{"id":125059,"date":"2006-03-01T12:00:00","date_gmt":"2006-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/03\/schmidbauer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:55","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:55","slug":"schmidbauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2006\/03\/schmidbauer\/","title":{"rendered":"Erd\u00f6lpreise und Konjunktur"},"content":{"rendered":"<p>Der in den letzten zwei Jahren erfolgte massive Anstieg der Erd\u00f6lpreise weckte schmerzliche Erinnerungen an die einschneidenden makro\u00f6konomischen Erfahrungen mit den grossen \u00d6lschocks der Siebzigerjahre. Im Gegensatz zu damals haben indes die hohen Erd\u00f6lpreise international wie in der Schweiz nur geringe konjunkturelle Bremsspuren hinterlassen. Grund daf\u00fcr sind strukturelle wirtschaftliche Ver\u00e4nderungen, die den Erd\u00f6lpreisen ihren Schrecken als \u00abKonjunkturkiller\u00bb weit gehend genommen haben. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/200603_06_Schmidbauer_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"232\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNachdem sich die Erd\u00f6lpreise in den Neunzigerjahren zumeist in relativ ruhigen Bahnen und auf niedrigem Niveau bewegt hatten, \u00e4nderte sich das Bild seit der Jahrtausendwende markant. Allein in den letzten zwei Jahren haben sich die \u00d6lnotierungen ann\u00e4hernd verdoppelt und seit dem Tiefststand von Ende 1999 sogar versechsfacht. Mit der Marke von 60 US-$ pro Fass Nordsee-Brent, um welche die Preise seit einigen Monaten pendeln, liegen sie auf einem Allzeithoch.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Erd\u00f6lpreise in der Vergangenheit oft von Konjunktureinbruch gefolgt&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin starker Anstieg der Erd\u00f6lpreise l\u00e4sst bei den Konjunkturanalysten traditionell die Alarmglocken l\u00e4uten. Die \u00c4ngste gr\u00fcnden haupts\u00e4chlich in den Siebzigerjahren, als sich im Anschluss an die beiden \u00d6lpreisschocks von 1973\/74 (Opec-\u00d6lembargo) sowie 1979\/80 (Ausbruch des Krieges zwischen Iran und Irak) die Konjunktur in den Industriel\u00e4ndern jeweils dramatisch abk\u00fchlte. Auch danach blieb dieses Muster bestehen (siehe <a title=\"Erd\u00f6lpreise und Weltkonjunktur, 1970-2004\">Grafik 1<\/a>). Von Anfang der Siebzigerjahre bis \u00fcber die Jahrtausendwende hinaus waren s\u00e4mtliche Phasen ausgepr\u00e4gter \u00d6lpreisanstiege von einer deutlichen Abschw\u00e4chung des internationalen Wirtschaftswachstums (G7-L\u00e4nder) gefolgt.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230;aber diesmal offenbar nicht<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr den \u00ab\u00d6lpreisschock\u00bb der beiden letzten Jahre gilt dies nicht. So hat sich die Konjunktur &#8211; international wie in der Schweiz &#8211; nur leicht verlangsamt und im zweiten Halbjahr 2005 bereits wieder angezogen. Auch f\u00fcr die n\u00e4here Zukunft k\u00fcndigt sich kein Abschwung an; vielmehr haben sich die konjunkturellen Fr\u00fchindikatoren in den letzten Monaten weiter verbessert.