{"id":165524,"date":"2022-04-25T11:29:50","date_gmt":"2022-04-25T09:29:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=165524"},"modified":"2023-08-24T01:28:09","modified_gmt":"2023-08-23T23:28:09","slug":"ein-blick-in-den-warenkorb-der-konsumenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/04\/ein-blick-in-den-warenkorb-der-konsumenten\/","title":{"rendered":"Ein Blick in den Warenkorb der Konsumenten"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/preise\/erhebungen\/lik.html\">Landesindex der Konsumentenpreise<\/a> (LIK) des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) misst monatlich, wie sich die Preise von Waren und Dienstleistungen der privaten Haushalte entwickeln. Er ist damit ein wichtiger Konjunkturindikator.<\/p>\n<p>Um das sich \u00fcber die Zeit \u00e4ndernde Konsumverhalten zu ber\u00fccksichtigen, findet alle f\u00fcnf Jahre eine Indexrevision statt. Eine Herausforderung ist es, jeden Monat die rund 100\u2019000 Preise termingerecht und fehlerfrei zu erheben. Je nach Produkttyp sind unterschiedliche Erhebungsmethoden n\u00f6tig. So lassen sich beispielsweise die Preise von \u00c4pfeln, Medikamenten oder Mieten nicht auf vergleichbare Weise erheben.<\/p>\n<p>In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Preiserhebungstechniken erhebliche Ver\u00e4nderungen erfahren. Im Jahr 2000 besuchten die Mitarbeitenden jeden Monat zahlreiche Verkaufsstellen in der ganzen Schweiz, suchten die Produkte im Sortiment und notierten allf\u00e4llige Preis\u00e4nderungen auf einer Papierliste. Rund 80 Prozent der LIK-Preise wurden auf diesem Weg erhoben. Die verbleibenden 20 Prozent\u2013 darunter insbesondere Mietpreise \u2013 erhob das BFS per Post mithilfe von Frageb\u00f6gen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\"><strong>Tablets statt Papier<\/strong><\/h2>\n<p>Heute erfolgt weniger als die H\u00e4lfte der Preiserhebungen vor Ort (siehe Abbildung). Diese Ladenbesuche sind weiterhin n\u00f6tig, um regionale Preisunterschiede zwischen den elf Erhebungsregionen ausfindig zu machen.<\/p>\n<p>Seit zehn Jahren setzen die LIK-Mitarbeitenden bei ihren Ausseneins\u00e4tzen Tablets ein. Dies hat den grossen Vorteil, dass die erfassten Daten in Echtzeit vor dem Verkaufsregal validiert werden k\u00f6nnen. Insgesamt haben die Tablets die Erhebungen vor Ort qualitativ verbessert und sind heute ein unverzichtbares Werkzeug f\u00fcr das Erhebungspersonal.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\"><strong>F\u00fcr den LIK erhobene Einzelpreise (2000 und 2021)<\/strong><\/h2>\n<div class='chart chart--normal' id='Herren-4k-2021_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Herren-4k-2021_DE').highcharts({\n\n  chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: 'Stacked column chart'\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['2000', '2021']\n    },\n    yAxis: {\n        max: 100,\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        labels: {format: '{value}%'},\n        stackLabels: {\n            enabled: false,\n            \n        }\n    },\n    \n    tooltip: {\n        headerFormat: '<b>{point.x}<\/b><br\/>',\n        pointFormat: '{series.name}: {point.y}%'\n    },\n    plotOptions: {\n        column: {\n            stacking: 'normal',\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Vor-Ort-Erhebung',\n        data: [78.9\t,\t\t40.1\n]\n    }, \n    \n     {\n        name: 'Fragebogen und E-Mail',\n        data: [19.5\t,\t\t18.6]\n             \n            \n        \n    },  \n    {\n        name: 'Internet',\n        data: [1.6\t,\t\t21.5]\n             \n          \n        \n    },\n       \n    {\n        name: 'Scannerdaten',\n        data: [0\t,\t\t17.8\n]\n    }, \n   \n       {\n        name: 'E-Survey',\n        data: [0\t,\t\t2.6\n]\n             \n            \n        \n    },         \n    \n   \n    \n    ]\n});\n\n});\n\n\n\n<\/script>\n<h6 class=\"content-copy\">Quelle: BFS \/ Die Volkswirtschaft<\/h6>\n<h2 class=\"text__graphic-title\"><strong>Scanner im Supermarkt<\/strong><\/h2>\n<p>Seit der Jahrtausendwende l\u00f6sen neue Erhebungsmethoden die traditionelle Preiserhebung vor Ort zusehends ab. Ein Meilenstein war der erstmalige R\u00fcckgriff auf Scannerdaten von Verkaufskassen eines Grossverteilers im Jahr 2008. Bei dieser Methode werden die Kassendaten zentral auf Konzernebene aufbereitet und dem BFS \u00fcbermittelt.