{"id":125049,"date":"2006-03-01T12:00:00","date_gmt":"2006-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/03\/nipkow-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:33","slug":"nipkow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/03\/nipkow\/","title":{"rendered":"Energieeffizienz &#8211; Grundlage einer zukunftssicheren Energieversorgung"},"content":{"rendered":"<p>Erd\u00f6labh\u00e4ngigkeit der Schweiz? Eigentlich heisst das Problem \u00abAbh\u00e4ngigkeit der Schweiz von nicht erneuerbaren Energien\u00bb, da der Ersatz von Erd\u00f6l durch andere nicht erneuerbare Energietr\u00e4ger keine zukunftsvertr\u00e4gliche Perspektive ist. Um die hohen Risiken der Verknappung fossiler Energietr\u00e4ger, fataler Klimaver\u00e4nderungen und radioaktiver Verseuchung zu vermindern, muss unser Verbrauch an nicht erneuerbaren Energien drastisch reduziert werden. Dieses Ziel wird mit den Begriffen \u00abNachhaltigkeit\u00bb oder \u00ab2000-Watt-Gesellschaft\u00bb beschrieben. Schl\u00fcssel dazu sind Energieeffizienz und erneuerbare Energien.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit 1973 steigt der Energieverbrauch der Schweiz nicht mehr progressiv, aber doch stetig an &#8211; bis 2004 um 30%. Haben denn die energiepolitischen Programme &#8211; Gesamtenergiekonzeption, Impulsprogramme, Energie 2000, EnergieSchweiz &#8211; nichts bewirkt? Gewiss gibt es Erfolge; sie wurden aber durch das Wachstum von Mobilit\u00e4t, Wohn- und Arbeitsfl\u00e4chen, Anzahl und Leistung der Ger\u00e4te sowie der Bev\u00f6lkerung \u00fcberdeckt. Eine entscheidende Rahmenbedingung hat sich n\u00e4mlich nicht ge\u00e4ndert: Die Energiepreise spiegeln nicht die vollst\u00e4ndigen Kosten, welche auch Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen und Risiken zuk\u00fcnftiger Sch\u00e4den und Verknappungen umfassen. Energie ist also nach wie vor viel zu billig.&#13;<\/p>\n<h2>Reduktion des Energiebedarfs: M\u00f6glich und gangbar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine nachhaltige Energiezukunft der Schweiz &#8211; auch als \u00ab2000-Watt-Gesellschaft\u00bb beschrieben &#8211; bedeutet gegen\u00fcber heute eine Verminderung des Verbrauchs nicht erneuerbarer Energien in der Schweiz um zwei Drittel innert 30 bis 50 Jahren. Allein durch vermehrten Einsatz erneuerbarer Energien &#8211; wie Sonnenstrahlung, Biomasse, Wind oder Wasserkraft &#8211; l\u00e4sst sich dies unm\u00f6glich erreichen. Der Schl\u00fcssel heisst Erh\u00f6hung der Energieeffizienz, also die Reduktion des Energiebedarfs f\u00fcr eine gegebene Energiedienstleistung.\u00a0Am Beispiel des Ersatzes von Heiz\u00f6l sei dies illustriert: Ein gut unterhaltenes Einfamilienhaus aus den F\u00fcnfzigerjahren braucht heute 3000 Liter Heiz\u00f6l pro Jahr, inkl. Warmwasser. Eine n\u00e4chste Erneuerung k\u00f6nnte folgende Schritte umfassen:\u00a0&#8211; W\u00e4rmed\u00e4mmung von Fassade (inkl. neue Fenster), Kellerdecke und Dach nach neuesten Erkenntnissen sowie eine Komfortl\u00fcftung verringern den Heizw\u00e4rmebedarf so stark, dass 600 kg Holzpellets mit dem Heizwert von 300 Litern Heiz\u00f6l f\u00fcr die Beheizung ausreichen (Minergie-P-Standard). \u00a0&#8211; Sonnenkollektoren sowie eine in die L\u00fcftungsanlage integrierte Kleinstw\u00e4rmepumpe liefern die Energie f\u00fcr das Warmwasser. Der j\u00e4hrliche Stromverbrauch f\u00fcr L\u00fcftung und Warmwasser betr\u00e4gt damit 1000 kWh, weniger als die alte Heizung f\u00fcr Pumpe und Brenner ben\u00f6tigte.