{"id":175898,"date":"2022-11-14T09:00:29","date_gmt":"2022-11-14T08:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=175898"},"modified":"2023-08-24T01:33:13","modified_gmt":"2023-08-23T23:33:13","slug":"wie-berufe-den-anforderungen-der-wirtschaft-angepasst-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/11\/wie-berufe-den-anforderungen-der-wirtschaft-angepasst-werden\/","title":{"rendered":"Wie Berufe den Anforderungen der Wirtschaft angepasst werden"},"content":{"rendered":"<p>Technologische Entwicklungen, neue digitale Hilfsmittel und ver\u00e4nderte Kundenbed\u00fcrfnisse bewirken Ver\u00e4nderungen in den Unternehmen. Diese widerspiegeln sich auch in den Berufen. In der Milchbranche zum Beispiel hat sich aus den beiden Berufen K\u00e4ser und Molkerist die Ausbildung zum Milchtechnologen entwickelt. Manche Berufe wie jene des Seilbahners und der Podologin werden totalrevidiert. Andere Berufe wie der Medizinproduktetechnologe entstehen komplett neu, genauso wie ab Sommer 2023 Entwicklerin digitales Business EFZ, ein neuer Beruf in der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Grosse Reformwelle in 2004<\/h2>\n<p>Berufslehren m\u00fcssen deshalb immer wieder an neue Entwicklungen angepasst werden. Grunds\u00e4tzlich sorgen die Organisationen der Arbeitswelt (OdA) wie Sozialpartner und Berufsverb\u00e4nde in Zusammenarbeit mit dem Bund und den Kantonen f\u00fcr die Grundlagen. Diese stellen die solide und zeitgem\u00e4sse Ausbildung in allen Berufslehren sicher.<\/p>\n<p>Die grosse Reformwelle in der beruflichen Grundbildung wurde mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes \u00fcber die Berufsbildung am 1. Januar 2004 ins Rollen gebracht. Im Reformprozess wurde jeder Berufsabschluss auf seine Aktualit\u00e4t hin \u00fcberpr\u00fcft und an die neuen gesetzlichen Grundlagen angepasst. Nun steht mit einer F\u00fcnfjahres\u00fcberpr\u00fcfung die Weiterentwicklung der Berufe im Zentrum (siehe Abbildung). Dabei handelt es sich um momentan rund 245 Berufe. Im Jahr 2004 waren es erst rund 200.<\/p>\n<p>Stellen die OdA, der Bund oder die Kantone in der F\u00fcnfjahres\u00fcberpr\u00fcfung einen Revisionsbedarf fest, wird bei kleinen Anpassungen eine Teilrevision eingeleitet. Sind einschneidende Ver\u00e4nderungen n\u00f6tig, startet eine Totalrevision. Die einzelnen Schritte im Berufsentwicklungsprozess sind durch das Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) klar vorgegeben.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Reformprozess der Berufe<\/h2>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-176802 size-full\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/11\/DV_11-22_Petrini.png\" alt=\"\" width=\"1328\" height=\"779\" srcset=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/11\/DV_11-22_Petrini.png 1328w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/11\/DV_11-22_Petrini-300x176.png 300w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/11\/DV_11-22_Petrini-1024x601.png 1024w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/11\/DV_11-22_Petrini-768x451.png 768w\" sizes=\"(max-width: 1328px) 100vw, 1328px\" \/><\/p>\n<h6 class=\"content-copy\">Quelle: SBFI \/ Die Volkswirtschaft<\/h6>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Totalrevision beim Beruf des Podologen<\/h2>\n<p>Beim Beruf des Podologen EFZ stellten die Verantwortlichen 2017 einen so grossen Ver\u00e4nderungsbedarf fest, dass eine Totalrevision notwendig war. Damit verbunden war auch eine Analyse des Berufes an sich. In Workshops sammelten, notierten und strukturierten ausgelernte Podologen ihre aktuellen beruflichen T\u00e4tigkeiten. Zudem diskutierten sie m\u00f6gliche k\u00fcnftige Ver\u00e4nderungen im Berufsfeld und deren Auswirkung auf die t\u00e4gliche Arbeit in den Podologiepraxen. Nebst der Schwierigkeit, die zentralen k\u00fcnftigen Entwicklungen zu benennen, stand dabei immer wieder die Frage im Zentrum, welche Handlungskompetenzen die Berufsleute f\u00fcr die Arbeit in den Betrieben ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Auf Grundlage der Resultate aus dem Workshop entstand das zentrale Dokument f\u00fcr den Berufsentwicklungsprozess: das <a href=\"https:\/\/www.sbfi.admin.ch\/sbfi\/de\/home\/bildung\/berufliche-grundbildung\/berufsentwicklung\/prozess\/qualifikationsprofil.html\">Qualifikationsprofil<\/a>. Kurz und b\u00fcndig werden darin das Berufsbild und das Anforderungsniveau beschrieben sowie die relevanten Handlungskompetenzen aufgelistet. F\u00fcr Podologen zum Beispiel die Handlungskompetenz \u00abOrthesen nach Mass anfertigen\u00bb. Der Prozess und die damit verbundenen Diskussionen sind emotional: Manche Workshopteilnehmende m\u00f6chten alte, lieb gewonnene T\u00e4tigkeiten vor dem Verschwinden bewahren. Aber auch die Relevanz von zuk\u00fcnftigen Entwicklungen wird oft unterschiedlich beurteilt. Lassen sich sowohl die Workshopteilnehmenden als auch die Verantwortlichen der OdA unvoreingenommen darauf ein, l\u00e4sst sich ein zukunfts- und praxisorientiertes Qualifikationsprofil erarbeiten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bildungsplan entwickeln<\/h2>\n<p>Im n\u00e4chsten Schritt entwickelte die Arbeitsgruppe der Podologen auf der Grundlage des Qualifikationsprofils den Bildungsplan. Dieser definiert auf Grundlage der Handlungskompetenzen f\u00fcr den Betrieb, f\u00fcr die \u00fcberbetrieblichen Kurse und die Berufsfachschule, was ausgebildet werden muss. Daher bestand die Gruppe aus Vertretungen der drei Lernorte. Kontroverse Diskussionen dar\u00fcber, welche Inhalte in eine zukunftsorientierte Grundbildung geh\u00f6ren, sind ein zentraler Bestandteil des Prozesses. Der Fokus liegt dabei auf den Betrieben: Was bedeutet die Umsetzung der Handlungskompetenzen konkret im beruflichen Alltag?<\/p>\n<p>Darauf aufbauend, definierte die Arbeitsgruppe die Leistungsziele f\u00fcr die \u00fcberbetrieblichen Kurse und die Berufsfachschule. Diese Leistungsziele sollen die Ausbildung im Betrieb optimal unterst\u00fctzen. Dies ist oft ein schmerzlicher Prozess, weil entschieden wird, welche \u00fcber Jahre vermittelten Lerninhalte zuk\u00fcnftig weggelassen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bildungsverordnung festlegen<\/h2>\n<p>Parallel zur Arbeit am Bildungsplan legten die Mitglieder der Schweizerischen Kommission f\u00fcr Berufsbildung und Qualit\u00e4t (B&amp;Q) die Eckwerte der Bildungsverordnung fest. Sie ist f\u00fcr jeden Beruf das zentrale Entscheidungsorgan und setzt sich aus Vertretern des Bundes, der Kantone, der Fachlehrpersonen, der \u00fcberbetrieblichen Kurse sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen zusammen. Die Kommission diskutierte die von der Bildungsplan-Arbeitsgruppe vorbereiteten Vorschl\u00e4ge zur Ausgestaltung der Abschlusspr\u00fcfung, zur Anzahl der Tage f\u00fcr \u00fcberbetriebliche Kurse und zur Gestaltung der Lektionentafel f\u00fcr den Unterricht an der Berufsfachschule. Schlussendlich trifft sie die finale Entscheidung \u00fcber die Bildungsverordnung. Sind die Bildungserlasse kontrolliert und bereinigt, erl\u00e4sst das SBFI die Dokumente, und die Umsetzung beginnt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bildungsgrundlagen umsetzen<\/h2>\n<p>Nun gilt es die erneuerte Ausbildung in den Betrieben, den \u00fcberbetrieblichen Kursen und den Berufsfachschulen einzuf\u00fchren. Nur weil es neue Bildungsgrundlagen gibt, \u00e4ndert sich die Ausbildung an den drei Lernorten nicht automatisch. Die Umsetzung braucht daher viel Zeit und Fingerspitzengef\u00fchl. Vorgegeben ist, dass die Ausbildung handlungskompetenzorientiert erfolgen soll. Dies bedeutet, dass einerseits die in Form von Handlungskompetenzen abgebildete berufliche Praxis im Vordergrund steht und nicht einzelne Lerninhalte wie beispielsweise Fachrechnen. Andererseits sind die Lernorte angehalten, ihre Ausbildung aufeinander abzustimmen. Dies geschieht, indem f\u00fcr alle Lernorte grob festgelegt wird, welche Handlungskompetenzen und Leistungsziele wann ausgebildet