{"id":125154,"date":"2005-12-01T12:00:00","date_gmt":"2005-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/01\/arvanitis-16\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:57","slug":"arvanitis-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2005\/12\/arvanitis-13\/","title":{"rendered":"Forschungs- und Technologiestandort Schweiz im internationalen Vergleich"},"content":{"rendered":"<p>L\u00e4ngerfristig h\u00e4ngt das Wachstumspotenzial einer wirtschaftlich hoch entwickelten Volkswirtschaft haupts\u00e4chlich von der Innovationsf\u00e4higkeit der Unternehmen ab. In diesem Zusammenhang ist die Attraktivit\u00e4t eines Landes als Standort f\u00fcr Forschungs- und Entwicklungsaktivit\u00e4ten von zentraler Bedeutung. Im vorliegenden Beitrag wird abgekl\u00e4rt, wie gut die Schweiz hinsichtlich der wichtigsten Komponenten dasteht, welche die Qualit\u00e4t eines Forschungs- und Technologiestandorts im internationalen Vergleich ausmachen. Insbesondere wird untersucht, ob die h\u00e4ufig ge\u00e4usserte Bef\u00fcrchtung zutrifft, wonach die Forschungs- und Entwicklungst\u00e4tigkeit zunehmend aus der Schweiz abwandert. Auf dieser Basis lassen sich die wichtigsten Schw\u00e4chen benennen, die durch die Politik zu beheben sind.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/1134652548_05_Arvanitis01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"255\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZur Beurteilung der St\u00e4rken und Schw\u00e4chen des Forschungs- und Technologiestandorts Schweiz st\u00fctzen wir uns einerseits auf eine qualitative Analyse des schweizerischen Innovationssystems. Anderseits wird untersucht, wie sich die Internationalisierung der privatwirtschaftlichen Forschung und Entwicklung (F&amp;E) auf die einheimische Wissensbasis auswirkt. Als Referenz f\u00fcr internationale Vergleiche dienen in der Regel die sechs grossen OECD-L\u00e4nder &#8211; Deutschland, Frankreich, Italien, Grossbritannien, die USA und Japan &#8211; sowie sechs kleinere OECD-Staaten, n\u00e4mlich Schweden, Finnland, D\u00e4nemark, Irland, die Niederlande und \u00d6sterreich (vgl. Tabelle 1).&#13;<\/p>\n<h2>Stagnierende Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie F&amp;E-Ausgaben als Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) sind zwar in der Schweiz im internationalen Vergleich hoch; sie haben aber in den Neunzigerjahren praktisch stagniert. Zwischen 1996 und 2000 (neuere Daten sind nicht verf\u00fcgbar) war die Zunahme in keinem Vergleichsland so schwach wie in der Schweiz; die \u00f6ffentlichen F&amp;E-Ausgaben sind sogar gesunken.\u00a0Die Schweiz weist bei den F&amp;E-Aktivit\u00e4ten zwei strukturelle Vorteile auf: \u00a0&#8211; Erstens ist der auf Klein- und Mittelunternehmen (KMU) entfallende Anteil der F&amp;E-Ausgaben in der Schweiz wesentlich h\u00f6her als in anderen L\u00e4ndern;\u00a0&#8211; zweitens sind die F&amp;E-Aktivit\u00e4ten st\u00e4rker grundlagenorientiert. \u00a0\u00a0Eine nach Gr\u00f6ssenklassen breitere Verteilung der F&amp;E-Investitionen reduziert am Standort Schweiz die Innovationsrisiken; die Diversifikation bringt hier somit Vorteile. Zudem st\u00e4rkt eine breite Streuung der Kompetenzen die F\u00e4higkeit der Unternehmen, firmenexternes Wissen zu nutzen (\u00abAbsorptive Capacity\u00bb). Die starke Grundlagenorientierung von Forschung und Entwicklung gew\u00e4hrleistet eine Wissensbasis, von der die Firmen bei ihrer Innovationst\u00e4tigkeit langfristig profitieren k\u00f6nnen.