{"id":173265,"date":"2022-07-12T07:25:59","date_gmt":"2022-07-12T05:25:59","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=173265"},"modified":"2023-08-24T01:31:12","modified_gmt":"2023-08-23T23:31:12","slug":"entscheidend-ist-was-sie-im-moment-in-die-suchzeile-eintippen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/07\/entscheidend-ist-was-sie-im-moment-in-die-suchzeile-eintippen\/","title":{"rendered":"\u00abEntscheidend ist, was Sie im Moment in die Suchzeile eintippen\u00bb"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-copy-questions\">Herr Warnking, verkauft Google Daten?<\/div>\n<p>Alle Nutzerinnen und Nutzer haben bei Google die volle Kontrolle \u00fcber ihre Daten. Wir verkaufen niemals Daten von Nutzerinnen und Nutzern. Das haben wir in der Vergangenheit nicht gemacht und machen es auch jetzt nicht. Wir werden sehr genau beobachtet, dass wir diesem Anspruch gerecht werden.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie nutzt Google die Daten dann?<\/div>\n<p>Wir bieten Werbung auf unseren eigenen und Partnerseiten an. Aber wir geben die Daten niemals an Werbetreibende. Das ist unserer Pr\u00e4misse.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie funktioniert dieses Gesch\u00e4ftsmodell?<\/div>\n<p>In erster Linie stellen wir in der Suche Informationen zur Verf\u00fcgung, diese Ergebnisse sind nicht kommerziell. Ganz oben erscheinen bei einer Google-Suche dann bis zu drei kommerzielle Anzeigen. Diese sind eindeutig als Werbung gekennzeichnet. Wenn User auf diesen Link klicken, bekommen wir eine Provision.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Abgesehen von Werbung \u2013 womit verdient Google sonst noch?<\/div>\n<p>Mit der Werbung verdienen wir global gesehen nach wie vor \u00fcber 80 Prozent. Wir haben aber auch ein stark wachsendes Cloud-Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">K\u00fcrzlich hat Google angek\u00fcndigt, dass es k\u00fcnftig keine auf Cookies basierte personalisierte Werbung mehr macht \u2013 wie \u00e4ndert das Ihr Gesch\u00e4ftsmodell?<\/div>\n<p>Das \u00e4ndert unser Gesch\u00e4ftsmodell nicht grundlegend. Denn Cookies, welche von Drittseiten hinterlegt werden, altern schnell und sind somit nicht sehr bedeutend. Entscheidend ist, was Sie im Moment in die Suchzeile eintippen. Vereinfacht gesagt, f\u00fcr die gleiche Person sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Themen relevant. Wenn Sie heute Abend Laufschuhe googeln, dann bekommen Sie Werbung f\u00fcr Laufschuhe und nicht f\u00fcr ein Mountainbike \u2013 auch wenn Sie letzte Woche nach einem Mountainbike gesucht haben.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Und wenn ich nicht will, dass Google meine Daten sammelt?<\/div>\n<p>An oberster Stelle steht f\u00fcr uns, dass Sie als User jederzeit die volle Kontrolle \u00fcber Ihre Daten haben. Sie entscheiden, welche Informationen Sie teilen wollen. Oder aber Sie k\u00f6nnen Google auch anonym nutzen oder einstellen, welche Daten wie und wie lange gespeichert werden d\u00fcrfen. Erst nach Ihrer Zustimmung nutzen wir notwendige Daten, um Ihnen und anderen Usern bessere Dienste zur Verf\u00fcgung stellen zu k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren etwa Ihre Spracheinstellungen. Aber auch komplexere wie: Welche Werbung finden Sie besonders n\u00fctzlich, und mit welchen Personen haben Sie online am h\u00e4ufigsten zu tun? Das alles findet man bei \u00abGoogle Mein Konto\u00bb.