{"id":125024,"date":"2006-03-01T12:00:00","date_gmt":"2006-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/03\/hensch-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:30","slug":"hensch-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/03\/hensch-3\/","title":{"rendered":"Diversifikation &#8211; das Gebot der Stunde"},"content":{"rendered":"<p>Die Abh\u00e4ngigkeit unseres Landes von Erd\u00f6lprodukten ist mit einem Anteil von knapp 60% gef\u00e4hrlich hoch. Erdgas stellt f\u00fcr viele Anwendungen eine kommerziell und technisch mindestens ebenb\u00fcrtige Alternative mit \u00f6kologischem Mehrwert dar. Umso bedauerlicher ist der \u00abR\u00fcckstand\u00bb der Schweiz beim Erdgas, denn auch Umweltaspekte sprechen f\u00fcr diesen Energietr\u00e4ger. Nach der F\u00f6rderung braucht Erdgas keine Emissionen verursachenden Umwandlungsprozesse in Raffinerien. Erdgas ist ungiftig f\u00fcr Mensch und Tier sowie f\u00fcr Boden und Gew\u00e4sser, ist frei von organisch gebundenem Stickstoff und Schwefel. Bei der Verbrennung erzeugt Erdgas keinen Russ und gibt keine Schwermetalle an die Umwelt ab. Die CO2-Emissionen sind um 25% geringer als beim Heiz\u00f6l.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie 60%-ige Erd\u00f6labh\u00e4ngigkeit der Schweiz ist je nach Bereich h\u00f6chst unterschiedlich: Bei der Stromproduktion spielt \u00d6l gar keine Rolle. Im W\u00e4rmemarkt gibt es neben dem immer noch dominierenden Heiz\u00f6l mit Erdgas, Strom, Holz und Fernw\u00e4rme eine ganze Reihe von Alternativen, die \u00fcberdies laufend Marktanteile gewinnen. Im Bereich der Prozessenergie f\u00fcr die Industrie ist Erdgas ebenfalls von hoher Bedeutung &#8211; soweit ein Erdgasnetz vorhanden ist. Dramatisch hingegen ist die Abh\u00e4ngigkeit vom Erd\u00f6l bei den Motorfahrzeugen, und bei den Flugtreibstoffen muss man schlicht von einem Monopol sprechen.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Erdgasanteil unter europ\u00e4ischem Durchschnitt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den meisten dieser Bereiche bietet Erdgas die M\u00f6glichkeit, zu technisch und kommerziell guten Bedingungen \u00d6l zu substituieren und mittels Diversifikation die Risiken der Abh\u00e4ngigkeit abzufedern. Weshalb aber setzt denn die Schweiz mit 12% nur halb soviel Erdgas als Prim\u00e4renergie ein als die umliegenden L\u00e4nder? \u00a0&#8211; In der Schweiz ist der Bau von Erdgasnetzen aus topografischen Gr\u00fcnden deutlich aufw\u00e4ndiger.\u00a0&#8211; Die Schweiz hat keine \u00abKohletradition\u00bb, weshalb historisch kein Druck zur Substitution dieses als \u00abschmutzig\u00bb betrachteten Energietr\u00e4gers bestand.\u00a0&#8211; Die Schweiz produziert (noch?) keinen Strom mittels Gaskombi-Kraftwerken: W\u00e4hrend in anderen L\u00e4ndern die Stromproduktion mit Erdgas als Klimaschutzmassnahme gilt, weil Schwer\u00f6l und Kohle substituiert werden, stellen solche Kraftwerke in der Schweiz angesichts heute weit gehend CO2-freier Stromproduktion ein &#8211; wenn auch nicht unl\u00f6sbares &#8211; Klimaproblem dar.\u00a0&#8211; Last but not least hat es die Schweizer Politik immer noch nicht fertig gebracht, die im Vergleich zur EU dreimal so hohe Besteuerung von Erdgas als Treibstoff zu reduzieren. Bei den fl\u00fcssigen Treibstoffen gilt unser Land hingegen immer noch als Eldorado f\u00fcr ausl\u00e4ndische Tanktouristen.&#13;<\/p>\n<h2>Geografisch breit diversifiziertes Beschaffungsportfolio<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Abh\u00e4ngigkeit von Erd\u00f6lnationen ist das eine. Doch auch Erdgas wird zu 100% in die Schweiz importiert. Immerhin wird die westeurop\u00e4ische Erdgasnachfrage zu \u00fcber 60% durch eigene Produktion abgedeckt. Die statische Reichweite der sicher gewinnbaren Erdgastreserven ist mit 67 Jahren \u00fcber 50% h\u00f6her als beim Erd\u00f6l. Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine hat allerdings gezeigt, dass es ein geografisch breit diversifiziertes Beschaffungsportfolio mit langfristigen Vertr\u00e4gen bei langj\u00e4hrigen, zuverl\u00e4ssigen Partnern in politisch stabilen L\u00e4ndern braucht, um Engp\u00e4sse zu verhindern. \u00a0Die Lieferanten der Schweiz verf\u00fcgen \u00fcber grosse Untertagspeicher, wie sie in der Schweiz aus geologischen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich sind. Diese k\u00f6nnen auch eine tempor\u00e4re Versorgungseinschr\u00e4nkung \u00fcberbr\u00fccken. Die umliegenden Lieferl\u00e4nder \u00fcbernehmen somit f\u00fcr die Schweiz auch eine Puffer-Funktion. Insgesamt 12 verschiedene Einspeisungen versorgen die Schweiz an ihren Grenzen zu Deutschland, Frankreich und Italien mit Erdgas.&#13;<\/p>\n<h2>Emissionen und Abh\u00e4ngigkeit reduzieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Risikoexposition der Schweiz ist beim Erd\u00f6l im Mobilit\u00e4tsbereich am gravierendsten. Hier gilt es deshalb in erster Linie anzusetzen, wenn die Abh\u00e4ngigkeit reduziert werden soll. Auch daf\u00fcr bietet Erdgas &#8211; vor allem zusammen mit einheimischem, CO2-neutralem Biogas &#8211; eine kommerziell und technisch ausgereifte Substitutionsm\u00f6glichkeit. Gemessen an der Zahl von rund 3,5 Mio. immatrikulierten Fahrzeugen in der Schweiz haben die inzwischen 2000 Erdgasfahrzeuge die Promille-Grenze noch nicht erreicht. Die Schweizer Erdgaswirtschaft war auf eigene Kosten f\u00fcr den Ausbau des Tankstellennetzes auf inzwischen \u00fcber 60 Stationen besorgt. Rund 100 sollten es bis 2007 sein. Es liegt nun an der Politik, den Gastreibstoffen durch die schnelle Revision des Mineral\u00f6lsteuergesetzes zum Durchbruch zu verhelfen &#8211; zur Reduktion der Emissionen wie auch zur Reduktion der Erd\u00f6labh\u00e4ngigkeit im Treibstoffbereich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abh\u00e4ngigkeit unseres Landes von Erd\u00f6lprodukten ist mit einem Anteil von knapp 60% gef\u00e4hrlich hoch. Erdgas stellt f\u00fcr viele Anwendungen eine kommerziell und technisch mindestens ebenb\u00fcrtige Alternative mit \u00f6kologischem Mehrwert dar. Umso bedauerlicher ist der \u00abR\u00fcckstand\u00bb der Schweiz beim Erdgas, denn auch Umweltaspekte sprechen f\u00fcr diesen Energietr\u00e4ger. 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