{"id":125014,"date":"2006-03-01T12:00:00","date_gmt":"2006-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/03\/fueg-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:48","slug":"fueg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/03\/fueg\/","title":{"rendered":"Energiepolitische Instrumente zur Reduktion der schweizerischen Erd\u00f6lnachfrage"},"content":{"rendered":"<p>Der Schweizer Pro-Kopf-Erd\u00f6lverbrauch liegt \u00fcber dem EU-Durchschnitt. Dies liegt unter anderem an der niedrigen Fiskalbelastung: Sie verursacht Tanktourismus und hatte zur Folge, dass Heiz\u00f6l weniger von andern W\u00e4rmeenergien verdr\u00e4ngt wurde als anderswo. Das Programm \u00abEnergieSchweiz\u00bb zur Umsetzung des CO2-Gesetzes hat zum Ziel, bis 2010 den Verbrauch fossiler Energien um 10% zu senken, was jedoch ohne zus\u00e4tzliche energiepolitische Massnahmen kaum erreicht werden kann. Mit der Einf\u00fchrung einer CO2-Abgabe auf Brenn- und Treibstoffen, der Mineral\u00f6lsteuerreform und einem Bonus-Malus-System auf Fahrzeugsteuern liesse sich der Erd\u00f6lverbrauch bis 2035 um 30% senken.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200603_04_Fueg_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Erd\u00f6lverbrauch der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErd\u00f6l deckt 57% des schweizerischen Endenergieverbrauchs. Der Verbrauch der Schweiz betr\u00e4gt knapp 12 Mio. Tonnen pro Jahr (250000 Fass\/Tag), was rund 0,3% der weltweiten Nachfrage entspricht. 56% des Erd\u00f6lverbrauchs wird als Treibstoffe f\u00fcr Transportzwecke, 44% als Brennstoffe f\u00fcr Heizung und Industrieprozesse eingesetzt. Wie alle Industriestaaten unternahm die Schweiz nach der Erd\u00f6lkrise 1973 Anstrengungen zur Reduktion des Erd\u00f6lverbrauchs. Binnen zwei Jahren war dieser um \u00fcber 10% gesunken, hat sich aber seither weitgehend stabilisiert (siehe <a title=\"Schweiz: Entwicklung des Endverbrauchs der Erd\u00f6lprodukte, 1950-2004\">Grafik 1<\/a>). W\u00e4hrend der Verbrauch von Brennstoffen seit 30 Jahren um 45% gesunken ist, stieg der Treibstoffverbrauch in der gleichen Zeitspanne um 74%. Die gegenl\u00e4ufige Entwicklung von Brenn- und Treibstoffverbrauch ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Erd\u00f6l in einzelnen Anwendungsbereichen unterschiedlich substituierbar ist. Brennstoffe lassen sich leichter ersetzen, weil es konkurrenzf\u00e4hige Alternativen gibt (Erdgas, Abf\u00e4lle, Biomasse, W\u00e4rmepumpen). Viel schwieriger ist die Substitution von Treibstoffen, denn das Potenzial von Alternativkraftstoffen ist begrenzt. Aus strukturellen Gr\u00fcnden (kaum Schwerindustrie und fossile Stromerzeugung) weist die Schweizer Wirtschaft eine niedrige Energie- und Erd\u00f6lintensit\u00e4t auf. Dennoch liegt der Schweizer Pro-Kopf-Erd\u00f6lverbrauch 8% \u00fcber dem EU-Durchschnitt, haupts\u00e4chlich weil Erd\u00f6l mehr f\u00fcr Heizzwecke eingesetzt wird als anderswo.