{"id":125365,"date":"2005-10-01T12:00:00","date_gmt":"2005-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2005\/10\/rudaz-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:50:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:50:20","slug":"rudaz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2005\/10\/rudaz\/","title":{"rendered":"Einfluss des Gesundheitszustandes auf den Altersr\u00fccktritt"},"content":{"rendered":"<p>Die verschiedenen Wege des Ausstiegs aus dem Erwerbsleben und die Faktoren, welche den Pensionierungszeitpunkt beeinflussen, sind f\u00fcr die Sozialversicherungen \u00e4usserst wichtige Aspekte. Eine vorzeitige Pensionierung wird meistens mit gesundheitlichen Problemen begr\u00fcndet. Umgekehrt ist eine gute Gesundheit oft mit ein Grund, um den Zeitpunkt f\u00fcr den Altersr\u00fccktritt aufzuschieben. In den letzten Jahren haben verschiedene Studien die Einflussfaktoren auf die Ruhestandsentscheidung untersucht, anhand derer eine Typologie der verschiedenen Wege des Altersr\u00fccktritts erstellt werden kann. Die Studien zeigen zudem die Bedeutung des Gesundheitszustandes gegen\u00fcber anderen Faktoren, die beim fr\u00fchzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben eine Rolle spielen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/1130348335_08_Rudaz_01.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"243\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Zahl der Invalidit\u00e4tsf\u00e4lle ist in der Schweiz in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen, vor allem bei Jugendlichen. Gleichzeitig haben sich sehr viel mehr \u00e4ltere Arbeitnehmende fr\u00fchzeitig pensionieren lassen. Gem\u00e4ss der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) hat sich die Zahl der Fr\u00fchpensionierungen (voller oder teilweiser Altersr\u00fccktritt) zwischen 1991 und 2000 von 22% auf 30% erh\u00f6ht. Jans et al., S. 72.8 Lampert et al., S. 109 ff.9 Dorn, S. 70-72.10 Balthasar et al., S. 96-129.11 Balthasar et al., S. 77 ff. sowie Guggisberg et al. (erscheint demn\u00e4chst).12 Pecoraro et al. 2005.13 Pecoraro et al. (erscheint demn\u00e4chst). \u00abVierte S\u00e4ule\u00bb ist das Einkommen aus einer Erwerbst\u00e4tigkeit nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters, wobei der Rentenstatus keine Rolle spielt.14 Tabelle 1: 4,5% von 19% = 23,6%.15 Kuert.16 Wanner et al., S. 76.\u00a0F\u00fcr die Begriffe \u00abPensionierung\u00bb und \u00ab\u00dcbergang in den Ruhestand\u00bb gibt es noch keine allgemein g\u00fcltige Definition (vgl. <a class=\"box-link\">Kasten 1: Begriffsdefinition \u00abPensionierung\u00bb und \u00ab\u00dcbergang in den Ruhestand\u00bb<\/a> Der Begriff \u00abPensionierung\u00bb ist gem\u00e4ss OECD (1995) auf drei Arten definiert. Nach dieser Definition fallen darunter Personen, die:- unabh\u00e4ngig von ihrem Erwerbsstatus eine staatliche oder private Altersrente beziehen;- ab einem bestimmten Alter nicht mehr erwerbst\u00e4tig sind, unabh\u00e4ngig davon, weshalb sie nicht mehr erwerbst\u00e4tig sind und ob sie eine Altersrente beziehen;- sich selber als pensioniert einstufen, unabh\u00e4ngig vom Erwerbsstatus und davon, ob sie eine