale Auswertungen im Hinblick auf Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten und -einstellungen m\u00f6glich. Bei der regionalen Analyse wurde die Einteilung des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) in die folgenden sieben Grossregionen \u00fcbernommen: Vgl. Bundesamt f\u00fcr Statistik, 1999.\u00a0&#8211; Espace Mittelland (BE, FR, JU, NE, SO);\u00a0&#8211; Nordwestschweiz (AG, BL, BS);\u00a0&#8211; Ostschweiz (AI, AR, GL, GR, SG, SH, TG);\u00a0&#8211; R\u00e9gion l\u00e9manique (GE, VS, VD);\u00a0&#8211; Tessin (TI);\u00a0&#8211; Zentralschweiz (LU, NW, OW, SZ, UR, ZG)\u00a0&#8211; Z\u00fcrich (ZH).\u00a0\u00a0Der GEM untersucht verschiedene Arten von Entrepreneurship-Aktivit\u00e4ten, wobei Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten im Vordergrund stehen. Die nachfolgenden Analysen beziehen sich auf die Gruppe der Total Early-Stage Entrepreneurial Activity (TEA). Diese Gruppe umfasst Personen, die im Begriff sind, ein neues Unternehmen zu gr\u00fcnden, oder die Inhaber und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines Unternehmens sind, das noch nicht l\u00e4nger als dreieinhalb Jahre am Markt aktiv ist. Vgl. Reynolds et al., 2005. Wenn im Folgenden von Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten gesprochen wird, ist jeweils diese Personengruppe gemeint.&#13;<\/p>\n<h2>Deutliche Unterschiede nach Grossregionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInsgesamt sind etwa 6% der Schweizerinnen und Schweizer im Alter von 18-64 Jahren mit Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten besch\u00e4ftigt. Es lassen sich deutliche Unterschiede nach Grossregionen feststellen (vgl. Grafik 1). Die h\u00f6chste Gr\u00fcndungsquote innerhalb der Schweiz weist die Zentralschweiz auf, gefolgt von Z\u00fcrich und der Ostschweiz. Eine unterdurchschnittliche Gr\u00fcndungsquote findet man demgegen\u00fcber im Espace Mittelland, in der Nordwestschweiz, der R\u00e9gion l\u00e9manique und insbesondere im Tessin. Die hohe Gr\u00fcndungsquote in der Zentralschweiz beruht dabei nicht auf ausw\u00e4rtigen Holdinggesellschaften, da nur Gr\u00fcndungen der Einwohner der jeweiligen Region ber\u00fccksichtigt werden.\u00a0Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf einer Bev\u00f6lkerungsstichprobe, die immer auch mit Zufallsfehlern behaftet sein kann. In Grafik 1 ist daher neben dem gemessenen Wert jeweils auch das so genannte Konfidenzintervall angegeben. Das 95%-Konfidenzintervall zeigt den Bereich an, in dem sich der wahre Wert der Grundgesamtheit mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% befindet. Konfidenzintervalle, die nicht \u00fcberlappen, zeigen statistisch signifikante Unterschiede zwischen den entsprechenden Wer-ten an.\u00a0Im vorliegenden Fall sind die Unterschiede zwischen den gemessenen Gr\u00fcndungsquoten zum Teil statistisch signifikant. Die Zentralschweiz weist eine statistisch signifikant h\u00f6here Gr\u00fcndungsquote auf als das Tessin und die R\u00e9gion l\u00e9manique. Weiter ist der Unterschied zu den Grossregionen Nordwestschweiz und Espace Mittelland ann\u00e4hernd statistisch signifikant. Bei einigen hier angrenzend dargestellten Grossregionen ist aus Sichtweise der Statistik nicht mit 95%iger Sicherheit zu sagen, ob die gemessenen Unterschiede auch tats\u00e4chlich auf reale Unterschiede zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.&#13;<\/p>\n<h3>Internationaler Vergleich<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den USA liegt die Gr\u00fcndungsquote mit einem TEA-Wert von \u00fcber 12% mehr als doppelt so hoch wie in der Schweiz. Anhand der Quote der etablierten Unternehmen, die bereits l\u00e4nger als dreieinhalb Jahre am Markt aktiv sind, l\u00e4sst sich die \u00dcberlebensrate neuer Unternehmen absch\u00e4tzen. Diese liegt in der Schweiz deutlich h\u00f6her als in den USA. Die hohe Gr\u00fcndungsquote in den USA ist also vor allem auf eine hohe Unternehmensfluktuation in den fr\u00fchen Phasen des Lebenszyklus von Unternehmen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Erfolgsaussichten von Gr\u00fcndungen sind somit in der Schweiz besser.