{"id":124984,"date":"2006-04-01T12:00:00","date_gmt":"2006-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/04\/roth-mordasini-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:34","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:34","slug":"roth-mordasini","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/04\/roth-mordasini\/","title":{"rendered":"Armutsorientiertes Wachstum &#8211; ein Schl\u00fcssel zur Erreichung der Millennium-Ziele?"},"content":{"rendered":"<p>Armut geht l\u00e4ngerfristig nur zur\u00fcck, wenn die Entwicklungsl\u00e4nder nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum verzeichnen. Allerdings tr\u00e4gt das Wachstum nicht immer gleich stark zur Minderung der Armut bei. Das Konzept des \u00abPro-Poor Growth\u00bb geht deshalb der Frage nach, wie Wachstumsprozesse ausgestaltet sein m\u00fcssen, damit eine m\u00f6glichst wirksame Armutsreduktion resultiert. Der Ansatz tr\u00e4gt zu einem besseren Verst\u00e4ndnis der grundlegenden Zusammenh\u00e4nge und zu einer Versachlichung der Diskussion bei. Er bringt jedoch Entwicklungs- und Geberl\u00e4ndern bisher wenig konkrete Handlungsanweisungen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200604_18_Roth-Mordasini_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"278\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Beeindruckendes Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Weltwirtschaft war w\u00e4hrend den letzten Jahren durch eine relative Stabilit\u00e4t sowie bessere Politiken und Methoden im makro\u00f6konomischen Bereich gekennzeichnet; so ist die Inflation praktisch \u00fcberall unter Kontrolle und sind die Fiskalsysteme verbessert worden. Beides hat dazu beigetragen, dass das Wirtschaftswachstum in den meisten Regionen beeindruckend hoch ist. In den Schwellenl\u00e4ndern erreichten die Wachstumsraten seit einigen Jahren satte 6% bis 10%. Angetrieben von China verzeichnete Asien generell das rascheste Wirtschafswachstum. Lateinamerika hat sich im Vergleich zur Situation Ende der Neunzigerjahre in vielerlei Hinsicht ver\u00e4ndert und auf den Wachstumspfad zur\u00fcckgefunden. Wachstumsraten um 5% sind dort jetzt weit verbreitet. Auch Osteuropa wartet mit guten Zahlen auf. \u00a0Selbst in Afrika gibt es ungef\u00e4hr ein Dutzend L\u00e4nder mit einem Wachstum \u00fcber 5% pro Jahr; Tansania und Mosambik erreichten 2003 und 2004 mehr als 6%. Vgl. Bernasconi, Jean-Luc, Germann, Ivo: Afrikahilfe &#8211; Partnerschaften zur St\u00e4rkung der makro\u00f6konomischen Stabilit\u00e4t. In: Die Volkswirtschaft 1\/2-2006, S. 63ff. Insgesamt haben die vorteilhaften Konjunkturbedingungen diversen Staaten erm\u00f6glicht, ihre Finanzen zu sanieren oder die Auslandverschuldung abzubauen. Grunds\u00e4tzlich haben auch die Ausweitung des internationalen Handels und die Erh\u00f6hung der ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen zu diesen Wachstumsraten beigetragen. \u00a0Wirtschaftliches Wachstum ist eine Grundvoraussetzung &#8211; h\u00e4ufig sogar der wichtigste Faktor &#8211; zur Armutsreduktion. In der Regel ist die Armutsreduktion umso ausgepr\u00e4gter, je h\u00f6her die Wachstumsrate ausf\u00e4llt. Neben der H\u00f6he spielt auch die Stabilit\u00e4t des Wachstums eine wichtige Rolle: Diejenigen Entwicklungsl\u00e4nder, welche in wissenschaftlichen Untersuchungen bez\u00fcglich der H\u00f6he der Wachstumsrate und dem Grad der Armutsreduktion besonders gut abschnitten, verzeichneten \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeitperiode vergleichsweise weniger R\u00fcckschl\u00e4ge aufgrund von wirtschaftlichen Krisen oder kriegerischen Konflikten. World Bank, Pro-Poor Growth in the 1990s, Lessons and Insights from 14 Countries, 2005, und Kraay, When is Growth Pro-Poor?: Evidence from a Panel of Countries, World Bank, 2004.