\u00a0Selbstverst\u00e4ndlich sinken die Energiekosten drastisch. Bei heutigen Energiepreisen k\u00f6nnen die Mehrinvestitionen gegen\u00fcber einer \u00abgew\u00f6hnlichen\u00bb Erneuerung nicht ganz aus der Einsparung amortisiert werden. Ber\u00fccksichtigt man jedoch die Zukunftssicherheit sowie Komfortvorteile, so sieht eine solche Investition sehr attraktiv aus. Volkswirtschaftlich ergeben sich enorme Vorteile: Die Wertsch\u00f6pfung bleibt weit gehend in der Schweiz, der Energieimport entf\u00e4llt.\u00a0Weil immer noch viele Bauherrschaften und Planende minimale Investitionen anstreben und sich an den Minimal-Bauvorschriften orientieren, wird der gr\u00f6sste Teil der Neubauten und Renovationen so gebaut, als w\u00e4re die (Energie-)Perspektive nicht l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahre. Gewisse Rahmenbedingungen st\u00fctzen leider diese kurzsichtige Betrachtungsweise, etwa die \u00dcberw\u00e4lzung der Energiekosten auf die Mieterschaft und die fehlende Trans-parenz bez\u00fcglich der Energiekosten eines Mietobjekts. Der in der EU vorgesehene Geb\u00e4ude-Energie-Ausweis (Deklaration des Gesamtenergieverbrauchs von Geb\u00e4uden) wird hier Verbesserungen bringen; er soll auch in der Schweiz eingef\u00fchrt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Rahmenbedingungen sind anzupassen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Rahmenbedingungen m\u00fcssen deshalb so ge\u00e4ndert werden, dass zukunftsgerichtetes Handeln heute attraktiver wird:\u00a0&#8211; Die Energiepreisentwicklung muss planbar und zukunftsgerichtet sein; dazu ist die CO2-Abgabe ein guter Ansatz. Externe Kosten f\u00fcr Umwelt- und Gesellschaftssch\u00e4den m\u00fcssen in den Energiepreisen enthalten sein.\u00a0&#8211; Transparenz bei den Energiekosten von Mietobjekten ist n\u00f6tig; Vollkosten \u00fcber die Lebensdauer von Ger\u00e4ten und Anlagen sind zu deklarieren.\u00a0 \u00a0Energieeffizienz wird dadurch automatisch ein h\u00f6chst interessantes Ziel technischer und wirtschaftlicher Entwicklungen. Eine z\u00fcgige Einf\u00fchrung entsprechender Vorschriften ist dringend; bis dahin m\u00fcssen Energieeffizienz und Effizienzprodukte durch Information, Vorschriften und finanzielle Unterst\u00fctzungen gef\u00f6rdert werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erd\u00f6labh\u00e4ngigkeit der Schweiz? Eigentlich heisst das Problem \u00abAbh\u00e4ngigkeit der Schweiz von nicht erneuerbaren Energien\u00bb, da der Ersatz von Erd\u00f6l durch andere nicht erneuerbare Energietr\u00e4ger keine zukunftsvertr\u00e4gliche Perspektive ist. Um die hohen Risiken der Verknappung fossiler Energietr\u00e4ger, fataler Klimaver\u00e4nderungen und radioaktiver Verseuchung zu vermindern, muss unser Verbrauch an nicht erneuerbaren Energien drastisch reduziert werden. 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