&#13;<\/p>\n<h2>Potenzielle Transmissionskan\u00e4le von den Erd\u00f6lpreisen auf die Konjunktur<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr eine (netto) Erd\u00f6l importierende Volkswirtschaft wie die Schweiz bedeuten h\u00f6here Erd\u00f6lpreise steigende Importkosten f\u00fcr Erd\u00f6lprodukte , denen kurzfristig kaum ausgewichen werden kann, sei es durch Energiesparen oder durch Umsteigen auf andere Energietr\u00e4ger. Die gestiegenen Importkosten bedeuten eine Belastung der Volkswirtschaft bzw. eine Verschlechterung der Terms of Trade. Der entsprechende negative Effekt f\u00e4llt bei stark steigenden Erd\u00f6lpreisen gesamtwirtschaftlich durchaus ins Gewicht. So haben sich etwa die schweizerischen Energietr\u00e4gerimporte zwischen dem dritten Quartal 2003 und dem dritten Quartal 2005 preisbedingt fast verdoppelt; das Ausmass entspricht rund 1% des Bruttoinlandprodukts (BIP). \u00a0Die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Konjunktur k\u00f6nnen sowohl den privaten Konsum als auch die Unternehmensinvestitionen betreffen. Die Kaufkraft der privaten Haushalte wird durch die Verteuerung erd\u00f6lnaher G\u00fcter &#8211; namentlich Treibstoffpreise und Heizkosten &#8211; geschm\u00e4lert. Die Mehrausgaben f\u00fcr diese Positionen k\u00f6nnen ihre \u00fcbrigen Konsumausgaben d\u00e4mpfen. Falls die Unternehmen ihre gestiegenen Kosten f\u00fcr importierte Vorleistungen nicht voll auf die Absatzpreise \u00fcberw\u00e4lzen k\u00f6nnen, sinken ihre Gewinne, was sich negativ auf ihre Investitionst\u00e4tigkeit auswirken kann. \u00a0Falls hingegen die h\u00f6heren Erd\u00f6lpreise in grossem Stil auf andere Preise und L\u00f6hne \u00fcberw\u00e4lzt werden, kann die Inflation angeheizt werden. Derartige Lohn-Preis-Spiralen kamen jeweils in den Siebzigerjahren, die durch generell hohe Inflation und geringe Preisdisziplin gekennzeichnet waren, schnell in Gang und liessen sich schliesslich nur durch eine restriktive Geldpolitik stoppen, womit die durch die hohen Erd\u00f6lpreise ohnehin schon belastete Konjunktur vollends abgew\u00fcrgt wurde. Das Ergebnis war h\u00e4ufig eine unsch\u00f6ne makro\u00f6konomische Kombination aus schwachem Wirtschaftswachstum und hoher Inflation, d.h. Stagflation.\u00a0Dar\u00fcber hinaus sind weitere, eher indirekte Transmissionsmechanismen zu erw\u00e4hnen. So k\u00f6nnten steigende Erd\u00f6lpreise wegen der bef\u00fcrchteten negativen Folgen zu einer Verschlechterung des Gesch\u00e4ftsklimas und der Konsumentenstimmung f\u00fchren und auf diese Weise die Konsum- und Investitionsnachfrage beeintr\u00e4chtigen. F\u00fcr eine kleine offene Volkswirtschaft wie die Schweiz d\u00fcrften auch negative R\u00fcckkopplungseffekte einer Erd\u00f6lpreisbedingten Abk\u00fchlung der Weltkonjunktur eine nicht unwichtige Rolle spielen und die Exportaussichten tr\u00fcben.