{"id":162040,"date":"2022-03-28T14:34:31","date_gmt":"2022-03-28T12:34:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=162040"},"modified":"2023-08-24T01:27:29","modified_gmt":"2023-08-23T23:27:29","slug":"vorsorge-guide-fuer-die-generation-z","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/03\/vorsorge-guide-fuer-die-generation-z\/","title":{"rendered":"Vorsorge-Guide f\u00fcr die Generation Z"},"content":{"rendered":"<p>Wie sehen die Zukunftsaussichten der jungen Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden \u2013 der sogenannten Generation Z \u2013, aus? Diese sind zwar von Beginn weg mit den Vorz\u00fcgen des Internets und des Smartphones vertraut \u2013 gleichzeitig sind sie aber einer fast unbegrenzten Vielfalt von Optionen wie Konsumangeboten, Informationsm\u00f6glichkeiten, Lebensentw\u00fcrfen und Berufsperspektiven ausgesetzt. Da f\u00e4llt Orientierung zuweilen schwer.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Altersvorsorge ist die Generation Z gegen\u00fcber anderen Generationen benachteiligt: Sie muss l\u00e4nger arbeiten und mehr einzahlen, bekommt aber weniger Rente. Sie tr\u00e4gt die gr\u00f6sste Last der Umverteilung der Pensionskassen und erlebt die 4-Generationen-Familie als Normalfall. Und sie darf mit einer eigenen Lebenserwartung von an die 100 Jahren rechnen.<\/p>\n<p>Vorsorgen scheint da keinen Spass zu machen, sondern eher Sorgen zu verursachen. Guter Rat scheint teuer.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die Qual der Wahl<\/h2>\n<p>Warum f\u00e4llt uns Vorsorgen\u00a0so\u00a0schwer? Viele Menschen nehmen sich vor, eine Di\u00e4t zu machen oder regelm\u00e4ssig zu sparen \u2013 allzu oft scheitern wir dabei. Die Strasse der gebrochenen Vors\u00e4tze ist lang.<\/p>\n<p>Die Finanzpsychologie\u00a0sagt, dass uns zu viele Wahlm\u00f6glichkeiten vom Ziel ablenken. Eine Verhaltens\u00e4nderung m\u00fcsse erst zur Gewohnheit werden, bis sie verinnerlicht sei. Zeit also, die positiven Aspekte herauszustreichen \u2013 denn diese gibt es durchaus: Die Generation Z hat den l\u00e4ngsten Anlagehorizont, profitiert von Transparenz, tiefen Kosten und einfachen L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Es geht also um den \u00abMissing Link\u00bb zwischen neuen Erkenntnissen und nachhaltiger Umsetzung. Starten wir bei der wertvollsten Ressource: unserer Lebenszeit. Gerade junge Menschen verschleudern sie oder lassen sie sich stehlen (Social Media, Netflix) im Glauben, unbeschr\u00e4nkt viel davon zu besitzen. Wird man \u00e4lter, kommt man zur Erkenntnis, dass jeder Tag nicht einfach ein weiterer war, sondern ein Tag weniger im eigenen Leben. Wollen wir mit der eigenen Lebenszeit sinnvoll und nachhaltig umgehen?<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Vorsorgen mit Youtube<\/h2>\n<p>Schon die Millennials der Jahrg\u00e4nge 1981 bis 1996 schauen sich bei Fragen sogenannte Lifehacks auf Youtube an, zum Beispiel wie man Ordnung in den Kleiderschrank bringt. Wieso soll das f\u00fcr den Finanzhaushalt und die Vorsorge nicht auch auf unterhaltsame Weise funktionieren?<\/p>\n<p>Gesundheit wird heute im Kontext von Konsum, Ern\u00e4hrung und Work-Life-Balance betrachtet: Die Gesundheitsvorsorge wird vermehrt eigenverantwortlich gehandhabt und entwickelt sich zunehmend zu einem Konsumgut. Wieso gibt es noch kein Bewusstsein f\u00fcr finanzielles \u00abWellbeing\u00bb?<\/p>\n<p>Wir tracken heute unsere t\u00e4glichen 10\u2019000 Schritte, den Kalorienverbrauch und die Schlafstunden. Technisch w\u00e4re es genauso m\u00f6glich, die finanzielle Gesundheit laufend zu \u00fcberwachen und einen Statusbericht zu liefern. Bei der Wartung von Maschinen gibt es den Begriff der \u00abvorausschauenden Instandhaltung\u00bb \u2013 diese technische Denkweise braucht es auch bei der Vorsorge.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Das \u00abachte Weltwunder\u00bb<\/h2>\n<p>Finanzplanerinnen und Finanzplaner predigen noch heute das Mantra \u00abLebe unter deinen M\u00f6glichkeiten\u00bb und mahnen zu Konsumverzicht. Kein Wunder, gilt Sparen als uncool und einschr\u00e4nkend. Wie w\u00e4re es stattdessen mit dem Etikett \u00abAchtsam die eigene Zukunft gestalten, Handlungsfreiheit erlangen und den eigenen Lebensentwurf realisieren\u00bb?