{"id":124934,"date":"2006-04-01T12:00:00","date_gmt":"2006-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/04\/aeberhardt-schlapfer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:19","slug":"aeberhardt-schlapfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/04\/aeberhardt-schlapfer\/","title":{"rendered":"\u00c4ltere Arbeitnehmende und Wirtschaftswachstum"},"content":{"rendered":"<p>Die demografische Alterung f\u00fchrt in der Schweiz in den kommenden 10 bis 15 Jahren zu einem sinkenden Anteil der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter. Damit wird eine sp\u00fcrbare \u00c4nderung in der Altersstruktur einhergehen. Diese Entwicklung beeinflusst das Wirtschaftswachstum und die Finanzierung der Sozialversicherungen. Der Bundesrat hat deshalb im Rahmen des Wachstumspakets die Verwaltung beauftragt, Vorschl\u00e4ge zur Verbesserung der Arbeitsmarktbeteiligung \u00e4lterer Arbeitnehmender vorzulegen. Der entsprechende Massnahmenbericht wurde am 9. Dezember 2005 vom Bundesrat angenommen. Mittels einer erh\u00f6hten Arbeitsmarktbeteiligung soll das Wirtschaftswachstum gest\u00e4rkt und so die Finanzierung der Sozialwerke zur Alterssicherung langfristig gesichert werden. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200604_04_Aeberhardt-Schlapfer_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"256\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Die demografische Herausforderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss dem Trend-Szenario des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) w\u00e4chst die Erwerbsbev\u00f6lkerung im kommenden Jahrzehnt zuerst nur noch schwach und geht dann leicht zur\u00fcck. Bei unver\u00e4nderter Produktivit\u00e4tsentwicklung und Beteiligung am Arbeitsmarkt (Partizipation) wird die reale j\u00e4hrliche Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts (BIP) in dieser Zeitspanne knapp unter einem Prozentpunkt liegen. \u00a0Zudem wird der Anteil der Rentner &#8211; gemessen an der Erwerbsbev\u00f6lkerung (Altersquotient) &#8211; von 25% im Jahre 2000 auf 36% im Jahre 2025 und weiter bis auf 43% im Jahr 2050 ansteigen. Damit stellt sich das Problem der Finanzierung der Sozialversicherungen, insbesondere des Gesundheitswesens und der Altersvorsorge. \u00a0Die Schweiz steht mit der demografischen Alterung nicht alleine da, weist aber grundlegend andere Bedingungen als andere L\u00e4nder auf. Im internationalen Vergleich ergibt sich das folgende Bild. OECD (2006): Live Longer, Work Longer. Ageing and Employment Policies, Paris. \u00a0&#8211; In Japan ist die demografische Alterung bereits heute stark fortgeschritten. Die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen wird sogar bei steigender Partizipation abnehmen. \u00a0&#8211; In den meisten europ\u00e4ischen OECD-L\u00e4ndern ist die Partizipation \u00e4lterer Arbeitnehmender sehr niedrig. Gem\u00e4ss den Szenarien der OECD k\u00f6nnte eine erfolgreiche Anhebung der Partizipation \u00e4lterer Arbeitnehmender dazu f\u00fchren, dass die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen noch \u00fcber das n\u00e4chste Jahrzehnt hinweg zunehmen w\u00fcrde. \u00a0&#8211; In einer komfortablen Lage befinden sich die USA. Unabh\u00e4ngig von der Entwicklung der Partizipation wird die Anzahl der Erwerbst\u00e4tigen in den n\u00e4chsten Jahrzehnten steigen. \u00a0\u00a0In Grafik 1 ist ersichtlich, dass angesichts der hohen Beteiligung \u00e4lterer Arbeitnehmender in der Schweiz im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern wenig Reserven vorhanden