{"id":178457,"date":"2023-01-31T07:02:28","date_gmt":"2023-01-31T06:02:28","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=178457"},"modified":"2023-08-24T01:36:20","modified_gmt":"2023-08-23T23:36:20","slug":"von-der-grossfamilie-zum-einpersonenhaushalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/01\/von-der-grossfamilie-zum-einpersonenhaushalt\/","title":{"rendered":"Von der Grossfamilie zum Einpersonenhaushalt"},"content":{"rendered":"<p>Wohnen ist teuer, allein wohnen ein Luxusgut. Dennoch sind Einpersonenhaushalte heute in der Schweiz die am st\u00e4rksten verbreitete Haushaltsform. Insgesamt machen sie gut ein Drittel aus. 1930 bestand gerade mal gut jeder zw\u00f6lfte Haushalt aus nur einer Person. Hingegen gab es damals im Vergleich zu heute anteilsm\u00e4ssig fast sechsmal so viele Haushalte mit mindestens f\u00fcnf Personen (siehe Abbildung 1). Der grosse Umschwung erfolgte in den 1960er- und 1970er-Jahren und zog sich bis zur Jahrhundertwende weiter.<\/p>\n<p>Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein Grund f\u00fcr die Zunahme der Einpersonenhaushalte, die verst\u00e4rkt ab den 1960er-Jahren einsetzt. Hinzu kommt die ver\u00e4nderte Rolle der Frau in der Gesellschaft, insbesondere der verbesserte Bildungszugang der Frauen, der ihnen die M\u00f6glichkeit zur wirtschaftlichen Selbstst\u00e4ndigkeit und damit zum selbst bestimmten Wohnen gibt. Dies zeigt sich bei den heute \u00e4lteren Frauen: Die \u00fcber 65-J\u00e4hrigen, die einen akademischen Abschluss aufweisen, sind rund dreimal h\u00e4ufiger ledig als Frauen mit tieferem Bildungsstand (Stand 2015). Insgesamt machen ledige Personen knapp die H\u00e4lfe der rund 1,4 Millionen Einpersonenhaushalte in der Schweiz aus (Stand 2020).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Entwicklung der Haushaltsgr\u00f6ssen in der Schweiz (1920\u20132021)<\/h2>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"02T-2023_Willimann_Abb1_de\"><\/div>\n<script>\n$(function () {\n    $('#02T-2023_Willimann_Abb1_de').highcharts({\n   chart: {\n                type: 'column'\n            },\n    \n            title: {\n                text: ''\n            },\nlegend: {\nreversed: true\n},\n    \n            xAxis: {\n                categories: ['1920','1930','1960','1970','1980','1990','2000','2012','2021']\n            },\n    \n            yAxis: {\n                allowDecimals: false,\n                title: {\n                    text: ''\n                },\n                max: 100, \/\/ Setzt das Maximum der y-Achse auf 100\nlabels: {formatter: function() {\n\t                    \t   if(this.value <= 100) {\n\t\t                    \t   return this.value + '%';\n}\n}\n},\n                stackLabels: {\n                    enabled: true,\n                    formatter: function() {\n                        return  this.stack;\n                    }\n                }\n            },\n    \n            tooltip: {\n                formatter: function() {\n                    return '<b>'+ this.x +'<\/b><br\/>'+\n                        this.series.name +': '+ this.y +'%<br\/>';\n\n                }\n            },\n    \n            plotOptions: {\n                column: {\n                    stacking: 'normal'\n                }\n            },\n    \n            series: [ {\n                name: '5 Personen und mehr',\n                data: [38.48,32.45,21.22,15.73,9.13,6.49,6.28,6.25,5.41],\n                stack: '',\n                   color:\"#327775\"\n            },{\n                name: '4 Personen',\n                data: [17.56,18.35,17.18,16.91,16.41,14.54,13.16,12.9,12.31],\n                stack: '',\n                   color:\"#7ea8a7\"\n                                \n            },{\n                name: '3 Personen',\n                data: [18.68,20.95,20.61,19.27,15.79,14.93,12.94,13.3,12.76],\n                