<\/p>\n<p>Vorsorgen ist nicht kompliziert. Es ist wie Velofahren \u2013 einmal gelernt, geht es von allein, und je fr\u00fcher man startet, desto leichter f\u00e4llt es einem. Der gr\u00f6sste Hebel besteht im Zinseszinseffekt, weshalb Albert Einstein ihn \u00abachtes Weltwunder\u00bb genannt hat: \u00abWer ihn versteht, verdient daran, alle anderen bezahlen ihn.\u00bb Das exponentielle Wachstum beim Zinseszins f\u00fchrt dazu, dass mit minimalem Aufwand ein maximaler Effekt erzielt werden kann \u2013 sofern der Start fr\u00fch genug und mit dem richtigen Anlageinstrument erfolgt.<\/p>\n<p>Dieser Zinseszins ist die gr\u00f6sste Chance f\u00fcr die Generation Z, deren Rente weniger als die H\u00e4lfte ihres bisherigen Einkommens ausmachen wird, wenn sie nichts tut. Der Generation Z fehlt in 50 Jahren \u2013 ohne eine nachhaltige Reform der 1. und der 2. S\u00e4ule \u2013 locker eine halbe Million Franken in der Vorsorge.<\/p>\n<p>Statt einer Vorsorgel\u00fccke klafft ein Vorsorgekrater. \u00abAufschieberitis\u00bb in der Vorsorge kann also fatale Folgen haben.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">200 Franken pro Monat<\/h2>\n<p>Fahrl\u00e4ssig w\u00e4re es jedoch, das Vorsorgegeld auf ein Sparkonto zu platzieren: Konten sind zwar gut f\u00fcr die Liquidit\u00e4tsplanung, aber ungeeignet f\u00fcr die langfristige Vorsorge. Stattdessen braucht es eine Anlagestrategie, die mehrheitlich auf Sachwerte wie Aktien und Immobilien setzt, am besten mittels kosteng\u00fcnstiger Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETF). Damit l\u00e4sst sich eine Rendite von 5 Prozent pro Jahr erzielen.<\/p>\n<p>Wer 50 Jahre monatlich 200 Franken investiert, erreicht mehr als eine halbe Million Franken \u2013 notabene mit einem investierten Kapital von lediglich 120\u2019000 Franken. Wer damit noch zehn Jahre zuwartet, erreicht hingegen nicht mal 300\u2019000 Franken. H\u00f6chste Zeit also, schon heute damit zu beginnen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Ruhig Blut<\/h2>\n<p>Der US-\u00d6konom Benjamin Graham sagte einst: \u00abDie Tatsache, dass die meisten Profis bei der Aktienauswahl ziemlich schlecht sind, bedeutet nicht zwangsl\u00e4ufig, dass Amateure es besser k\u00f6nnen.\u00bb Das gilt heute noch. Kundinnen und Kunden sollten nicht mit kurzfristigen Trades und spekulativen Prognosen den Trends nachjagen. Statt Casinomentalit\u00e4t ist eine nachhaltige Strategie gefragt.<\/p>\n<p>Dazu muss man wissen: \u00dcber 90 Prozent der Anlagerendite sind der Verm\u00f6gensstrukturierung und tiefen Kosten geschuldet. Auf die Generation Z bezogen, bedeutet dies, dass sie 10 bis 20 Prozent ihres Einkommens kosteng\u00fcnstig und breit diversifiziert investieren sollte. Dann die F\u00fcsse stillhalten und Baldrian trinken.<\/p>\n<p>Leider benutzt die Finanzbranche oft noch eine selbstreferenzielle, verklausulierte Sprache, die die Menschen nicht erreicht. Heute sind fast alle Anlagen nachhaltig, aber viele Finanzprodukte beinhalten immer noch viel \u00abdekorative Verpackung\u00bb, also zu hohe Vertriebs- und Verwaltungsgeb\u00fchren, spekulative Elemente oder unn\u00f6tige Absicherungskosten. Die Nachhaltigkeit, die wir heute bei Anlagen einfordern, sollten wir auch bei der Finanzierung unserer Vorsorgesysteme anstreben \u2013 im Restaurant zahlt schliesslich auch jeder seine eigene Rechnung.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Der ultimative Booster<\/h2>\n<p>Was tun? Liquidit\u00e4t ist wie Atemluft \u2013 man merkt, wenn sie fehlt. Nichts entspannt so sehr wie ein volles Konto. Aber wenn am Ende des Geldes noch Leben \u00fcbrig ist, ist nichts gewonnen. Wir m\u00fcssen die H\u00fcrden niederreissen, damit das Vorsorgeinvestieren zur Gewohnheit wird.