&#13;<\/p>\n<h2>Herkunft des importierten Erd\u00f6ls<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nRund 37% des Schweizer Bedarfs werden als Roh\u00f6l importiert und in den Raffinerien von Collombey und Cressier verarbeitet; diese Einfuhren lassen sich nach Herkunftsl\u00e4ndern aufschl\u00fcsseln. Die restlichen 63% werden als Erd\u00f6lprodukte aus f\u00fcnf L\u00e4ndern &#8211; Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden &#8211; importiert. Die Herkunftsl\u00e4nder des in diesen L\u00e4ndern raffinierten und in die Schweiz gelieferten Erd\u00f6ls lassen sich nicht genau bestimmen. Doch kann aufgrund der Importstatistiken dieser f\u00fcnf L\u00e4nder die indirekte Abh\u00e4ngigkeit von Erd\u00f6llieferl\u00e4ndern extrapoliert werden. Es ergibt sich ein Bild geografisch ausgewogener Importe (siehe <a title=\"Herkunft der schweizerischen Erd\u00f6limporte, 2004\">Grafik 2<\/a>): 44% stammen aus Afrika, wobei Libyen mit einem Anteil von 22% (haupts\u00e4chlich Roh\u00f6l) der Hauptlieferant ist, ge-folgt von Nigeria (11%) und Algerien (5%); 21% stammen aus der Nordsee; 18% aus dem Mittleren Osten (vornehmlich Iran und Saudi-Arabien); und 16% aus der ehemaligen Sowjetunion, wovon 14% aus Russland.&#13;<\/p>\n<h2>Energiepolitischer Rahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Ziel des 1990 lancierten Programms Energie2000, den fossilen Energieverbrauch zu stabilisieren, wurde verfehlt: Die Nachfrage wuchs w\u00e4hrend den Neunzigerjahren um 8,9%, doch ohne Energie2000 w\u00e4re die Nachfrage um zus\u00e4tzliche 5,3% gestiegen. Das Nachfolgeprogramm EnergieSchweiz setzt sich zum Ziel, den Verbrauch fossiler Energietr\u00e4ger bis 2010 um 10% gegen\u00fcber 2000 zu senken. EnergieSchweiz ist eines der wichtigsten Instrumente zur Erreichung der Zielvorgaben des im Jahr 2000 in Kraft getretenen CO2-Gesetzes, welches &#8211; in Anlehnung an die Schweizer Zielvorgaben des Kyoto-Protokolls &#8211; bis 2010 eine Verringerung der Schweizer CO2-Emissionen um 10% gegen\u00fcber dem Jahr 1990 vorschreibt. Das CO2-Gesetz sieht die Einf\u00fchrung einer CO2-Abgabe vor, falls freiwillige Massnahmen sich als unzureichend zur Erf\u00fcllung der Emissionsreduktionsziele erweisen. Bisher haben sich die Emissionen auf dem Niveau des Jahres 1990 stabilisiert, womit die Schweiz nicht auf Zielkurs liegt. Laut Prognosen w\u00fcrden ohne die Einf\u00fchrung einer CO2-Abgabe bis 2010 die Gesamtemissionen um nur 3,9% unter dem Niveau von 1990 liegen (Ziel: -10%); die Brennstoffemissionen w\u00fcrden um -11,4% reduziert (Ziel: -15%), w\u00e4hrend die Treibstoffemissionen um 8,5% ansteigen w\u00fcrden (Ziel: -8%). Wegen der sich abzeichnenden Ziell\u00fccke sind weiter gehende Massnahmen n\u00f6tig. Deshalb schl\u00e4gt der Bundesrat die Einf\u00fchrung einer CO2-Abgabe auf Brennstoffen und eines Klimarappens auf Treibstoffen vor &#8211; Letzteren w\u00e4hrend einer Versuchsphase bis Ende 2007. Der Klimarappen wird seit Oktober 2005 erhoben; die CO2-Abgabe auf Brennstoffen muss noch vom Parlament genehmigt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Energiepolitische Instrumente zur Minderung des Treibstoffverbrauchs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Transportsektor bleibt angesichts der anhaltenden Mobilit\u00e4tstrends und fehlender Alternativtreibstoffe eine grosse