{"id":176090,"date":"2022-11-29T07:54:18","date_gmt":"2022-11-29T06:54:18","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=176090"},"modified":"2023-08-24T01:33:27","modified_gmt":"2023-08-23T23:33:27","slug":"der-schweizer-wohnraum-ist-in-gutem-zustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/11\/der-schweizer-wohnraum-ist-in-gutem-zustand\/","title":{"rendered":"Der Schweizer Wohnraum ist in gutem Zustand"},"content":{"rendered":"<p>Wie gut ist der bauliche Zustand des Wohnraums in der Schweiz, und wie zufrieden ist die Bewohnerschaft damit? Entspricht die Bewirtschaftung der Liegenschaften auch den Bed\u00fcrfnissen? Diese Fragestellungen sind im Zusammenhang mit der Substanzerhaltung und der Erneuerung des Wohnungsbestandes von grosser wohnungspolitischer Bedeutung.<\/p>\n<p>Im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Wohnungswesen (BWO) haben die Hochschule Luzern (HSLU) und die Hochschule Westschweiz (HES-SO) deshalb eine Studie dazu erstellt. Diese analysiert die Wohnraumthematik auf der Basis des Schweizerischen Haushalt-Panels (SHP) des Schweizerischen Kompetenzzentrums f\u00fcr Sozialwissenschaften (Fors) und der Geb\u00e4ude- und Wohnungsstatistik (GWS) des Bundesamts f\u00fcr Statistik.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Wirtschaftliche Entwicklung pr\u00e4gt das Ortsbild<\/h2>\n<p>In der Schweiz sind rund 37 Prozent der Wohngeb\u00e4ude und knapp ein Drittel der aktuell bestehenden Wohnungen vor 1960 erstellt worden und damit mindestens 60 Jahre alt. Das Alter des Geb\u00e4udebestandes einer Gemeinde wird einerseits durch strukturelle und geografische Eigenschaften wie die Gr\u00f6sse der Gemeinde, die bestehende Geb\u00e4udestruktur (eher Mehr- oder Einfamilienh\u00e4user), die Stadt\/Land-Typologie sowie die Wirtschaft und die Geschichte der Grossregion bestimmt. Andererseits spielen auch die wirtschaftliche Entwicklung und die Angespanntheit auf dem Wohnungsmarkt eine Rolle. So geht im betrachteten Zeitraum von 2000 bis 2018 eine positive wirtschaftliche Entwicklung einher mit einem geringeren relativen Anteil neuerer Geb\u00e4ude bzw. einem h\u00f6heren Anteil \u00e4lterer Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Das ist auf den ersten Blick \u00fcberraschend. Der Umstand k\u00f6nnte jedoch damit zusammenh\u00e4ngen, dass die Wirtschaft insbesondere auch dort st\u00e4rker gewachsen ist, wo bereits eine hohe Geb\u00e4udedichte bestand, beispielsweise in St\u00e4dten. Eine h\u00f6here Baut\u00e4tigkeit in einer gegebenen Zeitperiode ist gem\u00e4ss den Ergebnissen auch positiv mit der Leerwohnungsziffer in zuk\u00fcnftigen Perioden korreliert. Ab dem Jahr 2015 ist insbesondere in der Genferseeregion und der Region Z\u00fcrich relativ mehr Wohnraum erstellt worden als in anderen Grossregionen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Nur wenige Wohnr\u00e4ume in schlechtem Zustand<\/h2>\n<p>Der Zustand des Wohnraums wird im SHP-Datensatz in drei Kategorien unterteilt: \u00abneu oder frisch renoviert\u00bb, \u00abin gutem Zustand, aber nicht k\u00fcrzlich renoviert\u00bb und \u00abin schlechtem Zustand\u00bb. Die Kategorisierung basiert damit auf einer subjektiven Einsch\u00e4tzung der befragten Personen. Knapp 80 Prozent des Schweizer Wohnraums sind in einem guten Zustand, aber nicht k\u00fcrzlich renoviert, und zwischen 15 und 20 Prozent des Wohnraums sind neu oder frisch renoviert. In dieser Kategorie ist Wohnraum im Eigentum anteilsm\u00e4ssig etwas zahlreicher. In einem schlechten Zustand befinden sich rund 3 Prozent des Wohnraums, wobei hier Mietobjekte \u00fcbervertreten sind. Von Letzteren befinden sich n\u00e4mlich rund 5 Prozent in einem schlechten Zustand (siehe Abbildung 1).<\/p>\n<p>Doch welche Determinanten beeinflussen, ob jemand eher in Wohnobjekten in besserem Zustand wohnt? Die Studie zeigt: Sowohl Miet- wie auch Eigentumsobjekte von Haushalten mit h\u00f6herem Einkommen sind tendenziell in einem besseren Zustand. Auch Objekte mit weniger Zimmern sind eher in einem besseren Zustand. Nicht best\u00e4tigt werden konnte jedoch, dass Eigenheime im Stockwerkeigentum einen schlechteren Zustand aufweisen als Einfamilienh\u00e4user. Aufgrund vieler involvierter Mitspracheberechtigter beim Stockwerkeigentum w\u00e4re zu erwarten gewesen, dass Renovationen bei diesem Objekttyp schwieriger sind und der Zustand deshalb schlechter ist.