sind. Allenfalls l\u00e4sst sich noch die Arbeitsmarktbeteiligung der Frauen leicht erh\u00f6hen. Allerdings sind heute in der Schweiz deutliche Anzeichen eines Trends zu einem fr\u00fchzeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben auszumachen. Vuille, Alain (2000): Das gesetzliche Rentenalter &#8211; eine willk\u00fcrliche Grenze?, in: Sake-News, Nr.15, Bundesamt f\u00fcr Statistik, Neuenburg. Dazu ist zu bedenken, dass das System der beruflichen Vorsorge &#8211; im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten &#8211; einen hohen Ausbaustandard erreicht hat. Dies macht es immer breiteren Bev\u00f6lkerungskreisen m\u00f6glich, sich fr\u00fchzeitig pensionieren zu lassen. Sollte sich dieser Trend auf breiter Front durchsetzen, w\u00fcrden sich die Probleme der demografischen Alterung zus\u00e4tzlich versch\u00e4rfen. \u00a0Wenn unser Land seine Position als hoch entwickelte Volkswirtschaft halten und der Staat seine grundlegenden Aufgaben finanzieren will, ist ein angemessenes Wirtschaftswachstum unerl\u00e4sslich. Neben einem langfristigen Produktionswachstum kann auch eine erh\u00f6hte Partizipation am Arbeitsmarkt dazu beitragen. Die Szenarien der OECD zeigen auf, welch wichtige Rolle Letztere dabei spielt.&#13;<\/p>\n<h2>Ist die Forderung nach einer hohen Partizipation weltfremd?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn Anbetracht der Tatsache, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz gegenw\u00e4rtig hoch ist, stellt sich die grunds\u00e4tzliche Frage, ob \u00e4ltere Erwerbst\u00e4tige auf dem Arbeitsmarkt nicht den arbeitssuchenden J\u00fcngeren die Arbeitspl\u00e4tze streitig machen. Weiter wird gegen eine hohe Arbeitsmarktbeteiligung \u00c4lterer oft argumentiert, dass diese h\u00e4ufig nicht mehr fit genug seien, um den gestiegenen Anforderungen der Arbeitswelt gewachsen zu sein. Zudem sei der Arbeitsmarkt f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitnehmende sehr ung\u00fcnstig.\u00a0Gegen diese Sicht der Dinge sprechen unter den heute absehbaren ver\u00e4nderten sozialen und \u00f6konomischen Bedingungen der Zukunft die folgenden Argumente: \u00a0&#8211; Erstens mussten viele Unternehmen nach dem forcierten Ausscheiden \u00e4lterer Arbeitskr\u00e4fte in den Neunzigerjahren feststellen, dass ihnen Erfahrung und Wissen in unerw\u00fcnscht hohem Masse verloren gegangen sind. Eine h\u00f6here Partizipation \u00e4lterer Arbeitnehmender wirkt komplement\u00e4r zu derjenigen der Jungen und \u00fcbt keinen negativen Einfluss auf die Besch\u00e4ftigungsaussichten der Jungen. \u00a0&#8211; Zweitens verf\u00fcgen die \u00e4lteren Arbeitnehmenden mit jeder neuen Generation im Durchschnitt \u00fcber einen h\u00f6heren Bildungsstand. Ihre Anpassungsf\u00e4higkeit an neue Techniken und Situationen ist deutlich gr\u00f6sser als noch vor wenigen Jahren. \u00a0&#8211; Drittens d\u00fcrften in einer alternden Bev\u00f6lkerung gut qualifizierte junge Leute immer knapper werden. Geeignete j\u00fcngere Arbeitskr\u00e4fte werden schwieriger zu finden sein. Eine steigende Nachfrage nach Arbeitsleistungen wird daher zwangsl\u00e4ufig auf die \u00c4lteren zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen. \u00a0\u00a0Fragen der Partizipation betreffen die Lebensplanung der Menschen und sind damit langfristiger Natur. \u00c4nderungen k\u00f6nnen nicht kommandiert oder mit der Brechstange umgesetzt werden. Derartige Anpassungen m\u00fcssen m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig von der Tagesaktualit\u00e4t fr\u00fchzeitig diskutiert, politisch entschieden und schliesslich von langer Hand institutionell und administrativ in die Tat umgesetzt werden. Nur auf diese Weise entwickeln sich \u00abwohl erworbene Rechte\u00bb in den Sozialversicherungen nicht zu demografisch bedingten finanziellen Zeitbomben. Wenn das Problem virulent ist, ist es bereits zu sp\u00e4t f\u00fcr eine angemessene Reaktion.