&#13;<\/p>\n<h2>Keine Einbahnstrasse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Beziehung zwischen Erd\u00f6lpreisen und Konjunktur verl\u00e4uft allerdings nicht nur in eine Richtung; auch der umgekehrte Effekt spielt: Die Konjunktur beeinflusst die Nachfrage nach \u00d6l und damit mittelbar die Erd\u00f6lpreise. Ein internationaler Konjunkturaufschwung stimuliert die Nachfrage nach Rohstoffen &#8211; inklusive Erd\u00f6l &#8211; und treibt die Preise entsprechend nach oben. Ein gewisser Anstieg der Erd\u00f6lpreise ist somit als normale Begleiterscheinung eines weltwirtschaftlichen Aufschwungs zu betrachten. \u00a0Der Einfluss der Wirtschaftsentwicklung auf die Erd\u00f6lpreise d\u00fcrfte gerade in den letzten Jahren verst\u00e4rkt zum Tragen gekommen sein. So verzeichnete die weltweite Erd\u00f6lnachfrage 2004 den st\u00e4rksten Anstieg seit 25 Jahren;3 sie trug erheblich zur anhaltenden Marktanspannung bei. Die \u00d6lpreisschocks der Siebzigerjahre waren hingegen haupts\u00e4chlich durch pl\u00f6tzliche Angebotsverknappungen (z.B. Opec-Embargo 1973) und entsprechend abrupte \u00d6lpreisspr\u00fcnge gekennzeichnet. \u00a0Tats\u00e4chlich scheint sich die kausale Beziehung zwischen Erd\u00f6lpreisen und Konjunktur \u00fcber die letzten Jahrzehnte etwas verschoben zu haben. W\u00e4hrend in den Siebziger- und Achtzigerjahren die empirischen Daten noch einen klaren einseitigen Einfluss der Erd\u00f6lpreise auf die konjunkturelle Entwicklung nahe legen, ging seit Anfang der Neunzigerjahre die Wirkung zunehmend st\u00e4rker von der Konjunktur auf die Erd\u00f6lpreise aus &#8211; als umgekehrt. \u00a0Angesichts wechselseitiger Einfl\u00fcsse und komplexer Transmissionskan\u00e4le ist es nicht einfach, die Auswirkungen der Erd\u00f6lpreise auf die Konjunktur klar herauszufiltern und quantitativ abzusch\u00e4tzen. Auch der eingangs beschriebene historisch feststellbare Zusammenhang zwischen hohen Erd\u00f6lpreisen und anschliessenden Konjunkturflauten wird dadurch zumindest relativiert, weil nicht geschlossen werden kann, dass ausschliesslich die Erd\u00f6lpreise f\u00fcr den Konjunkturabschwung verantwortlich waren. In der Tat d\u00fcrften in den jeweiligen Episoden oftmals andere Faktoren eine wichtigere Rolle gespielt haben.&#13;<\/p>\n<h2>Quantitative Sch\u00e4tzungen&#8230;<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Auswirkungen von den Erd\u00f6lpreisen auf die Konjunktur abzusch\u00e4tzen, werden h\u00e4ufig makro\u00f6konometrische Modelle verwendet, welche &#8211; basierend auf der historischen Entwicklung &#8211; die Einflusskan\u00e4le und Interdependenzen empirisch fundiert abbilden. In den letzten zwei Jahren wurden, angesichts der haussierenden \u00d6lm\u00e4rkte, zahlreiche Modellsimulationen durchgef\u00fchrt. Diese kommen, je nach Modellstruktur und Annahmen \u00fcber die Wirtschaftspolitik, zwar zu teilweise unterschiedlichen Resultaten, die dennoch von der Grundtendenz und Gr\u00f6ssenordnung recht \u00e4hnlich sind. \u00a0Als Faustformel l\u00e4sst sich ableiten, dass ein permanenter \u00d6lpreisanstieg um 10 US-$ in den folgenden ein bis zwei Jahren im OECD-Raum folgende Wirkung hat: Das Wirtschaftswachstum wird um rund 0,5 Prozentpunkte ged\u00e4mpft und die Teuerung um rund 0,5 Prozentpunkte erh\u00f6ht. Der negative Wachstumseffekt d\u00fcrfte in der EU kaum geringer sein als in den USA, wo der h\u00f6heren Erd\u00f6labh\u00e4ngigkeit der Wirtschaft eine gr\u00f6ssere Bedeutung der heimischen \u00d6lf\u00f6rderung gegen\u00fcbersteht. In der Schweiz d\u00fcrften die konjunkturellen Auswirkungen in \u00e4hnlicher Gr\u00f6ssenordnung wie in der EU liegen. W\u00e4hrend der direkte negative \u00d6lpreiseffekt auf die Konjunktur wegen der im internationalen Vergleich hohen Energieeffizienz der Schweizer Wirtschaft relativ gering sein d\u00fcrfte, w\u00fcrde die Schweiz als stark aussenhandelsabh\u00e4ngige Volkswirtschaft indirekt durch eine Abk\u00fchlung der internationalen Konjunktur unter schlechteren Exportaussichten leiden.