{"id":125157,"date":"2005-12-01T12:00:00","date_gmt":"2005-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/01\/hotz-reuter-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:48:58","modified_gmt":"2023-08-23T21:48:58","slug":"hotz-reuter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2005\/12\/hotz-reuter\/","title":{"rendered":"Auf dem Weg zu einer nationalen Innovationspolitik"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Bev\u00f6lkerung hat auch in Zukunft eine grosse Chance auf attraktive Besch\u00e4ftigung und gute L\u00f6hne, wenn Unternehmen am Standort Schweiz im Innovationswettbewerb konkurrenzf\u00e4hig sind. Gleichzeitig muss sich die Schweiz im globalen Wettbewerb der Standorte um wertsch\u00f6pfungsstarke Unternehmen unter den Besten behaupten. Um das Potenzial auszusch\u00f6pfen, soll auf der Basis einer Innovationsstrategie versucht werden, neue Ideen von ihrer Entstehung bis zur erfolgreichen Anwendung am Markt umzusetzen und dabei Kundennutzen zu generieren. Das gelingt nur, wenn Unternehmen am Standort Schweiz in Schl\u00fcsselbranchen in den international st\u00e4rksten Wertsch\u00f6pfungsketten gut positioniert sind. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/1134652548_08_Hotz-Reuter01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchl\u00fcsselbranchen operieren in Gesch\u00e4ftsfeldern, die im globalen Innovationswettbewerb der n\u00e4chsten Jahre \u00fcberdurchschnittlich wachsen. Sie sind in hohem Masse exportaktiv und erzielen Breitenwirkung in der Binnenwirtschaft. Sie basieren auf neuen Technologiefeldern sowie besonderen Kompetenzen und Erfahrungen. Ihre St\u00e4rken sind die Einzigartigkeit ihrer Produkte, Prozesse und Gesch\u00e4ftsideen. Elemente dieser wirtschaftlichen Zukunft sind etwa:\u00a0&#8211; Re-Industrialisierung durch Life Science, Bio- und Medizinaltechnologie, Mikrosystemtechnik oder Nano- und Oberfl\u00e4chentechnologie; \u00a0&#8211; dienstleistungsunterst\u00fctzte Industrieprodukte, wie z.B. Engineering und Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologien; \u00a0&#8211; Dienstleistungsprodukte, wie z.B. Finanzoder Versicherungsleistungen.\u00a0\u00a0Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg in diesen Schl\u00fcsselbranchen sind eine hohe fachliche Kompetenz in den entsprechenden Wissenschaftsdisziplinen und Gesch\u00e4ftsfeldern, hervorragende Fachleute, hohe Qualit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t am Arbeitsmarkt und &#8211; damit verbunden &#8211; gute Rekrutierungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Firmen sowie f\u00fcr Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen.&#13;<\/p>\n<h2>Intakte Innovationsleistungsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchweizer Firmen behaupten sich seit Jahren erfolgreich im internationalen Innovationswettbewerb. Allerdings ist ihre Innovationsneigung im Verlauf der Neunzigerjahre zur\u00fcckgegangen. Wohl konnte die Industrie ihre europ\u00e4ische Spitzenstellung behaupten; doch haben wichtige Konkurrenten aufgeholt. Der Dienstleistungssektor blieb unangefochten. Dass der Vorsprung geschrumpft ist, liegt weniger an den regulierungsbedingten Innovationshemmnissen, die gem\u00e4ss dem Test der Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich (KOF) an Bedeutung verloren haben. Vielmehr schmolzen aufgrund der hartn\u00e4ckigen wirtschaftlichen Stagnation die f\u00fcr die Innovationsprojekte erforderlichen Finanzierungsreserven. Die Schweizer Industrie verhielt sich somit in ihren Innovationsaktivit\u00e4ten prozyklisch. Sie reduzierte ihre Innovationsanstrengungen bei sinkenden Ums\u00e4tzen und Gewinnen.