&#13;<\/p>\n<h2>Eine umfassende Strategie ist unumg\u00e4nglich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Meisterung der demografischen Alterung macht eine umfassende Strategie unabdingbar. Von prim\u00e4rer Bedeutung sind hier die Massnahmen des Wachstumspakets des Bundesrates, welche in ihrer Mehrheit auf eine Steigerung der Pro-Kopf-Produktivit\u00e4t abzielen. \u00a0Die Sozialpartner haben einen entscheidenden Einfluss auf die Vertrags- und allgemeinen Arbeitsbedingungen. Ihnen obliegt beispielsweise die Aushandlung der L\u00f6hne oder die Modalit\u00e4ten der Weiterbildung. Erw\u00e4hnt sei lediglich der sich im Gang befindende Umbau des Lohnsystems, der die vermehrte Einf\u00fchrung von Leistungsl\u00f6hnen zum Ziel hat. Das traditionelle System der Anciennit\u00e4tsl\u00f6hne soll in den Hintergrund treten, weil es sich oft ung\u00fcnstig auf die Besch\u00e4ftigungschancen \u00e4lterer Arbeitnehmender auswirkt. \u00a0Eine Personalpolitik, welche die Arbeitsbedingungen, die Gesundheit am Arbeitsplatz, den Umgang mit \u00e4lteren Arbeitnehmenden und Problemgruppen ad\u00e4quat angeht, kann nur innerhalb der Unternehmen erarbeitet werden. Der Staat kann allenfalls dazu beitragen, dass die Beispiele guter Praxis \u00fcber die Unternehmen hinaus verbreitet werden. \u00a0Das Gemeinwesen ist in erster Linie zust\u00e4ndig f\u00fcr die Weiterentwicklung und den Vollzug von Gesetzen. Hier spielen einerseits die Vorsorgewerke, die Arbeitslosenversicherung (ALV) und das Arbeitsgesetz eine Rolle. Bez\u00fcglich dieser Kompetenzbereiche werden detaillierte \u00c4nderungsvorschl\u00e4ge in verschiedenen Artikeln des Monatsthemas in dieser Ausgabe des Magazins \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb pr\u00e4sentiert. \u00a0Generell ist keine grundlegende Neuorientierung der Gesetzgebung notwendig. Das 3-S\u00e4ulen-System hat sich als sehr robust erwiesen und wird in der Lage sein, den demografischen Wandel unter Beachtung der Generationengerechtigkeit \u00f6konomisch zu bew\u00e4ltigen. Auch in der ALV und im Arbeitsgesetz sind keine grundlegenden Weichenstellungen n\u00f6tig. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese Gesetzgebungen in Zeiten einer wachsenden Erwerbsbev\u00f6lkerung entwickelt wurden. Daher besteht angesichts der demografischen Alterung in gewissen Bereichen &#8211; sowohl bei den Gesetzen selber als auch bei deren Vollzug &#8211; Anpassungsbedarf.&#13;<\/p>\n<h2>Massnahmenpaket \u00abPartizipation \u00e4lterer Arbeitnehmender\u00bb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Bundesrat hat am 9. Dezember 2005 ein Massnahmenpaket zu Gunsten der Arbeitsmarktbeteiligung \u00e4lterer Arbeitnehmender angenommen. Die Stossrichtungen dieser von der gemischten Arbeitsgruppe aus dem Eidg. Volkswirtschaftsdepartement (EVD) und dem Eidg. Departement des Innern (EDI) vorgeschlagenen Massnahmen sind folgende:\u00a0&#8211; eine anreizneutrale Ausgestaltung der Sozialgesetzgebung; \u00a0&#8211; eine altersgerechte Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen sowie Massnahmen zum Erhalt und zur F\u00f6rderung der Gesundheit am Arbeitsplatz;\u00a0&#8211; Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen \u00e4lterer Arbeitnehmender.