&#13;<\/p>\n<h2>&#8230;scheinen den negativen \u00d6leffekt auf die Konjunktur zu \u00fcbersch\u00e4tzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVor dem Hintergrund der verschiedenen Modellsimulationen w\u00e4re zu erwarten gewesen, dass der \u00d6lpreisanstieg w\u00e4hrend der letzten beiden Jahre um rund 30 US-$ das Wirtschaftswachstum international und in der Schweiz deutlich h\u00e4tte d\u00e4mpfen m\u00fcssen &#8211; und zwar in der Gr\u00f6ssenordnung von ein bis zwei Prozentpunkten, was indes nicht passiert ist. Offenbar sind die negativen konjunkturellen Folgen der hohen Erd\u00f6lpreise deutlich geringer als aufgrund der in den Modellen enthaltenen historischen Erfahrung zu erwarten gewesen w\u00e4re. Hierf\u00fcr gibt es eine Reihe von Gr\u00fcnden, die gr\u00f6sstenteils mit strukturellen wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen zusammenh\u00e4ngen.&#13;<\/p>\n<h2>Geb\u00e4ndigte Inflation<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine entscheidende Rolle d\u00fcrfte spielen, dass der fr\u00fchere Negativmechanismus \u00abhohe Erd\u00f6lpreise = hohe Inflation = hohe Zinsen = Rezession\u00bb nicht mehr gilt. Zwar machten sich auch diesmal die gestiegenen Erd\u00f6lpreise in der Konsumteuerung bemerkbar. So erh\u00f6hte sich in der Schweiz die haupts\u00e4chlich Benzinpreise und Heizungskosten umfassende Komponente \u00abErd\u00f6lprodukte\u00bb des Landesindexes der Konsumentenpreise (LIK) 2004 und 2005 um rund 50%, was auch die Gesamtteuerung etwas nach oben dr\u00fcckte. Diese erd\u00f6lbedingten \u00abErstrundeneffekte\u00bb griffen jedoch &#8211; im Gegensatz zu fr\u00fcher &#8211; bislang nicht in nennenswertem Ausmass auf andere G\u00fcter- und Dienstleistungspreise sowie auf die L\u00f6hne \u00fcber. Die Gesamtteuerung blieb moderat. \u00abZweitrundeneffekte\u00bb blieben aus, und Lohn-Preis-Spiralen kamen nicht in Gang. Die so genannte Kernteuerung, welche die Konsumteuerung unter Ausschluss u.a. der Erd\u00f6lprodukte misst, zeigt keinerlei Beschleunigung (siehe <a title=\"Konsumteuerung Schweiz 2003-2005: Tief trotz hohen \u00d6lpreisen\">Grafik 2<\/a>). Dasselbe gilt f\u00fcr die meisten anderen L\u00e4nder, so auch f\u00fcr die USA. Dort schoss zwar die Konsumteuerung im Herbst 2005 Erd\u00f6lpreisbedingt kurze Zeit viel beachtet in die H\u00f6he; um diesen Effekt bereinigt blieb die Teuerungstendenz jedoch niedrig. \u00a0Die Inflationsgefahr wird auf vielen M\u00e4rkten durch den erh\u00f6hten Konkurrenzdruck ged\u00e4mpft. Dieser Konkurrenzdruck ist im Zuge von Globalisierung und Liberalisierung entstanden und erschwert die \u00dcberw\u00e4lzung h\u00f6herer Erd\u00f6lpreise. Dazu beigetragen hat auch die glaubw\u00fcrdigere Geldpolitik