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Herr Warnking, wie gut kennt Google Sie?<\/div>\n<p>Bei Applikationen, die ich f\u00fcr die Arbeit nutze, wahrscheinlich recht gut. Aber in vielen privaten Bereichen nicht so gut, da ich mich dank der Transparenz und Kontrolle bei Google immer entscheiden kann, welche Daten ich teile und welche nicht.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Auch die SBB-App \u2013 meine Lieblings-App \u2013 bietet einen besseren Service, wenn ich den Standort aktiviere<\/span><\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Schl\u00e4gt Ihnen Google dennoch die richtigen Restaurants vor?<\/div>\n<p>Wichtiger als Restaurants ist mir meine Mobilit\u00e4t. (lacht) Ich bin viel mit dem Velo unterwegs; da ist es hilfreich, auf dem Natel meinen Standort zu teilen. Auch die SBB-App \u2013 meine Lieblings-App \u2013 bietet einen besseren Service, wenn ich den Standort aktiviere. Daten liefern hier somit einen echten Mehrwert.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Was empfehlen Sie dem Otto Normalverbraucher im Umgang mit seinen Daten?<\/div>\n<p>Vor allem ein bisschen Zeit zu investieren. Wir bieten viel Unterst\u00fctzung: umfangreiche Einstellungsm\u00f6glichkeiten, Hilfestellungen, Erinnerungen und E-Mails mit Informationen und Links. Man muss sich aber einmalig etwas einlesen, um die Optionen zu verstehen und f\u00fcr sich einzustellen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Was sind das f\u00fcr Einstellungsm\u00f6glichkeiten?<\/div>\n<p>Nehmen Sie \u00abGoogle Mein Konto\u00bb. Unser Ansatz basiert auf vier Prinzipien, die wir unseren Nutzerinnen und Nutzern zusichern: erstens Sicherheit der Daten. Zweitens volle Kontrolle \u00fcber die eigenen Daten. Drittens volle Transparenz, was mit den eigenen Daten passiert. Und viertens Medienkompetenz, was den Umgang mit Daten betrifft. Das ist unsere grundlegende Philosophie. Seit Jahren kann jeder in seinem Konto einsehen, welche Daten dort gespeichert sind, und kann sie auch l\u00f6schen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie ist Ihr eigenes Medienverhalten? Auf Datasport.com ist zu sehen, dass Sie sich f\u00fcr den Z\u00fcrich Marathon 2016 angemeldet haben, dann aber nicht mitgelaufen sind.<\/div>\n<p>(lacht) Genau. Bei verschiedenen Triathlons bin ich dann aber doch mitgelaufen. Offenbar habe ich 2016 hier konkret meine Zustimmung gegeben. Aber das ist f\u00fcr mich auch kein Problem. Ich nutze vieles, was f\u00fcr mich praktisch ist \u2013 mache das aber sehr bewusst.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie gut verkn\u00fcpft Google verschiedene Daten?<\/div>\n<p>Google kann gewisse Daten verkn\u00fcpfen, um unsere Dienste hilfreicher zu machen \u2013 aber nur, soweit das rechtlich erlaubt ist. Und nur, sofern die Nutzerinnen und Nutzer damit auch einverstanden sind. Sie entscheiden, was sie Google erlauben m\u00f6chten. Die W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse einzelner User sind hier sehr unterschiedlich.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">W\u00e4re der Algorithmus \u00f6ffentlich, w\u00e4re es m\u00f6glich, die Ergebnisse kommerziell zu beeinflussen<\/span><\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">\u00dcber die Ergebnisreihenfolge einer Google-Suche schweigt Google. Wieso?