\u00a0In Deutschland, Frankreich und \u00d6sterreich liegt die TEA-Gr\u00fcndungsquote mit 5,3%-5,4% etwas niedriger als in der Schweiz. In Italien lassen sich sogar nur 4,9% der Bev\u00f6lkerung der TEA-Quote zurechnen. Die h\u00f6chste Gr\u00fcndungsquote weisen Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder auf. Diese sind aufgrund ihrer Wirtschaftsstruktur aber kaum mit der Schweiz vergleichbar.&#13;<\/p>\n<h2>Merkmale der Gr\u00fcndungen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h3>Branche<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcber die gesamte Schweiz gesehen sind fast die H\u00e4lfte (47%) aller Gr\u00fcndungen dem Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen zuzurechnen. Unternehmensbezogene Dienstleistungen &#8211; wie z.B. Unternehmensberater, Informatikdienstleister und Anw\u00e4lte &#8211; kommen auf einen Anteil von etwa 30%. 16% der neuen Unternehmen sind im produzierenden Gewerbe und im Bau und 7% im prim\u00e4ren Sektor angesiedelt. Die Dominanz von Dienstleistungsgr\u00fcndungen zeigt sich auch auf regionaler Ebene, wobei in den meisten Regionen personenbezogene Dienstleistungen (inkl. Handel und Gastronomie) etwas h\u00e4ufiger als unternehmensbezogene Dienstleistungen anzutreffen sind. \u00a0Mit zunehmender Gr\u00fcndungsquote steigt tendenziell der Anteil der personenbezogenen Dienstleistungen. Das Tessin weist hier den geringsten und Z\u00fcrich den h\u00f6chsten Anteil an personenbezogenen Dienstleistungen auf. Die hohe Gr\u00fcndungsquote in den gr\u00fcndungsstarken Regionen l\u00e4sst sich also zum Teil auf die hohe Anzahl an personenbezogenen Dienstleistungen zur\u00fcckf\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h3>Gr\u00fcndungsmotiv<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz gaben 84% der befragten Gr\u00fcnder an, mit ihrem Unternehmen eine gute Gesch\u00e4ftsidee nutzen zu wollen; 14% werden hingegen unternehmerisch aktiv, weil sie keine bessere Erwerbsalternative haben. Das Ausnutzen einer Gesch\u00e4ftsidee ist also das vorherrschende Gr\u00fcndungsmotiv in der Schweiz. Dies gilt f\u00fcr alle untersuchten Regionen. In keiner der sieben Grossregionen erfolgen mehr als ein Viertel aller Gr\u00fcndungen wegen fehlender besserer Erwerbsalternativen.\u00a0Zum Vergleich kann man anf\u00fchren, dass in Deutschland etwa 30% und in Frankreich sogar fast die H\u00e4lfte aller Gr\u00fcnder keine besseren Erwerbsalternativen als Gr\u00fcndungsmotiv angeben. Der geringe Anteil an \u00abNotgr\u00fcndungen\u00bb in der Schweiz l\u00e4sst sich auf die weit gehend positiven Rahmenbedingungen f\u00fcr wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten sowie die vergleichsweise geringe Arbeitslosigkeit zur\u00fcckf\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h3>Marktpotenzial<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNeue Unternehmen sind mit unterschiedlichen Produkten auf ganz verschiedenen M\u00e4rkten t\u00e4tig, welche ein mehr oder weniger grosses Potenzial f\u00fcr zuk\u00fcnftiges Wachstum bieten. Das Marktpotenzial neuer Unternehmen wird beim GEM-Projekt abgesch\u00e4tzt anhand von Fragen nach der Innovatit\u00e4t der Produkte\/Dienstleistungen, der Anzahl der Konkurrenten und der zugrunde liegenden Technologie.\u00a0Das Marktpotenzial nimmt mit steigendem Neuigkeitsgrad f\u00fcr den Kunden und der zugrunde liegenden Technologie zu und nimmt mit steigender Anzahl Kunden ab. Das h\u00f6chste Marktpotenzial haben Unternehmen mit Produkten, die von allen Kunden als neu und unbekannt angesehen werden, die momentan keine Konkurrenten haben und wo die zugrunde liegenden Technologien oder Verfahren erst seit weniger als einem Jahr erh\u00e4ltlich sind.