{"id":124809,"date":"2006-06-01T12:00:00","date_gmt":"2006-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/06\/grass-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:47:36","modified_gmt":"2023-08-23T21:47:36","slug":"grass-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/06\/grass-3\/","title":{"rendered":"Steht der Schweizer Detailhandel vor einem Produktivit\u00e4tsschub?"},"content":{"rendered":"<p>Die US-Wirtschaft w\u00e4chst seit rund einer Dekade systematisch schneller als die westeurop\u00e4ische Wirtschaft, haupts\u00e4chlich dank h\u00f6herer Produktivit\u00e4tssteigerungen. Der Handel war ein wichtiger Treiber der zunehmenden Produktivit\u00e4tsdifferenzen zwischen den USA und Westeuropa. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welches die entscheidenden Erfolgsfaktoren im US-Handel waren und welche Faktoren umgekehrt den westeurop\u00e4ischen Detailhandel zur\u00fcckhielten. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200606_06_Grass_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"252\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre stieg das US-amerikanische Bruttoinlandprodukt (BIP) j\u00e4hrlich real um 3,4%, w\u00e4hrend die Wachstumsrate in Westeuropa lediglich bei 2,1% lag. Hier und im Folgenden bezeichnet das Aggregat \u00abWesteuropa\u00bb oder \u00abWE15\u00bb die L\u00e4ndergruppe Belgien, D\u00e4nemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Vereinigtes K\u00f6nigreich, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, \u00d6sterreich, Schweden, Schweiz, Spanien und Luxemburg. Die Zerlegung des BIP in Produktivit\u00e4t und Arbeitsvolumen verdeutlicht, dass die Wachstumsdivergenz zwischen den USA und Europa haupts\u00e4chlich auf eine unterschiedliche Produktivit\u00e4tsentwicklung zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. W\u00e4hrend die reale Stundenproduktivit\u00e4t in den USA j\u00e4hrlich um 2,4% anstieg, betrug der Zuwachs in Westeuropa lediglich 1,6% pro Jahr.&#13;<\/p>\n<h2>Handel als Treiber der Wachstumsdivergenz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Analyse der Branchenentwicklung zeigt, dass sich das unterschiedliche gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4tswachstum haupts\u00e4chlich auf jene Branchen zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst, die intensiv Gebrauch von den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) machen. Vgl. Van Ark et al., 2003. Der Handel spielt hierbei eine zentrale Rolle: Der US-Gross- und Detailhandel konnte im Zeitraum 1995-2004 seine Stundenproduktivit\u00e4t j\u00e4hrlich um 4,9% steigern, w\u00e4hrend der Handel in Westeuropa lediglich einen j\u00e4hrlichen Zuwachs von 1,4% aufwies. Im Detailhandel f\u00e4llt die Wachstumsdivergenz mit 5,8% (USA) gegen\u00fcber 1,1% (WE15) noch h\u00f6her aus. Diese Berechnungen basieren auf Daten der \u00abIBC Database 2006\u00bb von BAK Basel Economics. \u00a0Gem\u00e4ss einer Studie des amerikanischen Forschungsinstitutes \u00abConference Board\u00bb des Jahres 2005 war vor allem der rasante technische Fortschritt im US-Handel f\u00fcr den Vorsprung im Produktivit\u00e4tswachstum verantwortlich. Zwischen 1995 und 2001 ist in den USA sowohl im Grossals auch im Detailhandel eine bedeutende Beschleunigung der Totalen Faktorproduktivit\u00e4t (TFP) zu beobachten (vgl. Kasten 1 Prinzipiell ist zwischen zwei Arten von Produktivit\u00e4tssteigerungen zu unterschieden. Zum einen l\u00e4sst sich die Arbeitsproduktivit\u00e4t durch eine h\u00f6here Kapitalintensit\u00e4t erh\u00f6hen. Bei abnehmenden Grenzertr\u00e4gen ist allerdings der Effekt einer Steigerung der Kapitalintensit\u00e4t dauerhaft nicht ausreichend. Die zweite &#8211; und damit entscheidende &#8211; Quelle f\u00fcr Produktivit\u00e4tssteigerungen ist die Erh\u00f6hung der Effizienz in der Ausnutzung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Man spricht auch von der Steigerung der Totalen Faktorproduktivit\u00e4t (TFP). Berechnet wird die TFP als so genanntes Solow-Residuum bei der Zerlegung des Wachstums in seine Komponenten Kapital, Arbeit und technischer Fortschritt. Sind das Wachstum sowie die ersten beiden Komponenten bekannt, ergibt sich das TFP-Wachstum als Residuum. und Grafik 1).