{"id":125004,"date":"2006-03-01T12:00:00","date_gmt":"2006-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/03\/adolf-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:19","slug":"adolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/03\/adolf\/","title":{"rendered":"Perspektiven der globalen Erd\u00f6l- und Mineral\u00f6lversorgung"},"content":{"rendered":"<p>Erd\u00f6l ist mit Abstand unser wichtigster Prim\u00e4renergietr\u00e4ger. Es treibt unsere Autos an, heizt unsere Wohnungen und ist Basis f\u00fcr viele Produkte unseres Alltags. Der Energietr\u00e4ger \u00d6l hat Eigenschaften, die ihn ausserordentlich wettbewerbsf\u00e4hig gegen\u00fcber allen anderen Alternativen machen. Allerdings ist \u00d6l in j\u00fcngerer Zeit knapper und teurer geworden. Worauf ist dies zur\u00fcckzuf\u00fchren? Wie werden sich die internationalen Roh\u00f6l- und Mineral\u00f6lm\u00e4rkte weiter entwickeln? Welche langfristigen Perspektiven ergeben sich f\u00fcr Erd\u00f6l im globalen Energiemix? <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200603_07_Adolf_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"276\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGegenw\u00e4rtig erleben wir die seit Mitte der Achtzigerjahre l\u00e4ngste und ausgepr\u00e4gteste \u00d6lpreishausse. Das Jahr 2005 markierte mit einer durchschnittlichen \u00d6lpreisnotierung von mehr als 54 US-$ pro Barrel f\u00fcr die Roh\u00f6lsorte Brent einen neuen historischen H\u00f6chstwert. Dennoch bleiben die langfristigen Preiserwartungen internationaler \u00d6lexperten immer noch deutlich dahinter zur\u00fcck. \u00a0Schien es Ende der Neunzigerjahre noch billiges Erd\u00f6l im \u00dcberfluss zu geben, steht das Thema Versorgungssicherheit heute hoch im Kurs. Zeichnet sich hier ein grundlegender struktureller Wandel unserer Energieversorgung ab? Oder erleben wir &#8211; wie in den Siebziger- und Achtzigerjahren &#8211; nur eine vor\u00fcbergehende Preishausse?&#13;<\/p>\n<h2>Grosse Unsicherheit von \u00d6lpreisprognosen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTats\u00e4chlich war bislang kaum jemand in der Lage, eine halbwegs zutreffende Vorhersage des \u00d6lpreises auch nur f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr zu treffen. Zwei wesentliche Ursachen sind f\u00fcr die Erfolglosigkeit von \u00d6lpreisprognosen verantwortlich:\u00a0&#8211; die Lag-Problematik auf der Erkenntnisseite: Es dauert zu lange, bis ausreichende und zuverl\u00e4ssige Informationen \u00fcber die aktuelle Versorgungslage verf\u00fcgbar sind.\u00a0&#8211; die Marktbedingungen von Angebot und Nachfrage, die starke Preisschwankungen verursachen, welche von spekulativen Kr\u00e4ften noch verst\u00e4rkt werden. \u00a0 \u00a0Die Aussagekraft des aktuellen Roh\u00f6lpreises f\u00fcr die langfristige Verf\u00fcgbarkeit von \u00d6l wird somit von vornherein eingeschr\u00e4nkt.\u00a0M\u00f6glich sind hingegen Aussagen zu den l\u00e4ngerfristigen Fundamentalfaktoren des Roh\u00f6lmarktes, die wiederum die langfristige Entwicklung der \u00d6l- und Energiem\u00e4rkte beeinflussen. Dazu z\u00e4hlen die Menge und Verf\u00fcgbarkeit von \u00d6lvorkommen, die Roh\u00f6lproduktion, die Nachfrage nach Mineral\u00f6lprodukten sowie deren Produktion. Im Folgenden sollen kurz die wichtigsten Fundamentalfaktoren der weltweiten \u00d6lm\u00e4rkte sowie die langfristigen Perspektiven von Erd\u00f6l im globalen Energiemix