{"id":125019,"date":"2006-03-01T12:00:00","date_gmt":"2006-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/03\/hartl-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:26","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:26","slug":"hartl-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/03\/hartl-5\/","title":{"rendered":"Erd\u00f6labh\u00e4ngigkeit der Schweiz &#8211; rechtzeitige Vorsorge ist angebracht"},"content":{"rendered":"<p>Die Energieversorgung der Schweiz beruht zu gut 80% auf der Einfuhr von Erd\u00f6l, Erdgas, Kernbrennstoffen und Kohle. Unsere Binnenlage versch\u00e4rft die Importabh\u00e4ngigkeit. Zudem haben in den vergangenen Monaten verschiedene Ereignisse im In- und Ausland die Sicherheit der Energieversorgung in den Brennpunkt des \u00f6ffentlichen Interesses ger\u00fcckt. Die Vorstellung von fl\u00e4chendeckenden Strom-Blackouts als Folge ungen\u00fcgender Transport- und Versorgungskapazit\u00e4ten, von zugedrehten \u00d6l- und Gash\u00e4hnen und damit neuer Energiekrisen wirkt in der Tat beunruhigend. Die Erd\u00f6lkrisen der Vergangenheit schlugen sich zwar in Preiserh\u00f6hungen nieder, aber die R\u00e4der standen nie still. Physische Angebotsverknappungen waren, wenn \u00fcberhaupt, nur von kurzer Dauer. Kann somit entwarnt werden?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nRoh\u00f6l wird auf praktisch allen Kontinenten aus 830000 Bohrl\u00f6chern gef\u00f6rdert, in 700 Raffinerien weltweit verarbeitet, in mehr als 3000 Erd\u00f6ltankern sowie \u00fcber Pipelines, Schiene und Strasse zu den Konsumenten bef\u00f6rdert. Zudem sind die fl\u00fcssigen Brenn- und Treibstoffe mit verh\u00e4ltnism\u00e4ssig geringem Aufwand lagerbar. Die Bevorratung auf allen Stufen bis hin zum Tank des Konsumenten bildet zusammen mit der Vielzahl der Versorgungswege ein \u00fcberaus flexibles Gesamtsystem. Schliesslich werden Roh\u00f6l und die Endprodukte an der B\u00f6rse gehandelt, was den Markt transparent macht. Dies wiederum gibt dem Markt ein hohes Mass an Flexibilit\u00e4t und Anpassungsf\u00e4higkeit.&#13;<\/p>\n<h2>Erd\u00f6lreserven: Geologisch gesichert, politisch umk\u00e4mpft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese beste aller Erd\u00f6lwelten setzt aber in entscheidender Weise voraus, dass die erd\u00f6lf\u00f6rdernden Staaten willens und in der Lage sind, die Welt mit gen\u00fcgend Roh\u00f6l zu versorgen. Technisch\/geologisch gesehen sind sie dies, decken doch die heute gesicherten Reserven den Bedarf von mehreren Jahrzehnten. Verbesserte F\u00f6rdertechnologien und &#8211; in allerdings kleinerem Umfang &#8211; zu erwartende weitere \u00d6lfunde in unterexplorierten Gegenden verst\u00e4rken die Gewissheit der Erd\u00f6lindustrie, dass die geologische Verf\u00fcgbarkeit der fossilen Ressourcen auf absehbare Zeit hin kein eigentliches Problem darstellt.\u00a0Hingegen stellt sich die Frage nach dem politischen und wirtschaftlichen Willen, die vorhandenen fossilen Ressourcen auch tats\u00e4chlich zu nutzen. Dabei zeigt die Erfahrung, dass es sich letztlich kein F\u00f6rderland leisten kann, auf die Eink\u00fcnfte aus dem Erd\u00f6l- und Erdgasverkauf zu verzichten. Die Produzenten sind somit genauso erd\u00f6labh\u00e4ngig wie wir. Das setzt tats\u00e4chlich gelebtem solidarischem Verhalten unter ihnen &#8211; z.B. innerhalb der Opec &#8211; von vornherein Grenzen: Nicht nur bei uns geht im Ernstfall das Eigeninteresse der deklamierten Solidarit\u00e4t vor. Deshalb war und ist die \u00abWaffe \u00d6l\u00bb h\u00f6chstens f\u00fcr kurzzeitiges S\u00e4belrasseln geeignet. \u00a0Dieser Befund kann indessen nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass Erd\u00f6lwirtschaft und F\u00f6rderl\u00e4nder heute und in den n\u00e4chsten Jahren einem hohen Handlungsbzw. Investitionsbedarf gegen\u00fcberstehen. Denn die globale Nachfrage nach fossilen Energietr\u00e4gern wird weiter steigen. Die komfortablen Reservekapazit\u00e4ten der vergangenen zwei Jahrzehnte auf den Stufen F\u00f6rderung und Raffination haben sich zwar nicht aufgel\u00f6st, sind aber auf ein Niveau reduziert, das der k\u00fcnftigen Nachfrageentwicklung nicht gerecht wird. Wird in den n\u00e4chsten Jahren nicht mehr investiert, d\u00fcrften die Preise so lange weiter steigen, bis die Nachfrage zur\u00fcckgeht.&#13;<\/p>\n<h2>Staatliche Investitionen im grossen Stil<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAusserhalb des Westens ist das schon vor einiger Zeit erkannt worden: Die L\u00e4nder mit dem st\u00e4rksten Verbrauchszuwachs (China und Indien) betreiben eine aktive, ja aggressive, staatlich gelenkte Investitionspolitik in wichtigen F\u00f6rderregionen. Ihr Ziel: Die Sicherung von Erd\u00f6lquellen und der Versorgungswege. F\u00fcr den Westen, der diese Aufgabe bisher an die internationalen Konzerne quasi delegiert hatte, ist damit eine neue Konkurrenzsituation entstanden. Versch\u00e4rft wird diese dadurch, dass einige Erd\u00f6lf\u00f6rderl\u00e4nder immer mehr dazu \u00fcbergehen, \u00fcber staatliche \u00d6lunternehmen das Gesch\u00e4ft in den eigenen H\u00e4nden zu behalten. Und dort, wo das nicht der Fall ist, stellen sich vielfach Fragen nach der Investitionssicherheit, d.h. nach dem politischen und rechtlichen Umfeld. Zudem nimmt die Ergiebigkeit westlicher \u00d6lquellen ab. Die Karten werden neu verteilt.\u00a0Schlussfolgerungen: Die Sicherheit der Energieversorgung nimmt schon heute einen h\u00f6heren Stellenwert ein als fr\u00fcher. Wir tun gut daran, das in unserer Macht Stehende beizutragen: Verbesserung der Energieeffizienz, Diversifikation der Energietr\u00e4ger und der Versorgungswege, Sicherstellung offener und damit flexibler Energiem\u00e4rkte und &#8211; f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle &#8211; eine einexerzierte Pflichtlagerorganisation.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Energieversorgung der Schweiz beruht zu gut 80% auf der Einfuhr von Erd\u00f6l, Erdgas, Kernbrennstoffen und Kohle. Unsere Binnenlage versch\u00e4rft die Importabh\u00e4ngigkeit. 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