Herausforderung. Massnahmen zur Eind\u00e4mmung des Treibstoffverbrauchs konzentrieren sich auf die Steigerung der Fahrzeugeffizienz und die Umweltvertr\u00e4glichkeit von Treibstoffen sowie auf die Transportpolitik. Auf Benzin werden in der Schweiz im westeurop\u00e4ischen Vergleich niedrige Treibstoffsteuern erhoben. Die Fiskalbelastung von Benzin betr\u00e4gt rund 50%.1 In Europa liegt diese \u00fcber 60% und erreicht Spitzenwerte von bis zu 70% (Grossbritannien). Der niedrigere Benzinpreis &#8211; besonders im Vergleich zu Nachbarl\u00e4ndern, wo Benzinpreise 10% (\u00d6sterreich) bis \u00fcber 20% (Frankreich, Deutschland, Italien) teurer sind &#8211; f\u00fchrt zu betr\u00e4chtlichem Tanktourismus. Hingegen wird Diesel in der Schweiz st\u00e4rker belastet als in Nachbarl\u00e4ndern (Ausnahme: Italien). Der seit Oktober 2005 als freiwillige Massnahme der Wirtschaft erhobene Klimarappen (1,5 Rp.\/Liter) wirkt kaum auf die Nachfrage. Hingegen h\u00e4tte eine CO2-Abgabe von 15-30 Rp.\/Liter auf Treibstoffen, wie als Maximalvariante urspr\u00fcnglich vom Bundesrat vorgeschlagen, eine Reduktion des Treibstoffverbrauchs um bis zu 12% unter dem Niveau 1990 bewirkt. Rund 60% dieses Minderverbrauchs w\u00e4ren allerdings auf die Verdr\u00e4ngung von Tanktourismus zur\u00fcckzuf\u00fchren gewesen, was auch betr\u00e4chtliche fiskalische Mindereinnahmen zur Folge gehabt h\u00e4tte. Erfahrungsgem\u00e4ss ist die Treibstoffnachfrage &#8211; zumindest mittelfristig &#8211; \u00fcberaus unelastisch. Vorl\u00e4ufige Absatzzahlen der Erd\u00f6lvereinigung f\u00fcr das Jahr 2005 deuten trotz Rekordpreisen auf eine leichte Zunahme bei anhaltendem Trend zu Diesel. Zur F\u00f6rderung von effizienteren und umweltschonenderen Treibstoffen soll bis 2007 eine haushaltneutrale Mineral\u00f6lsteuerreform durchgef\u00fchrt werden, dank der CO2-neutrale Biotreibstoffe steuerbefreit und weniger emittierendes Erdgas erleichtert werden soll. Die fiskalischen Mindereinnahmen werden dem Benzin \u00fcberw\u00e4lzt. Zu den wirksamsten verkehrspolitischen Massnahmen z\u00e4hlt die Leistungsabh\u00e4ngige Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Seit ihrer Einf\u00fchrung 2001 hat sich die Fahrleistung bei unver\u00e4nderter Verkehrsleistung dank Effizienzsteigerungen um 8% verringert. Mit der LSVA leistete die Schweiz eine Pionierrolle in Europa. Seither haben Deutschland und \u00d6sterreich ihrerseits eine Maut eingef\u00fchrt; etliche EU-Staaten (Grossbritannien, Schweden, Tschechien) erw\u00e4gen eine Maut. Die Zielvereinbarung der schweizerischen Autobranche sieht die Senkung des durchschnittlichen Treibstoffverbrauchs neuer Personenfahrzeuge von 8,4 Liter\/100 km im Jahr 2000 auf 6,4 Liter\/100 km bis 2008 vor. Hier sind weitere Anstrengungen n\u00f6tig. Ende 2004 lag der Durchschnittsverbrauch bei 7,82 Litern\/100 km. Eine wichtige begleitende Massnahme zur Sensibilisierung der K\u00e4ufer ist die 2003 eingef\u00fchrte Fahrzeugetikette. Die j\u00e4hrlichen Marktanteilsgewinne der effizientesten Fahrzeuge (Kategorie A und B) wird auf 1,5% gesch\u00e4tzt. Die Einf\u00fchrung eines Bonus-Malus-Systems auf Fahrzeugsteuern als zus\u00e4tzliche F\u00f6rdermassnahme f\u00fcr effiziente Fahrzeuge wurde im Herbst 2005 vom Bundesrat aufgegeben. Laut Modellen h\u00e4tte dieses System A- und B-Kategorie-Fahrzeugen bis zu 6% zus\u00e4tzliche Marktanteile verschafft.