&#13;<\/p>\n<h2>Weniger Armut, grosse regionale Unterschiede<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss den Daten der Weltbank hat die weltweite Armut in den letzten 25 Jahren insgesamt sowohl absolut als auch prozentual abgenommen: 1981 lebten ungef\u00e4hr 1,5 Mrd. Menschen &#8211; oder 40% der Weltbev\u00f6lkerung &#8211; unter der statistischen Armutsgrenze von 1 US-$ Einkommen pro Tag. 2001 waren es noch 1,1 Mrd. Menschen, was rund 21% der Weltbev\u00f6lkerung entspricht. \u00a0Allerdings gibt es betr\u00e4chtliche regionale Unterschiede: In China und Indien stieg das Einkommen zwischen 1981 und 2001 von zus\u00e4tzlichen 500 Mio. Menschen \u00fcber die Armutsgrenze. In Vietnam hat sich der Anteil der Bev\u00f6lkerung unter der Armutsgrenze auf 30% halbiert. Gleichzeitig nahm jedoch die Armut in Afrika s\u00fcdlich der Sahara von 47% auf 49% zu. Das durchschnittliche Einkommen dieser \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsgruppe, welches ein Jahrzehnt zuvor noch 0,62 US-$ betragen hatte, sank zudem auf 0,60 US-$. In verschiedenen Gebieten Lateinamerikas, Osteuropas und Zentralasiens hat sich der Anteil der armen Bev\u00f6lkerung an der Gesamtbev\u00f6lkerung ebenfalls nicht wesentlich ver\u00e4ndert. \u00a0In diversen rohstoffreichen Staaten Afrikas und Lateinamerikas sowie insbesondere in Russland ist die Entwicklung zudem wenig nachhaltig, da sie weit gehend durch die hohen Rohstoffpreise zustande kam. So hat in Russland der Prozentsatz der Bev\u00f6lkerung mit Einkommen unter dem offiziellen Existenzminimum zwischen 2001 und 2005 von 27,3% auf gesch\u00e4tzte 16,5% abgenommen. Dies war aber nur m\u00f6glich, weil der Preis pro Fass Erd\u00f6l der Marke Ural in derselben Periode von 23 US-$ auf gut 60 US-$ gestiegen ist. Aufgrund der ausgepr\u00e4gten Rohstoffabh\u00e4ngigkeit braucht es wenig, damit der aktuelle Wirtschaftsboom zu Ende geht und die eben erst entstehende Mittelklasse Russlands, welche Dutzende Millionen Personen z\u00e4hlt und kaum \u00fcber Ersparnisse verf\u00fcgt, wieder zur\u00fcckgeworfen wird. NZZ, 11.\/12. Februar 2006.&#13;<\/p>\n<h2>Halbierung der weltweiten Armut bis 2015<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen der so genannten \u00abMillennium-Deklaration\u00bb hat sich die internationale Gemeinschaft im Jahr 2000 das Ziel gesetzt, die weltweite Armut &#8211; definiert als Anteil der Menschen, welche t\u00e4glich mit weniger als 1 US-$ auskommen m\u00fcssen &#8211; bis ins Jahr 2015 zu halbieren. Wie der k\u00fcrzlich publizierte Jahresbericht 2005 des Development Assistance Committe (DAC) der OECD festh\u00e4lt, braucht es zur Erreichung dieses ambiti\u00f6sen Ziels noch sehr viel. Einerseits sind verst\u00e4rkte eigene Anstrengungen der Entwicklungsl\u00e4nder notwendig. Dazu geh\u00f6ren eine Verbesserung der Qualit\u00e4t ihrer Wirtschaftspolitik, gesicherte Eigentumsrechte und eine Eind\u00e4mmung der Korruption. Gleichzeitig wird auch eine substanzielle Erh\u00f6hung der internationalen Entwicklungshilfe n\u00f6tig sein; Sch\u00e4tzungen gehen von fast einer Verdreifachung bis 2015 aus. Die Verbesserung der Lebensumst\u00e4nde in der Dritten Welt wird jedoch &#8211; neben dem Umfang &#8211; insbesondere auch von einer besseren Wirksamkeit der Entwicklungshilfe abh\u00e4ngen. Zudem braucht es weiterhin ein rasches und nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum, welches gem\u00e4ss dem DAC verst\u00e4rkt armutsorientiert (\u00abpro-poor\u00bb) sein muss. OECD, DAC, Development Co-Operation Report, Paris, Februar 2006.