&#13;<\/p>\n<h2>Ursache der Erfolgsstory im US-Handel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Treiber der Effizienzgewinne im US-Handel sind zuallererst die IKT zu nennen, die den Detailhandel von einer \u00abLowtech-Branche\u00bb in eine moderne Informationsindustrie verwandelten. Die IKT er\u00f6ffneten dem Detailhandel neue M\u00f6glichkeiten der Informationsgewinnung und -verarbeitung. So erm\u00f6glichte die Vernetzung der zeitnahen Information \u00fcber die Nachfrageentwicklung, den aktuellen Warenbestand in den L\u00e4den sowie den aktuellen Lagerbestand in den Verteilerzentralen hohe Effizienzsteigerungen im Bereich Beschaffung und Logistik. Durch die Informationsvernetzung konnten erstens Zeit eingespart (dank rechtzeitigem Erkennen von Engp\u00e4ssen), zweitens die Allokationseffizienz erh\u00f6ht (die richtige Ware zur richtigen Zeit am richtigen Ort) und drittens die Lagerhaltungskosten gesenkt werden. Auch das Marketing profitierte: Das zeitnahe Controlling der Absatzzahlen einzelner Waren erlaubt eine schnelle Anpassung des Sortiments an Nachfrageverschiebungen und die Auswertung von Kundendaten eine Individualisierung der Werbung; das Internet bietet zudem ein v\u00f6llig neues Medium f\u00fcr Werbeaktionen.\u00a0Der US-Handel investierte fr\u00fcher und in gr\u00f6sserem Ausmass in IKT: Nach den Erhebungen des Conference Board stieg das IKT-Kapital im US-Detailhandel zwischen 1980 und 1985 um 45,8% (Grosshandel: 32,2%). In Europa war der Zuwachs mit 18,7% (20,8%) viel geringer. Diese Zahlen zeigen, dass die IKT-Revolution im Handel bereits lange vor der Entdeckung des Internets begann. Zwar weist der europ\u00e4ische Handel in den letzten 15 Jahren \u00e4hnliche Investitionszuw\u00e4chse in IKT wie in den USA auf. Der IKT-Kapitalstock ist in den USA jedoch aufgrund der h\u00f6heren Kapitalakkumulation in den fr\u00fchen Achtzigerjahren immer noch betr\u00e4chtlich h\u00f6her.&#13;<\/p>\n<h2>Anpassung der Organisationsstrukturen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Investitionen in IKT waren allerdings nur eine Quelle des Produktivit\u00e4tsschubs. Das Produktivit\u00e4tspotenzial konnte nur durch den simultanen Wandel in der Organisationsstruktur der Handelsunternehmen stattfinden. Die Anwendung der technologischen Innovationen erforderte beispielsweise die zeitgleiche Anpassung des Beschaffungs- und Vertriebsmanagements, des Controllings und des Marketings. Neben der Anpassung der Organisationsstruktur stellten sich auch an die Qualifikation der Besch\u00e4ftigten ganz neue Anforderungen. F\u00fcr die Realisierung der Effizienzgewinne durch die Anwendung der IKT sind also &#8211; komplement\u00e4r zur Investition in IKT-Kapital &#8211; Investitionen in Organisationskapital und Humankapital notwendig. In den USA wurden diese Komplement\u00e4rinvestitionen fr\u00fch und schnell get\u00e4tigt.\u00a0Eine Studie \u00fcber den US-Handel Vgl. Foster et al., 1996. zeigt zudem, dass der organisatorische mit einem strukturellen Wandel verbunden war. Nahezu die gesamten Produktivit\u00e4tsgewinne im US-Handel wurden durch neue Standorte erwirtschaftet &#8211; die meisten davon solche, die innerhalb eines Unternehmens einen alten Standort abl\u00f6sten. Die h\u00f6chsten Effizienzgewinne wurden bei grossen Einheiten (\u00abBig Box Stores\u00bb) oder Supermarktketten realisiert.&#13;<\/p>\n<h2>Was h\u00e4lt den europ\u00e4ischen Handel zur\u00fcck?