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Zustand des Wohnraums von Miet- und Eigentumsobjekten in der Schweiz (2018)<\/h2>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class=\"chart chart--normal\" id=\"Seiler-Zimmermann-Wanzenried_12G-2022_Abb1_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n$(function () {\n    $('#Seiler-Zimmermann-Wanzenried_12G-2022_Abb1_DE').highcharts({     \n\nchart: {\n        type: 'bar'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['Total'\t,\n'Mietobjekte', 'Eigentumsobjekte'\t\t\n\n\n\n]\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\nmax: 100,\n        title: {\n            text: ''\n        }, labels: {\n            format: '{value}%'\n\n},\n        stackLabels: {enabled: false } ,\n    },\n    legend: {\n        reversed: true\n    },\n    plotOptions: {\n        series: {\n            stacking: 'normal'\n        }\n    },\n    \n         tooltip: {\n          valueSuffix: '%'\n   \n   \n        },\n    series: [ {\n        name: 'neu oder frisch renoviert',\n        data: [18.8\t,18.5, 19.2\n\n], color:'#327775',\n     },          {\n        name: 'guter Zustand, aber nicht k\u00fcrzlich renoviert',\n        data: [78.4, 76.8, 79.8\n\n], color:'#cccccc'\n     },   {\n        name: 'schlechter Zustand',\n        data: [2.7\t,4.7, 0.9\n\n], color:'#9c92bf'\n    }]\n});\n\n\n\n});\n\n<\/script>\n<\/div>\n<h6 class=\"content-copy\">Quelle: Schweizer Haushalt-Panel SHP \/ Die Volkswirtschaft<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Zufriedener im Eigenheim<\/h2>\n<p>Die Zufriedenheit mit dem Wohnraum wird im SHP-Datensatz mit einer Skala von 0 (\u00fcberhaupt nicht zufrieden) bis 10 (vollumf\u00e4nglich zufrieden) gemessen. \u00dcber alle analysierten Jahre betrachtet, liegt die Zufriedenheit mit dem Wohnobjekt der Bewohnerschaft im Durchschnitt bei 8,3. Dabei f\u00e4llt auf, dass Eigent\u00fcmer mit ihrem Wohnraum zufriedener sind als Mietpersonen (siehe Abbildung 2).<\/p>\n<p>Auch hier haben wir mittels Ordered-Logit-Modell die Zufriedenheit mit dem Wohnobjekt aus Sicht der Bewohnerschaft untersucht. Nicht \u00fcberraschend gilt: Es besteht ein deutlich positiver Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit mit dem Wohnraum und dessen Zustand \u2013 ob Miete oder Eigentum macht hier keinen Unterschied. Anders bei der Wohnkostenbelastung. F\u00fcr Mietende gilt dort: Ein h\u00f6herer Anteil der Wohnkosten gemessen am Einkommen korreliert negativ mit der Zufriedenheit. F\u00fcr Eigent\u00fcmer ist kein solcher Zusammenhang erkennbar. Auch die geografische Lage hat bei Mietenden mehr Einfluss auf die Zufriedenheit als bei Eigent\u00fcmern.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Zufriedenheit von Schweizer Mietern und Eigent\u00fcmern mit ihrem Wohnraum (2000\u20132018)<\/h2>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class=\"chart chart--normal\" id=\"Seiler-Zimmermann-Wanzenried_12G-2022_Abb2_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n$(function () {\n    $('#Seiler-Zimmermann-Wanzenried_12G-2022_Abb2_DE').highcharts({     \n\nchart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    subtitle: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        categories: [\n            '<b>Total<\/b>',\n            'Mietobjekte',\n            'Eigentumsobjekte'\n       \n        ],\n        crosshair: true\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\n        title: {\n            text: ''\n        },  labels: {format: '{value}'},\n    },\n    tooltip: {\n        headerFormat: '<span style=\"font-size:10px\">{point.key}<\/span><table>',\n        pointFormat: '<tr><td style=\"color:{series.color};padding:0\">{series.name}: <\/td>' +\n            '<td style=\"padding:0\"><b>{point.y:.1f}<\/b><\/td><\/tr>',\n        footerFormat: '<\/table>',\n        shared: true,\n        useHTML: true\n    },\n    plotOptions: {\n        column: {\n            pointPadding: 0.2,\n            borderWidth: 0\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Mittelwert',\n        data: [8.3, 7.8, 8.8]\n\n    }, {\n        name: 'Median',\n        data: [8.2, 8.0, 9.2]\n\n        }]\n});\n\n});\n<\/script>\n<\/div>\n<h6 class=\"content-copy\">Anmerkung: Skala von 0 (\u00fcberhaupt nicht zufrieden) bis 10 (vollumf\u00e4nglich zufrieden). Keine Daten f\u00fcr die Jahre 2004\u20132012.