stack: '',\n                    color:\"#b4a9ce\"\n                                \n            },{\n                name: '2 Personen',\n                data: [16.74,19.75,26.8,28.46,29.68,31.66,31.65,32.56,32.7],\n                stack: '',\n                color:\"#887db1\"\n                                \n            },{\n                name: '1 Person',\n                data: [8.55,8.5,14.2,19.64,29,32.38,35.98,35,36.82],\n                stack: '',\n                 color:\"#655c99\"\n                \n                \n            }  ]\n        });\n\n});\n<\/script>\n<h6 class=\"content-copy\">Quelle: BFS, eidg. Volksz\u00e4hlung und Statpop \/ Die Volkswirtschaft<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Stark steigende Scheidungsrate<\/h2>\n<p>Die gest\u00e4rkte Selbstbestimmung der Frauen und das h\u00f6here Wohlstandsniveau widerspiegeln sich auch in der Scheidungsrate. Ab 1967 beginnt diese in der Schweiz stark anzusteigen: 1990 gibt es j\u00e4hrlich zwei Scheidungen pro 1000 Einwohner, doppelt so viele wie in den 1960er-Jahren. Scheidungen f\u00fchren in der Regel zu einer Aufsplittung von Haushalten und so zu mehr Einpersonenhaushalten. In rund einem F\u00fcnftel aller Einpersonenhaushalte in der Schweiz leben geschiedene Personen.<\/p>\n<p>Zum hohen Anteil an Kleinhaushalten leistet auch die demografische Alterung ihren Beitrag. Noch 1970 waren 11,5 Prozent der Bev\u00f6lkerung \u00fcber 65 Jahre alt. 50 Jahre sp\u00e4ter betr\u00e4gt dieser Anteil bereits 18,8 Prozent. Der Anteil der \u00fcber 80-j\u00e4hrigen Personen verdreifachte sich von 1,8 auf 5,3 Prozent. Im Jahr 2020 wohnten neun von zehn der \u00fcber 65-j\u00e4hrigen Personen allein oder zu zweit, wobei mit steigendem Alter der Anteil an Einpersonenhaushalten stark zunimmt. 35 Prozent der allein wohnenden Personen sind \u00fcber 65 Jahre alt und 19 Prozent verwitwet.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bildung der Frau senkt Geburtenrate<\/h2>\n<p>Ab Mitte der 1960er-Jahre nimmt die Geburtenrate stark ab. Bis dahin kamen nach dem Zweiten Weltkrieg pro 1000 Einwohner und Jahr durchschnittlich 18 Kinder zur Welt. Innerhalb von zehn Jahren sank diese Quote auf rund 12 Geburten (siehe Abbildung 2). Oft ist dabei vom sogenannten Pillenknick die Rede. Die aufkommende M\u00f6glichkeit zur hormonellen Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung spielt aber nicht die entscheidende Rolle. Viel wichtiger ist auch hier die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Denn infolge der l\u00e4ngeren Ausbildungsdauer von Frauen beginnt die Mutterschaft im Schnitt sp\u00e4ter \u2013 heute durchschnittlich mit rund 31 Jahren<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p>Zudem nimmt in einer immer urbaneren und wohlhabenderen Gesellschaft der Wunsch nach einer grossen Kinderzahl ab. 2020 hatten in der Schweiz 43 Prozent der Familien ein Kind, 42 Prozent zwei Kinder und 15 Prozent drei oder mehr Kinder<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>. Dies war 1950 noch anders. Das Statistische Jahrbuch der Schweiz aus dem Jahr 1954 fasst Ergebnisse aus der Volksz\u00e4hlung 1950 zusammen. Die darin enthaltene Familienstatistik zeigt, dass 44 Prozent der M\u00fctter bereits drei oder mehr Kinder zur Welt brachten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Geburtenrate in der Schweiz (1880\u20132020) sowie in den Kantonen Bern und Luzern (1971\u20132020)<\/h2>\n<div class='chart chart--normal' id=\"02T-2023_Willimann_Abb2_de\">\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#02T-2023_Willimann_Abb2_de').highcharts({\n    chart: {\n                type: 'line'\n            },\n    \n            title: {\n        text: ''\n    },\n\n    xAxis: {\n                categories: ['1880','1881','1882','1883','1884','1885','1886','1887','1888','1889','1890','1891','1892','1893','1894','1895','1896','1897','1898','1899','1900','1901','1902','1903','1904','1905','1906','1907','1908','1909','1910','1911','1912','1913','1914','1915','1916','1917','1918','1919','1920','1921','1922','1923','1924','1925','1926','1927','1928','1929','1930','1931','1932','1933','1934','1935','1936','1937','1938','1939','1940','1941','1942','1943','1944','1945','1946','1947','1948','1949','1950','1951','1952','1953','1954','1955','1956','1957','1958','1959','1960','1961','1962','1963','1964','1965','1966','1967','1968','1969','1970','1971','1972','1973','1974','1975','1976','1977','1978','1979','1980','1981','1982','1983','1984','1985','1986','1987','1988','1989','1990','1991','1992','1993','1994','1995','1996','1997','1998','1999','2000','2001','2002','2003','2004','2005','2006','2007','2008','2009','2010','2011','2012','2013','2014','2015','2016','2017','2018','2019','2020']\n            },\n          \n yAxis: {\n         title: {\n            text: 'Geburten je 1000 Einwohner'\n        }\n    },\n    tooltip: {\n                formatter: function() {\n                    return '<b>'+ this.x +'<\/b><br\/>'+\n                        this.series.name +': '+ this.y +'%<br\/>';\n\n                }\n            },\n  \n\n    series: [{\n        name: 'Schweiz',\n        data: [29.6,29.9,28.9,28.5,28.3,27.8,27.8,27.9,27.7,27.5,26.4,27.9,27.4,27.7,27.2,27.2,28,28.1,28.3,28.8,28.4,28.8,28.3,27.2,27.1,26.8,26.7,26.1,26.2,25.4,24.9,24.2,24.2,23.4,22.7,19.6,19,18.6,18.8,18.6,20.9,20.7,19.4,19.1,18.5,18.2,18,17.3,17.2,17,17.2,16.7,16.7,16.3,16.2,15.9,15.5,14.8,15.1,15,15,16.7,18.2,19,19.5,20,19.8,19.3,19,18.3,18,17.1,17.2,16.9,16.8,17,17.2,17.6,17.5,17.6,17.6,18,18.5,19.1,19.4,19,18.4,17.8,17.2,16.6,16,15.4,14.5,13.8,13.3,12.4,11.8,11.6,11.4,11.4,11.6,11.6,11.7,11.5,11.6,11.5,11.7,11.7,12.1,12.2,12.4,12.6,12.6,12,11.8,11.6,11.7,11.4,11.1,10.9,10.9,10,9.9,9.8,9.9,9.8,9.8,9.8,10,10.1,10.2,10.2,10.2,10.2,10.4,10.4,10.4,10.3,10.3,10,9.9\n], \ncolor:\"#666666\"\n    }, {\n        name: 'Kanton Bern',\n        data: [null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,14.7,14,13.2,12.8,11.9,11.5,11.2,11.1,11.1,11.2,11.4,11.3,11.1,11,11,11.1,10.9,11.7,11.4,11.7,11.8,11.8,11.1,11.2,11,11,10.4,10.2,10.1,9.9,9.1,8.9,8.8,9.1,9,8.9,9.1,9.3,9.4,9.6,9.5,9.7,9.6,9.6,9.9,9.9,9.8,9.8,9.6,9.5\n\n], \ncolor:\"#327775\"\n    },{\n        name: 'Kanton Luzern',\n        data: [null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,null,17.7,16.3,15.2,14.2,13.7,13.1,13,12.7,12.4,12.9,12.6,13.4,13,13.3,12.8,13.3,13.2,13.5,13.5,14.1,14.1,14,13.6,12.9,12.9,13.1,12.4,11.8,12.1,11.2,9.9,10,9.7,9.8,9.6,10,10,10.3,10.3,10.4,10.6,10.6,10.4,10.5,10.5,10.6,10.8,10.8,10.5,10.4\n], \ncolor:\"#655c99\"\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<h6 class=\"content-copy\">Quelle: BFS, eigene Berechnungen des Autoren \/ Die Volkswirtschaft<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Konfession pr\u00e4gte Geburtenrate<\/h2>\n<p>Die bisherigen Ausf\u00fchrungen zeigen: Die Stellung der Frau in der Gesellschaft spielt eine zentrale Rolle, wenn es um den R\u00fcckgang der Haushaltgr\u00f6ssen geht. Insofern \u00fcberrascht es nicht, dass sich eher konservative katholisch gepr\u00e4gte Kantone anders entwickelt haben als tendenziell liberale reformierte Kantone. Gem\u00e4ss der Familienstatistik von 1950 hatten im \u00abkatholischen\u00bb Kanton Luzern 14 Prozent der Ehefrauen mindestens sechs Kinder. Im \u00abreformierten\u00bb Kanton Bern war dieser Anteil nur halb so hoch.<\/p>\n<p>Noch eindr\u00fccklicher sind die Unterschiede im Appenzellerland: Im \u00abkatholischen\u00bb Innerrhoden gebar jede vierte Ehefrau mindestens sechs Kinder, im \u00abreformierten\u00bb Ausserrhoden war dieser Anteil ein Drittel so hoch. Die Geburtenraten der Kantone haben sich seither angen\u00e4hert, dies auch, weil die Konfessionen in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung eingeb\u00fcsst haben (siehe Abbildung 2).