werden. So bilden zum Beispiel bei den Seilbahnen der Betrieb, die Berufsfachschule und die \u00fcberbetrieblichen Kurse die Handlungskompetenz \u00abBahnbetrieb sicherstellen und \u00fcberwachen\u00bb im gleichen Semester aus. F\u00fcr die Berufsfachschule bedeutet dies meist eine einschneidende Umstellung. Lehrpersonen, die bis anhin F\u00e4cher wie Materialkunde unterrichtet haben, m\u00fcssen sich auf den Unterricht nach der Struktur der Handlungskompetenzen einlassen. Dies bietet die Chance, den Unterricht praxisnah und f\u00fcr die Lernenden einfacher nachvollziehbar zu gestalten. F\u00fcr die Lehrpersonen ist es aber oft sehr aufwendig, ihren Unterricht neu aufzubauen. Die Umsetzung dauert \u00fcblicherweise drei bis vier Jahre und schliesst mit der ersten regul\u00e4ren Durchf\u00fchrung des Qualifikationsverfahrens mit Abschlusspr\u00fcfung ab.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Neue Berufe<\/h2>\n<p>Entsteht ein neuer Beruf wie beispielsweise der Medizinproduktetechnologe EFZ, l\u00e4uft der Prozess grunds\u00e4tzlich gleich ab. Anstatt einer F\u00fcnfjahres\u00fcberpr\u00fcfung steht am Anfang eine Bedarfsabkl\u00e4rung, ob der Beruf im Markt auch Bestand hat. Ist dies gegeben, kann der Prozess der Berufsentwicklung beginnen. Die Herausforderung besteht darin, diejenigen Personen f\u00fcr die Workshops zu finden, die \u00fcber die Anforderungen an den neuen Beruf am besten Bescheid wissen. Die Umsetzung ist f\u00fcr alle Beteiligten aufwendiger, da nicht auf bestehende Strukturen zur\u00fcckgegriffen werden kann. So stellt sich zum Beispiel die Frage nach Schulorten und Standorten der \u00fcberbetrieblichen Kurse. Berufsbildende m\u00fcssen von Grund auf geschult und die Abl\u00e4ufe rund um das Qualifikationsverfahren eingespielt werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Technologische Entwicklungen, neue digitale Hilfsmittel und ver\u00e4nderte Kundenbed\u00fcrfnisse bewirken Ver\u00e4nderungen in den Unternehmen. Diese widerspiegeln sich auch in den Berufen. In der Milchbranche zum Beispiel hat sich aus den beiden Berufen K\u00e4ser und Molkerist die Ausbildung zum Milchtechnologen entwickelt. Manche Berufe wie jene des Seilbahners und der Podologin werden totalrevidiert. 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Dabei f\u00f6rdert es insbesondere die Handlungskompetenzorientierung an allen Lernorten. \u00dcberdies unterst\u00fctzt das ZfB die Verbundpartner bei der digitalen Transformation sowie bei individuellen Anliegen innerhalb der Berufsbildung."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":[177460,177462],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[9757],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20221114","original_files":null,"external_release_for_author":"20221114","external_release_for_author_time":"00:02:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/63331cb678886"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/175898"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9857"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=175898"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/175898\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":177405,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/175898\/revisions\/177405"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9757"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9857"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/177462"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/177460"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/177224"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=175898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=175898"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=175898"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=175898"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=175898"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=175898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}