Altersrente beziehen.Unter \u00ab\u00dcbergang in den Ruhestand\u00bb sind folgende zwei Situationen zu verstehen:- definitiver R\u00fcckzug aus dem Erwerbsleben und Rentenantritt wegen Arbeitslosigkeit, Invalidit\u00e4t oder als freier Entscheid;- Aufgabe der Vollzeiterwerbst\u00e4tigkeit bzw. Aufnahme einer Teilzeiterwerbst\u00e4tigkeit, einer gelegentlichen oder weniger anstrengenden Besch\u00e4ftigung und schliesslich definitiver R\u00fcckzug aus dem Erwerbsleben.). Die drei Definitionen von \u00abPensionierung\u00bb der OECD k\u00f6nnen &#8211; bezogen auf die Schweiz &#8211; verwendet werden, um den \u00dcbergang in den Ruhestand vor dem gesetzlichen Rentenalter gem\u00e4ss Bundesgesetz \u00fcber die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) zu bezeichnen. Im Vergleich zu den anderen OECD-L\u00e4ndern sind in der Schweiz weit mehr Personen zwischen 50 und 64 Jahren erwerbst\u00e4tig (75% CH; 58% OECD). OECD 2003, S. 42.&#13;<\/p>\n<h2>Unterschiede zwischen M\u00e4nnern und Frauen beim Altersr\u00fccktritt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus der einschl\u00e4gigen Literatur und den Studienergebnissen geht hervor, dass M\u00e4nner und Frauen w\u00e4hrend ihres Lebens in unterschiedlicher Weise in den Arbeitsmarkt integriert sind. Auch beim Renteneintritt gibt es verschiedene geschlechtsspezifische Tendenzen. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen steht in der Schweiz in direktem Zusammenhang zur Mutterschaft. W\u00e4hrend der Mutterschaftsphase nimmt die Erwerbst\u00e4tigkeit bei den Frauen tendenziell ab. Sobald die famili\u00e4ren Aufgaben weniger im Zentrum stehen, sind Frauen wieder vermehrt erwerbst\u00e4tig (ab 50 Jahren). Dennoch ist die Erwerbsbeteiligung bei M\u00e4nnern ab dem 50. Altersjahr bis zum Zeitpunkt des Rentenantritts nach wie vor h\u00f6her als bei Frauen. Massgeblicher Einflussfaktor ist dabei das Bildungsniveau und der Besch\u00e4ftigungsgrad des Ehepartners. So sind Frauen \u00fcber 50 tendenziell eher nicht erwerbst\u00e4tig sind, wenn der Ehepartner keiner Erwerbst\u00e4tigkeit nachgeht. Diese Frauen gelten &#8211; mit oder ohne Altersrente &#8211; nicht als fr\u00fchzeitig pensioniert, sondern als Nichterwerbspersonen. Eine Analyse des Erwerbsstatus von Frauen und M\u00e4nnern neun Jahre vor und f\u00fcnf Jahre nach dem gesetzlichen Rentenalter Guggisberg et al. (erscheint demn\u00e4chst). hat bei einer repr\u00e4sentativen Gruppe von Personen auf der Grundlage der Sake-Erhebung 2002 ergeben, dass ein Drittel der Frauen zwischen 55 und 63 Jahren in die Kategorie der Nichterwerbspersonen fallen, w\u00e4hrend es bei den M\u00e4nnern lediglich 10% sind 31,1% von 88,9% = 34,9% (Frauen); 6,9% von 78,8% = 8,7% (M\u00e4nner). (vgl. Tabelle 1). \u00a0Die Erwerbsbeteiligung entwickelt sich w\u00e4hrend des Berufslebens bei Frauen und M\u00e4nnern unterschiedlich. Bei M\u00e4nnern beeinflussen etwa folgende Faktoren die Entwicklung bis zum Erreichen des Rentenalters: der Gesundheitszustand, das Einkommen und Verm\u00f6gen, die Personalpolitik der Unternehmen bez\u00fcglich \u00e4lterer Arbeitnehmender, die Anpassung der Arbeitsbelastung an die