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer zeitliche Vorsprung, den die USA gegen\u00fcber Westeuropa im Aufbau des IKT-Kapitals hatte, schlug sich auch im organisatorischen und strukturellen Wandel nieder. Etliche Gr\u00fcnde lassen vermuten, dass hier der zeitliche US-Vorsprung noch gr\u00f6sser ist. \u00a0Als erster Grund sind restriktive Laden\u00f6ffnungszeiten zu nennen. W\u00e4hrend in den USA die Laden\u00f6ffnungszeiten quasi unbeschr\u00e4nkt sind, gibt es in Europa noch massive Beschr\u00e4nkungen. Diese wirken sich vor allem auf die grossen Einkaufszentren in der Peripherie aus, die &#8211; wie bereits erw\u00e4hnt &#8211; die h\u00f6chsten Produktivit\u00e4tspotenziale im Detailhandel aufweisen. Einer der Vorteile der grossen Einkaufszentren oder Hyperm\u00e4rkte ist, dass der Konsument \u00aballes aus einer Hand\u00bb kaufen kann. Bei beschr\u00e4nkten \u00d6ffnungszeiten ist an Werktagen ein Besuch in einem ausserhalb angesiedelten Hypermarkt aus Zeitgr\u00fcnden oftmals gar nicht m\u00f6glich, oder es bleibt nur noch die Zeit, das \u00abN\u00f6tigste\u00bb einzukaufen. Zudem leidet bei restriktiven \u00d6ffnungszeiten an Abenden oder Wochenenden die Attraktivit\u00e4t der als \u00abErlebniswelten\u00bb konzipierten Einkaufszentren stark. Die Hauptvorteile eines Hypermarktes gehen also zum Teil durch beschr\u00e4nkte Laden\u00f6ffnungszeiten verloren. Mit der geringeren Attraktivit\u00e4t grosser Formate f\u00fcr Konsumenten sinkt auch der Anreiz, in solche zu investieren. \u00a0Ein zweites Regulierungsfeld, welches f\u00fcr den Detailhandel von grosser Bedeutung ist, betrifft die \u00f6ffentliche Raumplanung. In vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ist die Gr\u00f6sse von Superm\u00e4rkten beschr\u00e4nkt oder m\u00fcssen grosse Fl\u00e4chen h\u00f6here Genehmigungsh\u00fcrden \u00fcberwinden. Die Auswirkungen beh\u00f6rdlicher Eingriffe in die Ansiedlungspolitik offenbaren sich zum einen darin, dass die Rate der Markteintritte und -austritte im Vergleich zu den USA deutlich niedriger liegt, zum anderen in den hohen Mieten, die f\u00fcr bestehende Areale verlangt werden. Im Hinblick auf die Produktivit\u00e4tsentwicklung wirkt sich raumplanerische Regulierung dadurch negativ aus, dass einerseits Skalenertr\u00e4ge nicht optimal genutzt werden k\u00f6nnen und anderseits die Anreize f\u00fcr Neuinvestitionen vermindert werden.\u00a0Neben staatlicher Regulierung spielt auch die Marktgr\u00f6sse eine Rolle. Im Detailhandel ist man in Europa von einem einheitlichen Markt noch weit entfernt. Der westeurop\u00e4ische Markt ist stark zersplittert, sodass die effektive Marktgr\u00f6sse, der sich Unternehmen gegen\u00fcbersehen, sehr viel kleiner ausf\u00e4llt als in den vergleichsweise homogenen USA. Nationale Eigenheiten sowie grosse sprachliche und kulturelle Unterschiede innerhalb Europas verhindern ein st\u00e4rkeres und schnelleres Zusammenwachsen. Konsumverhalten und -pr\u00e4ferenzen sind beispielsweise in Italien deutlich anders gelagert als in Deutschland. Der viel gr\u00f6ssere Absatzmarkt f\u00fcr US-amerikanische Detailh\u00e4ndler f\u00fchrt dort zu h\u00f6heren Skalenertr\u00e4gen und Investitionsanreizen.\u00a0In den USA war der private Konsum in den vergangenen Jahren die wesentliche St\u00fctze des Wirtschaftswachstums. Dies liegt nicht nur an der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung, sondern auch an der Mentalit\u00e4t der US-B\u00fcrger, die selbst in Krisenzeiten ihren Konsum nur wenig einschr\u00e4nken und sich stattdessen in diesen Phasen verschulden. Im Gegensatz dazu herrschte in einigen L\u00e4ndern Europas ein schwaches Konsumklima und damit verbundenes \u00abAngstsparen\u00bb vor. In Deutschland wird seit Jahren von einer Konsumkrise gesprochen. Dies wirkt sich nat\u00fcrlich auf die Erwartungen hinsichtlich des zuk\u00fcnftigen Marktwachstums aus. Pessimistische Einsch\u00e4tzungen des Marktpotenzials schm\u00e4lern die erwartete Rendite einer Investition, sei es in neue, gr\u00f6ssere Formate oder in die Ausstattung von Kapital.