\u00a0Hingegen besteht kein unmittelbarer und vollst\u00e4ndiger Zusammenhang zwischen dem so berechneten Marktpotenzial eines Unternehmens und seinem tats\u00e4chlichen Wachstum. Zum einen kann ein Unternehmen auch mit einer etablierten Technologie und auf einem ges\u00e4ttigten Markt ein hohes Wachstum erreichen. Zum andern kann eine zu geringe Gr\u00f6sse des Marktes auch f\u00fcr innovative Unternehmen mit wenig Konkurrenz nicht viel Wachstum zulassen. Das angegebene Marktpotenzial erlaubt aber immerhin eine Tendenzaussage \u00fcber das Potenzial f\u00fcr zuk\u00fcnftiges Wachstum.\u00a0Die Mehrzahl der in der Schweiz gegr\u00fcndeten Unternehmen hat nur ein geringes Marktpotenzial, was nicht erstaunt, da in den meisten F\u00e4llen ein etabliertes Produkt auf einem regionalen Markt angeboten wird (vgl. Grafik 2). Gut 30% weisen ein mittleres und 17% ein hohes oder sehr hohes Marktpotenzial auf. Unternehmen mit sehr hohem Marktpotenzial finden sich nur in Regionen mit grossen Agglomerationen, d.h. in der R\u00e9gion l\u00e9manique, im Espace Mittelland, in der Ostschweiz und insbesondere in Z\u00fcrich.\u00a0Generell l\u00e4sst sich feststellen, dass mit zunehmender regionaler Gr\u00fcndungsquote der Anteil der Unternehmen mit einem geringen Wachstumspotenzial zunimmt: Im Tessin haben am meisten Unternehmen ein mittleres bis sehr hohes Marktpotenzial, in der Zentralschweiz am wenigsten. Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass die absolute Anzahl an Gr\u00fcndungen im Tessin gering und in der Zentralschweiz hoch ist. Die absolute Anzahl an Gr\u00fcndungen mit mittlerem bis sehr hohem Marktpotenzial ist daher in den betrachteten Regionen &#8211; relativ zur Bev\u00f6lkerung &#8211; \u00e4hnlich hoch. Die gr\u00fcndungsstarken Regionen unterscheiden sich von den gr\u00fcndungsschwachen Regionen darin, dass sie eine deutlich h\u00f6here Anzahl an Gr\u00fcndungen mit geringem Marktpotenzial aufweisen. Auch diese Gr\u00fcndungen haben allerdings volkswirtschaftlich positive Effekte, die nicht untersch\u00e4tzt werden sollten.&#13;<\/p>\n<h2>Ursachen unterschiedlicher Gr\u00fcndungsquoten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine genaue Untersuchung der Ursachen der unterschiedlichen Gr\u00fcndungsneigungen in den Schweizer Regionen wurde auf Basis eines multivariaten Modells durchgef\u00fchrt, wobei nach personenbezogenen Einflussfaktoren und regionalen Einflussfaktoren unterschieden wurde. Vgl. Bergmann, 2006. Bei den personenbezogenen Einfl\u00fcssen zeigen sich die erwarteten Zusammenh\u00e4nge: Mit zunehmendem Alter steigt die Gr\u00fcndungsneigung zun\u00e4chst an, erreicht bei etwa 36 Jahren ihren h\u00f6chsten Wert und f\u00e4llt dann wieder bis zum Ende des Erwerbslebens ab. Der Bildungsstand hat einen positiven Einfluss auf die Gr\u00fcndungsneigung. Personen, die Hausfrau\/-mann, noch in Ausbildung oder aus einem sonstigen Grund nicht erwerbst\u00e4tig sind, haben eine geringe Gr\u00fcndungsneigung. Kantone mit einer hohen Erwerbsquote und einem hohen durchschnittlichen Bildungsstand der Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnen vor diesem Hintergrund mit einer h\u00f6heren Gr\u00fcndungsquote rechnen.&#13;<\/p>\n<h3>Regionale Einfl\u00fcsse<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie regionale Kaufkraft hat einen stark positiven signifikanten Einfluss auf die Gr\u00fcndungsneigung. Ebenfalls signifikant positiv ist der Einfluss der regionalen Selbstst\u00e4ndigenquote. Einen negativen Einfluss hat demgegen\u00fcber die kantonale Arbeitslosenquote. Tendenziell weisen jene Regionen eine hohe Gr\u00fcndungsquote auf, die \u00fcber eine hohe Kaufkraft verf\u00fcgen, eine niedrige Arbeitslosigkeit aufweisen und relativ zur Erwerbsbev\u00f6lkerung bereits viele Selbstst\u00e4ndige haben. Wirtschaftlich erfolgreiche Regionen bringen also mehr Gr\u00fcndungen hervor als weniger erfolgreiche Regionen.