&#13;<\/p>\n<h2>Konzept des \u00abarmutsorientierten Wachstums\u00bb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter Entwicklungsexperten wurde das Konzept der so genannten \u00abPro-Poor Growth\u00bb (armutsorientiertes Wachstum) bisher kontrovers diskutiert. Dies lag vielfach daran, dass die Frage darauf reduziert wurde, ob eine absolute oder eine relative Definition verwendet werden soll: \u00a0&#8211; Aus der einen Sicht ist Wirtschaftswachstum armutsorientiert, wenn die Armen in absoluten Zahlen profitieren. So legt beispielsweise das Millennium-Entwicklungsziel den Fokus auf die absolute Rate, mit welcher das Einkommen der \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst &#8211; mit der entsprechenden Forderung an die (Entwicklungs-)Politik, prim\u00e4r f\u00fcr ein m\u00f6glichst hohes Wachstum zu sorgen. \u00a0&#8211; Aus der anderen Optik erscheint weniger die \u00ababstrakte makro\u00f6konomische Kennzahl des Pro-Kopf-Einkommens in Prozent pro Jahr\u00bb entscheidend, sondern dass die \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsgruppen vom Wachstum relativ st\u00e4rker profitieren als die reicheren. Entsprechend muss aus dieser Sicht Verteilungsaspekten ein besonderes Gewicht beigemessen werden.\u00a0\u00a0F\u00fcr das DAC, welches k\u00fcrzlich ebenfalls ein Grundsatzpapier zum Thema \u00abPro-Poor Growth\u00bb vorgestellt hat, sind sowohl die absolute wie auch die relative Definition n\u00fctzlich und hilfreich. OECD\/DAC, Promoting Pro-Poor Growth, Paris, M\u00e4rz 2006. In L\u00e4ndern wie Vietnam, Indien, El Salvador, Ghana und Uganda hat das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf insgesamt st\u00e4rker zugenommen als die Einkommen der Bev\u00f6lkerung unter der Armutsgrenze (vgl. Grafik 1). Damit w\u00e4re das Wachstum dieser Staaten gem\u00e4ss der relativen Definition nicht \u00abpro-poor\u00bb. Allerdings weisen diese L\u00e4nder insgesamt einen h\u00f6heren R\u00fcckgang der Armut auf als Bolivien oder Burkina Faso, wo die Armen gleich stark oder sogar ausgepr\u00e4gter vom Wachstum profitiert haben als die Reichen. \u00a0Die \u00f6konomische Theorie weist darauf hin, dass die Wachstumschancen einer Volkswirtschaft von verschiedenen Faktoren abh\u00e4ngen. Entscheidend ist einerseits die Menge und Qualit\u00e4t der vorhandenen Ressourcen, insbesondere der menschlichen Arbeitsleistung. Andererseits kommt es auch darauf an, wie effizient und produktiv ein Land seine Ressourcen einsetzt. Dabei spielen auch die institutionellen Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle, beispiels-weise ob ein verl\u00e4ssliches Rechtssystem besteht. F\u00fcr das DAC ist deshalb Wachstum dann \u00abpro-poor\u00bb, wenn der Zugang der Armen zu wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten gef\u00f6rdert, ihre Produktivit\u00e4t erh\u00f6ht und somit ihr Beitrag zum Wachstum der Volkswirtschaft gesteigert wird. Umgekehrt muss sichergestellt werden, dass das wirtschaftliche Wachstum von einer m\u00f6glichst grossen Zahl von Menschen als Chance genutzt werden kann, sich eine Existenz aufzubauen und das Einkommen zu erh\u00f6hen. \u00a0Gem\u00e4ss dem \u00abPro-Poor\u00bb-Ansatz muss die Politik somit &#8211; neben der H\u00f6he des Wachstums respektive der Zunahme der Einkommen pro Kopf &#8211; diverse qualitative Aspekte mit einbeziehen. Konkret geht es beispielsweise um einen verbesserten Zugang zur