\u00a0Die \u00f6ffentliche F&amp;E-F\u00f6rderung ist in der Schweiz schwach dotiert, sodass ihr gesamtwirtschaftlicher Effekt zwangsl\u00e4ufig gering ist. Positiv ist jedoch, dass sie wesentlich st\u00e4rker als im Ausland auf die KMU ausgerichtet ist und die Schnittstelle zwischen Hochschule und Privatwirtschaft im Auge hat. Zudem stimmt die technologische Zielrichtung der F\u00f6rderung, wird doch &#8211; abgesehen von der Unterst\u00fctzung von Neugr\u00fcndungen &#8211; vor allem der Vorstoss in neue Technologiefelder unterst\u00fctzt, die auf dem Bestehenden aufbauen; man spricht dann von \u00abUpgrading\u00bb.&#13;<\/p>\n<h2>Ausbildung auf der Terti\u00e4rstufe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGemessen am Bev\u00f6lkerungsanteil mit terti\u00e4rer Ausbildung liegt die Schweiz nur im Mittelfeld der Vergleichsl\u00e4nder. Anders sieht es bei den Erwerbst\u00e4tigen aus, was im vorliegenden Zusammenhang wichtiger ist. So ist der Anteil der im Bereich Wissenschaft und Technologie t\u00e4tigen Personen h\u00f6her als in den meisten Vergleichsl\u00e4ndern. Zudem sind die Entwicklungstendenzen in der Schweiz g\u00fcnstig, nahm doch die Zahl der Besch\u00e4ftigten mit terti\u00e4rer Ausbildung und der in den Unternehmen t\u00e4tigen Forscher in den letzten Jahren stark zu; von den 13 Vergleichsl\u00e4ndern verzeichnete die Schweiz die f\u00fcnfth\u00f6chste Zuwachsrate.\u00a0Bezogen auf das BIP betragen die Aufwendungen f\u00fcr die terti\u00e4re Ausbildung nur etwa die H\u00e4lfte des OECD-Durchschnitts. Dieser Anteil ist in den Neunzigerjahren nur um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. Da das BIP in dieser Zeit praktisch stagnierte, nahmen die Bildungsinvestitionen &#8211; absolut gesehen &#8211; nur leicht zu. Demgegen\u00fcber erh\u00f6hte sich in L\u00e4ndern wie Schweden oder den USA der BIP-Anteil der Bildungsausgaben in dieser Periode um 0,6 bzw. 0,4 Prozentpunkte, und dies bei wesentlich st\u00e4rkerem BIP-Wachstum. Verglichen mit den besonders innovationsstarken L\u00e4ndern wurde also in der Schweiz in den Neunzigerjahren weniger in die h\u00f6here Ausbildung investiert. Dank ausl\u00e4ndischem Personal konnte jedoch der Bedarf an hoch qualifiziertem Personal trotzdem weit gehend abgedeckt werden. \u00a0Die Schweiz verf\u00fcgt also \u00fcber einen kleinen terti\u00e4ren Ausbildungssektor. Dieser ist auch teuer, da die Ausgaben je Auszubildenden nirgends so hoch sind wie hierzulande. Unklar ist, wie sehr die hohen Ausgaben auf die Qualit\u00e4t der Ausbildung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind oder aber Ineffizienzen widerspiegeln.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe internationale Vernetzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Grundlagenforschung ist die internationale Vernetzung &#8211; gemessen z.B. am Anteil ausl\u00e4ndischer Doktorierender oder gemeinsam mit ausl\u00e4ndischen Forschern verfasster Publikationen &#8211; in der Schweiz im Vergleich zum Ausland sehr hoch. Im Zeitablauf hat die internationale Vernetzung im Ausland st\u00e4rker zugenommen als in der Schweiz, was jedoch eher einen nat\u00fcrlichen Aufholprozess als eine Schw\u00e4che widerspiegelt.\u00a0Die Vernetzung der F&amp;E-Aktivit\u00e4ten schweizerischer Unternehmen mit in- und ausl\u00e4ndischen Firmen und Hochschulen ist im internationalen Vergleich hoch. Das Wissensnetzwerk ist jedoch nicht ganz so eng gekn\u00fcpft wie in anderen besonders innovativen Volkswirtschaften, so etwa in Finnland oder Schweden. Die Vernetzung schweizerischer Firmen ist stark international orientiert und auf Hochschulen ausgerichtet. Der Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen ist &#8211; entgegen anderslautender Einsch\u00e4tzungen<a class=\"inline-footnote__anchor\">1<\/a> Vgl. Nicoletti et al. (2000).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n5 Vgl. Le Bas\/Sierra (2002).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n6 Vgl. Arvanitis\/Hollenstein (2005). &#8211; intensiv und f\u00fchrt h\u00e4ufig zu marktnahen Resultaten<a class=\"inline-footnote__anchor\">2<\/a> Vgl. Arvanitis et al. (2001)..