\u00a0Untersuchungen zeigen, dass die technologischen Grundlagen f\u00fcr eine Dynamisierung der Innovationst\u00e4tigkeit ausgezeichnet sind und zunehmend auch genutzt werden. Schweizer Firmen betreiben f\u00fcr die Entwicklung ihrer technologischen Basis weltweit ein ausgesprochen erfolgreiches&nbsp;\u00bbTechnology Sourcing\u00bb. Dabei werden Wissenskomponenten aufgenommen und mit eigenen kombiniert oder zur Erweiterung der Wissensbasis in die Schweiz transferiert. Im Vergleich dazu spielt das Motiv der Kosteneinsparung \u00fcber im Ausland durchgef\u00fchrte Forschung und Entwicklung (F&amp;E) nur eine untergeordnete Rolle. Effektiv haben die wachsenden F&amp;E-Aktivit\u00e4ten Schweizer Firmen an ausl\u00e4ndischen Standorten den Forschungsplatz Schweiz gest\u00e4rkt. Mit dem Aufbau neuer, leistungsf\u00e4higer F&amp;E-Standorte intensiviert sich allerdings der Wettbewerb f\u00fcr F&amp;E-Aktivit\u00e4ten am Standort Schweiz. Langfristig muss sich unsere Forschung noch st\u00e4rker in internationale Netzwerke integrieren und sich dort behaupten. Dies ist von den F\u00e4higkeiten der Firmen wie auch der Schweizer Hochschulen abh\u00e4ngig.&#13;<\/p>\n<h2>Prinzipien der Innovationspolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie st\u00e4rkere Anwendung der Prinzipien Wettbewerb, Effizienz und Qualit\u00e4t sowie eine konsequentere Ber\u00fccksichtigung systemischer Zusammenh\u00e4nge k\u00f6nnen zu einer deutlichen Verbesserung der Leistungsf\u00e4higkeit des Schweizer Innovationssystems f\u00fchren, ohne dass daf\u00fcr zwingend in allen Bereichen mehr \u00f6ffentliche Gelder zu Verf\u00fcgung gestellt werden m\u00fcssen. Diese Grundregeln der innovationsorientierten Ordnungspolitik stellen sozusagen die \u00abGovernance\u00bb des Innovationssystems dar, wie sie im Folgenden ausgef\u00fchrt ist:\u00a0&#8211; Innovation ist das Ergebnis unternehmerischen Handelns und somit die ureigenste Aufgabe der Firmen. Die Privatwirtschaft hat die prim\u00e4re Verantwortung f\u00fcr Innovationsprozesse. Sie muss daf\u00fcr die entsprechenden Freir\u00e4ume haben. Die \u00f6ffentliche Hand ist subsidi\u00e4r. Der Staat soll g\u00fcnstige Rahmenbedingungen und attraktive Voraussetzungen schaffen, sei dies durch Regulierungen oder materielle Vorleistungen, wie z.B. Infrastruktur f\u00fcr Bildung und Forschung. In der beruflichen Weiterbildung setzt er den Rahmen f\u00fcr den Weiterbildungsmarkt und unterst\u00fctzt die Transparenz in der Qualit\u00e4t der Angebote.\u00a0&#8211; Innovationspolitik wirkt im System. Ver\u00e4nderungen in den Teilsystemen Bildung und Forschung (\u00f6ffentlich und privat) haben Auswirkungen auf das Innovationsverhalten in der Wirtschaft und umgekehrt. \u00a0&#8211; Innovationen basieren auf Netzwerken. Grosse und kleine Firmen, Zulieferer und Abnehmer, F&amp;E-Einrichtungen sowie Bildungsinstitutionen arbeiten in Netzwerken national und international l\u00f6sungsorientiert zusammen. Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Firmen beruht deshalb ganz wesentlich auf der Qualit\u00e4t dieser Zusammenarbeit. Die Attraktivit\u00e4t eines Standortes steht und f\u00e4llt mit dem Angebot guter Bedingungen f\u00fcr eine solche Zusammenarbeit.\u00a0&#8211; Innovationen brauchen Wettbewerb. Akteure der Teilsysteme stehen h\u00e4ufig im Wettbewerb untereinander und zu Akteuren anderer Teilsysteme. So besteht beispielsweise ein Wettbewerb unter den Hochschulen. \u00d6ffentliche Anbieter von F&amp;E-Leistungen sind immer st\u00e4rker mit privater Konkurrenz konfrontiert. Die Innovationspolitik soll sich am Wettbewerbsprinzip orientieren und sicherstellen, dass staatliche F\u00f6rdermassnahmen nicht zu Wettbewerbsverzerrungen f\u00fchren.\u00a0&#8211; Innovationspolitische Massnahmen m\u00fcssen wirkungs- und leistungsorientiert sein. Finanzielle Mittel sollen &#8211; soweit m\u00f6glich &#8211; im Wettbewerb vergeben werden. Insofern soll Innovationsf\u00f6rderung die Flexibilit\u00e4t und Anpassungsf\u00e4higkeit der Akteure st\u00e4rken und den strukturellen Wandel unterst\u00fctzen. Dazu geh\u00f6rt die F\u00f6rderung einer schnellen Umsetzung und Verbreitung neuer Erkenntnisse, also der Diffusion. \u00a0&#8211; Staatliche Innovationsf\u00f6rderung arbeitet dezentral und nach dem Bottom-up-Prinzip. Die Initiative der oder des Einzelnen wird gef\u00f6rdert. Investiert wird in Projekte und weniger in Programme. Dies schliesst eine Fokussierung auf strategische Themen nicht a priori aus. \u00a0&#8211; Staatliche Innovationsf\u00f6rderung orientiert sich an Exzellenz. Sie zielt darauf ab, Menschen in ihren jeweiligen T\u00e4tigkeitsgebieten Chancen zu geben und damit zur Entfaltung ihrer Talente optimal beizutragen.\u00a0&#8211; Staatliche Innovationsf\u00f6rderung basiert auf soliden Daten und fundierten Analysen. F\u00fcr eine wirkungsorientierte Innovationspolitik werden Informationen \u00fcber die Entwicklung, die Wirkungen von Politikmassnahmen sowie internationale Vergleiche und Benchmarking ben\u00f6tigt. Strategisches Controlling in Bildung, Forschung und Innovation ist fester Bestandteil der Innovationspolitik. Es bietet die Voraussetzung f\u00fcr die Verbesserung von Politikwirkungen (Policy Learning). \u00a0\u00a0Im Folgenden werden diese Prinzipien auf einige Schwerpunkte einer k\u00fcnftig zu beschliessenden Innovationspolitik angewendet.&#13;<\/p>\n<h2>Exzellenz durch Differenzierung \u00fcber Autonomie und Wettbewerb<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie traditionelle Universalhochschule kann sich nicht l\u00e4nger behaupten. Unter dem Druck mangelnder \u00f6ffentlicher Finanzen, aber auch dem wachsenden Bedarf nach akademischen Spitzenleistungen ist eine Differenzierung und Spezialisierung der Hochschulen absolut notwendig. Ans\u00e4tze dazu sind im internationalen Rahmen bereits deutlich erkennbar. Eine Bereinigung des Schweizer Hochschulportfolios ist unausweichlich. Der beste Weg dazu ist aber nicht eine Top-down-Entscheidung durch den Staat, sondern der Wettbewerb unter m\u00f6glichst autonomen Hochschuleinheiten. Dabei sollen mittelfristig die Hochschultypen Universit\u00e4t, ETH und Fachhochschule (FH) strukturell gleich behandelt werden.