\u00a0Die hohe Gr\u00fcndungsneigung in der Zentralschweiz l\u00e4sst vermuten, dass ein negativer Zusammenhang zwischen der H\u00f6he der Steuern und den Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten existiert. Die multivariate Untersuchung zeigt allerdings, dass weder der Index der Einkommens- und Verm\u00f6gensbesteuerung der nat\u00fcrlichen Personen noch der Index der Reingewinn- und Kapitalbelastung der Aktiengesellschaften die Gr\u00fcndungsneigung direkt beeinflussen. Die H\u00f6he der Steuern hat m\u00f6glicherweise einen indirekten Effekt auf den Umfang an Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten: Geringe Steuern k\u00f6nnen mittelfristig zu einer hohen regionalen Kaufkraft f\u00fchren, was wiederum die Anzahl an Gr\u00fcndungen positiv beeinflusst. Dieser Zusammenhang wurde allerdings nicht explizit \u00fcberpr\u00fcft.\u00a0Im Weiteren ist eine Wechselbeziehung zwischen den gr\u00fcndungsbezogenen Einstellungen der Bev\u00f6lkerung und dem Umfang an Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten in einer Region feststellbar: Vgl. Volery et al., 2006, S. 28f. \u00dcber die gr\u00f6sste Anzahl an neuen Unternehmen verf\u00fcgen Regionen, in denen viele Menschen gute M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Unternehmensgr\u00fcndung sehen und nur wenige angeben, dass sie die Angst zu scheitern von einer Gr\u00fcndung abhalte.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Forschungsprojekt GEM erlaubt f\u00fcr das Jahr 2005 &#8211; neben dem internationalen Vergleich &#8211; erstmalig auch eine regionale Untersuchung von Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten in der Schweiz. Die vorliegende Analyse zeigt, dass auch in einem kleinen Land wie der Schweiz erhebliche regionale Unterschiede bei Umfang und Art von Unternehmensgr\u00fcndungen vorhanden sind: In der Zentralschweiz werden relativ zur Bev\u00f6lkerung doppelt so viele Unternehmen gegr\u00fcndet wie im Tessin. \u00a0Das gute Abschneiden der Zentralschweiz und von Z\u00fcrich erkl\u00e4rt sich durch eine hohe Erwerbsquote, einen hohen durchschnittlichen Bildungsstand der Bev\u00f6lkerung, eine hohe regionale Kaufkraft sowie eine \u00fcberdurchschnittliche Selbstst\u00e4ndigenquote. Ein direkter Einfluss der Steuergesetzgebung auf den Umfang an Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten l\u00e4sst sich hingegen nicht feststellen.\u00a0Die geringe Gr\u00fcndungsquote im Tessin erstaunt, da die Selbstst\u00e4ndigenquote hier eigentlich \u00fcberdurchschnittlich ist. Ein Grund f\u00fcr die niedrige Gr\u00fcndungsquote ist wohl die schweizweit tiefste Erwerbsquote. Zudem hat Bev\u00f6lkerung des Kantons eine zur\u00fcckhaltende Einstellung zum Thema Selbstst\u00e4ndigkeit. Die Angst zu scheitern ist hoch, und nur wenige Menschen sehen gute M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Unternehmensgr\u00fcndung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abGr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten (TEA) nach Regionen, 2005 Anteil an der Erwerbsbev\u00f6lkerung (18-64) Jahre in&nbsp;%, 95% Konfidenzintervall\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abMarktpotenzial der Gr\u00fcndungen (TEA) nach Regionen, 2005 Anteil an allen Gr\u00fcndungen, in&nbsp;%\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Das GEM-Projekt Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist ein internationales Forschungsprojekt, das 1997 von der London Business School und dem Babson College (USA) ins Leben gerufen wurde. Das GEM-Projekt untersucht Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten in 35 L\u00e4ndern weltweit. Im Mittelpunkt der Untersuchung 2005 standen die folgenden drei Forschungsfragen: &#8211; In welchem Masse variiert das Niveau der Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten zwischen L\u00e4ndern?- Welche Faktoren hemmen bzw. f\u00f6rdern Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten?- Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gr\u00fcndungsaktivit\u00e4ten und dem wirtschaftlichen Wachstum eines Landes?Die Untersuchung wurde f\u00fcr die Schweiz &#8211; mit Unterst\u00fctzung der KTI &#8211; vom KMU-Institut der Universit\u00e4t St.Gallen und vom IMD Lausanne durchgef\u00fchrt. Vorherige Untersuchungen erfolgten in den Jahren 2002 und 2003. Informationen zum GEM-Projekt sind verf\u00fcgbar unter: <a href=\"http:\/\/www.kmu.unisg.ch\">www.kmu.unisg.ch<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.gemconsortium.org\">www.gemconsortium.org<\/a> .&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur &#8211; Bergmann, H. (2006): Regional Entrepreneurship Differences within a Small Country &#8211; Is Switzerland a Special Case? IECER 2006 Conference, Regensburg. February 22-24.- Bundesamt f\u00fcr Statistik (Hrsg.) (1999): Die Grossregionen der Schweiz: die Schweiz im NUTS-Regionalsystem. Autoren: Martin Schuler, Anne Compagnon; Neuenburg.- Reynolds, P.D., N. Bosma, E. Autio, S. Hunt, N. De Bono, I. Servais, P. Lopez-Garcia, N. Chin (2005): Global Entrepreneurship Monitor: Data Collection and Implementation 1998-2003, In: Small Business Economics, 24, 205-231.- Volery, T.; Bergmann, H.; Haour, G.; Leleux, B. (2006): Global Entrepreneurship Monitor, Bericht 2005 zum Unternehmertum in der Schweiz und weltweit. St. Gallen\/Lausanne. Download unter: <a href=\"http:\/\/www.kmu.unisg.ch\">www.kmu.unisg.ch<\/a> .<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmensgr\u00fcndungen sind wichtig f\u00fcr den Strukturwandel und die Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze. Auch wenn die direkten Besch\u00e4ftigungseffekte von Unternehmensgr\u00fcndungen begrenzt sind, zeigen verschiedene Untersuchungen, dass Regionen mit einer hohen Gr\u00fcndungsrate langfristig st\u00e4rker wachsen. Unternehmensgr\u00fcndungen st\u00e4rken n\u00e4mlich den Wettbewerb und bringen Innovationen hervor, die auch bestehende Unternehmen zu einer h\u00f6heren Effizienz antreiben. Vor diesem Hintergrund untersucht dieser [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2817,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2817,"seco_co_author":[2818,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Dr. rer. pol., Lehrbeauftragter und Projektleiter, Schweizerisches Institut f\u00fcr Klein- und Mittelunternehmen (KMU-HSG), Universit\u00e4t St. Gallen","seco_author_post_occupation_fr":"Charg\u00e9 de cours et chef de projet, Institut suisse des petites et moyennes entreprises de l\u2019universit\u00e9 de Saint-Gall (KMU-HSG)","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":2818,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Entrepreneurship an der Universit\u00e4t St. Gallen, Direktor Schweizerisches Institut f\u00fcr Klein- und Mittelunternehmen (KMU-HSG)","seco_co_author_post_occupation_fr":"Professeur d'entrepreneuriat \u00e0 l'universit\u00e9 de Saint-Gall, directeur du Schweizerisches Institut f\u00fcr Klein- und Mittelunternehmen (KMU-HSG)"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":124787,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"9251","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55dac808b8659"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124784"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2817"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124784"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124784\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128413,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124784\/revisions\/128413"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2818"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2817"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=124784"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=124784"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=124784"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=124784"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=124784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}