&#13;<\/p>\n<h2>Wissens- und Innovations-Output: Schwaches Wachstum auf hohem Niveau<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Publikations- und der Patentaktivit\u00e4t nimmt die Schweiz eine absolute Spitzenstellung ein. Die Publikationsh\u00e4ufigkeit je Einwohner ist nur noch in Schweden und Finnland h\u00f6her; hinsichtlich der Qualit\u00e4t der Publikationen &#8211; basierend auf der Anzahl zitierter Hinweise in der Literatur &#8211; liegt die Schweiz hinter den USA auf Rang 2. Die Zahl angemeldeter Patente je Einwohner ist nirgends so hoch wie in der Schweiz &#8211; und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob auf die europ\u00e4ischen oder die so genannten \u00abTriade\u00bb-Patente abgestellt wird. Das ungen\u00fcgende Wachstum der F&amp;E-Investitionen f\u00fchrte jedoch dazu, dass der anhand von Publikationen und Patenten gemessene Wissens-Output in den Neunzigerjahren nur noch relativ schwach zunahm.\u00a0\u00c4hnliche Tendenzen finden sich hinsichtlich der Innovationsperformance. Gem\u00e4ss einem B\u00fcndel entsprechender Indikatoren belegt die Schweiz im europ\u00e4ischen Vergleich den ersten Rang. Doch in der Industrie ging der vor zehn Jahren noch betr\u00e4chtliche Vorsprung auf die n\u00e4chstfolgenden L\u00e4nder weit gehend verloren. Immerhin vermochte der Dienstleistungssektor seine Spitzenstellung aufrechtzuerhalten. Eine besondere St\u00e4rke ist der KMU-Sektor, der in keinem Land so innovativ ist wie in der Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Ist die Spezialisierung des Innovationssystems zukunftstr\u00e4chtig?<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h3>Pr\u00e4senz bei ausgew\u00e4hlten Spitzentechnologien<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBei den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ist die Schweiz generell unterspezialisiert. Besonders gilt dies f\u00fcr die Hardware, bei der die Schweiz von der Forschung bis hin zur Produktion schwach vertreten ist. Die Schweiz konnte deshalb in den Neunzigerjahren vom rasanten Wachstum auf den Hardware-M\u00e4rkten weniger profitieren als andere OECD-L\u00e4nder. \u00a0Im Bereich Software war die Entwicklung in den letzten Jahren &#8211; ausgehend von tiefem Niveau &#8211; g\u00fcnstig. So nahmen seit 1998 die Anmeldungen von Software-Patenten markant zu.<a class=\"inline-footnote__anchor\">3<\/a> Vgl. Hotz-Hart\/K\u00fcchler (2005). In diesem Bereich ist f\u00fcr Schweizer Firmen ein grosses Entwicklungspotenzial vorhanden, besonders auf dem Gebiet der Nischenprodukte.\u00a0Bei der Biotechnologie ist die Schweiz gut positioniert. Einerseits verf\u00fcgt sie \u00fcber einen leistungsf\u00e4higen, wenn auch kleinen Sektor von Biotech-Firmen, die sich prim\u00e4r als hochspezialisierte Zulieferer f\u00fcr die pharmazeutische Grossindustrie bet\u00e4tigen. Anderseits profitieren die Grossunternehmen vom Transfer von Wissen, das durch ihre ausl\u00e4ndischen Forschungsst\u00e4tten und Biotech-Firmen generiert wird.\u00a0Die Nanotechnologie befindet sich noch vorwiegend in der Phase der Grundlagenforschung. Auf dieser Stufe nimmt die Schweiz zwar eine Spitzenstellung ein, doch ist noch nicht absehbar, ob sich dieser Vorteil in Markterfolge umsetzen l\u00e4sst. Die Perspektiven f\u00fcr die Schweiz sind aber grunds\u00e4tzlich g\u00fcnstig. Denn diese Technologie weist aller Voraussicht nach in gewissen Sparten &#8211; wie wissenschaftlichen Instrumenten oder Pr\u00e4zisionsmaschinen &#8211; ein hohes Anwendungspotenzial auf; dies also in Bereichen, in denen die Schweiz eine starke Stellung einnimmt.