&#13;<\/p>\n<h2>Energiepolitische Instrumente zur Minderung des Brennstoffverbrauchs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcber 80% des Brennstoffverbrauchs der Schweiz wird f\u00fcr Heizzwecke (wovon 60% in Wohnungen und 20% f\u00fcr Gewerbe und \u00f6ffentliche Bauten) und weniger als 20% f\u00fcr die Erzeugung industrieller W\u00e4rme eingesetzt. Die seit Jahren in der Schweiz gef\u00f6rderten W\u00e4rmed\u00e4mmungsstandards geh\u00f6ren zu den fortschrittlicheren in Europa. F\u00fcr Geb\u00e4udestandards sind laut Bundesverfassung die Kantone zust\u00e4ndig. 22 Kantone (86% der Bev\u00f6lkerung) haben inzwischen ihre Gesetze an die Mustervorschriften und SIA-Normen angepasst. In 13 Kantonen (\u00fcber 60% der Bev\u00f6lkerung) bestehen erweiterte Anforderungen, die den Anteil fossiler Heizenergie f\u00fcr Neubauten auf 80% begrenzen. 18 Kantone f\u00f6rdern den versch\u00e4rften Minergie-Standard, dessen Anteil bei Neubauten auf \u00fcber 10% gestiegen ist. Die verbrauchsabh\u00e4ngige Heizkostenabrechnung tr\u00e4gt zu verantwortungsbewussten Heiz- und Warmwasserverbrauch bei, doch konnte diese nur f\u00fcr Neubauten vorgeschrieben werden. Da die Schweiz einen enormen Geb\u00e4udesanierungsbedarf aufweist, wird sich das Programm EnergieSchweiz in der zweiten H\u00e4lfte dieses Jahrzehnts auf Energiesanierungen fokussieren. Als Massnahme, die dem Energieprofil von Geb\u00e4uden einen Marktwert verleiht, wird die Einf\u00fchrung eines bereits in einigen EU-L\u00e4ndern bestehenden Geb\u00e4udepasses untersucht. Noch mehr als beim Benzin sticht die Schweiz im europ\u00e4ischen Vergleich dank einer besonders niedrigen Besteuerung von Heiz\u00f6l hervor. Selbst unter Einrechnung der vom Bundesrat vorgeschlagenen CO2-Abgabe w\u00e4re Heiz\u00f6l in der Schweiz immer noch am billigsten in Europa. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat die Schweiz mehrmals dazu angespornt, Heiz\u00f6labgaben als effizienzf\u00f6rderndes Instrument einzusetzen. Der langj\u00e4hrige Preisvorteil von Heiz\u00f6l gegen\u00fcber alternativen W\u00e4rmeenergien wie Erdgas, Holz oder W\u00e4rmepumpen ist wohl einer der wichtigsten Gr\u00fcnde, weshalb Letztere nicht schneller Marktanteile gewinnen konnten (siehe <a title=\"Marktanteile Heizungsanlagen in der Schweiz, 1994-2003\">Grafik 3<\/a>). Inwiefern Brennstoffpreise f\u00fcr langfristige Investitionsentscheide im W\u00e4rmemarkt mitentscheidend sind, beweist der beschleunigte Vormarsch von W\u00e4rmepumpen seit dem Heiz\u00f6lpreisanstieg der letzten zwei Jahre, wo Zuwachsraten im letzten Quartal 2005 sich auf 25%-30% verdoppelten. Heute wird in jedem dritten Neubau eine W\u00e4rmepumpe installiert; bei Einfamilienh\u00e4usern sind es mehr als die H\u00e4lfte. Auch die Installationen von Holzheizungen sind k\u00fcrzlich von 1% auf rund 5% geklettert. Nur etwa die H\u00e4lfte des j\u00e4hrlich in Schweizer W\u00e4ldern