&#13;<\/p>\n<h3>Richtige Anreize im Finanzierungssystem setzen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEntscheidend f\u00fcr die Steuerung und Weiterentwicklung des Hochschulsystems wie auch f\u00fcr dessen Effizienz ist das k\u00fcnftige Regelsystem der Finanzierung mit seinen Anreizen und Sanktionen. Wichtiger als die absolute H\u00f6he der Beitr\u00e4ge d\u00fcrfte dessen Ausgestaltung sein. Eine Finanzierung ausschliesslich \u00fcber Kopfpauschalen auf der Grundlage von Durchschnitts-Standardkosten w\u00fcrde sicherlich die falschen Anreize setzen. \u00a0Im Grundsatz ist ein hoher Anteil von Grundfinanzierung anzustreben. Die Steuerung soll \u00fcber einen einheitlichen Mix von leistungsorientierten und indikatorengest\u00fctzten Finanzierungsformen, verbunden mit einheitlichen Grunds\u00e4tzen der Qualit\u00e4tssicherung, erfolgen. Zus\u00e4tzliche Mittel sollen weit gehend \u00fcber Leistungen (Output-Indikatoren) und im Wettbewerb vergeben werden. Das B\u00fcndel von Indikatoren f\u00fcr die Finanzierung k\u00f6nnte sich aus der Anzahl an Studierenden, Diplomanden und Doktoranden, aus eingeworbenen Drittmitteln sowie aus dem Forschungs-Output zusammensetzen. Die Indikatoren sollten f\u00fcr alle Hochschulen dieselben sein, zwischen Universit\u00e4ten, ETH und FH aber je nach Profil unterschiedlich gewichtet werden. \u00a0Voraussetzung f\u00fcr die Umsetzung solcher Finanzierungsregeln ist die Vergleichbarkeit der Bildungskosten. Dies wird z.B. in der Berufsbildung mit der Kosten-Leistungs-Rechnung angestrebt. Die Aushandlung und Durchsetzung solcher Regeln wird eine besonders wichtige nationale Aufgabe im Rahmen der neuen Hochschullandschaft sein.&#13;<\/p>\n<h2>Gleichstellung von Fachhochschulen mit Universit\u00e4ten und ETH<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAbsicht des politischen Entscheids vor knapp 10 Jahren war es, die FH mit einem erweiterten Leistungsauftrag als \u00abgleichwertig, aber andersartig\u00bb in den Hochschulraum zu integrieren. Soll das Konzept von Autonomie und Wettbewerb der Hochschulen glaubhaft sein, stellt sich die Frage, wann und wie dies auch f\u00fcr die FH gelten soll. \u00a0FH sind relativ zu den universit\u00e4ren Hochschulen pro erreichtem Studienabschluss oder pro Studierenden teuer. Der Koordinations- und Administrativaufwand ist gegen\u00fcber fr\u00fcher deutlich gr\u00f6sser geworden. Bei Anwendung der gleichen Regeln im gesamten Hochschulraum werden die FH fr\u00fcher oder sp\u00e4ter mit deutlich weniger Mitteln pro Studierenden auskommen m\u00fcssen. \u00a0Unter dem Zwang zur Profilierung sollten die FH ihren bisher entwickelten Praxisbezug zum Kern ihrer Strategie machen. Ohnehin ist \u00fcber den Wettbewerb ein Selektionsprozess &#8211; d.h. Portfoliobereinigung sowie Profilierung nach F\u00e4chern resp. Studieng\u00e4ngen &#8211; zu erwarten. Einige FH werden zu Hochschulen mit Schwerpunkt F&amp;E; andere werden ihren Schwerpunkt in der Lehre haben; wieder andere werden mit beidem im Wettbewerb bestehen. Ihre Profilierung kann nur \u00fcber Exzellenz funktionieren. \u00dcber die f\u00fcr sie richtige Strategie sollen die Fachhochschulen selber entscheiden.