k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit, das Angebot an Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten oder ein Stellenwechsel innerhalb des Unternehmens. Eine Telefonbefragung bei einer repr\u00e4sentativen Stichprobe von Personen, die 2003 kurz vor der Pensionierung standen, hat ergeben, dass mehr M\u00e4nner (41%) als Frauen (11,6%) fr\u00fchzeitig in Rente gehen. Balthasar et al., S. 37-38. Im Schnitt lassen sich M\u00e4nner etwas mehr als drei Jahre vor dem gesetzlichen Rentenalter pensionieren, w\u00e4hrend Frauen ihre Pensionierung gew\u00f6hnlich um etwa zwei Jahre vorziehen.&#13;<\/p>\n<h2>Entscheidende Rolle gesundheitlicher Faktoren f\u00fcr die Fr\u00fchpensionierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZun\u00e4chst ist zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Fr\u00fchpensionierung zu unterscheiden. Bei einer unfreiwilligen Fr\u00fchpensionierung haben die Betroffenen in der Regel keinen Einfluss auf die bestimmenden Faktoren, wie etwa Unternehmensrestrukturierung, Krankheit, Unfall oder Invalidit\u00e4t. Zusammen mit Japan, den USA sowie den skandinavischen L\u00e4ndern geh\u00f6rt die Schweiz zu jenen Staaten, in denen die Zahl der unfreiwilligen Fr\u00fchpensionierungen niedriger liegt als jene der freiwilligen . Dorn, S. 90.\u00a0Gem\u00e4ss Balthasar et al. bestehen in Bezug auf die zwangsweise Fr\u00fchpensionierung anteilsm\u00e4ssig zwischen Frauen und M\u00e4nnern keine Unterschiede: Etwas weniger als ein Drittel der befragten Personen wurde unfreiwillig vorzeitig pensioniert, w\u00e4hrend die restlichen zwei Drittel den Zeitpunkt ihrer Pensionierung frei w\u00e4hlen konnten. Unfall, Krankheit und Invalidit\u00e4t waren sowohl bei der freiwilligen als auch bei der unfreiwilligen Fr\u00fchpensionierung die am h\u00e4ufigsten genannten Gr\u00fcnde f\u00fcr den R\u00fcckzug aus dem Erwerbsleben. Auch Personen, die beabsichtigen, sich in (naher) Zukunft fr\u00fchzeitig pensionieren zu lassen, gaben an, dass der Gesundheitszustand ein Hauptentscheidungsfaktor sei. Noch deutlicher f\u00e4llt die Einsch\u00e4tzung in Bezug auf die Gesundheit bei Personen aus, die bereits in Rente sind. Als Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Fr\u00fchpensionierung wurden am h\u00e4ufigsten genannt: \u00abzu grosse Belastung, Stress\u00bb, \u00abmehr Lebensqualit\u00e4t\u00bb und \u00abAngst vor Gef\u00e4hrdung der Gesundheit\u00bb.\u00a0W\u00e4hrend Fr\u00fchpensionierte als Hauptgrund die Gesundheit geltend machen, sehen die Unternehmen andere Gr\u00fcnde f\u00fcr das Ausscheiden der \u00e4lteren Mitarbeitenden. Gem\u00e4ss einer Studie zur Personalpolitik von Schweizer Unternehmen in den Neunzigerjahren hat rund die H\u00e4lfte der befragten Unternehmen in dieser Zeit konjunkturbedingt Stellen gestrichen.7 Die Entlassungen erfolgten in der Regel \u00fcber Fr\u00fchpensionierungen. Dass \u00e4ltere Arbeitnehmende gesundheitlich anf\u00e4lliger sind, spielte beim Entscheid, diese auszugliedern, weniger eine Rolle. Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Unternehmen sind vielmehr die h\u00f6heren Lohnkosten, die Tatsache, dass \u00e4ltere Arbeitnehmende weniger flexibel und mobil sind, und ihr \u00fcberholter Wissensstand. Diese unterschiedliche Wahrnehmung von Arbeitgebern und \u00e4lteren Arbeitnehmenden l\u00e4sst sich dadurch erkl\u00e4ren, dass sich die verschiedenen gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen schneller entwickeln als der Kenntnisstand dar\u00fcber in der Gesellschaft.&#13;<\/p>\n<h2>Vermehrtes Auftreten neuartiger Gesundheitsprobleme<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den letzten Jahrzehnten konnte mit Pr\u00e4ventionsprogrammen im beruflichen Umfeld die k\u00f6rperliche Gesundheit von Arbeitnehmenden verbessert werden, wobei es sich vielfach um objektiv messbare Erkrankungen handelte. Mit steigendem wirtschaftlichem Druck sind nun in der Arbeitswelt neue Gesundheitsbeeintr\u00e4chtigungen bei j\u00fcngeren und \u00e4lteren Arbeitnehmenden aufgetaucht. Dazu z\u00e4hlen Stresssymptome, Erkrankungen des Bewegungsapparates, berufliche Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde (Burn-out) sowie psychische Beschwerden. Einige Autoren gehen sogar davon aus, dass mehr als ein Drittel der psychischen Probleme auf die Arbeit zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Lampert et al., S. 109 ff. Wenn fr\u00fchzeitig Pensionierte oder Personen, die kurz vor der Fr\u00fchpensionierung stehen, gesundheitliche Gr\u00fcnde oder betriebliche Gr\u00fcnde f\u00fcr ihren Entscheid verantwortlich machen, so kann folglich nicht ausgeschlossen werden, dass sie sich gerade auf solche Probleme beziehen. \u00a0Eine andere Studie, die auf Sake-Daten von 1990 bis 2002 basiert, zeigt auf, wie sich die verschiedenen Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Fr\u00fchpensionierung \u00fcber die Jahre hinweg entwickelt haben. Dorn, S. 70-72. W\u00e4hrend Fr\u00fchpensionierungen aus gesundheitlichen oder betrieblichen Gr\u00fcn-den ab 1997 weniger h\u00e4ufig genannt wurden, nahmen Fr\u00fchpensionierungen aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden zu. In diese Kategorie geh\u00f6ren Selbsteinsch\u00e4tzungen wie: \u00abKeine Lust mehr zu arbeiten\u00bb oder \u00abIch kann mir eine fr\u00fchzeitige Pensionierung finanziell leisten\u00bb.&#13;<\/p>\n<h2>Andere Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Fr\u00fchpensionierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nRegressionsanalysen erlauben es, die Gr\u00f6sse des Einflusses jedes einzelnen erkl\u00e4ren-den Merkmals &#8211; unter Ber\u00fccksichtigung aller anderen Einflussgr\u00f6ssen &#8211; zu bestimmen. Balthasar und Dorn haben verschiedene Regressionsmodelle entwickelt, mit denen sich die Einflussfaktoren f\u00fcr die Ruhestandsentscheidung aufzeigen lassen (vgl. Tabelle 2).\u00a0Die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Fr\u00fchpensionierung sind geschlechtsspezifisch.10 \u00dcber alle Befragten betrachtet, verringern sich die Chancen der Frauen f\u00fcr einen vorzeitigen Altersr\u00fccktritt im Vergleich zu den M\u00e4nnern um das Vierfache. Bei den M\u00e4nnern erh\u00f6hen eine aktive Freizeitgestaltung, ein schlechter Gesundheitszustand oder der Umstand, mit 60 Jahren ein IV-Bez\u00fcger zu sein, die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Altersr\u00fccktritts