geernteten Holzes wird bisher f\u00fcr Energiezwecke verwendet. Die vom Bundesrat vorgeschlagene CO2-Abgabe auf Brennstoffen w\u00fcrde laut Modellberechnungen bis 2010 den Brennstoffverbrauch um 5 zus\u00e4tzliche Prozentpunkte reduzieren (-19% statt -14% gegen\u00fcber 1990). Aufgrund des CO2-Gesetzes schliessen die Industrie und der Dienstleistungssektor Zielvereinbarungen zur Minderung des Energieverbrauchs und CO2-Emissionen mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) ab. Bis Ende 2005 hatten \u00fcber 1000 Unternehmen, die 40% des Brennstoffverbrauchs des Sektors ausmachten, Zielvereinbarungen abgeschlossen. Die CO2-Reduktionsziele variieren von knapp -19% (EnAW) bis 44% (Zementindustrie).&#13;<\/p>\n<h2>Internationaler Vergleich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nRund 40% des schweizerischen Erd\u00f6lverbrauchs dient Heizzwecken. Dies ist im Vergleich zu andern klimatisch kalten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ein hoher Anteil. Daf\u00fcr gibt es zwei Gr\u00fcnde: &#8211; Es wird wenig Erd\u00f6l zur Erzeugung von Industriew\u00e4rme eingesetzt. &#8211; Alternative W\u00e4rmeenergie oder Fernw\u00e4rmesysteme haben sich nur in beschr\u00e4nktem Ausmasse entwickelt bzw. wurden weniger gezielt als in anderen L\u00e4ndern gef\u00f6rdert. In vielen L\u00e4ndern verdr\u00e4ngte haupts\u00e4chlich Erdgas Erd\u00f6lbrennstoffe. So konnten die Niederlande seit der ersten Erd\u00f6lkrise dank ausgiebigen einheimischen Erdgases ihren Erd\u00f6lverbrauch im Haushalt- und Dienstleistungssektor um fast 90% reduzieren. Schweden, dessen niedrige Siedlungsdichte kaum den Ausbau eines Erdgasnetzes erlaubte, vermochte mit einer massiven F\u00f6rderung von reichlich vorhandener Holzenergie sowie von W\u00e4rmepumpen den Einsatz von Erd\u00f6lbrennstoffen um 80% zu senken. Das Ziel der schwedischen Regierung, bis 2020 aus dem Erd\u00f6l \u00abauszusteigen\u00bb, ist wegen ungen\u00fcgendem Substitutionspotenzial beim Verkehr zu hoch gegriffen, wird jedoch im station\u00e4ren Bereich als machbar erachtet. Ebenfalls eine 80% Reduktion erreichte D\u00e4nemark dank dem Ausbau von Fernw\u00e4rme, die zu einem grossen Teil auf Biomasse gest\u00fctzt ist. Frankreich setzte u.a. auf elektrische Heizung. Auch \u00d6sterreich hat seine W\u00e4rmeenergiequellen mit der F\u00f6rderung von Biomasse und dem Ausbau von Erdgas und Fernw\u00e4rme in den letzten zwei Jahrzehnten st\u00e4rker diversifiziert als die Schweiz. So entfallen durchschnittlich 52% des Endverbrauchs eines Schweizer Haushaltes auf Erd\u00f6l, w\u00e4hrend es in \u00d6sterreich nur 28% sind (siehe <a title=\"Endverbrauch der Haushalte nach Energietr\u00e4gern: Vergleich Schweiz-\u00d6sterreich\">Grafik 4<\/a>). Hingegen beruhen 22% des Endverbrauchs \u00f6sterreichischer Haushalte auf Biomasse und Abf\u00e4llen, wogegen es in der Schweiz nur 4% sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a title=\"Schweiz: Entwicklung des Endverbrauchs der Erd\u00f6lprodukte, 1950-2004\">Grafik 1 \u00abSchweiz: Entwicklung des Endverbrauchs der Erd\u00f6lprodukte, 1950-2004\u00bb<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a