{"id":124829,"date":"2006-06-01T12:00:00","date_gmt":"2006-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/06\/salvetti-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:47:56","modified_gmt":"2023-08-23T21:47:56","slug":"salvetti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/06\/salvetti\/","title":{"rendered":"Freie Fahrt f\u00fcr den Detailhandel!"},"content":{"rendered":"<p>Der Detailhandel ist im Umbruch, und zwar in rasantem Tempo. Internationale Ketten dr\u00e4ngen auf den Schweizer Markt. Der Preisdruck steigt und die Margen sinken &#8211; sowohl f\u00fcr Lieferanten wie f\u00fcr H\u00e4ndler. Das ist zwar im Interesse der Konsumenten. Doch diese reagieren &#8211; u. a. aufgrund des noch wenig aufgehellten Arbeitsmarktes &#8211; verhalten. Der Konsument selber ist flexibel geworden. Er kauft die Jacke billig bei einer internationalen Bekleidungskette, holt sich die Musik im Internet oder f\u00e4hrt f\u00fcr den Wochenendeinkauf ins benachbarte g\u00fcnstigere Ausland. Und wenn unter der Woche die Zeit zum Einkauf fehlt, f\u00e4hrt man am Sonntag in den n\u00e4chsten Tankstellenshop. Der Kampf um den Konsumenten hat sich versch\u00e4rft, das Angebot wird immer differenzierter. Die Folge ist eine voranschreitende Flurbereinigung auf dem Schweizer Markt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZahlreiche Akteure des Schweizer Detailhandels sind bereits von der Bildfl\u00e4che verschwunden. Andere &#8211; wie EPA, Waro oder Pick Pay &#8211; sind \u00fcbernommen worden. Dieser Umbruch zeigt eines klar: Der Detailhandel hat sich in den letzten Jahren zu einer \u00e4usserst vitalen, schnell reagierenden Branche gewandelt, die vor grossen Herausforderungen steht. Sie ist gewillt, diese anzupacken. Doch auch die Politik ist gefordert, denn die volkswirtschaftliche Bedeutung des Detailhandels ist gewichtig: Im Jahr 2005 generierte er rund 75 Mrd. Franken Wertsch\u00f6pfung und besch\u00e4ftigte knapp 350&nbsp;000 Erwerbst\u00e4tige.&#13;<\/p>\n<h2>Baustelle Politik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Politik hat M\u00fche, mit dieser schnellen Ver\u00e4nderung Schritt zu halten. Viele Baustellen sind noch offen und drohen, es auch weiterhin zu bleiben. Folgende Schwerpunkte stehen dabei aus Sicht des Detailhandels im Mittelpunkt:\u00a0&#8211; Laden\u00f6ffnungszeiten: In mehreren Kantonen wurden die Laden\u00f6ffnungszeiten liberalisiert, in anderen Kantonen sind Liberalisierungen geplant. Der Widerstand von Gewerkschaften wie auch seitens des Kleingewerbes ist regelm\u00e4ssig gross. Niemand verlangt, dass die L\u00e4den rund um die Uhr sieben Tage ge\u00f6ffnet sein sollen. Aber es ist eine Tatsache, dass sich die Gewohnheiten der Konsumenten ge\u00e4ndert haben. Viele haben tags\u00fcber keine Zeit und sind froh, wenn sie nach B\u00fcroschluss noch bis 20 Uhr einkaufen k\u00f6nnen oder samstags nicht noch alles vor 16 Uhr erledigen m\u00fcssen. Wer dieses Bed\u00fcrfnis negiert, darf eines nicht vergessen: Wir sollten die Entscheidung dem Kunden und nicht dem Gesetzgeber \u00fcberlassen. Wenn keine Nachfrage besteht, wird auch niemand \u00f6ffnen.\u00a0&#8211; Verkehrspolitik: Der St\u00e4nderat hat einen ersten richtigen Schritt zur Einschr\u00e4nkung des Verbandsbeschwerderechtes unternommen. Es ist zu hoffen, dass auch der Nationalrat den gleichen Weg einschl\u00e4gt. Das an sich richtige Instrument ist leider in den letzten Jahren zu einem eigentlichen \u00abVerkehrsverhalten-Erziehungsrecht\u00bb mutiert. Wir haben unbestritten ein Verkehrsproblem. Davon zeugen die langwierigen samst\u00e4glichen Staus in den Einkaufsgebieten st\u00e4dtischer Agglomerationen und in den Innenst\u00e4dten. Untersuchungen in den wichtigsten St\u00e4dten zeigen allerdings, dass der motorisierte Konsument weit kaufkr\u00e4ftiger ist als der \u00d6V-Kunde. Der Detailhandel l\u00e4uft in den Innenst\u00e4dten Gefahr, durch Einschr\u00e4nkungen des motorisierten Verkehrs und Parkplatzmangel Kunden an die Einkaufszentren zu verlieren. In der Verkehrspolitik sind deshalb praktikable L\u00f6sungen gefragt und keine Radikalismen.\u00a0&#8211; Hochpreisland Schweiz: Viel einfacher ist es da, am Samstagmorgen ins Auto zu steigen und ins benachbarte Ausland zu fahren. Parkpl\u00e4tze stehen dort haufenweise zur Verf\u00fcgung, und der Einkauf &#8211; vor allem von Lebensmitteln &#8211; schont auf den ersten Blick den Geldbeutel. Ob der Konsument am Ende des Tages tats\u00e4chlich Geld gespart hat, sei dahingestellt. Der zunehmende Gang ins Ausland zeigt aber eines deutlich: Die Hochpreisinsel Schweiz hat ein gravierendes Problem! Im Parlament setzt sich diese Erkenntnis langsam durch. Es liegt nun beim Gesetzgeber, Parallelimporte zu erleichtern und den Agrarprotektionismus beschleunigt abzubauen. Dass die Einf\u00fchrung des Cassis-de-Dijon-Prinzips nun durch zahlreiche Ausnahmeregelungen zum Papiertiger zu verkommen droht, stimmt nachdenklich. Die Politik muss koh\u00e4renter werden. Es macht wenig Sinn, die Zollschranken gegen\u00fcber der EU beim Arbeitsmarkt aufzuheben, um sie bei den Agrarprodukten geschlossen zu halten.\u00a0&#8211; Dauerklage B\u00fcrokratie: Eine permanente Klage bleibt wohl die administrative und regulative Belastung durch den Staat. Als Paradebeispiel sei hier der administrative Dschungel \u00abMehrwertsteuer\u00bb genannt. Ans\u00e4tze zur Behebung des Missstandes sind vorhanden und werden von der Wirtschaft kr\u00e4ftig unterst\u00fctzt.\u00a0\u00a0Der Schweizer Detailhandel hat enormes Potenzial. Er braucht aber einen freien R\u00fccken, um sich entfalten zu k\u00f6nnen. Dazu hat auch die Politik ihren Beitrag zu leisten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Detailhandel ist im Umbruch, und zwar in rasantem Tempo. Internationale Ketten dr\u00e4ngen auf den Schweizer Markt. Der Preisdruck steigt und die Margen sinken &#8211; sowohl f\u00fcr Lieferanten wie f\u00fcr H\u00e4ndler. Das ist zwar im Interesse der Konsumenten. Doch diese reagieren &#8211; u. a. aufgrund des noch wenig aufgehellten Arbeitsmarktes &#8211; verhalten. 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