am st\u00e4rksten. Weiter wirken sich die Betriebsgr\u00f6sse (am letzten Erwerbsort) und\/oder die berufliche T\u00e4tigkeit in einer der Branchen Verkehr und Kommunikation oder Unterrichtswesen auf einen vorzeitigen Altersr\u00fccktritt bei den M\u00e4nnern aus. Bei den Frauen kann dagegen der Zeitpunkt des Altersr\u00fccktritts am besten mit \u00f6konomischen Faktoren erkl\u00e4rt werden: Je h\u00f6her das zur Verf\u00fcgung stehende Altersguthaben der Zweiten S\u00e4ule, desto gr\u00f6sser ist die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Altersr\u00fccktritts bei den Frauen. \u00dcber 60% der in der Studie von Balthasar et al. befragten Personen gaben an, dass sie den vorzeitigen Ruhestand haupts\u00e4chlich \u00fcber die berufliche Vorsorge absichern. \u00a0Die von Dorn festgestellten Einflussfaktoren f\u00fcr eine Fr\u00fchpensionierung sind mit der Balthasar-Studie praktisch deckungsgleich. Pers\u00f6nliche Gr\u00fcnde f\u00fcr eine fr\u00fchzeitige Pensionierung machen vor allem Kaderangestellte mit mittlerem oder h\u00f6herem Bildungsniveau und einem relativ hohen Lohn- und Verm\u00f6gensniveau geltend (freiwillige Pensionierung). Aufgrund ihrer finanziellen Lage und der Vorsorgeleistungen des Arbeitgebers k\u00f6nnen sie es sich leisten, den Arbeitsmarkt fr\u00fchzeitig zu verlassen. Demgegen\u00fcber gehen Arbeitnehmende mit tiefem Bildungsniveau, die etwa in der Landwirtschaft, in der Industrie oder im Bauwesen t\u00e4tig sind, weit weniger h\u00e4ufig fr\u00fchzeitig in Rente. Sie sind finanziell nicht in der Lage, sich fr\u00fchzeitig pensionieren zu lassen, da sie bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenalters nicht \u00fcber gen\u00fcgend eigene Mittel verf\u00fcgen. Arbeitnehmende dieser Kategorie sind somit in der Regel aus betrieblichen oder aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden im Vorruhestand (unfreiwillige Pensionierung).&#13;<\/p>\n<h2>Im Ruhestand, aber weiter erwerbst\u00e4tig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n(Vor-)Ruhestand heisst nicht in jedem Fall R\u00fcckzug aus dem Erwerbsleben. Zwei Studien Balthasar et al., S. 77 ff. sowie Guggisberg et al. (erscheint demn\u00e4chst). sch\u00e4tzen den Anteil der erwerbst\u00e4tigen Personen zwischen 65 und 70 Jahren auf rund 20%, w\u00e4hrend andere Forschungsteams Pecoraro et al. 2005. auf der Basis anderer Datenquellen (kantonale Steuerregister in Verbindung mit weiteren Verwaltungsregistern) auf einen etwas h\u00f6heren Prozentanteil kommen. Bei Altersteilzeit ist der Besch\u00e4ftigungsgrad verh\u00e4ltnism\u00e4ssig niedrig. 54% der erwerbst\u00e4tigen Rentner verdienen im Jahr mit der Vierten S\u00e4ule nicht mehr als 10000 Franken. Pecoraro et al. (erscheint demn\u00e4chst). \u00abVierte S\u00e4ule\u00bb ist das Einkommen aus einer Erwerbst\u00e4tigkeit nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters, wobei der Rentenstatus keine Rolle spielt. Gem\u00e4ss Balthasar et al. sind es einerseits vor allem Pensionierte mit hoher beruflicher Qualifikation und andererseits wenig qualifizierte Personen, die nach der gesetzlichen Pensionierung weiter erwerbst\u00e4tig sind.