&#13;<\/p>\n<h3>Anreizneutrale Ausgestaltung der Sozialgesetzgebung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie schweizerische Sozialgesetzgebung zeichnet sich dadurch aus, dass auf eine ausdr\u00fcckliche Bevorzugung eines fr\u00fchzeitigen Ausscheidens aus dem Arbeitsmarkt verzichtet worden ist. Damit erkl\u00e4rt sich auch die Tatsache, dass die Partizipation \u00e4lterer Arbeitskr\u00e4fte im Vergleich zu andern L\u00e4ndern hoch ist. Trotzdem bestehen heute noch Anreize, welche ein vollst\u00e4ndiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben beg\u00fcnstigen, die es zu beseitigen gilt.&#13;<\/p>\n<h4>Flexiblere Arbeitszeitgestaltung im Alter<\/h4>\n<p>&#13;<br \/>\nUnflexible Arbeitsmodelle und starre Regelungen in den Vorsorgeeinrichtungen legen heute oft ein zu hohes Gewicht auf eine Beibehaltung der Vollzeitarbeit oder den Verbleib in einer hoch bezahlten anspruchsvollen Position. Andernfalls droht ein empfindlicher materieller Verlust, namentlich in der 2. S\u00e4ule. Daher wird der Einbau von mehr Flexibilit\u00e4t in das Arbeitsverh\u00e4ltnis vorgeschlagen. Dies bietet den Arbeitnehmenden die M\u00f6glich-keit, eine ihrem Leistungsverm\u00f6gen besser angepasste, aber allenfalls tiefer entsch\u00e4digte Funktion auszu\u00fcben oder das Arbeitspensum entsprechend zu reduzieren, ohne daf\u00fcr lebensl\u00e4ngliche Rentenk\u00fcrzungen in Kauf nehmen zu m\u00fcssen. Dadurch wird der Verbleib im Arbeitsprozess attraktiver (vgl. Kasten 1 Der Vorschlag, zur Steigerung der Arbeitsmarktbeteiligung \u00c4lterer die Flexibilit\u00e4t beim Altersr\u00fccktritt zu erh\u00f6hen, mag auf den ersten Blick erstaunen. W\u00e4re es nicht einfacher und wirksamer, ein fr\u00fchzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt materiell zu bestrafen? Und wird die Flexibilit\u00e4t nicht dazu benutzt, noch fr\u00fcher aus dem Arbeitsmarkt auszuscheiden? Bei n\u00e4herer Betrachtung erscheinen beide Einw\u00e4nde als unbegr\u00fcndet.Zum ersten Einwand ist zu bemerken, dass der volkswirtschaftliche Wohlstand nur dann gesteigert wird, wenn die Entscheide der Wirtschaftssubjekte aufgrund unverzerrter Anreize erfolgen. Die Wahl eines fr\u00fchen Pensionierungszeitpunktes darf demnach durch die Vorsorgeeinrichtungen weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Ein Zwang zu l\u00e4ngerem Arbeiten w\u00fcrde dagegen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in irgendeiner Weise unterlaufen, beispielsweise durch Invalidit\u00e4t oder durch ein allgemein zur\u00fcckhaltenderes Angebot an Arbeitsleistung. Gegen den zweiten Einwand spricht, dass die Zahl derjeniger, die bei h\u00f6herer Flexibilit\u00e4t die Chance einer Weiterbesch\u00e4ftigung wahrnehmen, gr\u00f6sser sein d\u00fcrfte als die Zahl derer, die heute zwangsweise eine volle Besch\u00e4ftigung bis zur Pensionierung aufrechterhalten. Dies deshalb, weil \u00e4ltere Arbeitnehmende in Zukunft g\u00fcnstigere Arbeitsmarktbedingungen vorfinden und besser ausgebildet sein werden als heute. Zudem werden immer weniger Einrichtungen der beruflichen Vorsorge in der Lage sein, grossz\u00fcgige Bedingungen anzubieten.).