{"id":172332,"date":"2022-07-12T08:34:05","date_gmt":"2022-07-12T06:34:05","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=172332"},"modified":"2023-08-24T01:30:23","modified_gmt":"2023-08-23T23:30:23","slug":"gesundheitsdaten-riesenchance-fuer-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/07\/gesundheitsdaten-riesenchance-fuer-die-schweiz\/","title":{"rendered":"Gesundheitsdaten: Riesenchance f\u00fcr die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Der Erfolg des Lifescience-Standorts Schweiz ist unmittelbar mit der zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens verkn\u00fcpft. Angesichts der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Sektors f\u00fcr die Forschung und den Aussenhandel der Schweiz steht viel auf dem Spiel.<\/p>\n<p>Immer wichtiger f\u00fcr die forschende Industrie werden anonymisierte Patientendaten aus der klinischen Praxis: Diese \u00abReal-World-Daten\u00bb werden t\u00e4glich in Spit\u00e4lern und Praxen im Rahmen von Diagnose, Therapie und Monitoring erfasst. F\u00fcr die Forschung im Bereich der Onkologie werden beispielsweise heute bereits 96 Prozent aller Daten in den Praxen generiert \u2013 in klinischen Studien dagegen nur 4 Prozent.<\/p>\n<p>Real-World-Daten er\u00f6ffnen enorme Chancen, da sie den \u00abechten\u00bb klinischen Alltag abbilden und auch Patientengruppen beinhalten, die in klinischen Studien oft untervertreten sind. Die Analyse grosser Datenmengen \u2013 etwa durch den Einsatz von k\u00fcnstlicher Intelligenz \u2013 gibt der Forschung wichtige Hinweise, um Krankheiten besser zu verstehen. Des Weiteren erm\u00f6glichen die Daten Aussagen \u00fcber langfristige Therapieerfolge oder Nebenwirkungen. So k\u00f6nnen sie klinische Studien erg\u00e4nzen oder gar ersetzen und die Entwicklung von gezielten, individualisierten Therapien voranbringen.<\/p>\n<p>Um das Potenzial von Real-World-Daten zu nutzen, m\u00fcssen Gesundheitsdaten qualitativ hochwertig erfasst und strukturiert werden. Zudem braucht es eine vernetzte digitalisierte Infrastruktur, die es erlaubt, diese anonymisierten Daten zu aggregieren, auszutauschen und zu analysieren.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Forschung findet zunehmend dort statt, wo der Zugang zu Gesundheitsdaten und entsprechenden Fachkr\u00e4ften besteht<\/span><\/p>\n<p>Aktuell erf\u00fcllt die Schweiz diese Voraussetzungen in vielerlei Hinsicht nicht. Dies f\u00fchrt zu einer kontinuierlichen Erosion der Attraktivit\u00e4t des Lifescience-Standorts. Denn: Forschung findet zunehmend dort statt, wo der Zugang zu Gesundheitsdaten und entsprechenden Fachkr\u00e4ften besteht.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sind der Vorschlag des Bundesrats zur Verbesserung der Sekund\u00e4rnutzung von Gesundheitsdaten sowie die angestrebte Gesetzesrevision zum Elektronischen Patientendossier (EPD) dringend n\u00f6tig und gehen in die richtige Richtung. Allerdings ist unklar, was nach dem parlamentarischen Prozess umgesetzt wird \u2013 und wann.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Aufbau eines Gesundheitsdaten\u00f6kosystems sind zwei Aspekte zentral: Erstens muss die Politik ein nationales Regelwerk zur F\u00f6rderung und Nutzung von Gesundheitsdaten schaffen. So gilt es zu kl\u00e4ren, unter welchen Bedingungen Universit\u00e4ten, Spit\u00e4ler und Unternehmen diese Daten in der Forschung und der Therapie nutzen d\u00fcrfen. Aus Sicht der Forschung sollten dabei H\u00fcrden abgebaut werden \u2013 beispielsweise im Rahmen eines Opt-out-Modells: Das heisst, der Patient gibt nicht die Zustimmung zum Elektronischen Patientendossier, sondern muss explizit darauf verzichten.<\/p>\n<p>Zweitens braucht es substanzielle und langfristige Investitionen in den Aufbau und die Nutzung des Daten\u00f6kosystems sowie die Schaffung von Anreizen. Beispielsweise k\u00f6nnten medizinische Leistungen nur noch dann verg\u00fctet werden, wenn die Leistungserbringer das Elektronische Patientendossier eingef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Im Rahmen von Pilotprojekten tr\u00e4gt die forschende Industrie zum Aufbau eines Daten\u00f6kosystems bei \u2013 wobei wir auf jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit sensiblen Patientendaten zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Damit wir unsere Expertise weiterhin zum Nutzen von Patienten und des Standorts Schweiz einsetzen k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Rahmenbedingungen jedoch dringend angepasst werden. Wenn uns das gemeinsam gelingt, dann sehe ich hier eine Riesenchance f\u00fcr die Schweiz.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Erfolg des Lifescience-Standorts Schweiz ist unmittelbar mit der zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens verkn\u00fcpft. Angesichts der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Sektors f\u00fcr die Forschung und den Aussenhandel der Schweiz steht viel auf dem Spiel. 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