der letzten Jahrzehnte, n\u00e4mlich Preisstabilit\u00e4t durch stabilit\u00e4tsorientierte Geldpolitik zu gew\u00e4hrleisten. Somit sind die Inflationserwartungen trotz h\u00f6herer Erd\u00f6lpreise tief geblieben. Neben diesen eher strukturellen Ver\u00e4nderungen d\u00fcrfte auch die Konjunkturlage zur tiefen Teuerung beigetragen haben. Viele Volkswirtschaften &#8211; insbesondere in Europa &#8211; befanden sich n\u00e4mlich in den letzten zwei Jahren erst am Anfang einer Expansionsphase und hatten deshalb noch erhebliche \u00dcberkapazit\u00e4ten.&#13;<\/p>\n<h2>Gelassene Reaktion der Geldpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine positive Folge der geringen Inflationsgefahr ist, dass die monet\u00e4ren Rahmenbedingungen f\u00fcr die Konjunktur f\u00fcr lange Zeit g\u00fcnstig blieben. Angesichts fehlender inflation\u00e4rer Zweitrundeneffekte konnten die Notenbanken den \u00d6lpreisanstieg ziemlich gelassen nehmen und als das betrachten, was er eigentlich ist &#8211; n\u00e4mlich eine Erh\u00f6hung eines einzelnen Preises, welche noch nicht mit Inflation gleichzusetzen ist. Entsprechend blieben &#8211; im Unterschied zu fr\u00fcheren \u00d6lpreisschocks &#8211; abrupte geldpolitische Bremsman\u00f6ver aus. In den USA sind mit fortschreitendem Aufschwung die monet\u00e4ren Z\u00fcgel zwar nach und nach angezogen worden, was jedoch lediglich einer Normalisierung der zuvor \u00e4usserst expansiven Geldpolitik entspricht. In der Schweiz hat dieser zinspolitische Normalisierungsprozess gerade erst begonnen. Auch die langfristigen Zinss\u00e4tze an den Kapitalm\u00e4rkten liegen international wie in der Schweiz nach wie vor auf historisch tiefem Niveau.&#13;<\/p>\n<h2>Vermehrte Kompensationseffekte durch Erd\u00f6lexporteure<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStabilisierend auf die Konjunktur wirken des Weiteren Kompensationseffekte aus den Erd\u00f6l exportierenden L\u00e4ndern. Diese L\u00e4nder &#8211; zu denen ausser den Opec-Staaten vor allem Russland, Mexiko und Norwegen geh\u00f6ren &#8211; profitieren von einer Hausse der Erd\u00f6lpreise durch zus\u00e4tzliche Einnahmen. Die \u00fcber die letzten Jahrzehnte gewachsene Verflechtung der internationalen Waren- und Kapitalm\u00e4rkte tr\u00e4gt dazu bei, dass die erd\u00f6lbedingten Mehreinnahmen (\u00abPetrodollars\u00bb) in st\u00e4rkerem Masse als fr\u00fcher durch Handels- und Finanzstr\u00f6me wieder an die Erd\u00f6limporteure zur\u00fcckfliessen und so deren negative Auswirkungen auf die Konjunktur abmildern. Neuere Studien zeigen, dass rund 60% der h\u00f6heren Erd\u00f6leinnahmen \u00abrecycelt\u00bb werden und in einer zweiten Runde die Warenimporte der Erd\u00f6l exportierenden L\u00e4nder positiv beeinflussen.10 F\u00fcr die Schweizer Wirtschaft ist ein derartiger Recyclingeffekt aus den Aussenhandelszahlen f\u00fcr das Jahr 2005 statistisch zwar kaum sichtbar, sind doch die Exporte in die Opec-L\u00e4nder eher m\u00e4ssig gewachsen. Gleichwohl d\u00fcrften insbesondere die in der Schweizer Produktionspalette traditionell gut vertretenen Luxusprodukte (Uhren und Schmuck) durchaus profitiert haben.