<\/p>\n<p>Im Vergleich zur Erhebung im Ladengesch\u00e4ft hat diese Erhebungsmethode den entscheidenden Vorteil, dass von allen Produkten nicht nur die Preise auf Artikelebene bekannt sind, sondern auch die damit erzielten Ums\u00e4tze. Dadurch wird f\u00fcr das BFS erkennbar, ob es sich bei einem Produkt um einen Verkaufsschlager oder einen Ladenh\u00fcter handelt. Im letzteren Fall ist das Produkt weniger f\u00fcr den LIK geeignet und sollte ersetzt werden.<\/p>\n<p>Inzwischen erhebt das BFS rund ein F\u00fcnftel der Preise anhand von Scannerdaten von mehreren Grossverteilern. Beschr\u00e4nkte sich die Auswertung der Scannerdaten zuerst vornehmlich auf Lebensmittel, beinhaltet die Auswahl inzwischen auch Near- und Non-Food-Produkte.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\"><strong>Onlineshops als Quelle<\/strong><\/h2>\n<p>Ein weiterer Game-Changer waren die Onlineerhebungen: Immer mehr Schweizer Firmen verf\u00fcgen \u00fcber Onlineshops, welche das Sortiment der physischen Standorte gut abbilden und sich somit als alternativer \u00abErhebungsort\u00bb anbieten. Onlineerhebungen erm\u00f6glichen zeitliche Einsparungen, da sie das Auffinden der gesuchten Artikel erleichtern.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Produkte hat sich der Markt zudem ins Internet verlagert. Noch vor zehn Jahren wurden beispielsweise die Preise f\u00fcr Fotokameras in allen elf Erhebungsregionen vor Ort in spezialisierten Ladengesch\u00e4ften erhoben. Heute kaufen wir Fotokameras vorwiegend online, und die Preise haben sich schweizweit angeglichen, weshalb eine zentrale Onlineerhebung heute die naheliegende Erhebungsform ist.<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie hat den Trend zu digitalen Erhebungsmethoden beschleunigt. W\u00e4hrend der Ladenschliessungen im Fr\u00fchling 2020 wurde gezwungenermassen auf Onlineshops ausgewichen, um eine nahtlose Preiserhebung zu gew\u00e4hrleisten. In vielen F\u00e4llen behielt das BFS diese Praxis bei.<\/p>\n<p>Bei einzelnen Anbietern erfolgt die Onlineerhebung heute automatisiert mit Abfragetools (\u00abWebscraping\u00bb). Insbesondere bei stabilen Websites von gr\u00f6sseren Anbietern ergibt sich dadurch ein erheblicher Zeitgewinn. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen relativ unkompliziert zus\u00e4tzliche Preise erhoben werden. Hier besteht aber noch Potenzial f\u00fcr Weiterentwicklungen.<\/p>\n<p>Auch bei den Frageb\u00f6gen hat die Pandemie den Digitalisierungsprozess verst\u00e4rkt. Immer mehr befragte Unternehmen f\u00fcllen die Frageb\u00f6gen online aus (E-Survey) \u2013 statt diese wie fr\u00fcher per Post oder E-Mail zu beantworten. Gut sichtbar ist dieser Trend bei der Mietpreiserhebung, wo das BFS jedes Quartal rund 10\u2019000 Frageb\u00f6gen auswertet. Vor allem professionelle Immobilienverwalter scheinen die Onlinetools zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\"><strong>Branchenspezifische Marktdaten<\/strong><\/h2>\n<p>Neben den beschriebenen Erhebungsweisen ergibt sich auf M\u00e4rkten wie jenen f\u00fcr Medikamente, Autos oder Telekommunikationsdienstleistungen aufgrund von besonderen Anforderungen ein erweiterter Datenbedarf, welcher mit traditioneller Erhebungsweise nicht ausreichend zu erfassen ist. Deshalb greift das BFS hier auf spezifische Datenlieferungen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Das BFS arbeitet diesbez\u00fcglich eng mit Partnern aus den entsprechenden Branchen zusammen, welche neben den eigentlichen Preisdaten oft auch quantitative und qualitative Informationen zur Verf\u00fcgung stellen. Solche Metainformationen, insbesondere aktuelle Verkaufszahlen, sind f\u00fcr die Indexberechnung in Bereichen mit komplexer Preisgestaltung oft unerl\u00e4sslich f\u00fcr eine realit\u00e4tsnahe Preismessung. Mit der zunehmenden Digitalisierung d\u00fcrften sich in weiteren Branchen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr partnerschaftliches Zusammenarbeiten ergeben.<\/p>\n<p>Die zus\u00e4tzlichen Erhebungsmethoden haben die Komplexit\u00e4t f\u00fcr das BFS deutlich erh\u00f6ht. Letztlich z\u00e4hlt f\u00fcr das BFS jedoch die Qualit\u00e4t der Daten \u2013 und diese hat sich auch dank neuen Erhebungsmethoden deutlich verbessert.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) misst monatlich, wie sich die Preise von Waren und Dienstleistungen der privaten Haushalte entwickeln. Er ist damit ein wichtiger Konjunkturindikator. Um das sich \u00fcber die Zeit \u00e4ndernde Konsumverhalten zu ber\u00fccksichtigen, findet alle f\u00fcnf Jahre eine Indexrevision statt. 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