&#13;<\/p>\n<h2>Hat es der Schweizer Handel noch schwerer?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie genannten Faktoren zur Erkl\u00e4rung des Wachstumsdefizits zwischen Westeuropa und den USA gelten grosso modo auch f\u00fcr die Schweiz. F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung des Produktivit\u00e4tspotenzials in der Schweiz stellt sich die Frage, inwieweit die Schweiz von einzelnen dieser Punkte m\u00f6glicherweise noch st\u00e4rker betroffen ist als der Grossteil der europ\u00e4ischen Nachbarn. \u00a0Im Bereich Regulierung spielen aus Schweizer Sicht vor allem die Aspekte Laden\u00f6ffnungszeiten und beh\u00f6rdliche Eingriffe in die Ansiedlungspolitik eine Rolle. Beides ist in der Schweiz regional sehr unterschiedlich geregelt, teilweise auf kantonaler, teilweise auf Gemeindeebene. Im Bereich der Laden\u00f6ffnungszeiten ist der Schweizer Detailhandel im Vergleich mit dem restlichen Westeuropa \u00fcberproportional betroffen. Vgl. Baur\/Ott (2005), S.1. Dies gilt allerdings nicht f\u00fcr alle Kantone, zumal es in einzelnen Kantonen kein Ladenschlussgesetz gibt. Im Bereich der Raumplanung bestehen in der Schweiz beh\u00f6rdliche Restriktionen ab einer Fl\u00e4che von 5000 Quadratmetern, bei der eine Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung (UVP) erforderlich ist. Die kritische Gr\u00f6sse f\u00fcr Hyperm\u00e4rkte wird somit deutlich unterschritten. Da zudem selbst bei bestandener UVP keine Rechtssicherheit herrscht, sind die Investitionskosten vorab nur schwer kalkulierbar. Insgesamt d\u00fcrfte die Schweiz auch in diesem Bereich etwas st\u00e4rker betroffen sein als im westeurop\u00e4ischen Durchschnitt.\u00a0Hinsichtlich der Marktgr\u00f6sse hat die Schweiz einen klaren Nachteil &#8211; und das nicht alleine aufgrund des kleinen Absatzmarktes, sondern auch aufgrund des limitierten Beschaffungsmarktes. W\u00e4hrend innerhalb der EU keine Importbeschr\u00e4nkungen gelten, leidet der Schweizer Detailhandel an hohen Importbarrieren und ist somit klar im Kostennachteil. Die Liberalisierung des Warenhandels &#8211; Stichworte \u00abCassis de Dijon\u00bb oder \u00abParallelimporte\u00bb &#8211; w\u00fcrde dem Schweizer Detailhandel sicherlich zus\u00e4tzliche Dynamik verleihen.\u00a0Abgesehen von der Marktgr\u00f6sse ist auch das Nachfragewachstumspotenzial f\u00fcr den Schweizer Detailhandel etwas tiefer einzustufen als in Westeuropa. Allerdings sind momentan keine Anzeichen zu erkennen, dass dadurch die Investitionsanreize geringer sind. Das Marktumfeld im Schweizer Detailhandel ist derzeit sehr dynamisch. Die etablierten Grossverteiler unternehmen grosse Anstrengungen , sich zu restrukturieren und Effizienzpotenziale auszusch\u00f6pfen.&#13;<\/p>\n<h2>Kein Produktivit\u00e4tsschub nach US-Vorbild zu erwarten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine internationale Branchenanalyse des Detailhandels auf Basis von konjunkturbereinigten Trendwachstumsraten zeigt, dass in einigen wenigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern die Beschleunigung der Produktivit\u00e4t im Detailhandel \u00e4hnlich gut gelungen ist wie in den USA. Dazu geh\u00f6rten beispielsweise Schweden, Finnland oder Norwegen. Auffallend ist, dass der Produktivit\u00e4tstrend in den meisten westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern in den letzten f\u00fcnf Jahren stagnierte oder sogar abnahm. Im Durchschnitt Westeuropas entwickelte sich die Trendrate des Produktivit\u00e4tswachstums seit 1990 leicht r\u00fcckl\u00e4ufig (vgl. Grafik 2).