\u00a0Selbst die Petrodollars, die von den Erd\u00f6lexporteuren gespart wurden, hatten, wenn auch indirekt, positive Wirkungen, wurden diese doch in den letzten beiden Jahren in betr\u00e4chtlichem Ausmass auf den internationalen Kapitalm\u00e4rkten angelegt, insbesondere in US-Staatsanleihen. Auf diese Weise trugen sie zum tiefen Zinsniveau an den internationalen Kapitalm\u00e4rkten bei, welches die Weltwirtschaft st\u00fctzte.&#13;<\/p>\n<h2>Sektoraler Strukturwandel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDass die Erd\u00f6lpreise f\u00fcr die Konjunktur in den Industriestaaten eine geringere Bedeutung hatte, ist nicht zuletzt auf den wirtschaftlichen Strukturwandel zur\u00fcckzuf\u00fchren. In s\u00e4mtlichen hoch entwickelten Volkswirtschaften l\u00e4sst sich ein langfristiger Trend einer relativen Verschiebung der Wertsch\u00f6pfung, n\u00e4mlich weg von der Industrie und hin zu Dienstleistungen, feststellen. Dies wirkt d\u00e4mpfend auf den Erd\u00f6lverbrauch. Finanz-, Gesundheitsoder Beratungsdienstleistungen brauchen bekanntlich weniger Erd\u00f6l als eine Maschinenfabrik oder ein Stahlwerk. Dieser Strukturwandel hat &#8211; zusammen mit gesteigerter Energieeffizienz &#8211; dazu beigetragen, dass das Wirtschaftswachstum in den Industriel\u00e4ndern im Vergleich zu fr\u00fcher deutlich weniger Erd\u00f6lintensiv ist , wodurch die wirtschaftliche Anf\u00e4lligkeit ebenfalls gemindert wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a title=\"Erd\u00f6lpreise und Weltkonjunktur, 1970-2004\">Grafik 1 \u00abErd\u00f6lpreise und Weltkonjunktur, 1970-2004\u00bb<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a title=\"Konsumteuerung Schweiz 2003-2005: Tief trotz hohen \u00d6lpreisen\">Grafik 2 \u00abKonsumteuerung Schweiz 2003-2005: Tief trotz hohen \u00d6lpreisen\u00bb<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 1: Literatur<\/a> &#8211; Atukeren, E. (2003): Oil Prices and the Swiss Economy, KOF-Arbeitspapier Nr. 77.- Amstad, M.; P. Hildebrand (2005): Erd\u00f6lpreis und Geldpolitik &#8211; ein neues Paradigma, in: SNB Quartalsheft 3\/2005, S. 62-81.- Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit (2005): Direkte und indirekte R\u00fcckwirkungen eines h\u00f6heren Erd\u00f6lpreises auf die deutschen Ausfuhren, eine \u00f6konometrische Untersuchung, Wirtschaftsanalysen Nr. 5.- Internationale Energie Agentur (2004): Analysis of the Impact of Higher Oil Prices on the Global Economy, March 2005.- OECD (2004): Oil Price Developments: Drivers, Economic Consequences and Policy Responses, Working Paper Nr. 412.- Staatssekreatriat f\u00fcr Wirtschaft (2004): Steigende Erd\u00f6lpreise &#8211; ein Risiko f\u00fcr die Konjunkturerholung in der Schweiz?, in: Konjunkturtendenzen Sommer 2004, S. 31-39.- Staatssekreatriat f\u00fcr Wirtschaft (2005): Determinanten der Exportdynamik 2005, in: Konjunkturtendenzen Winter 2005\/06, S. 31-39.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der in den letzten zwei Jahren erfolgte massive Anstieg der Erd\u00f6lpreise weckte schmerzliche Erinnerungen an die einschneidenden makro\u00f6konomischen Erfahrungen mit den grossen \u00d6lschocks der Siebzigerjahre. 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