er\u00f6rtert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Reichliche Ressourcen-Basis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNach der j\u00fcngsten Sch\u00e4tzung des f\u00fchrenden Branchenmagazins Oil&amp;Gas Journal belaufen sich die weltweiten \u00d6lreserven zurzeit auf rund 175 Mrd. Tonnen Roh\u00f6l. Die internationalen Roh\u00f6lreserven erh\u00f6hten sich damit nochmals leicht gegen\u00fcber dem Vorjahr. Lag die statische Reservenreichweite &#8211; d.h. die Relation von gegenw\u00e4rtigem Roh\u00f6lverbrauch zu heutigen Reserven &#8211; Anfang der Siebzigerjahre noch bei nur 30 Jahren, \u00fcbersteigt sie inzwischen deutlich 40 Jahre.\u00a0Diese auf den ersten Blick paradoxe Entwicklung eines nicht erneuerbaren, ersch\u00f6pflichen Energietr\u00e4gers resultiert zun\u00e4chst aus der Definition von Erd\u00f6lreserven. Danach sind Reserven diejenigen Mengen Erd\u00f6l, die in einer Lagerst\u00e4tte nachgewiesen sind und mit bekannter Technologie wirtschaftlich gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Die aktuellen \u00d6lreserven stehen damit lediglich f\u00fcr den am besten erforschten, heute sicher gewinnbaren Teil der gesamten \u00d6lvorkommen.\u00a0Tats\u00e4chlich sind die ausgewiesenen Roh\u00f6lreserven jedoch eine Funktion von Explorations- und F\u00f6rdertechnologie sowie der \u00d6lpreisentwicklung. Steigt der \u00d6lpreis, k\u00f6nnen weitere, bislang nicht wirtschaftlich f\u00f6rderbare \u00d6lvorkommen als Reserven neu klassifiziert werden. Moderne Technik wiederum erlaubt, bestehende Vorkommen besser auszubeuten und neue, bislang unzug\u00e4ngliche Lagerst\u00e4tten zu erschliessen. Allein eine Steigerung des Ent\u00f6lungsgrades von Erd\u00f6lquellen &#8211; dieser liegt heute bei nur etwa 30% &#8211; w\u00fcrde die Reserven und ihre Reichweite nochmals deutlich erh\u00f6hen.\u00a0Doch dies ist immer noch nicht alles. Denn die gebr\u00e4uchlichen Reserve-Kennziffern beziehen sich haupts\u00e4chlich auf konventionelle Erd\u00f6le. Daneben gibt es noch grosse Mengen nicht konventioneller Erd\u00f6le, die allerdings nicht mit herk\u00f6mmlichen Methoden gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlen Schwer\u00f6le, Tiefsee-\u00d6le und \u00d6lsande. Mit seinen \u00d6lsandvorkommen geh\u00f6rt Kanada heute &#8211; hinter Saudi-Arabien &#8211; zu den Grossen in der internationalen Reserven-Statistik. Die gr\u00f6ssten Reserven &#8211; insbesondere konventioneller \u00d6lvorkommen &#8211; besitzen jedoch Opec-Mitglieder bzw. deren staatliche \u00d6lfirmen (siehe <a title=\"Verteilung der globalen Erd\u00f6lreserven, 2005\">Grafik 1<\/a>).\u00a0Gem\u00e4ss einer Sch\u00e4tzung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) k\u00f6nnten s\u00e4mtliche f\u00f6rderbaren \u00d6lvorkommen noch f\u00fcr weitere 70 Jahre ausreichen. Was also die Verf\u00fcgbarkeit von Roh\u00f6l angeht, waren wir noch nie so gut ausgestattet wie heute.