&#13;<\/p>\n<h3>Dilemma bez\u00fcglich des Mittelbaus<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nWill sich eine Fachhochschule auch in F&amp;E behaupten, dann muss sie die entsprechenden personellen Kapazit\u00e4ten aufbauen k\u00f6nnen. Hierzu sind ein wissenschaftlicher Mittelbau sowie interne Karrierem\u00f6glichkeiten nach Exzellenzkriterien notwendig. Da die FH kein Promotionsrecht besitzen, fallen Assistenten mit Dissertationsprojekten weg. Zumindest teilweise k\u00e4men als Kompensation Studenten und Absolventen von Master-Studieng\u00e4ngen infrage. Daf\u00fcr m\u00fcssten sich aber die FH auf Master-Stufe in zahlreichen akkreditierten Bereichen profilieren k\u00f6nnen. Der Status der FH als Hochschule h\u00e4ngt somit wesentlich vom Entscheid \u00fcber die Zulassung von Masterabschl\u00fcssen an FH ab. \u00a0Ein Ausbau der Masterstufe k\u00f6nnte allerdings das angestrebte FH-Modell gef\u00e4hrden, und zwar indem sich die Fachhochschulen immer mehr in Richtung der universit\u00e4ren Hochschulen entwickeln. Damit steht die FH-Politik vor einem echten Dilemma: Ohne Masterabsolventen &#8211; und damit verbundenen Mittelbau &#8211; haben die FH keine gen\u00fcgenden Kapazit\u00e4ten, ihren erweiterten Leistungsauftrag zu erf\u00fcllen; mit Master-Studiengang und entsprechend starker F&amp;E ver\u00e4ndert sie ihren Charakter in Richtung einer universit\u00e4ren Hochschule. Dies k\u00f6nnte die Attraktivit\u00e4t und Bedeutung der Berufsmaturit\u00e4t beeintr\u00e4chtigen und letztlich die berufsorientierte Bildungss\u00e4ule schw\u00e4chen.&#13;<\/p>\n<h3>Von der vertikalen zur horizontalen Gliederung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Bildungssystem als Ganzes wurde traditionell prim\u00e4r unter dem Gesichtspunkt einer vertikalen Gliederung organisiert. Dabei wird die S\u00e4ule Berufsbildung\/Fachhochschule dem akademischen Pfad \u00fcber Gymnasium und Universit\u00e4t gegen\u00fcbergestellt. Neu steht die horizontale Gliederung im Vordergrund, die einen integralen terti\u00e4ren Bereich mit gleichen Regeln f\u00fcr Universit\u00e4ten, ETH und FH vorsieht. \u00a0Das erw\u00e4hnte Dilemma der FH f\u00fchrt zur Frage, ob sich beides simultan realisieren l\u00e4sst. Ein m\u00f6glicher Weg k\u00f6nnte in Richtung verschiedener Formen der themenspezifischen und komplement\u00e4ren Zusammenarbeit der FH mit universit\u00e4ren Hochschulen gehen &#8211; sowohl in der Lehre als auch in der F&amp;E.&#13;<\/p>\n<h2>Wissens- und Technologietransfer erfolgt vor allem \u00fcber K\u00f6pfe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer wirksamste Wissens- und Technologietransfer (WTT) erfolgt \u00fcber die K\u00f6pfe und damit \u00fcber die Mobilit\u00e4t am Bildungs- und Arbeitsmarkt. Der beste Garant daf\u00fcr sind gute Professorinnen und Professoren sowie leistungsf\u00e4hige F&amp;E-Teams an den Hochschulen. Solche Forschungsteams k\u00f6nnen Forschung, Lehre und Umsetzung zugleich anbieten. Unternehmen kommen vor allem \u00fcber die Rekrutierung von Absolventen aus solchen Teams zu neuem Wissen. Diese bringen es als \u00abTacit Knowledge\u00bb &#8211; d.h. als gebundenes Wissen &#8211; mit in die Praxis.