{"id":125274,"date":"2005-11-01T12:00:00","date_gmt":"2005-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2005\/11\/haeubi-weber-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:49:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:49:23","slug":"haeubi-weber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2005\/11\/haeubi-weber\/","title":{"rendered":"Kollektive Arbeitsstreitigkeiten des Jahres 2004"},"content":{"rendered":"<p>Die Erhebungen zu den kollektiven Arbeitsstreitigkeiten, welche zu Arbeitsniederlegungen f\u00fchren, werden seit dem Jahr 1927 regelm\u00e4ssig durchgef\u00fchrt. Die Auswertung erfolgt aufgrund von Angaben seitens der Verb\u00e4nde, der Gewerkschaften, der betroffenen Betriebe sowie der Berichterstattung in den Medien. Neben Indikatoren wie der j\u00e4hrlichen Zahl der aufgetretenen Bewegungen, der Anzahl der betroffenen Betriebe und der beteiligten Arbeitnehmenden gibt insbesondere die Zahl der verlorenen Arbeitstage Aufschluss \u00fcber die volkswirtschaftliche Bedeutung der Arbeitsniederlegungen. Im Jahr 2004 wurden in der Schweiz 8 Arbeitsniederlegungen registriert, die einen Tag oder l\u00e4nger dauerten. Die Zahl der verlorenen Arbeitstage betrug 38915.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/1132062093_18D_Haeubi-Weber_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"269\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer absolute Arbeitsfrieden, dessen Entstehung auf das im Jahr 1937 geschlossene Abkommen zwischen dem Schweizerischen Uhren- und Metallarbeitnehmerverband Smuv und den Vertretern der Maschinen- und Metallindustriellen zur\u00fcckgeht, und der Bundesratsbeschluss von 1943, welcher Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge (GAV) f\u00fcr verbindlich erkl\u00e4rte, bildeten die Grundlage daf\u00fcr, dass die so genannte Friedenspflicht in der Folge in den meisten GAV Eingang fand und nachhaltig verankert wurde. Dies erm\u00f6glichte, dass die in den vergangenen Jahrzehnten in der Schweiz aufgetretenen Arbeitskonflikte in der Regel friedlich gel\u00f6st und dass auf Kampfmassnahmen weit gehend verzichtet werden konnte. Mit der Abstimmung vom 18. April 1999, in welcher Volk und St\u00e4nde die neue Bundesverfassung gutgeheissen hatten, wurde erstmals in der Schweiz auch das Streikrecht als Grundrecht ausdr\u00fccklich festgeschrieben und damit eine lange w\u00e4hrende Rechtsunsicherheit beseitigt. Nach wie vor sind jedoch die mittels Streiks gef\u00fchrten Sozialkonflikte in der Schweiz relativ selten. Dies bedeutet nicht, dass im Berichtsjahr zwischen den Sozialpartnern keine Konflikte aufgetreten w\u00e4ren. In aller Regel werden diese aber am Verhandlungstisch beigelegt, sodass auf Kampfmassnahmen verzichtet werden kann.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung im Jahr 2004<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Jahr 2004 wurden in der Schweiz acht Arbeitsniederlegungen registriert, die mindestens einen ganzen Arbeitstag andauerten. Die Statistik weist dabei 24399 direkt und indirekt betroffene Arbeitnehmende aus, die sich auf 1117 Betriebe verteilen. Die hohe Zahl der Betriebe erkl\u00e4rt sich aus dem Umstand, dass mit dem Streik im Maler- und Gipsergewerbe ein grosser Teil der Betriebe in der Deutschschweiz, im Jura und im Tessin betroffen war. Die Zahl der verlorenen Arbeitstage bel\u00e4uft sich auf 38915. Sechs der acht erfassten Streikereignisse dauerten dabei l\u00e4nger als einen Tag. Eine Untergliederung nach Wirtschaftszweigen ergibt je zwei Arbeitsniederlegungen im Baugewerbe, in der \u00d6ffentlichen (kantonalen) Verwaltung sowie im Papier-, Karton-, Druck- und Verlagsgewerbe. Im Weiteren entfielen je ein Ereignis auf den K\u00fcchenbau sowie die Erzeugung und Bearbeitung von Metall. Die beiden kantonalen Ereignisse betrafen sowohl die Kantonsverwaltungen selber als auch die Bereiche Unterrichtswesen sowie Gesundheits- und Sozialwesen.