&#13;<\/p>\n<h2>Roh\u00f6langebot und Marktgleichgewicht<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm den steigenden weltweiten Energiebedarf abdecken zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen bis 2030 weltweit rund 17000 Mrd. US-$ in die Energiewirtschaft investiert werden. Davon gehen ca. 3000 Mrd. US-$ in die \u00d6lversorgung. Wiederum drei Viertel davon fliessen in den Upstream, also in die Exploration von Erd\u00f6lvorkommen sowie in F\u00f6rdereinrichtungen und Transportinfrastruktur. \u00a0Grunds\u00e4tzlich wird die Investitionsbereitschaft von k\u00fcnftigen Nachfrageerwartungen, aber auch von der Preishistorie gepr\u00e4gt. Allerdings kann das Roh\u00f6langebot erst mit zeitlicher Verz\u00f6gerung auf \u00c4nderungen von Preis und Nachfrage reagieren. Da die Erd\u00f6lproduktion ein komplexer und kapitalintensiver Prozess ist, vergehen von der Exploration einer \u00d6lquelle bis zum effektiven Marktangebot erhebliche Zeitr\u00e4ume.\u00a0Wenn folglich die globale \u00d6lnachfrage \u00fcber die kurzfristigen Angebotsm\u00f6glichkeiten hinaus anzieht, steigt der Roh\u00f6lpreis aufgrund eines relativ unelastischen Roh\u00f6langebotes stark an. Auf der anderen Seite kommt es aber auch bei einem Preisverfall nicht zu sofortigen Produktionseinschr\u00e4nkungen. Denn viele Anbieter werden dem betriebswirtschaftlichen Kalk\u00fcl folgen und auch dann noch versuchen, \u00fcber hohe Produktionsleistungen m\u00f6glichst hohe Deckungsbeitr\u00e4ge einzufahren. Im Ergebnis wird der Roh\u00f6lpreis dann noch weiter nachgeben. \u00a0Damit liegen grunds\u00e4tzlich die Voraussetzungen f\u00fcr das Cobweb-Theorem vor, das eine grunds\u00e4tzliche instabile Marktsituation mit starken Preis- und Mengenreaktionen beschreibt. Allein schon deshalb d\u00fcrfen Preisausschl\u00e4ge nicht als Indikator f\u00fcr langfristige Verf\u00fcgbarkeiten interpretiert werden. Sie sind vielmehr Beleg f\u00fcr die grundlegende Instabilit\u00e4t des Roh\u00f6lmarkt-Gleichgewichtes.7\u00a0Zudem versucht die Opec im Rahmen eines Teilmonopols unter diesen Marktbedingungen ihre Exporterl\u00f6se zu stabilisieren, indem sie das Grenzangebot durch eine Quotierung und Anpassung ihrer F\u00f6rdermengen kontrolliert. Allerdings stellt die Lag-Problematik die Opec zus\u00e4tzlich vor grosse Herausforderungen: Fehleinsch\u00e4tzungen sowie falsche Dosierungen und Timings erh\u00f6hen wiederum die Roh\u00f6lpreis-Volatilit\u00e4t. \u00a0\u00dcber den Roh\u00f6lpreis l\u00e4sst sich vor diesem Hintergrund lediglich Folgendes sagen: Auf der einen Seite hat die anhaltende Preishausse die wirtschaftliche Attraktivit\u00e4t von Erd\u00f6lexploration und -f\u00f6rderung stark erh\u00f6ht. Die globalen Upstream-Investitionen und die weltweiten Bohrt\u00e4tigkeiten haben sich seit Ende der Neunzigerjahre deutlich erh\u00f6ht. Daher ist mittelfristig mit einer h\u00f6heren Roh\u00f6lproduktion &#8211; und damit reichlicheren \u00d6lversorgung &#8211; zu rechnen. Andererseits verzeichnet die Upstream-Industrie aufgrund der starken Nachfrage nach Investitionsg\u00fctern und qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften steigende Kosten bei den Inputfaktoren, die zu finanzieren sind. Gleichwohl muss offen bleiben, wie sich der Roh\u00f6lpreis entwickelt. Denn der Preis bestimmt sich letztlich durch Angebot und Nachfrage.&#13;<\/p>\n<h2>Mineral\u00f6lverbrauch und Wirtschaftswachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie globale \u00d6lnachfrage wird stark von der konjunkturellen Entwicklung in den Industriel\u00e4ndern beeinflusst. Im Rahmen des aktuellen weltkonjunkturellen Zyklus verzeichnen nun aber nicht nur die traditionellen Industriel\u00e4nder eine st\u00e4rkere Energienachfrage. Mehrere grosse Schwellenl\u00e4nder &#8211; wie China, Indien und Brasilien &#8211; haben den wirtschaftlichen Take-off erreicht und verzeichnen starke