{"id":166952,"date":"2022-05-09T10:16:46","date_gmt":"2022-05-09T08:16:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=166952"},"modified":"2023-08-24T01:29:33","modified_gmt":"2023-08-23T23:29:33","slug":"reiseland-oesterreich-im-vergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/05\/reiseland-oesterreich-im-vergleich\/","title":{"rendered":"Reiseland \u00d6sterreich im Vergleich"},"content":{"rendered":"<p>Vielf\u00e4ltige Regionen und naturbelassene Landschaften, lebenswerte St\u00e4dte und ein reichhaltiges kulturelles Angebot pr\u00e4gen das Bild der Tourismusdestination \u00d6sterreich in der Welt. Natur, Kultur und Kulinarik entspringen jedoch nicht nur einer wechselvollen Vergangenheit des Landes, sie sind auch heute noch untrennbarer Bestandteil der Lebenswirklichkeit in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich ist wie die Schweiz eines der beliebtesten Reiseziele der Welt. Im Vorkrisenjahr 2019 erreichten sowohl die G\u00e4steank\u00fcnfte mit 46,2 Millionen als auch die \u00dcbernachtungen mit 152,7 Millionen eine H\u00f6chstmarke. In der Schweiz war die Zahl der \u00dcbernachtungen 2019 nur rund ein Drittel so hoch (56,2 Mio.), auch wenn die Schweiz und \u00d6sterreich gemessen an der Bev\u00f6lkerungszahl fast gleich gross sind.<\/p>\n<p>Bei den \u00dcbernachtungen aus ausl\u00e4ndischen Herkunftsl\u00e4ndern in \u00d6sterreich belegten G\u00e4ste aus Deutschland mit rund 50 Prozent den ersten Platz. Danach folgten die Niederlande mit 9,2 Prozent sowie die Schweiz und Liechtenstein mit zusammen 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Bei den \u00dcbernachtungen in der Schweiz rangieren die G\u00e4ste aus \u00d6sterreich mit einem Anteil von 2 Prozent auf Platz 13. Auf dem 1. Platz sind die G\u00e4ste aus Deutschland mit 18 Prozent, dann folgen die USA mit 11 Prozent und Grossbritannien mit 8 Prozent.<\/p>\n<p>Vor Pandemieausbruch trug die Tourismuswirtschaft 7,5 Prozent direkt zum \u00f6sterreichischen Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. In der Schweiz waren es 2,9 Prozent. W\u00e4hrend der Pandemie halbierte sich der Beitrag in \u00d6sterreich fast, w\u00e4hrend er in der Schweiz nur um rund ein Viertel abgenommen hat (auf 2,2%).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Zahlreiche Branchen profitieren vom Tourismus<\/h2>\n<p>Dem \u00f6sterreichischen Tourismus kommt wie kaum einer anderen Branche eine bedeutende Rolle als Bindeglied zwischen \u00f6konomischen, naturr\u00e4umlichen und kulturellen Dimensionen zu: Nicht nur ist die Tourismus- und Freizeitwirtschaft einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Landes, auch ist sie eng mit anderen Sektoren verwoben und damit wesentlicher Treiber der regionalen Entwicklung. Zugleich handelt es sich beim Tourismus um ein klein strukturiertes Verbundwirtschaftssystem: Rund 90 Prozent der Unternehmen im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft sind KMU.<\/p>\n<p>Zahlreiche Branchen wie etwa der Handel, der Verkehr, das Baugewerbe und nicht zuletzt die Landwirtschaft interagieren mit der Tourismusbranche. Der Tourismus ist somit weit mehr als ein Dienstleistungssektor, der allein die Anspr\u00fcche seiner Urlaubsg\u00e4ste in den Mittelpunkt r\u00fcckt. Ebenso leistet die Branche einen wertvollen Beitrag zur allumfassenden Lebensqualit\u00e4t in \u00d6sterreich. Beispielsweise in Form von Infrastruktur, Kultur- und Freizeitangeboten oder besserem \u00f6ffentlichem Nah- und Fernverkehr. Und nicht zuletzt auch im Verbund mit der Landwirtschaft \u2013 die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Tourismus und Landwirtschaft liegen seit 2018 beim Bundesministerium f\u00fcr Landwirtschaft, Regionen und Tourismus. Die Natur- und Kulturlandschaft ist nicht Kulisse, sondern massgeblicher Bestandteil des touristischen Angebotes. Die Bandbreite an regionstypischen Speisen und kulinarischen Traditionen basierend auf lokaler landwirtschaftlicher Produktion r\u00fcckt immer mehr ins Zentrum des touristischen Angebotes.