{"id":124839,"date":"2006-06-01T12:00:00","date_gmt":"2006-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/06\/strebel-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:47:47","modified_gmt":"2023-08-23T21:47:47","slug":"strebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/06\/strebel\/","title":{"rendered":"Vom Wettbewerb zum Preiswettbewerb im Detailhandel"},"content":{"rendered":"<p>Der ohnehin schon angespannte Wettbewerb im schweizerischen Detailhandel spitzt sich weiter zu. Der Wandel in der hiesigen Handelslandschaft wird vor allem mit dem Markteintritt des Hard-Discounters Aldi offensichtlich: Die Ladenverkaufspreise drehen nach unten. Nebst den \u00fcblichen Preisangeboten kommen laufend neue Tiefpreislinien in den Markt, die gegen das Markenangebot in den Regalen k\u00e4mpfen. Trotz der wachsenden Kanalvielfalt stellt sich allerdings die Frage nach der Wettbewerbsintensit\u00e4t im Schweizer Markt, reduziert sich doch der Wettbewerb zusehends zum reinen Preiswettbewerb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas nominelle Umsatzvolumen des schweizerischen Detailhandels betr\u00e4gt 87 Mrd. Franken &#8211; wobei die Top 3 des schweizerischen Detailhandels einen Anteil von 37% beanspruchen. An dieser Tatsache werden weder neue Hard-Discounter noch neue Convenience-Shop-Anbieter grundlegend etwas \u00e4ndern.&#13;<\/p>\n<h2>Ank\u00fcndigung von Aldi &#8211; und alle spuren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAldi ist es allein durch seine Ank\u00fcndigung, in die Schweiz zu expandieren, gelungen, die hiesige Detailhandels-Gilde in offensichtliche Betriebsamkeit zu versetzen: W\u00e4hrend die Schweizer Medien dem Discounter eine kostenlose Initialwerbung im Gegenwert eines zweistelligen Millionenbetrags erm\u00f6glichten, begannen die Detailh\u00e4ndler zu reagieren. Einer preisaggressiven Werbung folgten bald neue (noch billigere) Aktionsangebote: Die Migros baute ihre bestehende M-Budget-Tiefpreislinie aus, und Coop lancierte Anfang 2005 ihre analoge Linie \u00abPrix Garantie\u00bb. Flankiert wurden die Aktivit\u00e4ten von immer lauter werdenden Rufen der Grossverteiler nach politischer Sch\u00fctzenhilfe in Form von Liberalisierungsmassnahmen und &#8211; last, but not least &#8211; der Unterst\u00fctzung durch die Lieferanten in Form von Preis-Zugest\u00e4ndnissen, mit Blick auf die Preisdifferenzen zwischen der Schweiz und Deutschland. Aber ist dieser Vergleich \u00fcberhaupt fair?&#13;<\/p>\n<h2>Grosse Kosten- und Margenunterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDeutschland ist in Europa das absolute Tiefstpreisland f\u00fcr Konsumg\u00fcter des t\u00e4glichen Bedarfs. Dies h\u00e4ngt einerseits mit dem bekannten Faktor der Kostendifferenz zwischen den beiden L\u00e4ndern, andererseits mit den immer noch bestehenden, teilweise sehr hohen Schutzz\u00f6llen zusammen. Ein wichtiger Faktor wird indes selten bis nie beachtet, n\u00e4mlich die grossen Kosten- und Margenunterschiede des Detailhandels in der Schweiz im Vergleich zum Ausland, insbesondere Deutschland. Eine Analyse von PME zeigt auf, dass bei den Handelsmargen der Detailh\u00e4ndler innerhalb Europas wesentliche Unterschiede bestehen. W\u00e4hrend der Discounter Aldi mit einer durchschnittlichen Marge von ca. 15% einen satten Betriebsgewinn von \u00fcber 6% erwirtschaftet, ben\u00f6tigt die Migros nach eigenen Publikationen (M-Magazin) fast die doppelte Bruttomarge (29,6%), um einen Betriebsgewinn von 2,4% zu erzielen. Beim Mitbewerber Coop sind die Zahlen im \u00e4hnlichen Bereich. Interessant ist dabei vor allem der Vergleich der Personalkosten. Diese sind bei beiden Grossverteilern um das Vierfache h\u00f6her als bei den deutschen Wettbewerbern. Fairerweise m\u00fcssen dabei auch der wesentlich h\u00f6here Servicegrad, die Frische-Angebote und der von den Konsumenten gew\u00fcnschte Einkaufskomfort bei beiden Genossenschaften ber\u00fccksichtigt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Permanenter Anpassungsdruck bleibt bestehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer gesamte schweizerische Detailhandel wird durch die Folgen von Globalisierung, soziodemografischer Ver\u00e4nderung, neuen Technologien und sich st\u00e4ndig wandelnden Konsumentenbed\u00fcrfnissen einem permanenten Anpassungsdruck ausgesetzt sein. Diese Herausforderung sp\u00fcrt auch die Markenartikelindustrie, da der bestehende Druck des Handels noch ultimativer an die Lieferanten weitergereicht wird. Mehr denn je werden f\u00fcr gute Marken Qualit\u00e4t, Produktesicherheit und Innovationsf\u00e4higkeit von zentraler Bedeutung sein. Hyperaktivismus mit kurzfristigen Preisaktivit\u00e4ten ist als Mittel zur Vertrauensbildung bei den Konsumenten genauso wenig geeignet wie zur langfristigen Werterhaltung der Marke.\u00a0Auch im Handel wird sich der Wettbewerb noch weiter versch\u00e4rfen. Obwohl die Schweiz als kleiner komplexer Markt mit hoher Diversit\u00e4t bekannt ist, melden laufend neue ausl\u00e4ndische Detailh\u00e4ndler ihr Interesse an diesem Markt an. So wird voraussichtlich auch der deutsche Hard-Discounter Lidl in der Schweiz aktiv werden; der britische Retailer \u00abMarks &amp; Spencer\u00bb hat seine erste Filiale in Genf bereits er\u00f6ffnet. Ob es allerdings den bereits aktiven neuen Detailh\u00e4ndlern zusammen mit den potenziellen Neueinsteigern gelingt, den beiden etablierten Genossenschaften die Konsumenten &#8211; und somit auch die Marktanteile &#8211; auf lange Sicht streitig zu machen, wird sich erst weisen m\u00fcssen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ohnehin schon angespannte Wettbewerb im schweizerischen Detailhandel spitzt sich weiter zu. Der Wandel in der hiesigen Handelslandschaft wird vor allem mit dem Markteintritt des Hard-Discounters Aldi offensichtlich: Die Ladenverkaufspreise drehen nach unten. Nebst den \u00fcblichen Preisangeboten kommen laufend neue Tiefpreislinien in den Markt, die gegen das Markenangebot in den Regalen k\u00e4mpfen. 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