\u00a0Von den m\u00e4nnlichen fr\u00fchpensionierten Arbeitnehmern, die eine Leistung aus der Zweiten S\u00e4ule beziehen, sind rund 25% weiter berufst\u00e4tig. Tabelle 1: 4,5% von 19% = 23,6%. Eine qualitativ angelegte Befragung Kuert. von ehemaligen Bundesangestellten, die w\u00e4hrend der Privatisierungsphase von Regiebetrieben des Bundes in den Neunzigerjahren fr\u00fchpensioniert worden sind und weiter erwerbst\u00e4tig waren, zeigt, dass diese Personen im Arbeitsmarkt integriert waren, aber ohne dem beruflichen Druck ausgesetzt zu sein, da das erzielte Einkommen nicht mehr dem Lebensunterhalt diente, sondern lediglich die Zweite S\u00e4ule erg\u00e4nzte. Allerdings muss einger\u00e4umt werden, dass das Profil von Fr\u00fchpensionierten, die Leistungen aus der Zweiten S\u00e4ule beziehen und erwerbst\u00e4tig sind, noch weit gehend unbekannt ist. Es ist zum Beispiel nicht dokumentiert, wie viele Personen ihre Erwerbst\u00e4tigkeit aus gesundheitlichen oder aus betrieblichen Gr\u00fcnden aufgeben mussten, dann aber nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters einer weniger belastenden Besch\u00e4ftigung nachgegangen sind.&#13;<\/p>\n<h2>Altersgerechte Arbeitsgestaltung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVerantwortlich f\u00fcr die Zunahme der Invalidit\u00e4tsf\u00e4lle und der Fr\u00fchpensionierungen ist der wirtschaftliche Druck. Fr\u00fchpensionierungen aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden k\u00f6nnten dadurch reduziert werden, dass die Arbeit von \u00e4lteren Arbeitnehmenden an deren k\u00f6rperliche Leistungsf\u00e4higkeit angepasst wird. Verschiedene Unternehmen in Japan und Schweden haben in den letzten Jahren altersgerechte Arbeitsbedingungen eingef\u00fchrt: In der schwedischen Firma Husqvarna laufen etwa die Montageb\u00e4nder f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitnehmende 20% langsamer; Nissan und Toyota verf\u00fcgen ebenso \u00fcber auf die Bed\u00fcrfnisse der Arbeitnehmenden abgestimmte Produktionssysteme. Wanner et al., S. 76. Auch in der Schweiz werden Unternehmen aufgrund der demografischen Entwicklung und der unsicheren Entwicklung in der Zweiten S\u00e4ule fr\u00fcher oder sp\u00e4ter gezwungen sein, solche Massnahmen zu ergreifen.?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 1: Begriffsdefinition \u00abPensionierung\u00bb und \u00ab\u00dcbergang in den Ruhestand\u00bb<\/a> Der Begriff \u00abPensionierung\u00bb ist gem\u00e4ss OECD (1995) auf drei Arten definiert. Nach dieser Definition fallen darunter Personen, die:- unabh\u00e4ngig von ihrem Erwerbsstatus eine staatliche oder private Altersrente beziehen;- ab einem bestimmten Alter nicht mehr erwerbst\u00e4tig sind, unabh\u00e4ngig davon, weshalb sie nicht mehr erwerbst\u00e4tig sind und ob sie eine Altersrente beziehen;- sich selber als pensioniert einstufen, unabh\u00e4ngig vom Erwerbsstatus und davon, ob sie eine Altersrente beziehen.Unter \u00ab\u00dcbergang in den Ruhestand\u00bb sind folgende zwei Situationen zu verstehen:- definitiver R\u00fcckzug aus dem Erwerbsleben und Rentenantritt wegen Arbeitslosigkeit, Invalidit\u00e4t oder als freier Entscheid;- Aufgabe der