<\/p>\n<p>Weil Verhaltens\u00e4nderungen anstrengend sind, liegt die L\u00f6sung in Vereinfachung, Automatisierung und in Belohnungssystemen. Als Gedankenexperiment sei hier die Idee vom \u00abultimativen Vorsorgebooster\u00bb lanciert. Sprich: Vorsorge\u00fcberweisung werden automatisch an unseren Social-Media- und Onlineshopping-Konsum gekoppelt. Eine \u00abungesunde Gewohnheit\u00bb f\u00fchrt zu automatischem Verm\u00f6gensaufbau und allenfalls zur Selbstreflexion und zu positivem Feedback. So liesse sich mit minimalen Ver\u00e4nderungen maximale Wirkung erzielen.<\/p>\n<p>Weil im Leben nur die stetigen Ver\u00e4nderungen konstant sind, muss eine gute Finanzplanung diesem Umstand Rechnung tragen: dynamisch, flexibel, in Szenarien, Varianten und Alternativen denkend, den langfristigen Wohlstandsaufbau anstrebend. Eine professionelle Beratung kann hier Orientierung bieten. F\u00fcr die Generation Z bedeutet der fr\u00fchzeitige Beginn der Vorsorge vor allem Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit. Mit Sicherheit.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe auch: Bechtiger, Pascal und Spring, Reto (2022). Orientierung statt Moneypulierung. Finanzcoaching: holistisch \u2013 bedarfsorientiert \u2013 interdisziplin\u00e4r.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sehen die Zukunftsaussichten der jungen Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden \u2013 der sogenannten Generation Z \u2013, aus? Diese sind zwar von Beginn weg mit den Vorz\u00fcgen des Internets und des Smartphones vertraut \u2013 gleichzeitig sind sie aber einer fast unbegrenzten Vielfalt von Optionen wie Konsumangeboten, Informationsm\u00f6glichkeiten, Lebensentw\u00fcrfen und Berufsperspektiven ausgesetzt. Da [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":5362,"featured_media":203441,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[69,66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[98],"post_content_subject":[133],"acf":{"seco_author":5362,"seco_co_author":"","author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"2022","seco_author_post_occupation_de":"Reto Spring, Pr\u00e4sident Finanzplaner Verband Schweiz, unabh\u00e4ngiger Experte f\u00fcr Finanzplanung, Zug","seco_author_post_occupation_fr":"Reto Spring, Pr\u00e9sident de l\u2019Association des conseillers financiers de Suisse, expert ind\u00e9pendant en planification financi\u00e8re, Zoug","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"Wie soll die Generation Z vorsorgen? Die kurze Antwort: am besten schon heute beginnen.","post_hero_image_description":"Bei der Vorsorge fehlt vielen Jugendlichen die \u00dcbersicht.","post_hero_image_description_copyright_de":"Alamy","post_hero_image_description_copyright_fr":"Alamy","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":[155826,156681,166975],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4127],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20220329","original_files":null,"external_release_for_author":null,"external_release_for_author_time":"","link_for_external_authors":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162040"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5362"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=162040"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162040\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":166861,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162040\/revisions\/166861"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5362"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/revision\/166975"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156681"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/155826"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/203441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=162040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=162040"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=162040"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=162040"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=162040"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=162040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}