Zuw\u00e4chse im Energieverbrauch. \u00a0Langfristig wird die \u00d6lnachfrage eines Landes vom Stand seiner wirtschaftlichen Entwicklung bestimmt. Mit Industrialisierung, Urbanisierung, Massenmotorisierung und -mobilisierung nimmt der Energieverbrauch \u00fcberproportional zu. Mit steigenden Einkommen und Tertiarisierung sinkt die Einkommenselastizit\u00e4t der Mineral\u00f6lnachfrage wieder. Es kommt allm\u00e4hlich zu einer Entkopplung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum. In Dienstleistungs- und Informationsgesellschaften fokussiert sich der Mineral\u00f6lverbrauch immer st\u00e4rker auf den Verkehrssektor.10\u00a0Der gleichzeitige Take-off wichtiger Verbraucherregionen f\u00fchrt nun aber dazu, dass wir auf globaler Ebene seit etwa dem Jahr 2000 eine erneute Kopplung von Energiekonsum und Wirtschaftswachstum erleben. Dies hat in den vergangenen Jahren zu einem besonders starken Wachstum der globalen Energie- und \u00d6lnachfrage gef\u00fchrt. Von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die k\u00fcnftige Entwicklung der \u00d6lm\u00e4rkte wird sein, welchen Energie- und Technologiepfad die BRICs und andere Schwellenl\u00e4nder einschlagen. Denn in den Schwellenl\u00e4ndern ist die Energie- und \u00d6lproduktivit\u00e4t meist noch sehr gering. So produziert etwa China nur halb so energieeffizient wie OECD-L\u00e4nder. \u00a0Die aktuelle Verbrauchsprognose der IEA geht f\u00fcr den weltweiten \u00d6lverbrauch in den n\u00e4chsten 25 Jahren von einem durchschnittlichen Zuwachs von 1,6% pro Jahr aus. Diese Zuwachsrate entspricht einem \u00d6lverbrauch im Jahre 2030 von 6 Mrd. Tonnen; sie liegt aber noch deutlich unter den laufenden Wachstumsraten von 2%-3%. Auf l\u00e4ngere Sicht wird die \u00d6lnachfrage auf das hohe Preisniveau mit Spar- und Substitutionsinvestitionen reagieren. Doch selbst wenn die globale \u00d6lnachfrage deutlich unter ihren langfristigen Wachstumspfad auf nur noch 1% p.a. sinken w\u00fcrde, n\u00e4hme der globale Erd\u00f6lkonsum bis 2030 noch um rund ein Drittel zu. Dadurch m\u00fcssten allein an zus\u00e4tzlichen F\u00f6rder- und Produktionskapazit\u00e4ten deutlich mehr als 1 Mrd. Tonnen geschaffen werden. Hohe Investitionen, die letztendlich nur durch gemeinsame Anstrengungen von Produzenten und Verbrauchern bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen, sind hierf\u00fcr unabdingbar.&#13;<\/p>\n<h2>Roh\u00f6lverarbeitung und Raffinerien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAllein der globale Nachfrageschub von mehr als 3% im Jahr 2003 entspricht der Kapazit\u00e4t von etwa einem Dutzend grosser Raffinerien. Um folglich die steigende Mineral\u00f6lnachfrage befriedigen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Roh\u00f6lverarbeitungskapazit\u00e4ten entsprechend angepasst werden. Allerdings ist das Raffineriegesch\u00e4ft mit seinen langen Vorlaufzeiten kaum weniger zyklisch als der Upstream-Bereich. So bestand nach zwei Jahrzehnten &#8211; die vornehmlich gepr\u00e4gt waren von \u00dcberkapazit\u00e4ten, Unterauslastung und schwachen Downstream-Ergebnissen &#8211; wenig wirtschaftlicher Anreiz, Raffineriekapazit\u00e4ten auszubauen. Erh\u00f6hte Anforderungen an Anlagenbetrieb und Produkten reduzierten die wirtschaftliche Attraktivit\u00e4t weiter.