Schulbildung und zum Gesundheitssystem, die nachhaltige Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen und den Schutz der Umwelt, das gute Funktionieren der staatlichen Institutionen, politische Partizipation sowie die Stellung der Frauen in der Gesellschaft. \u00a0Die Entwicklung Chinas \u00fcber die letzten Jahre verdeutlicht diese Zusammenh\u00e4nge: Das Land konnte dank einem hohen Wachstum &#8211; es verzeichnet j\u00e4hrliche Wachstumsspr\u00fcnge von 9% bis 10% &#8211; die Armut signifikant reduzieren. Gleichzeitig ist aber die Qualit\u00e4t dieses Wachstums mangelhaft, denn China vers\u00e4umte es bisher weit gehend, den nach wie vor grossen Graben zwischen Stadt und Land anzugehen. Dies birgt nicht nur politischen Z\u00fcndstoff, sondern k\u00f6nnte sich auch auf das weitere Wachstum negativ auswirken. Denn einerseits muss die Landbev\u00f6lkerung einen verbesserten Zugang zu Bildung erhalten, um ihre Arbeitskraft produktiver einsetzen zu k\u00f6nnen; auch die enormen Umweltprobleme m\u00fcssen angegangen werden. Andererseits ben\u00f6tigt es eine st\u00e4rkere Binnennachfrage, wenn das Land nachhaltig wachsen will. Daf\u00fcr braucht es wiederum eine Landbev\u00f6lkerung, die genug Einkommen hat, um Fahrr\u00e4der, Waschmaschinen und andere G\u00fcter zu kaufen.&#13;<\/p>\n<h2>Drei Kategorien von Politiken zur Armutsbek\u00e4mpfung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens hat &#8211; je nach Partnerland und Zeitperiode &#8211; die \u00fcber das Einkommen definierte Armut sehr unterschiedlich verringert. Am Konzept der \u00abPro-Poor Growth\u00bb interessiert deshalb besonders, wo angesetzt werden muss, damit wirtschaftliches Wachstum eine m\u00f6glichst hohe Armutsreduktion bewirkt. Das DAC unterscheidet dabei drei Kategorien: \u00a0&#8211; Politiken zur breiteren Abst\u00fctzung des Wachstums respektive zum besseren Einbezug der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerung; \u00a0&#8211; Politiken zur besseren Bef\u00e4higung der Armen (\u00abEmpowerment\u00bb); \u00a0&#8211; Politiken mit Bezug zur \u00f6konomischen Sicherheit sowie zum Schutz vor Instabilit\u00e4t und Krisen. \u00a0\u00a0Die Abgrenzung zwischen den einzelnen Kategorien ist nicht immer klar. Generell finden sich darin aber die wesentlichen Aktionslinien und Instrumente des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (seco), das f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz zust\u00e4ndig ist. So geh\u00f6ren zur ersten Kategorie die Schaffung von stabilen makro\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen und Finanzm\u00e4rkten, verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen oder die F\u00f6rderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Weiter geht es um die Versorgung aller Bev\u00f6lkerungsschichten mit verl\u00e4sslich funktionierender Basisinfrastruktur &#8211; beispielsweise Wasser und Elektrizit\u00e4t &#8211; sowie um armutsorientiertere Investitions- und Ausgabenentscheide der \u00f6ffentlichen Hand. Unter dem Stichwort \u00abEmpowerment\u00bb f\u00fchrt das DAC politische Partizipation an, dazu die F\u00f6rderung von Frauen und von Minorit\u00e4ten, aber auch die Verbesserung des Zugangs zu produktivit\u00e4tsf\u00f6rdernden Technologien f\u00fcr alle Bev\u00f6lkerungsgruppen. Unter die dritte Kategorie fallen Massnahmen zur Verbesserung der \u00f6konomischen, sozialen und politischen Stabilit\u00e4t sowie beispielsweise der verbesserte Zugang zu Land und Kapital.&#13;<\/p>\n<h2>Was bringt das Konzept der \u00abPro-Poor Growth\u00bb wirklich?