&#13;<\/p>\n<h3>Export von Hightech-G\u00fctern und wissensbasierten Dienstleistungen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBei den Hightech-G\u00fcterexporten ist die Schweiz im Vergleich zur OECD in vier von acht Kategorien hochtechnologischer Produkte besonders stark vertreten, n\u00e4mlich bei Pharma, wissenschaftlichen Instrumenten, Chemikalien und nichtelektrischen Maschinen. Diese Produktgruppen stehen bez\u00fcglich der Technologieintensit\u00e4t auf den R\u00e4ngen 4, 5, 7 und 8. In den Bereichen Luft-\/Raumfahrt, EDV und Elektronik, welche die ersten drei Pl\u00e4tze belegen, ist die Schweiz schwach vertreten. In den Neunzigerjahren erwies sich diese Spezialisierung als Nachteil, weil die besonders stark wachsenden M\u00e4rkte nicht den Schwerpunkten der Schweizer Industrie entsprachen.\u00a0Im Jahr 2002 kam aber der Anteil der Hightech-G\u00fcterexporte der Schweiz erstmals \u00fcber dem OECD-Mittel zu liegen. Die deutliche Verbesserung der Schweiz im Vergleich zu den fr\u00fchen Neunzigerjahren beruht prim\u00e4r auf einem starken Anstieg der Pharma-Exporte. F\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre kann mit einer weiteren St\u00e4rkung der schweizerischen Position gerechnet werden. Denn im IKT-Bereich (und allenfalls auch bei Flugzeugen), wo die Schweiz Spezialisierungsnachteile aufweist, wird es in der laufenden Dekade kaum mehr zu einer so st\u00fcrmischen Entwicklung wie in den Neunzigerjahren kommen. \u00a0Beim Export von Dienstleistungen ist die Spezialisierung der Schweiz hervorragend. Der Anteil wissensintensiver Dienstleistungen &#8211; Banken, Versicherungen, unternehmensnahe Dienstleistungen, Telekommunikation &#8211; ist wesentlich h\u00f6her als in der OECD, wobei der Vorsprung seit den fr\u00fchen Neunzigerjahren deutlich zugenommen hat.&#13;<\/p>\n<h3>\u00abLock-in\u00bb &#8211; eine Schw\u00e4che des Technologiestandorts Schweiz?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Lock-in-Problem liegt vor, wenn eine Volkswirtschaft im Zeitablauf in ihrer Spezialisierungsstruktur verhaftet bleibt; das heisst, wenn kein ausreichender Wandel in Richtung viel versprechenderer Technologien und M\u00e4rkte stattfindet.\u00a0F\u00fcr die Schweiz trifft dies teilweise zu. Die Spezialisierung auf den technologisch als reif und somit wenig entwicklungsf\u00e4hig betrachteten Sektor des Maschinenbaus nahm zwar im Zeitablauf ab, er ist aber immer noch sehr ausgepr\u00e4gt. Demgegen\u00fcber blieb eine Erweiterung der Aktivit\u00e4ten auf dem Gebiet der EDV\/Elektronik aus. Allerdings gibt es auch entgegengesetzte Entwicklungen. So wurde das verf\u00fcgbare F\u00e4higkeitskapital zunehmend auch im hoch technologischen Nischensegment der wissenschaftlichen Instrumente und der Medizinaltechnik mit Erfolg eingesetzt. Ein analoger Prozess fand in der chemischen Industrie statt, die in den Neunzigerjahren einen Wandel von (traditionellen) Chemikalien hin zu pharmazeutischen Produkten vollzog. Diese Neuorientierungen fanden praktisch ohne \u00f6ffentliche Hilfe statt.&#13;<\/p>\n<h2>Innovationshemmnisse haben an Bedeutung verloren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nRelevant sind vier Gruppen von Innovationshemmnissen, n\u00e4mlich:\u00a0&#8211; kosten- und risikobezogene Faktoren;\u00a0&#8211; ein Mangel an Fachkr\u00e4ften;\u00a0&#8211; Finanzierungsschwierigkeiten;\u00a0&#8211; staatliche (innovationsbezogene) Regulierungen. \u00a0\u00a0Die Bedeutung dieser Hemmnisse hat in den Neunzigerjahren generell abgenommen. Wirtschaftspolitisch besonders relevant ist die Verbesserung bei den Regulierungen &#8211; das heisst: Zutritt zum EU-Markt, Ausl\u00e4ndergesetzgebung, Zutritt auf inl\u00e4ndischen Produktm\u00e4rkten, Umweltgesetzgebung sowie Planungs- und Bauvorschriften. Mittelfristig fallen im Wesentlichen ein unzureichendes Angebot an Fachpersonal und &#8211; im Fall klei-ner Unternehmen &#8211; Probleme der Innovationsfinanzierung ins Gewicht. Allerdings wird durch den freien Personenverkehr in Europa das Hemmnis des Mangels an Fachkr\u00e4ften an Bedeutung verlieren.