title=\"Herkunft der schweizerischen Erd\u00f6limporte, 2004\">Grafik 2 \u00abHerkunft der schweizerischen Erd\u00f6limporte, 2004\u00bb<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a title=\"Marktanteile Heizungsanlagen in der Schweiz, 1994-2003\">Grafik 3 \u00abMarktanteile Heizungsanlagen in der Schweiz, 1994-2003\u00bb<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a title=\"Endverbrauch der Haushalte nach Energietr\u00e4gern: Vergleich Schweiz-\u00d6sterreich\">Grafik 4 \u00abEndverbrauch der Haushalte nach Energietr\u00e4gern: Vergleich Schweiz-\u00d6sterreich\u00bb<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 1: Energieperspektiven bis 2035<\/a> Das Bundesamt f\u00fcr Energie (BFE) erarbeitet derzeit Energieperspektiven bis ins Jahr 2035, die als Grundlage f\u00fcr energiepolitische Grundsatzentscheide des Bundesrates dienen werden. Entscheide dr\u00e4ngen sich aufgrund verschiedener Stichdaten auf, darunter die Fortf\u00fchrung des Programms EnergieSchweiz und des CO2-Geset-zes nach 2010 sowie die Festsetzung weiter gehender Klimaziele nach Ablauf des Kyoto-Protokolls 2012. Zudem sind Massnahmen zur Deckung der ab 2015 entstehenden Stromversorgungsl\u00fccke nach Ablauf von Langfristvertr\u00e4gen mit Frankreich und der Schliessung der ersten schweizerischen Kernkraftwerke zuergreifen.Herausgegriffen sei hier das Szenario Ib, das von einer ehrgeizigeren Energiepolitik als der heutigen ausgeht &#8211; d.h. der Einf\u00fchrung einer CO2-Abgabe auf Brenn- und Treibstoffen, eines Bonus-Malus-Systems auf Personenwagen sowie der Mineral\u00f6lsteuerreform. Ferner wird angenommen, dass die Erd\u00f6lpreise bis 2030 real konstant bleiben, das Programm EnergieSchweiz mit konstanten Mitteln weitergef\u00fchrt wird und f\u00fcr die Stromerzeugung weiterhin keine fossilen Brennstoffe verfeuert werden. Nach diesem Szenario w\u00fcrde der Endenergieverbrauch bis 2035 um weniger als 5% sinken. Der Verbrauch von Erd\u00f6ltreibstoffen w\u00fcrde um 25% sinken, wobei der Trend zu Diesel &#8211; mehr als Verdoppelung, R\u00fcckgang beim Benzin um zwei Drittel &#8211; anh\u00e4lt. Alternative Treibstoffe w\u00fcrden kaum entscheidende Durchbr\u00fcche machen (Anteil Biotreibstoffe 4%, Erdgas knapp 6%). Der Brennstoffverbrauch w\u00fcrde um 35% reduziert. Der Stromverbrauch stiege um knapp 25%, u.a. auch wegen der Verdr\u00e4ngung von Heiz\u00f6l durch W\u00e4rmepumpen. Unter dem Strich w\u00fcrde der Erd\u00f6lkonsum um rund 30% reduziert. In Vorbereitung sind zwei \u00abHochpreisszenarien\u00bb (50 US-$ und 80-100 US-$\/Fass). Ohne deren Resultate vorwegzunehmen, kann man wohl davon ausgehen, dass diese bei Brennstoffen mittelfristig und bei Treibstoffen wohl erst l\u00e4ngerfristig Einschnitte bewirken werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schweizer Pro-Kopf-Erd\u00f6lverbrauch liegt \u00fcber dem EU-Durchschnitt. Dies liegt unter anderem an der niedrigen Fiskalbelastung: Sie verursacht Tanktourismus und hatte zur Folge, dass Heiz\u00f6l weniger von andern W\u00e4rmeenergien verdr\u00e4ngt wurde als anderswo. 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