&#13;<\/p>\n<h4>Finanzielle Anreize zur Weiterarbeit nach dem Pensionierungsalter<\/h4>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Rentner werden in Zukunft aktiver und ges\u00fcnder sein. Daher lohnt es sich, die Bedingungen daf\u00fcr zu schaffen, dass die Flexibilit\u00e4t nicht nur in Richtung einer vorgezogenen Pensionierung, sondern auch auf eine verl\u00e4ngerte berufliche Aktivit\u00e4t hinwirkt. Arbeit ist zwar zun\u00e4chst einmal nur ein notwendiges \u00dcbel, kann sich aber auch zu einem Faktor entwickeln, der Lebenssinn und Lebensfreude vermittelt. Besonders evident ist dies bei der Freiwilligenarbeit. Bei bezahlter Arbeit d\u00fcrfte sich dieser wichtige Aspekt \u00fcberwiegend bei gut qualifizierter und abwechslungsreicher Arbeit realisieren. Altersgerechte Teilzeitstellen im Rentenalter k\u00f6nnen hier sowohl f\u00fcr Arbeitnehmende als auch Arbeitgeber eine Chance darstellen.&#13;<\/p>\n<h3>Altersgerechte Arbeitsbedingungen und Verbesserung der gesundheitlichen Voraussetzungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcber Jahrzehnte war die Arbeitswelt vor allem durch eine dynamische demografische Entwicklung gekennzeichnet. Die j\u00fcngeren Jahrg\u00e4nge waren zahlenm\u00e4ssig st\u00e4rker und besser ausgebildet als die vorangehenden. Dies f\u00fchrte zu einer Ausrichtung der Arbeitswelt vor allem auf die Jungen. Weil sich die Situation in Zukunft \u00e4ndern wird, ist eine mehrj\u00e4hrige, auf guten Praxisbeispielen abgest\u00fctzte Informationskampagne geplant. Weiter sollen Hilfsmittel und Weiterbildungsangebote bereitgestellt werden, welche leistungsgerechte Arbeitsbedingungen beg\u00fcnstigen und heute mehr denn je unbegr\u00fcndete Vorurteile eliminieren. \u00a0Aus \u00f6konomischer Sicht geht es darum, die individuelle Produktivit\u00e4t der Arbeitnehmenden zu beeinflussen und ihnen gleichzeitig dank Flexibilisierungen mehr Optionen der Lebensgestaltung offen zu halten. Einerseits sollen die Arbeitsbedingungen dahingehend ausgestaltet werden, dass die Produktivit\u00e4t im Alter m\u00f6glichst wenig absinkt. Anderseits m\u00fcssen die Produktivit\u00e4tsanforderungen so gesetzt werden, dass sie auch erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen (Stichwort: altersgerechte Arbeitspl\u00e4tze).&#13;<\/p>\n<h3>Arbeitsmarktchancen \u00e4lterer Arbeitnehmender verbessern<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00c4ltere Arbeitnehmende sind heute zwar deutlich weniger h\u00e4ufig von Arbeitslosigkeit betroffen. Doch noch immer gestaltet sich f\u00fcr sie die Stellensuche sehr schwierig, wenn sie einmal arbeitslos geworden sind. In den kommenden Jahren wird der Anteil der \u00e4lteren Erwerbst\u00e4tigen an der gesamten Erwerbsbev\u00f6lkerung zunehmen, sodass sich auch das Durchschnittsalter der Stellensuchenden erh\u00f6hen wird. Damit wird die Arbeitsvermittlung vor neue Herausforderungen gestellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abSzenarien der Erwerbst\u00e4tigenzahl bei unterschiedlichen Partizipationsraten f\u00fcr die Schweiz, die USA, die EU und Japan, 1950-2050 (in Mio. Personen)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2 \u00abQuoten des vorzeitigen Ruhestands bei den 62- bis 64-j\u00e4hrigen M\u00e4nnern und den 59- bis 61-j\u00e4hrigen Frauen, 1991-2000 (in&nbsp;%, Zweijahresdurchschnittswerte)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Einw\u00e4nde gegen h\u00f6here Flexibilit\u00e4t beim Altersr\u00fccktritt Der Vorschlag, zur Steigerung der Arbeitsmarktbeteiligung \u00c4lterer die Flexibilit\u00e4t beim Altersr\u00fccktritt zu erh\u00f6hen, mag auf den ersten Blick erstaunen. W\u00e4re es nicht einfacher und wirksamer, ein fr\u00fchzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt materiell zu bestrafen? Und wird die Flexibilit\u00e4t nicht dazu benutzt, noch fr\u00fcher aus dem Arbeitsmarkt auszuscheiden? Bei n\u00e4herer Betrachtung erscheinen beide Einw\u00e4nde als unbegr\u00fcndet.Zum ersten