<\/div>\n<p>Prim\u00e4r geht es um Relevanz. Wir wollen, dass die relevantesten Suchergebnisse zuoberst erscheinen. W\u00e4re der Algorithmus \u00f6ffentlich, w\u00e4re es m\u00f6glich, die Ergebnisse kommerziell zu beeinflussen beziehungsweise zu manipulieren. Das wollen wir verhindern. Denn wenn unsere Suchergebnisse nicht mehr relevant sind, werden wir nicht mehr genutzt. Wir tragen eine grosse Verantwortung daf\u00fcr, dass wir so objektiv wie m\u00f6glich bleiben.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Was heisst objektiv?<\/div>\n<p>Richtig, das ist nat\u00fcrlich sehr schwierig. Insbesondere bei politischen Themen werden wir von verschiedensten Seiten genau beobachtet. Aber gerade dass wir von allen Seiten kritisiert werden, zeigt doch, dass wir hier einen guten Schweizer Kompromiss gefunden haben.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie wird der Suchalgorithmus weiterentwickelt?<\/div>\n<p>Vieles wird automatisiert verbessert \u2013 beispielsweise lernt der Algorithmus selber, ob die vorgeschlagenen Ergebnisse auch wirklich angeklickt werden. Aber nat\u00fcrlich braucht es auch eine kritische Beobachtung durch Menschen. Wir arbeiten permanent mit externen Beir\u00e4ten, Ethikern, Datensch\u00fctzern und Juristen zusammen. So haben wir zum Beispiel Kriterien f\u00fcr den Umgang mit k\u00fcnstlicher Intelligenz \u2013 unsere \u00abAI-Prinzipien\u00bb \u2013 entwickelt, an die wir uns strikt halten. Wir wollen, dass unsere Nutzerinnen und Nutzer uns vertrauen. Nur so bleiben sie uns langfristig treu.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Z\u00fcrich ist der gr\u00f6sste Google-Standort ausserhalb der USA \u2013 wieso gerade die Schweiz?<\/div>\n<p>Wir lieben die Schweiz. Die Schweiz hat Innovation in ihrer DNA \u2013 wie Google. Da gibt es eine grosse Schnittmenge. Wir sp\u00fcren, wie wichtig Innovation f\u00fcr dieses Land ist. Und wir wollen hier zusammen mit Partnern an Innovation arbeiten.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wird der Standort Z\u00fcrich weiter wachsen?<\/div>\n<p>Das hoffen wir, ja. Aber auch Google Schweiz muss sich jedes Jahr neu beweisen, mit erfolgreicher Innovation. Am Ende des Tages h\u00e4ngt es davon ab, ob die Projekte, die in Z\u00fcrich stattfinden, erfolgreich sind. Auch unsere Kolleginnen und Kollegen an anderen Standorten machen tolle Projekte.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Welche Produkte haben Sie in der Schweiz entwickelt?<\/div>\n<p>Zum Beispiel Google Maps. Das war ein Spin-off aus Luzern, das wir 2004 \u00fcbernehmen und weiterentwickeln durften. Zudem hatte die ETH eine sehr gute Kartografie und einfach sehr gute Informatiktalente. Sp\u00e4ter wurde in der Schweiz dann auch das Thema Mobilit\u00e4t in Google Maps integriert. Die SBB haben uns daf\u00fcr als weltweit erstes Unternehmen ihre Daten \u00fcber den \u00f6ffentlichen Verkehr zur Verf\u00fcgung gestellt. Heute gibt es diese Funktion in \u00fcber 80 L\u00e4ndern. Vorreiterin war die Schweiz auch bei den Velowegen auf Google Maps. Und auch an Youtube und Google Calender wird hier im Forschungs- und Entwicklungszentrum gearbeitet. Wir sind quasi ein Exportunternehmen mit Sitz in der Schweiz.<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Das Silicon Valley kann viel von der Schweiz lernen<\/span><\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Und wenn Sie Z\u00fcrich mit dem Silicon Valley vergleichen?<\/div>\n<p>Das Silicon Valley kann viel von der Schweiz lernen. Das f\u00e4ngt mit den p\u00fcnktlichen Z\u00fcgen und der Mobilit\u00e4t an. Sind Sie schon mal auf dem US Highway 101 auf dem Weg zum Google-Hauptsitz festgesteckt? Und auch das konstruktive Miteinander funktioniert in der Schweiz hervorragend. Die Schweiz ist ein starkes, \u00fcberschaubares \u00d6kosystem.