\u00a0In vielen L\u00e4ndern Westeuropas ist im Detailhandel auch in den kommenden Jahren kein Produktivit\u00e4tsschub nach US-Beispiel zu erwarten. Zwar wurde die Technologieintensit\u00e4t in den meisten L\u00e4ndern stark erh\u00f6ht. Nicht selten stehen jedoch die im Detailhandel vorherrschenden Rahmenbedingungen einem parallel stattfindenden strukturellen Wandel im Wege. \u00a0Im Schweizer Detailhandel ist seit Beginn der Neunzigerjahre eine Beschleunigung der Trendproduktivit\u00e4t zu beobachten. Zur Jahrtausendwende kam es aber auch hierzulande zu einer Konvergenz im Trendwachstum bei einer Rate von 1,7%. Obwohl die spezifischen Rahmenbedingungen schwieriger sind als im westeurop\u00e4ischen Durchschnitt, weist der Schweizer Detailhandel seit 1998 ein h\u00f6heres Trendwachstum der Stundenproduktivit\u00e4t auf. Gemessen am Niveau der Stundenproduktivit\u00e4t liegt der Schweizer Detailhandel im Jahr 2004 deutlich \u00fcber dem westeurop\u00e4ischen Durchschnitt. Das Trendwachstumsdifferenzial von rund 0,5 Prozentpunkten pro Jahr ist m\u00f6glicherweise ein Indiz daf\u00fcr, dass der technologische und organisatorische Wandel im Schweizer Detailhandel erfolgreicher vonstatten ging als im \u00fcbrigen Westeuropa. F\u00fcr die kommenden Jahre ist f\u00fcr das Produktivit\u00e4tswachstumspotenzial des Schweizer Detailhandels von einer gleich bleibenden Dynamik auszugehen. Eine sp\u00fcrbare Beschleunigung des Produktivit\u00e4tswachstums w\u00e4re allenfalls dann zu erwarten, wenn verschiedene Liberalisierungsschritte parallel und in vergleichsweise kurzer Zeit realisiert w\u00fcrden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abSteigerung der Totalen Faktorproduktivit\u00e4t im Handel &#8211; USA und Westeuropa im Vergleich\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abTrendwachstum der realen Stundenproduktivit\u00e4t im Detailhandel\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Totale Faktorproduktivit\u00e4t Prinzipiell ist zwischen zwei Arten von Produktivit\u00e4tssteigerungen zu unterschieden. Zum einen l\u00e4sst sich die Arbeitsproduktivit\u00e4t durch eine h\u00f6here Kapitalintensit\u00e4t erh\u00f6hen. Bei abnehmenden Grenzertr\u00e4gen ist allerdings der Effekt einer Steigerung der Kapitalintensit\u00e4t dauerhaft nicht ausreichend. Die zweite &#8211; und damit entscheidende &#8211; Quelle f\u00fcr Produktivit\u00e4tssteigerungen ist die Erh\u00f6hung der Effizienz in der Ausnutzung der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Man spricht auch von der Steigerung der Totalen Faktorproduktivit\u00e4t (TFP). Berechnet wird die TFP als so genanntes Solow-Residuum bei der Zerlegung des Wachstums in seine Komponenten Kapital, Arbeit und technischer Fortschritt. Sind das Wachstum sowie die ersten beiden Komponenten bekannt, ergibt sich das TFP-Wachstum als Residuum.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur &#8211; Baur, M. und W. Ott, Volkswirtschaftliche Auswirkungen flexibler Laden\u00f6ffnungszeiten, Seco-Publikation Arbeitsmarktpolitik Nr. 12. Studie im Auftrag der Ressortforschung der Direktion f\u00fcr Wirtschaftspolitik, 2005.- Foster L., J. Haltiwanger und C.J. Krizan, Aggregate Productivity Growth: Lessons from Microeconomic Evidence, NBER Working Papers, 1996.- The Conference Board, The Retail Revolution, Research Report Nr. R-1358-05-RR, 2005.- Ark, B. van, R. Inklaar und R.H. McGuckin, IKT and Productivity in Europe and the United States: Where do the differences come from?, CESifo Economic Studies, Bd. 49, 3\/2003, 295-318 M\u00fcnchen, 2003.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die US-Wirtschaft w\u00e4chst seit rund einer Dekade systematisch schneller als die westeurop\u00e4ische Wirtschaft, haupts\u00e4chlich dank h\u00f6herer Produktivit\u00e4tssteigerungen. Der Handel war ein wichtiger Treiber der zunehmenden Produktivit\u00e4tsdifferenzen zwischen den USA und Westeuropa. 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