\u00a0Zurzeit gibt es weltweit 661 Raffinerien mit einer ungef\u00e4hren Verarbeitungskapazit\u00e4t von 85 Mio. Barrel pro Kalendertag. Anders als die \u00d6lreserven sind die Verarbeitungskapazit\u00e4ten &#8211; aus historischen, aber auch aus Logistik- und Distributionsgr\u00fcnden &#8211; in den grossen Verbraucherzentren konzentriert. Ungeachtet der zuletzt starken Nachfrage geht die Zahl der Raffinerien auch heute noch zur\u00fcck (siehe Grafik 2). W\u00e4hrend kleinere Anlagen geschlossen werden, ergeben sich moderate Kapazit\u00e4tszuw\u00e4chse in erster Linie durch Optimierung und Erweiterung bestehender Anlagen. \u00a0Der verhaltene Kapazit\u00e4tszuwachs hat die freien globalen Verarbeitungskapazit\u00e4ten zuletzt deutlich abschmelzen lassen. Die Auslastung der weltweiten Verarbeitungskapazit\u00e4ten ist so hoch wie lange nicht und lag 2004 weltweit bei 85%, was in Nordamerika und Europa allerdings noch \u00fcbertroffen wurde. Angesichts von Stillstandszeiten bleibt hier nur noch wenig Spielraum f\u00fcr weitere Steigerungen. Auf der anderen Seite wird die Flexibilit\u00e4t von Produktion und Versorgung durch die hohe Auslastung eingeschr\u00e4nkt. M\u00f6gliche Auswirkungen an den Produktenm\u00e4rkten haben dies im Verlauf der US-Hurrikansaison 2005 bereits gezeigt.\u00a0Daher m\u00fcssen nach IEA-Sch\u00e4tzung in den n\u00e4chsten 25 Jahren rund 500 Mrd. US-$ in Raffinerien investiert werden. Immerhin sind die Raffineriekapazit\u00e4ten im letzten Jahr so stark wie lange nicht gewachsen. Eine nochmalige Steigerung f\u00fcr 2006 zeichnet sich bereits ab: Nach dem aktuellen Construction Survey des Petroleum Economist befinden sich gegenw\u00e4rtig Verarbeitungskapazit\u00e4ten von 3,3 Mio. Barrel pro Tag im Bau; das sind immerhin 170 Mio. Tonnen im Jahr. \u00a0Doch es geht nicht nur um eine Erh\u00f6hung der Outputmenge. Die Produktion muss ausserdem ver\u00e4nderten Nachfragew\u00fcnschen entsprechen, d.h. vor allem leichtere Produkte wie Benzin und Diesel oder anspruchsvollere Produktspezifikationen liefern &#8211; und das aus schwereren Roh\u00f6len. Dies wiederum erfordert erhebliche Investitionen in teure Konversionsanlagen, die das Roh\u00f6l besser und tiefer zu h\u00f6herwertigen Produkten weiterverarbeiten k\u00f6nnen. Schliesslich werden regionale Ungleichgewichte zwischen Produzenten und Verbrauchern fortbestehen und der weltweite Produktenhandel wird sich weiter ausweiten. Die USA und China werden voraussichtlich Netto-Importeure bleiben. Europa wird &#8211; wegen der zunehmenden \u00abVerdieselung\u00bb seiner Fahrzeugflotte &#8211; Benzin und Benzinkomponenten nach Nordamerika exportieren und mittelfristig knapp bei Diesel sein.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6l im globalen Energiemix 2050<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer globale Energieverbrauch wird sich bis zum Jahre 2050 mindestens verdoppeln, wenn nicht gar verdreifachen. Dabei wird die Bereitstellung des Energietr\u00e4gers \u00d6l ohne Zweifel anspruchsvoller und aufwendiger erfolgen. Zumindest teilweise kann dies jedoch durch technischen Fortschritt aufgefangen werden. Und schliesslich darf auch nicht \u00fcbersehen werden, dass Roh\u00f6l- und Mineral\u00f6lm\u00e4rkte ausgesprochen zyklisch sind und sich beide derzeit in einer Hochphase befinden. \u00a0Der Energietr\u00e4ger \u00d6l wird auch zur Mitte des Jahrhunderts noch eine tragende Rolle im globalen Energiemix spielen. \u00d6lprodukte werden prim\u00e4r im Mobilit\u00e4tsbereich, wo mineral\u00f6lbasierte Treibstoffe