Einwand ist zu bemerken, dass der volkswirtschaftliche Wohlstand nur dann gesteigert wird, wenn die Entscheide der Wirtschaftssubjekte aufgrund unverzerrter Anreize erfolgen. Die Wahl eines fr\u00fchen Pensionierungszeitpunktes darf demnach durch die Vorsorgeeinrichtungen weder bevorzugt noch benachteiligt werden. Ein Zwang zu l\u00e4ngerem Arbeiten w\u00fcrde dagegen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in irgendeiner Weise unterlaufen, beispielsweise durch Invalidit\u00e4t oder durch ein allgemein zur\u00fcckhaltenderes Angebot an Arbeitsleistung. Gegen den zweiten Einwand spricht, dass die Zahl derjeniger, die bei h\u00f6herer Flexibilit\u00e4t die Chance einer Weiterbesch\u00e4ftigung wahrnehmen, gr\u00f6sser sein d\u00fcrfte als die Zahl derer, die heute zwangsweise eine volle Besch\u00e4ftigung bis zur Pensionierung aufrechterhalten. Dies deshalb, weil \u00e4ltere Arbeitnehmende in Zukunft g\u00fcnstigere Arbeitsmarktbedingungen vorfinden und besser ausgebildet sein werden als heute. Zudem werden immer weniger Einrichtungen der beruflichen Vorsorge in der Lage sein, grossz\u00fcgige Bedingungen anzubieten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die demografische Alterung f\u00fchrt in der Schweiz in den kommenden 10 bis 15 Jahren zu einem sinkenden Anteil der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter. Damit wird eine sp\u00fcrbare \u00c4nderung in der Altersstruktur einhergehen. Diese Entwicklung beeinflusst das Wirtschaftswachstum und die Finanzierung der Sozialversicherungen. Der Bundesrat hat deshalb im Rahmen des Wachstumspakets die Verwaltung beauftragt, Vorschl\u00e4ge zur [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2690,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2690,"seco_co_author":[2782,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Leiter Ressort Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (seco), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"Chef du secteur Analyse du march\u00e9 du travail et politique sociale,Secr\u00e9tariat d'\u00c9tat \u00e0 l'\u00e9conomie (seco), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":2782,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, Direktion f\u00fcr Wirtschaftspolitik,Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (seco), Bern","seco_co_author_post_occupation_fr":"Chef du secteur Analyse du march\u00e9 du travail et politique sociale, direction de la Politique \u00e9conomique, Secr\u00e9tariat d'\u00c9tat \u00e0 l'\u00e9conomie (seco), Berne"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":124937,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"9181","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55dae86dd969f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124934"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2690"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124934"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124934\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128443,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124934\/revisions\/128443"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2782"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124934"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=124934"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=124934"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=124934"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=124934"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=124934"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}