{"id":125164,"date":"2005-12-01T12:00:00","date_gmt":"2005-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2006\/01\/walser-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:49:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:49:44","slug":"walser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2005\/12\/walser\/","title":{"rendered":"Ein Sieben-Punkte-Programm f\u00fcr Innovation und Wachstum"},"content":{"rendered":"<p>Betrachtet man das schweizerische Innovationssystem sowohl von der Input-Seite (Humanressourcen, Finanzierung, Wissensbasis) als auch von der Output-Seite (wissenschaftliche Erkenntnisse, erfolgreiche Umsetzungen usw.), so befindet sich unser Land immer noch in einer guten Situation. Dies darf aber den Blick f\u00fcr tiefer liegende Probleme nicht verstellen. Auf der politischen Agenda stehen wichtige Vorlagen, wie die BFT-Botschaft und das Hochschulrahmengesetz, wo die Weichen neu zu stellen sind. Was muss angesichts von hohen Arbeitskosten sowie einer schrumpfenden und alternden Bev\u00f6lkerung getan werden, damit die Schweiz im Wettbewerb mit anderen dynamischen Volkswirtschaften Schritt halten kann? Dazu ein paar grunds\u00e4tzliche programmatische \u00dcberlegungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n1. Die vorgelagerten Schulen m\u00fcssen aufgewertet werden. Sie m\u00fcssen die Grundlage f\u00fcr das Leben legen, weshalb der Vermittlung von Basiswissen in Deutsch, den g\u00e4ngigen Fremdsprachen und vor allem in Mathematik und den Naturwissenschaften \u00fcberragende Bedeutung zukommt. Notwendig sind neue Anreize im institutionellen Gef\u00fcge unserer Schulen (Schulautonomie, Wettbewerb, h\u00f6here Leistungsanspr\u00fcche, aber individuellere Betreuung usw.). \u00a02. Die Berufsbildung ist ein R\u00fcckgrat f\u00fcr die Leistungskraft unserer KMU-dominierten Wirtschaft. Wenn dies auch in Zukunft so sein soll, ist eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen notwendig (z.B. Ausbildungsverb\u00fcnde), um die Ausbildungsinhalte laufend mit den sich wandelnden Anforderungen der Berufsbilder abzustimmen.\u00a03. In der breiten Gesellschaft ist das Konzept des lebenslangen Lernens noch nicht angekommen, auch wenn viele gut qualifizierte Personen regelm\u00e4ssig an solchen Veranstaltungen teilnehmen. Das Problem liegt bei den weniger Qualifizierten. Hier braucht es neben einer gezielten Aufkl\u00e4rungsarbeit und einer Sensibilisierung durch die Unternehmen auch entsprechende Anreize, um die Weiterbildung auf breiter Basis zu st\u00e4rken.\u00a04. Wir brauchen Hochschulen, die im internationalen Wissenswettbewerb bestehen k\u00f6nnen. Wettbewerb bedeutet Differenzierung und nicht ein einheitliches Ausbildungsangebot. Das verlangt ein gr\u00f6sstm\u00f6gliches Mass an Autonomie. Spitzenleistungen m\u00fcssen zum institutionellen Ziel unserer universit\u00e4ren Hochschulen gemacht werden. Unsere Hochschulen (vor allem die Fachhochschulen) sind noch allzu stark in einem staatlich-administrativen Planungssystem gefangen, das eine eigene Profilierung erschwert. Und h\u00f6here Studiengeb\u00fchren bleiben eine heilige Kuh der schweizerischen Hochschulpolitik. Damit wird nicht nur auf ein wirksames Element der Nachfragesteuerung, sondern auch auf eine zus\u00e4tzliche Einnahmequelle verzichtet. \u00a05. Nationalfonds und KTI sind und bleiben die Pfeiler der staatlichen Forschungsf\u00f6rderung. Es ist die Rolle des Nationalfonds, optimale Voraussetzungen f\u00fcr hoch stehende Grundlagenforschung zu schaffen, die den Grundstein legt f\u00fcr Innovationen. Der KTI obliegt die Verbreitung und Anwendung von neuen Technologien durch eine m\u00f6glichst enge Koppelung von Hochschulen\/Wirtschaft. Sie muss flexibel, professionell und unb\u00fcrokratisch sein. Das ist weit wichtiger als ihr Status. Da Kooperationen immer mehr zum vorherrschenden Innovationsmuster werden, verdient der KTI-Ansatz f\u00fcr push- und pullseitige Wissens- und Technologietransferzentren eine Chance. Dringend zu verbessern ist die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Forschungsschwerpunkten und den Kompetenzzentren der Fachhochschulen sowie zwischen den schweizerischen und den europ\u00e4ischen Forschungsaktivit\u00e4ten.\u00a06. All dies braucht entsprechende staatliche Finanzmittel und eine Ausgabenstruktur, welche die Priorit\u00e4t von Bildung und Forschung reflektiert. Sie braucht aber auch eine schlankere Struktur unseres Bildungs- und Forschungssystems. Was wir sicher nicht brauchen, sind neue Innovationsr\u00e4te und\/oder -kommissionen. Denn am gr\u00fcnen Tisch l\u00e4sst sich nicht feststellen, welche Technologien und Innovationen zukunftstr\u00e4chtig und wettbewerbsf\u00e4hig sind. Ein Bildungs- und Forschungsdepartement macht nur im Rahmen einer grundlegenden Reorganisation der Bundesverwaltung Sinn.\u00a07. Der technologische Wandel findet in allererster Linie innerhalb bestehender Unternehmen statt. Daneben braucht eine Volkswirtschaft aber auch einen stetigen Strom von Neugr\u00fcndungen; vor allem technologieorientierte, schnell wachsende KMU sind ein wichtiges Element in der Erneuerung von Volkswirtschaften. Darin liegt eine wesentliche Funktion von Start-up-Unternehmen, weshalb der steuerlichen Behandlung von Risikokapital besondere Bedeutung zukommt.\u00a0\u00a0Humankapital ist nicht nur ein wichtiger Standortfaktor im globalen Innovationswettbewerb, sondern auch der Schl\u00fcssel zu einem h\u00f6heren Wachstumspfad.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Betrachtet man das schweizerische Innovationssystem sowohl von der Input-Seite (Humanressourcen, Finanzierung, Wissensbasis) als auch von der Output-Seite (wissenschaftliche Erkenntnisse, erfolgreiche Umsetzungen usw.), so befindet sich unser Land immer noch in einer guten Situation. Dies darf aber den Blick f\u00fcr tiefer liegende Probleme nicht verstellen. 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