\u00a0Es ist ein strategischer Entscheid jeder Hochschule, ob sie das Schwergewicht prim\u00e4r auf F&amp;E oder auf die Lehre legt. Eine solche Profilierung ist auch bez\u00fcglich WTT notwendig und erw\u00fcnscht. Hochschulen muss es m\u00f6glich sein, unterschiedliche Rollen wahrzunehmen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist der Mix von Lehre, F&amp;E und WTT in der gesamten Hochschullandschaft wichtig.&#13;<\/p>\n<h3>Verbundprojekte sind besonders wirksam<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Staat kann positive Anreize schaffen, indem er Teile der Hochschulfinanzierung von der Beschaffung von Drittmitteln abh\u00e4ngig macht oder Verbundprojekte zwischen Hochschulen und der Wirtschaft f\u00f6rdert. Solche Verbundprojekte &#8211; wie sie von der F\u00f6rderagentur f\u00fcr Innovation KTI finanziert werden &#8211; sind eine besonders effiziente Form der Umsetzung von F&amp;E. Auch kann die Hochschule selbst Anreize schaffen, etwa im Zusammenhang mit der Ausgestaltung der Rechte am geistigen Eigentum f\u00fcr Erfindungen ihrer Mitarbeitenden oder in Form von Kooperationsm\u00f6glichkeiten mit der Wirtschaft \u00fcber Diplomarbeiten und Praktika. \u00a0Die wirksamste Unterst\u00fctzung ist die F\u00f6rderung des Transfers von Personen zwischen Wirtschaft und Hochschulen und damit der Mobilit\u00e4t in beiden Richtungen. M\u00f6glichkeiten sind tempor\u00e4re Aufenthalte von Studierenden, Post-Docs, Forschenden und Dozenten in der Wirtschaft oder Projektarbeiten des F&amp;E-Personals der Unternehmen in Hochschulen.1 \u00a0Die Anforderungen an den WTT sind je nach Branche, Technologie und Unternehmensgr\u00f6sse unterschiedlich. Grossunternehmen &#8211; z.B. aus dem Pharmabereich &#8211; finanzieren ganze Forschungsteams und -infrastrukturen an Hochschulen im Bereich der Grundlagenforschung. Kleinere und mittlere Unternehmen &#8211; etwa aus der Metall-, Elektro- und Maschinenindustrie &#8211; sind st\u00e4rker an kurz- und mittelfristigen, praktischen L\u00f6sungen interessiert. Dies entspricht eher dem Profil der FH.\u00a0Im Sinne des Wettbewerbs- und Autonomieprinzips sollte der Bund nur ein Minimum an gesonderter F\u00f6rderung von WTT-Stellen der Hochschulen anbieten. Diese F\u00f6rderung sollte allen Hochschultypen gleichermassen n\u00fctzen und erhebliche Skaleneffekte erzielen k\u00f6nnen, wie etwa die Unterst\u00fctzung von Projekttr\u00e4gern und WTT-Stellen in Patent- und Vertragsfragen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 1<\/a> &#8211; Arvanitis, S., Hollenstein, H., Marmet, D., Sydow, N., Forschungs- und Technologiestandort Schweiz: St\u00e4rken-\/Schw\u00e4chenprofil im internationalen Vergleich, Strukturberichterstattung Nr. 32, Studienreihe des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (seco), Bern 2005;- Hotz-Hart, B., K\u00fcchler, C., Neue Dynamik im schweizerischen Technologieportfolio, in: Die Volkswirtschaft 1\/2-2005, S. 59-62.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Bev\u00f6lkerung hat auch in Zukunft eine grosse Chance auf attraktive Besch\u00e4ftigung und gute L\u00f6hne, wenn Unternehmen am Standort Schweiz im Innovationswettbewerb konkurrenzf\u00e4hig sind. 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