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Historische St\u00e4dte mit Lebensqualit\u00e4t<\/h2>\n<p>Doch \u00d6sterreich zeichnet sich nicht nur durch intakte l\u00e4ndliche Regionen aus. Auch der St\u00e4dtetourismus nimmt einen besonderen Stellenwert im touristischen Angebot ein. Im Vorkrisenjahr 2019 wurden fast 26 Millionen \u00dcbernachtungen in den \u00f6sterreichischen Landeshauptst\u00e4dten registriert, das waren 17 Prozent aller \u00dcbernachtungen von ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten in \u00d6sterreich (152,7 Millionen). 2021 entfielen nur 11,3 Prozent aller G\u00e4ste\u00fcbernachtungen auf die Landeshauptst\u00e4dte (fast 9 Millionen \u00dcbernachtungen der insgesamt 79,5 Millionen). \u00d6sterreichische Kultur und Geschichte sind untrennbar mit den St\u00e4dten verbunden. Dabei ist es den St\u00e4dten im Laufe ihrer wechselvollen Geschichte bis heute gelungen, ihren authentischen Charakter zu bewahren und mit ihrer Lebensqualit\u00e4t Spitzenpl\u00e4tze einzunehmen.<br \/>\nWien, Salzburg, Innsbruck sind Zentren europ\u00e4ischer Geschichte und Heimat zahlreicher historischer Bauwerke, Museen und weiterer vielf\u00e4ltiger Kulturangebote. Diese begeistern j\u00e4hrlich zahllose Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland. Rund 60 Prozent der G\u00e4ste kamen 2019 aus dem europ\u00e4ischen Ausland, 13 Prozent aus Asien und 9 Prozent aus Amerika.<\/p>\n<p>Der Tourismus in \u00d6sterreich tr\u00e4gt sowohl in der Stadt als auch auf dem Land zu Wohlstand bei. Gleichzeitig ber\u00fccksichtigt er nicht nur die Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste, sondern auch jene der Wirtschaft, der Umwelt sowie der heimischen Bev\u00f6lkerung. Die \u00f6sterreichische Tourismuspolitik ist deshalb vor allem darum bem\u00fcht, nachhaltigen und vertr\u00e4glichen Tourismus zu f\u00f6rdern, der im Einklang mit Mensch und Natur steht.<\/p>\n<p>Mit dem \u00ab<a href=\"https:\/\/info.bmlrt.gv.at\/themen\/tourismus\/masterplan-tourismus-plan-t.html\">Masterplan f\u00fcr Tourismus<\/a>\u00bb wurde ein Konzept ins Leben gerufen, um bestehende qualit\u00e4tsvolle Regionen in den Mittelpunkt zuk\u00fcnftiger Planungen zu r\u00fccken, diese zu erhalten und nachhaltig zu kultivieren. Im Fokus stehen Lebensr\u00e4ume, in denen sich sowohl Urlauberinnen und Urlauber als auch die heimische Bev\u00f6lkerung wohlf\u00fchlen. Die nationale \u00f6sterreichische Tourismuspolitik verfolgt das Ziel einer ganzheitlichen Symbiose \u00f6sterreichischer Regionalit\u00e4t und Authentizit\u00e4t, die den derzeitigen wie auch den zuk\u00fcnftigen \u00f6konomischen, soziokulturellen und \u00f6kologischen Auswirkungen umfassend Rechnung tr\u00e4gt und dabei die Bed\u00fcrfnisse der G\u00e4ste, der Tourismuswirtschaft, der Umwelt sowie der heimischen Bev\u00f6lkerung ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Krisengebeutelte Branche<\/h2>\n<p>Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft wurde durch die Pandemie in den vergangenen zwei Jahren vor eine immense Belastungsprobe gestellt, deren Dimension niemand hat vorhersehen k\u00f6nnen. Corona-bedingte Betriebsschliessungen und internationale Reisebeschr\u00e4nkungen haben dem Tourismus in \u00d6sterreich auch im Jahr 2021 stark zugesetzt: Mit knapp 80 Millionen lag die Zahl der \u00dcbernachtungen 18,7 Prozent unter dem Wert des ersten Pandemiejahres 2020. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 lagen die \u00dcbernachtungen sogar 48 Prozent bzw. 73 Millionen tiefer. In der Schweiz war dieser Einbruch weniger stark.