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas DAC ist sich bewusst, dass das Konzept der \u00abPro-Poor Growth\u00bb nur eine Dimension der Armut &#8211; n\u00e4mlich die \u00f6konomische &#8211; aufgreift. Verschiedene aus diesem Konzept abgeleitete Aussagen leisten einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion. Dies gilt etwa f\u00fcr die Feststellung, dass aufgrund von empirischen Studien die bisher weit verbreitete Ansicht korrigiert werden muss, wonach in einem fr\u00fchen Stadium des Wachstums einer Volkswirtschaft eine Vergr\u00f6sserung der Einkommensdisparit\u00e4t unumg\u00e4nglich ist. Mit Blick auf die Erh\u00f6hung der Effektivit\u00e4t der Entwicklungshilfe ist die Erkenntnis zentral, dass wirtschaftliches Wachstum weniger wirksam zur Armutsreduktion beitr\u00e4gt, falls es mit einer signifikanten Erh\u00f6hung der Ungleichverteilung der Einkommen einhergeht. Mit der Aussage, dass die Armutsreduktion in der Regel umso ausgepr\u00e4gter ist, je h\u00f6her die Wachstumsrate ausf\u00e4llt, werden viele bisherigen Ans\u00e4tze und Politiken in ihrer grunds\u00e4tzlichen Ausrichtung best\u00e4rkt. \u00a0Das DAC r\u00e4umt ein, dass eine optimale Kombination von quantitativen und qualitativen Aspekten des Wachstums einem Ideal entspricht. Wer in Entwicklungsl\u00e4ndern nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum f\u00f6rdern will, muss automatisch qualitative Aspekte mit einbeziehen. In L\u00e4ndern, in welchen die \u00c4rmsten oft bis zu 50% der arbeitsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung ausmachen, ist &#8211; ausser wenn man einseitig auf einen Sektor oder einen Rohstoff setzt &#8211; kaum ein substanzielles Wachstum zu erreichen, ohne f\u00fcr diese Bev\u00f6lkerungsgruppe M\u00f6glichkeiten zu schaffen, ihre Potenziale zu f\u00f6rdern und Anf\u00e4lligkeiten zu verringern. Dies zeigt letztlich auch, dass das Konzept der \u00abPro-Poor Growth\u00bb den meisten Entwicklungsagenturen zwar helfen mag, ihre Ans\u00e4tze und Politiken im Sinne einer verst\u00e4rkten Wirksamkeit zu optimieren, insgesamt aber wenig wirklich Neues bringt. \u00a0Dem DAC geht es insbesondere darum, mit dem Konzept der \u00abPro-Poor Growth\u00bb die Regierungen der Partnerl\u00e4nder zu sensibilisieren. Oft enthalten ihre nationalen Strategien zur Armutsreduktion noch kaum substanzielle \u00dcberlegungen in Bezug auf wirtschaftliches Wachstum; oder diese werden noch zu wenig in Zusammenhang zu anderen Politiken gesetzt. Das DAC empfiehlt denn auch den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern sowie den Entwicklungsagenturen, wirtschaftliche Wachstumsaspekte verst\u00e4rkt in den nationalen Armutsreduktionsstrategien zu ber\u00fccksichtigen. Konkrete Handlungsanweisungen, wie L\u00e4nder wie Tansania, Mosambik oder Kirgistan ihr anhaltendes Wirtschaftswachstum noch wirkungsvoller zur Reduktion der Armut einsetzen k\u00f6nnten, liefert das Konzept der \u00abPro-Poor Growth\u00bb allerdings bisher nicht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1 \u00abArmutsorientierung des Wachstums verschiedener Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Armut geht l\u00e4ngerfristig nur zur\u00fcck, wenn die Entwicklungsl\u00e4nder nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum verzeichnen. Allerdings tr\u00e4gt das Wachstum nicht immer gleich stark zur Minderung der Armut bei. Das Konzept des \u00abPro-Poor Growth\u00bb geht deshalb der Frage nach, wie Wachstumsprozesse ausgestaltet sein m\u00fcssen, damit eine m\u00f6glichst wirksame Armutsreduktion resultiert. 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