<\/h6>\n<h6 class=\"content-copy\">Quelle: Schweizer Haushalt-Panel SHP \/ Die Volkswirtschaft<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Mietobjekte werden schneller renoviert<\/h2>\n<p>Bei den Renovationst\u00e4tigkeiten zeigt sich, dass Mietobjekte schneller renoviert werden als Eigenheime. Zudem spielt die Lage bei der Renovationsgeschwindigkeit eine wichtigere Rolle als bei Eigenheimen. Bei urban gelegenen Objekten wird l\u00e4nger zugewartet als bei l\u00e4ndlich gelegenen Objekten. Dies erstaunt wenig, da Mietobjekte generell st\u00e4rker dem Markt ausgesetzt sind als Eigenheime. Unabh\u00e4ngig davon, ob Mietobjekte oder Eigentum, gilt jedoch: Kleinere Wohnungen mit weniger Zimmern werden schneller saniert als gr\u00f6ssere Wohnungen. Zudem ist wenig erstaunlich, dass bei Unterk\u00fcnften, in denen mehr Personen pro Zimmer leben, schneller renoviert wird als bei kleineren Haushalten.<\/p>\n<p>Nach der Renovation sind im Durchschnitt dann sowohl die Eigent\u00fcmer wie auch die Mieterschaft zufriedener mit dem Wohnobjekt als vor der Renovation. Wobei: Bei Mietenden steigt die Zufriedenheit st\u00e4rker als bei Eigent\u00fcmern. Die Ver\u00e4nderung der Wohnkostenbelastung, welche durch die Renovation allf\u00e4llig hervorgerufen wird, hat jedoch keinen Einfluss auf die Zufriedenheitsver\u00e4nderung. Daraus kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Renovationen generell bed\u00fcrfnisorientiert sind, sofern das von uns benutzte Modell alle relevanten Faktoren beinhaltet.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Zukunftsthema Geb\u00e4udesanierungen<\/h2>\n<p>Mit den \u00f6kologischen Herausforderungen d\u00fcrften in Zukunft die Investitionen in den Erhalt und die Erneuerung von Wohnimmobilien an Bedeutung gewinnen. Denn gem\u00e4ss der Schweizerischen Energiestiftung (SES) beansprucht der Schweizer Geb\u00e4udepark gut 45 Prozent des Prim\u00e4renergieverbrauchs und ist f\u00fcr 24 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Mit entsprechenden Massnahmen soll es gem\u00e4ss SES bis 2050 m\u00f6glich sein, den Energieverbrauch bei Geb\u00e4uden zu halbieren.<\/p>\n<p>Damit dies gelingen kann, ist ein gutes Verst\u00e4ndnis der Kosten- und Nutzeneffekte der Massnahmen notwendig. Dazu ist es wichtig, dass im Vergleich zu heute die Datenqualit\u00e4t deutlich verbessert wird. Erst so lassen sich die zugrunde liegenden Zusammenh\u00e4nge etwa zwischen Investitionen in Geb\u00e4ude und den daraus resultierenden energetischen Auswirkungen \u00fcberhaupt analysieren und damit besser verstehen. Dies ist wichtig im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben und die Anreizmechanismen an die Adresse der Immobilieneigent\u00fcmer und -investoren.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Seiler Zimmermann, Yvonne und Wanzenried, Gabrielle (2022). <a href=\"https:\/\/www.bwo.admin.ch\/bwo\/de\/home\/wie-wir-wohnen\/studien-und-publikationen\/zustand-wohnraum.html\">Zustand des Wohnraums in der Schweiz aus der Sicht der Bewohnerschaft<\/a>. Bundesamt f\u00fcr Wohnungswesen, Bern.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gut ist der bauliche Zustand des Wohnraums in der Schweiz, und wie zufrieden ist die Bewohnerschaft damit? Entspricht die Bewirtschaftung der Liegenschaften auch den Bed\u00fcrfnissen? Diese Fragestellungen sind im Zusammenhang mit der Substanzerhaltung und der Erneuerung des Wohnungsbestandes von grosser wohnungspolitischer Bedeutung. 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