\u00a0Die Regulierungsdichte auf den Produktm\u00e4rkten ist trotz Verbesserungen in den Neunzigerjahren in der Schweiz h\u00f6her als in den meisten der 13 Vergleichsl\u00e4nder.4 In dem Mass, in dem die Marktregulierung die Investitionst\u00e4tigkeit hemmt, wird indirekt auch die Innovationst\u00e4tigkeit behindert. Paradoxerweise ist jedoch im Fall der Schweiz die Ver\u00e4nderung der Regulierungsdichte mit der Ver\u00e4nderung der F&amp;E-Quote positiv korreliert.&#13;<\/p>\n<h2>Mehr Innovationsdynamik erw\u00fcnscht<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm schweizerischen Innovationssystem wurde \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum ein beachtlicher Wissensbestand kumuliert. Die Schweiz nimmt hier im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. Da keine gewichtigen strukturellen Probleme erkennbar sind, ist der Forschungsstandort grunds\u00e4tzlich nicht gef\u00e4hrdet. Allerdings haben &#8211; angesichts der in der Schweiz in den Neunzigerjahren geringen Dynamik bei F&amp;E und der terti\u00e4ren Ausbildung &#8211; viele andere L\u00e4nder ihren R\u00fcckstand vermindert oder gar aufgeholt. Dieser ung\u00fcnstige Trend k\u00f6nnte sich &#8211; wenn nicht Gegensteuer gegeben wird &#8211; f\u00fcr die k\u00fcnftige Entwicklung des Forschungsstandorts Schweiz als Hauptschw\u00e4che erweisen. Dar\u00fcber hinaus ist der Strukturwandel in Richtung vielversprechender Technologien und M\u00e4rkte voranzutreiben.&#13;<\/p>\n<h2>Schw\u00e4chen F&amp;E-Aktivit\u00e4ten im Ausland den Forschungsstandort Schweiz?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF&amp;E-Aktivit\u00e4ten schweizerischer Unternehmen an ausl\u00e4ndischen Standorten haben in den letzten 15 Jahren an Bedeutung stark gewonnen. Dadurch sind Bef\u00fcrchtungen aufgekommen, dass diese Entwicklung auf Kosten von F&amp;E-Investitionen am Standort Schweiz erfolgt (Substitutions-Hypothese). Allerdings wird auch die Meinung vertreten, dass F&amp;E-Aktivit\u00e4ten im Ausland lediglich eine Vertiefung des allgemeinen Globalisierungsprozesses darstellen. In dieser Sicht dienen F&amp;E-Aktivit\u00e4ten im Ausland dazu, spezifische Wissensvorteile ausl\u00e4ndischer Standorte durch \u00abTechnology Sourcing\u00bb zu nutzen. Folglich erg\u00e4nzen sich ausl\u00e4ndische und inl\u00e4ndische F&amp;E-Aktivit\u00e4ten (Komplementarit\u00e4ts-Hypothese).\u00a0F&amp;E-Investitionen im Ausland werden prim\u00e4r aus markt- und aus wissensorientierten Motiven vorgenommen (vgl. Tabelle 2). Erstere zielen auf die Unterst\u00fctzung von Fertigung und Absatz vor Ort ab (\u00abAsset-Exploiting-Strategie\u00bb); bei Letzteren geht es darum, die N\u00e4he zu f\u00fchrenden Hochschulen und innovativen Firmen zu nutzen, um spezifisches Wissen zur Erweiterung der Wissensbasis an den Standort Schweiz zu transferieren (\u00abAsset-Augmenting-Strategie\u00bb). Im Vergleich dazu spielen kostenorientierte Motive eine untergeordnete Rolle. Im Lichte dieser Resultate ist die Bef\u00fcrchtung unbegr\u00fcndet, wonach die zunehmende F&amp;E-T\u00e4tigkeit an ausl\u00e4ndischen Standorten den Forschungsplatz Schweiz schw\u00e4cht.\u00a0Dieses Resultat wird durch methodisch anspruchsvollere Untersuchungen best\u00e4tigt. So gelangen einige Studien, die mehrere L\u00e4nder &#8211; darunter auch die Schweiz &#8211; ber\u00fccksichtigen, zum Schluss, dass die schweizerischen F&amp;E-Investitionen im Ausland in erster Linie durch Asset Augmenting und in zweiter Linie durch Asset Exploiting gekennzeichnet sind.<a class=\"inline-footnote__anchor\">5<\/a> Vgl. Le Bas\/Sierra (2002).Diese Einsch\u00e4tzung wurde durch eigene \u00f6konometrische Studien best\u00e4tigt.