\u00a0&#8211; Ausgangspunkt f\u00fcr die landesweiten Streiks im Baugewerbe (Maler\/Gipser) waren Forderungen im Zusammenhang mit dem GAV. \u00a0&#8211; Die Streiks in den Bereichen der \u00d6ffentlichen Verwaltung zweier Westschweizer Kantone betrafen in erster Linie Lohnforderungen, in zweiter Linie die Arbeitsbedingungen.\u00a0&#8211; Bei den \u00fcbrigen f\u00fcnf Arbeitskonflikten (im K\u00fcchenbau, im Maler- und Gipsergewerbe, in den Bereichen \u00abPapier\/Karton\u00bb und \u00abVerlag\/Druck\u00bb sowie in der Metallerzeugung) handelte es sich um Aktionen aufgrund anderer Ursachen, wie beispielsweise R\u00fccknahme von K\u00fcndigungen, Arbeitsbedingungen, Outsourcing oder Aktionen f\u00fcr einen Sozialplan aufgrund einer Betriebsschliessung). \u00a0\u00a0Im Jahr 2004 kam es noch zu zahlreichen weiteren Arbeitsniederlegungen. Diese werden jedoch in den Statistiken der Arbeitskonflikte nicht aufgef\u00fchrt, da sie die geforderten Kriterien &#8211; insbesondere die Mindestdauer von einem Arbeitstag und wirtschaftliche Zielsetzung &#8211; nicht erf\u00fcllen.&#13;<\/p>\n<h2>Schlussbemerkung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie in den vorhergehenden Jahren handelt es sich bei den aufgetretenen Konflikten jeweils um Streiks; Aussperrungen fanden keine statt. Insgesamt gilt f\u00fcr die Streikstatistik des Jahres 2004, was \u00fcblicherweise in den vergangenen Jahren festgestellt wurde: Die mit dem Mittel des Streiks gef\u00fchrten Sozialkonflikte sind relativ selten. Insgesamt sind die Beziehungen auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt nach wie vor durch die Friedenspolitik charakterisiert, werden die zwischen den Sozialpartnern auftretenden Konflikte doch in der Regel am Verhandlungstisch beigelegt. Wird in einer Konfliktsituation eine Arbeitsniederlegung unvermeidlich, so bleiben deren Dauer und Ausmass im Allgemeinen beschr\u00e4nkt.\u00a0Das Ausmass der Streikaktivit\u00e4ten l\u00e4sst sich beziffern, indem die Anzahl der durch Streiks verlorenen Arbeitstage zur Zahl der Erwerbspersonen ins Verh\u00e4ltnis gesetzt wird. Durch Streiks wurden im vergangenen Jahr 9,3 (und im vergangenen Jahrzehnt durchschnittlich pro Jahr lediglich 3,1) verlorene Arbeitstage je tausend Arbeitnehmende verzeichnet. Die Schweiz geh\u00f6rt damit im internationalen Vergleich zu jenen L\u00e4ndern, welche kaum von Streiks betroffen sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 1: Definition und methodische Hinweise<\/a> Laut Definition des Internationalen Arbeitsamtes (IAA) spricht man von einem Arbeitskonflikt, wenn wegen unterschiedlicher Meinungen oder Forderungen bei Arbeitnehmenden und Arbeitgebern Divergenzen entstehen. In der Schweiz registriert die Statistik nur die Konflikte, die zu einer Arbeitsniederlegung f\u00fchren, sei es, weil die Arbeitnehmenden einen Streik ausrufen, sei es, weil die Arbeitgeber zu Aussperrungen schreiten. Auch weist die Streikstatistik nur Streiks mit wirtschaftlichem Charakter aus. Streiks aus politischen und anderen Motiven, wie etwa der landesweite Frauenstreik vor einigen Jahren, erf\u00fcllen dieses Kriterium nicht und werden deshalb auch nicht ausgewiesen. Aber auch wirtschaftliche Streiks von weniger als einem ganzen Arbeitstag bleiben gem\u00e4ss den internationalen Richtlinien unber\u00fccksichtigt.Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (seco) ist gem\u00e4ss Bundesstatistikgesetz verpflichtet, eine Statistik zu den kollektiven Arbeitsstreitigkeiten in der Schweiz zu f\u00fchren und zu publizieren. Diese Erhebung wird mittels eines Fragebogens durchgef\u00fchrt, der den beteiligten Konfliktparteien zugestellt wird. Die Auskunftspflicht ist obligatorisch, jedoch besteht keine automatische Meldepflicht. In aller Regel liegt uns mindestens eine der relevanten Informationsquellen (Betrieb\/Unternehmung, Arbeitgeberverband, Arbeitnehmerorganisation) vor, um die notwendigen Angaben f\u00fcr die Erstellung der Statistik gem\u00e4ss den konzeptionellen Erfordernissen herausfiltern zu k\u00f6nnen. Trotzdem sind wir stark auf die Mitarbeit von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen angewiesen. Diese sind insbesondere bei grossen, branchen\u00fcbergreifenden oder gar landesweiten Streikereignissen die einzigen Organe, die als Branchenkenner und Branchenvertreter verl\u00e4ssliche Zahlen angeben k\u00f6nnen. Da aber auch die Kapazit\u00e4ten der Verb\u00e4nde zur Erhebung m\u00f6glichst zutreffender Zahlen bei solchen Grossereignissen an Grenzen stossen, ist es &#8211; auch international &#8211; \u00fcblich, dass anstelle detailliert erhobener Zahlen auch auf Sch\u00e4tzungen zur\u00fcckgegriffen werden kann. Solche Sch\u00e4tzungen werden vom seco allerdings anhand der Medienberichterstattung plausibilisiert.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erhebungen zu den kollektiven Arbeitsstreitigkeiten, welche zu Arbeitsniederlegungen f\u00fchren, werden seit dem Jahr 1927 regelm\u00e4ssig durchgef\u00fchrt. Die Auswertung erfolgt aufgrund von Angaben seitens der Verb\u00e4nde, der Gewerkschaften, der betroffenen Betriebe sowie der Berichterstattung in den Medien. Neben Indikatoren wie der j\u00e4hrlichen Zahl der aufgetretenen Bewegungen, der Anzahl der betroffenen Betriebe und der beteiligten Arbeitnehmenden [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":2714,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[76],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":2714,"seco_co_author":[2715,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Ressort Arbeitsmarktstatistik, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (seco), Bern","seco_author_post_occupation_fr":"secteur Statistiques du march\u00e9 du travail,Secr\u00e9tariat d'\u00c9tat \u00e0 l'\u00e9conomie (seco), Berne","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":2715,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"\u00d6konom, Statistik und Arbeitsmarktanalysen, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), Bern","seco_co_author_post_occupation_fr":"\u00c9conomiste, Statistiques et analyses du march\u00e9 du travail, Secr\u00e9tariat d\u2019\u00c9tat \u00e0 l\u2019\u00e9conomie (Seco), Berne"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":125277,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"9043","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55dd888b31879"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125274"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2714"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=125274"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125274\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128493,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125274\/revisions\/128493"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2715"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2714"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=125274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=125274"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=125274"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=125274"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=125274"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=125274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}