{"id":171095,"date":"2022-06-13T11:56:14","date_gmt":"2022-06-13T09:56:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=171095"},"modified":"2023-08-24T01:29:33","modified_gmt":"2023-08-23T23:29:33","slug":"wie-gelingt-innovation-in-randregionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/06\/wie-gelingt-innovation-in-randregionen\/","title":{"rendered":"Wie gelingt Innovation in Randregionen?"},"content":{"rendered":"<p>Rund drei Viertel der Schweizer Fl\u00e4che sind l\u00e4ndlich gepr\u00e4gt, und ein Viertel der Bev\u00f6lkerung lebt in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen. In diesen Randgebieten sind produktivit\u00e4tsschwache Branchen wie beispielsweise die Land- und Forstwirtschaft oder das Gastgewerbe \u00fcberdurchschnittlich stark vertreten.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Um produktivit\u00e4tsst\u00e4rkere Branchen zu unterst\u00fctzen, f\u00f6rdert das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) mit der <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Standortforderung\/Broschuren\/die-neue-regionalpolitik-des-bundes.html\">Neuen Regionalpolitik<\/a> wirtschaftliche Innovation im l\u00e4ndlichen Raum.<\/p>\n<p>Doch was einleuchtend t\u00f6nt, ist in der Praxis gar nicht so einfach: Wo gelingt Innovation im l\u00e4ndlichen Raum? Wie kann Innovation unterst\u00fctzt und gest\u00e4rkt werden? Was sind die spezifischen St\u00e4rken, Schw\u00e4chen und Herausforderungen innovativer Akteure in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen? Eine Studie der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) befasst sich mit diesen Fragen, wobei die Schweiz eines von f\u00fcnf untersuchten L\u00e4ndern war.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Im September 2021 reiste eine internationale OECD-Delegation in die Schweiz, um sich vertieft mit den <a href=\"https:\/\/regiosuisse.ch\/regionale-innovationssysteme-ris\">regionalen Innovationssystemen<\/a> auseinanderzusetzen. Ein Schwerpunkt der Reise lag auf dem Kanton Jura, wo die Delegation mehrere lokale Unternehmen besuchte.<\/p>\n<p>Die Delegation zeigte sich beeindruckt von der Professionalit\u00e4t, dem Engagement und der Vielfalt der angebotenen Unterst\u00fctzung. In einem abschliessenden Bericht, in den nebst den Eindr\u00fccken vor Ort auch umfassende Datenanalysen, Literaturrecherchen und Expertengespr\u00e4che einflossen, kommt die OECD zum Schluss: Die Schweiz ist ein Land mit einer hohen Innovationsleistung sowie einer hohen Unternehmerquote. Der dezentrale Schweizer Ansatz erlaubt eine fokussierte Ausrichtung von Programmen f\u00fcr Innovation und Unternehmertum. Auch das Agrarinnovationssystem ist gem\u00e4ss der OECD hoch entwickelt, effizient und fortschrittlich.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\"><strong>Vier Empfehlungen<\/strong><\/h2>\n<p>In ihrem Bericht formuliert die OECD vier Hauptempfehlungen an die Schweiz, mit welchen die Innovation im l\u00e4ndlichen Gebiet weiter gef\u00f6rdert werden kann. Erstens empfiehlt die OECD, die Innovationst\u00e4tigkeiten in den l\u00e4ndlichen Regionen st\u00e4rker zu diversifizieren. Nebst der Exportwirtschaft gilt es auch Handel und Dienstleistungen verst\u00e4rkt mit einzubeziehen.<\/p>\n<p>Zweitens stellen demografische Ungleichheiten eine Herausforderung f\u00fcr l\u00e4ndliche Regionen dar: Die Finanzierung und die Programme f\u00fcr Innovation und Unternehmertum m\u00fcssen daher darauf eingehen \u2013 beispielsweise durch gezielte Programme f\u00fcr junge Arbeitnehmende, Frauen und Migranten sowie durch Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote f\u00fcr \u00e4ltere Arbeitnehmende in l\u00e4ndlichen Regionen.<\/p>\n<p>Drittens gilt es die Koordinationsmechanismen zu verbessern \u2013 etwa durch die Schaffung eines One-Stop-Shops, der alle von der Innovationsf\u00f6rderung angebotenen Dienstleistungen b\u00fcndelt und die Angebote weiter digitalisiert. Und schliesslich gilt es st\u00e4rker auf Daten zu setzen. Anhand von Daten lassen sich die F\u00f6rderprojekte besser \u00fcberwachen und evaluieren.