<a class=\"inline-footnote__anchor\">6<\/a> Vgl. Arvanitis\/Hollenstein (2005). \u00a0Die empirische Evidenz legt also &#8211; in \u00dcbereinstimmung mit der Komplementarit\u00e4ts-Hypothese &#8211; den Schluss nahe, dass die Aufnahme und Erweiterung von F&amp;E-Aktivit\u00e4ten schweizerischer Unternehmen im Ausland den Forschungs- und Technologiestandort Schweiz st\u00e4rkt. Der Nutzen, den ein Land aus F&amp;E-Investitionen an ausl\u00e4ndischen Standorten zieht, ist besonders gross, wenn die einheimische Wirtschaft \u00fcber eine hohe Absorptionsf\u00e4higkeit f\u00fcr externes Wissen verf\u00fcgt. Da diese F\u00e4higkeit in hohem Mass von der Qualit\u00e4t der einheimischen Wissensbasis abh\u00e4ngt, ist die Pflege und Verbesserung des schweizerischen Innovationssystems von zentraler Bedeutung.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Analyse des schweizerischen Innovationssystems im internationalen Vergleich und der Auswirkungen der verst\u00e4rkten Internationalisierung der F&amp;E-Aktivit\u00e4ten zeigt, dass der Forschungsstandort Schweiz grunds\u00e4tzlich nicht gef\u00e4hrdet ist. Es gilt aber, die Schw\u00e4chen zu beheben, die im Laufe der Neunzigerjahre aufgrund zu geringer Investitionen in die terti\u00e4re Ausbildung sowie die \u00f6ffentliche und private F&amp;E entstanden sind. Andernfalls ist mit einer schleichenden Erosion der zurzeit noch hohen Attraktivit\u00e4t des Forschungs- und Technologiestandorts Schweiz zu rechnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 1: Hinweis zur Studie<\/a> Der vorliegende Beitrag basiert auf einer im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (seco) durchgef\u00fchrten Studie mit folgendem Titel:- Arvanitis, S.; Hollenstein, H.; Marmet, D. und Sydow, N. (2005): Forschungs- und Technologiestandort Schweiz: St\u00e4rken-\/Schw\u00e4chen-Profil im internationalen Vergleich, Strukturberichterstattung Nr. 32, Studienreihe des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (seco), Bern.Die Studie kann per E-Mail (wp-sekretariat@seco.admin.ch) bestellt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 2: Literatur<\/a> &#8211; Arvanitis, S.; Bezzola, M.; Donz\u00e9, L.; Hollenstein, H. und Marmet, D. (2001): Innovationsaktivit\u00e4ten in der Schweizer Wirtschaft. Eine Analyse der Ergebnisse der Innovationserhebung 1999, Strukturberichterstattung Nr. 5, Studienreihe des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (seco), Bern.- Arvanitis, S. und Hollenstein, H. (2005): Auswirkungen wachsender FuE-Aktivit\u00e4ten schweizerischer Firmen im Ausland auf den Standort Schweiz, in: Konjunktur, 68(5), A1-A26.- Hotz-Hart, B. und K\u00fcchler, C. (2005): Neue Dynamik im schweizerischen Technologieportfolio, in: Die Volkswirtschaft, 78(1\/2), 59-62.- Nicoletti, G.; Scarpetta, S. and Boylaud, O. (2000): Summary Indicators of Product Market Regulation with an Extension to Employment Protection Legislation, in: OECD Economics Department Working Papers No. 226, OECD, Paris.- Le Bas, C. and Sierra, C. (2002): Location versus Home Country Advantages in R&amp;D Activities: Some Further Results on Multinationals&#8216; Locations Strategies, in: Research Policy, 31, 589-609.- Zinkl, W. und Strittmatter, R. (2003): Ein Innovationsmarkt f\u00fcr Wissen und Technologie, Diskussionsbeitrag, Avenir Suisse, Z\u00fcrich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00e4ngerfristig h\u00e4ngt das Wachstumspotenzial einer wirtschaftlich hoch entwickelten Volkswirtschaft haupts\u00e4chlich von der Innovationsf\u00e4higkeit der Unternehmen ab. In diesem Zusammenhang ist die Attraktivit\u00e4t eines Landes als Standort f\u00fcr Forschungs- und Entwicklungsaktivit\u00e4ten von zentraler Bedeutung. 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