<\/p>\n<p>H\u00f6chste Anpassungsf\u00e4higkeit und ein schnelles, entschlossenes Handeln waren unumg\u00e4nglich, um das \u00dcberleben m\u00f6glichst vieler Betriebe zu gew\u00e4hrleisten, Arbeitspl\u00e4tze im Tourismussektor zu sichern und zugleich den Menschen Urlaub und Erholung auch in Krisenzeiten zu erm\u00f6glichen. W\u00e4hrend es \u00d6sterreich in den vielen Monaten der Pandemie immer wieder gelungen ist, praktikable L\u00f6sungen und Unterst\u00fctzungsmassnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen zu erarbeiten, sieht sich der Tourismus infolge des Ukraine-Krieges mit der n\u00e4chsten grossen Herausforderung konfrontiert. Der Krieg in Europa ist eine Z\u00e4sur historischen Ausmasses, deren mittel- und langfristige Folgen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen sind. Die Verunsicherung ist insbesondere auf den Fernm\u00e4rkten sp\u00fcrbar und wird sich \u2013 so ist zu bef\u00fcrchten \u2013 besonders negativ auf den europ\u00e4ischen St\u00e4dtetourismus auswirken, der explizit auf internationale G\u00e4ste angewiesen ist.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Krisenbew\u00e4ltigung nicht auf Kosten der Qualit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Reisefreiheit z\u00e4hlt zu einer der gr\u00f6ssten Errungenschaften in Europa. Durch den Tourismus werden auch der kulturelle Austausch und die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gef\u00f6rdert \u2013 ein Anliegen, dem sich der \u00f6sterreichische Tourismus auch weiterhin grenzenlos verpflichtet f\u00fchlt. Mehrere Krisen haben in den letzten Jahren dramatisch gezeigt, dass sich der Tourismus laufend an sich \u00e4ndernde Voraussetzungen anpassen muss. Dazu geh\u00f6ren etwa der Klimawandel, der Fachkr\u00e4ftemangel, der zunehmende Bodenverbrauch und vieles mehr. Ihre Bew\u00e4ltigung, die in den n\u00e4chsten Jahren erforderlich sein wird, darf indessen nicht auf Kosten des Qualit\u00e4tstourismus gehen.<\/p>\n<p>Eine Herausforderung ist auch der Beherbergungssektor, der sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Neue Formen wie Chaletd\u00f6rfer entsprechen zwar den G\u00e4stew\u00fcnschen, stossen aber nicht immer auf grosse Gegenliebe in den Regionen. Die Gastgeber in \u00d6sterreich sind zudem \u2013 nicht zuletzt auch pandemiebedingt \u2013 mit immer kurzfristigeren Buchungen und Aufenthalten konfrontiert. Ausserdem ist der Umstand zu ber\u00fccksichtigen, dass das \u00f6sterreichische Beherbergungswesen zum \u00fcberwiegenden Teil aus familiengef\u00fchrten KMU besteht, die oft \u00fcber Generationen gewachsen sind. Die Sicherung dieser spezifisch \u00f6sterreichischen Beherbergungskultur erfordert entsprechende Rahmenbedingungen, die reibungslose Betriebsnachfolgen und erfolgreiche Investitionst\u00e4tigkeit im Zuge sich \u00e4ndernder Gegebenheiten erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Angesichts der humanit\u00e4ren Katastrophe in Europa erscheint es im Moment m\u00fcssig, \u00fcber die zuk\u00fcnftige tourismuspolitische Ausrichtung \u00d6sterreichs zu spekulieren, doch zeigen vergangene und aktuelle Krisen: Diversifizierung, Regionalit\u00e4t und Nachhaltigkeit sind weit mehr als bloss idealistische Schlagworte. Krisen und Ungewissheiten haben uns eindr\u00fccklich vor Augen gef\u00fchrt, welchen wesentlichen Stellenwert Flexibilit\u00e4t und Resilienz in der Konzeption der \u00f6sterreichischen Tourismusbranche einnehmen. Krisen haben ebenso verdeutlicht, dass Reisen, Erholung und Urlaub Grundbed\u00fcrfnisse der Menschen sind \u2013 eine Erkenntnis, die angesichts aktueller Ungewissheit auch Hoffnung f\u00fcr die Tourismuswirtschaft spendet.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielf\u00e4ltige Regionen und naturbelassene Landschaften, lebenswerte St\u00e4dte und ein reichhaltiges kulturelles Angebot pr\u00e4gen das Bild der Tourismusdestination \u00d6sterreich in der Welt. 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