noch lange erste Wahl bleiben, eingesetzt. Es wird erhebliche Effizienzfortschritte bei konventionellen Antriebs- und Verbrennungstechnologien, aber auch weitere Produktverbesserungen und -innovationen geben. Dar\u00fcber hinaus werden Treibstoffe aus Erdgas oder Biomasse &#8211; Gas-to-Liquids, Biomass-to-Liquids oder Eco- Ethanol &#8211; an Wettbewerbsf\u00e4higkeit im Verkehrssektor gewinnen. Sie k\u00f6nnen heutige Treibstoffe nahtlos erg\u00e4nzen, das gut ausgebaute Netz fl\u00fcssiger Treibstoffe volkswirtschaftlich sinnvoll nutzen und zudem einen Beitrag zur Stabilisierung der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen leisten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a title=\"Verteilung der globalen Erd\u00f6lreserven, 2005\">Grafik 1 \u00abVerteilung der globalen Erd\u00f6lreserven, 2005\u00bb<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a title=\"Entwicklung der globalen Roh\u00f6lverarbeitung, 1993-2005\">Grafik 2 \u00abEntwicklung der globalen Roh\u00f6lverarbeitung, 1993-2005\u00bb<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 1: Literatur<\/a> &#8211; Adolf, J\u00f6rg, Lenkungsm\u00f6glichkeiten und Marktmacht des OPEC-Kartells, Wirtschaftsdienst, Jg. 82, Februar 2002, S. 102-106- Adolf, J\u00f6rg, Perspektiven der globalen Erd\u00f6lversorgung und nationale Energiepolitik, Wirtschaftsdienst, Jg. 85, Januar 2005, S. 33-38- Brinded, Malcolm, Investing in Uncertainty &#8211; the Challenge of Meeting Expanding Energy Demand, Oxford Energy Seminar, 8th September 2005, <a href=\"http:\/\/www.shell.com\/speeches\">www.shell.com\/speeches<\/a> &#8211; Deutsche Bank Research (DBR), Energieperspektiven nach dem \u00d6lzeitalter, Aktuelle Themen Nr. 309, 2. Dezember 2004, Frankfurt\/M.- Energy Information Administration (EIA), Annual Energy Outlook with Projections to 2025, www.eia.doe.gov\/oiaf\/aeo\/forecast.html- International Energy Agency (IEA), World Energy Outlook 2004, Paris 2004- International Energy Agency (IEA), World Energy Outlook 2005. Middle East and North Africa Insights, Paris 2005- Nakamura, David, Refiners Add 2.7 Million b\/d of Crude Refining Capacity in 2005, Oil&amp;Gas Journal, 19. Dez. 2005, S. 60-64- Quinlan, Martin, Big Profits, Big Decisions, Petroleum Economist, Sept. 2005, S. 12-16- Radler, Marilyn, Global Reserves, Oil Production Show Small Increases for 2005, Oil&amp;Gas Journal, 19. Dez. 2005, S. 20-25- Shell, Long-term Energy Scenarios to 2050, London 2001- Shell, Global Scenarios to 2025, London 2005- Society of Petroleum Engineers (SPE), Petroleum Reserves and Resource Definitions, <a href=\"http:\/\/www.spe.org\">www.spe.org<\/a> &#8211; Tippee, Bob, Sulfur Cuts, European Demand Growth Reshaping Diesel Markt, Oil&amp;Gas Journal, 12. Dez. 2005, S. 18-24- Van Tassel, Brad, Steen, Oliver, Devising a Winning Strategy, Petroleum Economist, Sept. 2005, S. 17f.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erd\u00f6l ist mit Abstand unser wichtigster Prim\u00e4renergietr\u00e4ger. Es treibt unsere Autos an, heizt unsere Wohnungen und ist Basis f\u00fcr viele Produkte unseres Alltags. Der Energietr\u00e4ger \u00d6l hat Eigenschaften, die ihn ausserordentlich wettbewerbsf\u00e4hig gegen\u00fcber allen anderen Alternativen machen. Allerdings ist \u00d6l in j\u00fcngerer Zeit knapper und teurer geworden. Worauf ist dies zur\u00fcckzuf\u00fchren? 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