{"id":125259,"date":"2005-11-01T12:00:00","date_gmt":"2005-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2005\/11\/finger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:49:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:49:23","slug":"finger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2005\/11\/finger\/","title":{"rendered":"Exportsicherheit &#8211; ein Muss f\u00fcr die Schweizer MEM-Industrie"},"content":{"rendered":"<p>Swissmem, die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), ist sich der Notwendigkeit der Exportkontrollen bewusst. Sie unterst\u00fctzt deshalb die Bem\u00fchungen des Bundes. Die Exportkontrollen m\u00fcssen allerdings international abgestimmt sein. Zudem fordert Swissmem die Beschr\u00e4nkung der Exportkontrollen auf kritische G\u00fcter und L\u00e4nder. Unn\u00f6tige Hindernisse m\u00fcssen abgebaut, Nachteile gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Konkurrenten mittels transparenter Regeln, einfacher Verfahren der Vorschriften und der Vollzugspraxis vermieden werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit einem Anteil von 42% an den gesamtschweizerischen Ausfuhren ist die MEM-Industrie die gr\u00f6sste Schweizer Exportbranche. 65% aller Exporte gehen in den EU\/Efta-Raum, den wichtigsten Absatzmarkt der Schweizer MEM-Industrie. Zusammen mit den Exporten nach Nordamerika, Osteuropa und Japan gehen \u00fcber 90% der Waren in L\u00e4nder, die f\u00fcr die Exportkontrolle unkritisch sind. \u00a0In die Liste der wichtigsten MEM-Handelspartner kommen zunehmend Absatzm\u00e4rkte mit sehr starken Wachstumsraten gegen\u00fcber den Vorjahreswerten: China (+14%), Taiwan (+14%), S\u00fcdkorea (+29%), Indien (+28%), Hongkong (+12%), Singapur (+10%), Malaysia (+48%). International werden heftige Diskussionen dar\u00fcber gef\u00fchrt, ob Kriegsmaterial oder Technologie f\u00fcr Ballistikraketen und Nuklearanlagen in diese L\u00e4nder geliefert werden d\u00fcrfen.&#13;<\/p>\n<h2>Exportfreiheit und Exportkontrollen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bundesverfassung garantiert grunds\u00e4tzlich die Wirtschaftsfreiheit, somit auch die Handels- und Exportfreiheit. Einschr\u00e4nkungen &#8211; also Exportkontrollen &#8211; sind aber dort notwendig, wo Exporte unsere Landesfreiheit und -sicherheit beeintr\u00e4chtigen. Es ist keinesfalls unsere Absicht, Waffen und R\u00fcstungsmaterial an L\u00e4nder oder terroristische Organisationen auszuliefern, die uns damit bedrohen k\u00f6nnten. \u00a0F\u00fcr solche G\u00fcter und Technologien sind besonders Ausfuhrgenehmigungen erforderlich. Die gesetzlichen Grundlagen dazu liefern das Kriegsmaterial- und das G\u00fcterkontrollgesetz (Kontrolle zivil und milit\u00e4risch verwendbarer G\u00fcter, Dual-Use-G\u00fcter). G\u00fcter im Wert von ungef\u00e4hr 1% unseres j\u00e4hrlichen Warenausfuhrvolumens von rund 59 Mrd. Franken sind bewilligungspflichtig. \u00a0Exportkontrollen sind notwendig, um die Rechtssicherheit und Handelssicherheit unserer Exporteure zu garantieren. Besonders im Anlagenbau, wo sich die Exportprojektzeit von der Offertenstellung bis zur Auslieferung und Inbetriebsetzung einer Investitionsg\u00fcteranlage \u00fcber Jahre erstrecken kann, ist es wichtig, dass die Regeln f\u00fcr die Ausfuhrbewilligungen nicht kurzfristig \u00e4ndern. Unter den Tausenden Einzelteilen und Komponenten solcher Industrieanlagen sind viele, die nat\u00fcrlich auch f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke verwendet werden k\u00f6nnten. Einfach und transparent handhabbare Exportkontrollbestimmungen und Ausfuhrbewilligungsabl\u00e4ufe sind daher f\u00fcr den Export von Dual-Use-G\u00fctern f\u00fcr unsere Industriebranche wichtig.&#13;<\/p>\n<h2>Rolle von Swissmem bei Exportkontrollen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSwissmem h\u00e4lt ein scharfes Auge darauf, dass die Schweiz die Exportkontrollbestimmungen nicht restriktiver handhabt, als es unsere befreundeten Handelspartner tun. Um uns abzustimmen, arbeiten wir wo n\u00f6tig in internationalen Gremien und Exportkontrollregimes mit. Die beiden wichtigsten diesbez\u00fcglichen Institutionen sind das Wassenaar-Arrangement on Export Controls for Arms and Dual-Use Goods und die Export Control Working Group der Union des Conf\u00e9d\u00e9rations de l&#8217;Industrie d&#8217;Europe (Unice). \u00a0Durch unsere Mitarbeit in oft langwierigen Verhandlungen in internationalen Gremien erreichen wir die angestrebte Abstimmung mit befreundeten Handelsnationen. Die Mitgliedfirmen von Swissmem best\u00e4tigen, dass die Abwicklungen der notwendigen Ausfuhrbewilligungen f\u00fcr Dual-Use-G\u00fcter durch das zust\u00e4ndige Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (seco) im Vergleich zu benachbarten L\u00e4ndern erfreulich z\u00fcgig erfolgen.&#13;<\/p>\n<h2>Einschr\u00e4nkungen durch Neutralit\u00e4tspolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBeim Kriegsmaterial konnten wir bisher aufgrund der Neutralit\u00e4tspolitik der Schweiz noch keine Harmonisierung der Ausfuhrrestriktionen im europ\u00e4ischen Umfeld erreichen. Beispielsweise sind R\u00fcstungsg\u00fcter-Exporte in das Nato-Land T\u00fcrkei stark eingeschr\u00e4nkt (Gr\u00fcnde: Menschenrechtsprobleme und Kurdenfrage). Exporte nach Israel sind wegen des nicht aufgehobenen Kriegszustandes zwischen Israel und Syrien verboten. Dieses Verbot ist besonders stossend, weil wir auf der anderen Seite die israelische R\u00fcstungsindustrie im Rahmen des nationalen R\u00fcstungsprogramms des VBS mit Importen in der H\u00f6he von mehreren hundert Millionen Franken unterst\u00fctzen.\u00a0Die weitere Harmonisierung der Bewilligungspraxis f\u00fcr den Export von Kriegsmaterial mindestens innerhalb Europas ist uns daher ein wichtiges Anliegen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Swissmem, die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), ist sich der Notwendigkeit der Exportkontrollen bewusst. Sie unterst\u00fctzt deshalb die Bem\u00fchungen des Bundes. Die Exportkontrollen m\u00fcssen allerdings international abgestimmt sein. Zudem fordert Swissmem die Beschr\u00e4nkung der Exportkontrollen auf kritische G\u00fcter und L\u00e4nder. 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