Vollzeiterwerbst\u00e4tigkeit bzw. Aufnahme einer Teilzeiterwerbst\u00e4tigkeit, einer gelegentlichen oder weniger anstrengenden Besch\u00e4ftigung und schliesslich definitiver R\u00fcckzug aus dem Erwerbsleben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a class=\"inline-footnote__anchor\">Kasten 2: Literatur<\/a> &#8211; Balthasar Andreas, Bieri Olivier, Grau Peter, Guggisberg J\u00fcrg, K\u00fcnzi Kilian (2003): Der \u00dcbergang in den Ruhestand &#8211; Wege, Einflussfaktoren und Konsequenzen, Beitr\u00e4ge zur sozialen Sicherheit 2\/03, BSV, Bern.- BFS (2000): Das gesetzliche Rentenalter &#8211; eine willk\u00fcrliche Grenze?, Sake-News Nr. 15\/2000.- Dorn David (2004): An Empirical Analysis of Early Retirement. Switzerland in an International Comparison, Forschungsinstitut f\u00fcr Arbeit und Arbeitsrecht, Haupt, Bern.- Guggisberg J\u00fcrg, K\u00fcnzi Kilian: Rentnerinnen, Rentner und Fr\u00fchpensionierte. Eine Auswertung des Zusatzmoduls \u00abSoziale Sicherheit\u00bb der Sake-Daten 2002, Beitr\u00e4ge zur sozialen Sicherheit, BSV, Bern (erscheint demn\u00e4chst).- Jans Armin, Hammer Stephan, Graf Silvio, Iten Rolf, Maag Ueli, Schmidt Nicolas, Weiss Sampietro Thea (2003): Betriebliche Alterspolitik &#8211; Praxis in den Neunziger Jahren und Perspektiven, Beitr\u00e4ge zur sozialen Sicherheit 4\/03, BSV, Bern.- Kuert Matthias (2002): Wieder arbeiten? Neue Erwerbst\u00e4tigkeit als Strategie zur Bew\u00e4ltigung der unfreiwilligen Fr\u00fchpensionierung. Soziale Sicherheit CHSS 3\/2002, 162-166.- Lampert Olivia, Zimmermann Erwin (2003): Arbeit und Gesundheit, Mortalit\u00e4t und Invalidit\u00e4t: Zusammenh\u00e4nge mit der Berufst\u00e4tigkeit; Unter Bezugnahme auf das Postulat von Franziska Teuscher, BFS; Neuenburg.- OECD (2003): Vieillissement et politiques de l&#8217;emploi &#8211; Suisse, OECD, Paris.- OECD (1995): The Transition from Work to Retirement, Social Policy Studies Nr. 16, OECD, Paris.- Pecoraro Marco, Wanner Philippe (2005): La situation \u00e9conomique des Valaisans \u00e2g\u00e9s de 60 \u00e0 70 ans. Une \u00e9tude pilote effectu\u00e9e \u00e0 l&#8217;aide de donn\u00e9es appari\u00e9es provenant de diverses sources, Beitr\u00e4ge zur sozialen Sicherheit 3\/05, BSV, Bern.- Pecoraro Marco, Wanner Philippe: La situation \u00e9conomique des Neuch\u00e2telois \u00e2g\u00e9s de 60 \u00e0 70 ans, Beitr\u00e4ge zur sozialen Sicherheit, BSV, Bern (erscheint demn\u00e4chst).- Wanner Philippe, Stuckelberger Astrid, Gabadinho Alexis (2003): Facteurs individuels motivant le calendrier du d\u00e9part \u00e0 la retraite des hommes \u00e2g\u00e9s de plus de 50 ans en Suisse, Beitr\u00e4ge zur sozialen Sicherheit 8\/03, BSV, Bern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die verschiedenen Wege des Ausstiegs aus dem Erwerbsleben und die Faktoren, welche den Pensionierungszeitpunkt beeinflussen, sind f\u00fcr die Sozialversicherungen \u00e4usserst wichtige Aspekte. Eine vorzeitige Pensionierung wird meistens mit gesundheitlichen Problemen begr\u00fcndet. Umgekehrt ist eine gute Gesundheit oft mit ein Grund, um den Zeitpunkt f\u00fcr den Altersr\u00fccktritt aufzuschieben. 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