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Das Magazin \u00abBilanz\u00bb hat dieses Jahr erstmals ein Innovationsranking gemacht. Google erreicht darin Platz drei, hinter Roche und Novartis. Wie f\u00fchlen Sie sich auf dem dritten Platz?<\/div>\n<p>Bei so vielen innovativen Unternehmen in der Schweiz sind wir damit sehr zufrieden. Wir schauen aber gar nicht so sehr auf Rankings. Aber nat\u00fcrlich arbeiten wir daran, dass wir innovativ bleiben.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie geht das?<\/div>\n<p>Aus meiner Sicht f\u00e4ngt Innovation beim Menschen an. Deshalb investieren wir viel in eine Unternehmenskultur, die auf Lernen und Diversit\u00e4t basiert, in der sich Menschen wohlf\u00fchlen, sich keiner \u00fcberarbeiten muss und sich jeder pers\u00f6nlich weiterentwickeln kann.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Google Schweiz hat bereits rund 5000 Mitarbeitende. Wie schaffen Sie es, dass das Unternehmen nicht schwerf\u00e4llig wird?<\/div>\n<p>Beispielsweise indem wir j\u00e4hrlich einen Wettbewerb machen, bei dem hinderliche Dinge wieder abgeschafft werden. Und: Unsere Mitarbeitenden k\u00f6nnen einen Tag pro Woche in ihre eigenen Projekte investieren. Ob diese Projekte gut sind oder nicht, entscheiden die anderen Mitarbeitenden. Wenn viele ihren Tag einem bestimmten Projekt geben, dann muss das eine richtig gute Idee sein. Wir investieren viel in basisdemokratische Prozesse und spielerischen Wettbewerb.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">In welche konkreten Projekte investieren Sie zurzeit in Z\u00fcrich?<\/div>\n<p>Momentan investieren wir viel in eigene Talente und in das Thema \u00abNachhaltiges Reisen\u00bb. Bisher konnte man auf Google Maps die verschiedenen Reisem\u00f6glichkeiten nach Dauer und Kosten vergleichen. Neuerdings kann man diese Varianten auch nach dem CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss aufschl\u00fcsseln.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie sieht es beim Unternehmen selbst mit der Nachhaltigkeit aus?<\/div>\n<p>Wir sind seit 2007 CO<sub>2<\/sub>-neutral und m\u00f6chten bis 2030 CO<sub>2<\/sub>-frei sein. Das heisst: Alle Prozesse im Unternehmen \u2013 alle Rechenzentren \u2013 sollen k\u00fcnftig CO<sub>2<\/sub>-frei funktionieren. Und zus\u00e4tzlich kompensieren wir auch unseren historischen Ausstoss bis zur\u00fcck zur Unternehmensgr\u00fcndung im Jahr 1998.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Pflanzen Sie daf\u00fcr B\u00e4ume?<\/div>\n<p>In der Vergangenheit haben wir viel kompensiert, aber in Zukunft machen wir das mittels regenerativer Energien. Zudem haben wir hier in Z\u00fcrich 1500 Veloparkpl\u00e4tze bei uns im Geb\u00e4ude geschaffen. Wir haben kaum Autoparkpl\u00e4tze in Z\u00fcrich. Aber das ist aus meiner Sicht nur das Pflichtprogramm. Viel interessanter ist der vorher erw\u00e4hnte Nachhaltigkeitsvergleich auf Google Maps. Stellen Sie sich vor: Die Website wird von \u00fcber einer Milliarde Menschen genutzt. Wenn man es hier schafft, nur bei zehn Prozent das Bewusstsein und das Mobilit\u00e4tsverhalten zu ver\u00e4ndern, dann hat das schon einen Hebel.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Warnking, verkauft Google Daten? 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