<\/p>\n<p>Viertens k\u00f6nnte die Koordination zwischen der kantonalen Innovations- und Standortf\u00f6rderung sowie den kantonalen und \u00fcberregionalen landwirtschaftlichen Beratungsinstitutionen verbessert werden: Gerade an diesen Schnittstellen besteht noch ungenutztes Innovationspotenzial f\u00fcr die Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft, welche in vielen l\u00e4ndlichen R\u00e4umen nach wie vor einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\"><strong>Im Fokus: Der Kanton Jura<\/strong><\/h2>\n<p>Bei ihrem Besuch fokussierte die OECD auf den Kanton Jura, der mit den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt das Regionale Innovationssystem Basel-Jura bildet. Im Folgenden wird hier aus Sicht \u00abBasel Area Business &amp; Innovation\u00bb dargestellt, wie sich die OECD-Empfehlungen im Kanton Jura umsetzen lassen. Basel Area Business &amp; Innovation ist die Agentur f\u00fcr Standortpromotion und Innovationsf\u00f6rderung und bietet ihre Dienstleistungen im Auftrag der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura an.<\/p>\n<p>Das Wirtschaftsgef\u00fcge des Kantons Jura besteht vor allem aus Lieferanten von Maschinen sowie von Komponenten f\u00fcr die Uhrenindustrie, die Medizintechnik, die Automobil- und die Luftfahrtindustrie.<\/p>\n<p>Erstens legt Basel Area Business &amp; Innovation den Fokus auf die Innovation in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Basierend auf den St\u00e4rken der Unternehmen verfolgt die Non-Profit-Organisation damit ein doppeltes Ziel: Einerseits fokussiert sie auf diejenigen Branchen, in denen die KMU derzeit t\u00e4tig sind. Anderseits treibt sie Diversifizierung in Richtung Medizintechnik voran. So kann das Know-how der drei Kantone am besten genutzt werden.<\/p>\n<p>Zweitens setzt Basel Area Business &amp; Innovation auf lokale Partner: Dies geschieht in erster Linie \u00fcber die Verankerung des Standorts Jura des Switzerland Innovation Park Basel Area, der unter anderem durch das \u00abComit\u00e9 des Patrons\u00bb, eine Gruppe von mehr als 30 Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Kanton, unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Eine weitere Schl\u00fcsselrolle spielt drittens die Bildung. Der Kanton Jura, der \u00fcber keine Hochschulen verf\u00fcgt, k\u00e4mpft mit dem Problem, dass viele Studierende nach ihrer Ausbildung nicht mehr in ihren Heimatkanton zur\u00fcckkehren. Dies hat zur Folge, dass ein Mangel an hoch qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften besteht und nur wenige gemeinsame Innovationsprojekte von Industrie und Hochschulen zustande kommen. Der Standort Jura des Switzerland Innovation Park Basel Area beherbergt deshalb eine Vertretung der Haute Ecole Arc und des Verbandes Centre Suisse d\u2019Electronique et de Microtechnique (CSEM), was die F\u00f6rderung solcher Projekte beg\u00fcnstigt und Karrierem\u00f6glichkeiten f\u00fcr Studierende in lokalen KMU schafft.<\/p>\n<p>Viertens sollen es Reallabore erlauben, in einer experimentellen Umgebung Innovationen zu entwickeln und zu testen. Basel Area Business &amp; Innovation betreibt daher im Jura zwei F\u00f6rderprogramme und mehrere Kooperationsprojekte, um Innovationen in den drei Kantonen und dar\u00fcber hinaus zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens schliesslich bietet die Agentur ein Programm zur Unterst\u00fctzung von Unternehmerinnen an. Wie in vielen l\u00e4ndlichen Gebieten sind Frauen im Innovations-\u00d6kosystem unterrepr\u00e4sentiert. Zudem wird Basel Area Business &amp; Innovation ein Programm lancieren, das den Unternehmen hilft, die Nachhaltigkeitsanforderungen zu erf\u00fcllen. Ein Anliegen, das heutzutage bei Regierungen und Firmen ganz oben auf der Tagesordnung steht.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Mehr Infos unter: <a href=\"https:\/\/regiosuisse.ch\/monitoring-der-regionalwirtschaftlichen-entwicklung\">Regiosuisse.ch\/monitoring-der-regionalwirtschaftlichen-entwicklung<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die Studie <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/regional\/rural-development\/rural-innovation.htm\">OECD (2022): Enhancing Innovation in Rural Regions<\/a> erscheint demn\u00e4chst.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund drei Viertel der Schweizer Fl\u00e4che sind l\u00e4ndlich gepr\u00e4gt, und ein Viertel der Bev\u00f6lkerung lebt in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen. 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