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Kleinere Wohnungen in den St\u00e4dten<\/h2>\n<p>Die Entwicklung der Haushaltsgr\u00f6ssen in der Schweiz ist auch die Geschichte einer urbaner werdenden Schweiz. Eine dichtere Besiedlung in den St\u00e4dten und den wachsenden Agglomerationen f\u00fchrt dabei tendenziell zu kleineren Haushalten. In den St\u00e4dten fand seit 1970 grunds\u00e4tzlich dieselbe Entwicklung in Richtung Kleinhaushalte statt wie auf dem Land, allerdings auf einem tieferen Niveau. Grosse Haushalte mit mindestens f\u00fcnf Personen waren schon 1970 die Ausnahme. In den St\u00e4dten Z\u00fcrich, Basel und Bern betrug der Anteil damals 7 bis 8 Prozent, im Vergleich zu den 16 Prozent schweizweit. Bis ins Jahr 1980 ging dieser Anteil in allen drei St\u00e4dten auf 3 Prozent zur\u00fcck. Gleichzeitig stieg der Anteil an Ein- und Zweipersonenhaushalten von rund 60 Prozent im Jahr 1970 auf 80 Prozent im Jahr 2000.<\/p>\n<p>Ein Grund f\u00fcr die kleineren Haushaltsgr\u00f6ssen in der Stadt liegt in der Wohnungsstruktur. Denn in den St\u00e4dten ist der Anteil kleiner Wohnungen in der Regel deutlich h\u00f6her. \u00dcber 70 Prozent der Wohnungen in Z\u00fcrich, Basel und Bern haben drei oder weniger Zimmer, landesweit sind es hingegen weniger als 50 Prozent.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Wohnfl\u00e4chenkonsum w\u00e4chst<\/h2>\n<p>Die Entwicklung der Haushaltsgr\u00f6ssen widerspiegelt den wirtschaftlichen Wandel von einer l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Agrargesellschaft hin zu einer urbanen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft. Sie widerspiegelt ebenso, wie das Patriarchat zu br\u00f6ckeln beginnt und die Selbstbestimmung der Frauen zunimmt. Das erst 1971 eingef\u00fchrte nationale Frauenstimmrecht steht dabei sinnbildlich f\u00fcr den lang andauernden gesellschaftlichen Prozess, den die Schweiz durchl\u00e4uft. Des Weiteren sind die sich ann\u00e4hernden demografischen Entwicklungen in den Kantonen ein Abbild einer zunehmend s\u00e4kularisierten Gesellschaft. Alle diese Punkte zeigen: Es gibt mehrere Gr\u00fcnde f\u00fcr die immer kleiner werdenden Haushalte. Zudem sind sie Ausdruck eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungsprozesses \u2013 der auch Herausforderungen mit sich bringt.<\/p>\n<p>So gilt etwa der hohe Anteil an Einpersonenhaushalten als wichtige Ursache daf\u00fcr, dass sich in der Schweiz gem\u00e4ss Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) gut jede dritte Person einsam f\u00fchlt (<a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bevoelkerung\/migration-integration\/integrationindikatoren\/indikatoren\/einsamkeitsgefuehl.html\">Stand 2017<\/a>). Denn allein zu wohnen, erfordert ein h\u00f6heres Mass an Eigeninitiative, um soziale Kontakte zu pflegen. Dazu sind nicht alle Menschen gleich gut in der Lage, im Alter teilweise auch aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die starke Zunahme der Kleinhaushalte ist zudem auch raumplanerisch relevant. Zwischen 1985 und 2018 nahmen die Fl\u00e4chen der Wohnareale insgesamt um 61 Prozent zu, die Bev\u00f6lkerungszahl hingegen nur um 32 Prozent. Mit ein Grund hierf\u00fcr ist die Zunahme der Kleinhaushalte. Denn der Pro-Kopf-Wohnfl\u00e4chenkonsum bei Einpersonenhaushalten betr\u00e4gt in der Schweiz durchschnittlich 80 m<sup>2<\/sup>, bei Zweipersonenhaushalten sind es 54 m<sup>2<\/sup> und in Haushalten mit mindestens drei Personen nur noch 32 m<sup>2<\/sup>.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Neue Konzepte f\u00fcr Wohn- und Siedlungsformen m\u00fcssen diese ver\u00e4nderten Haushaltsgr\u00f6ssen mit einbeziehen. Dass es bereits solche neuen Wohnformen gibt, zeigen die Beispiele Generationenwohnen und flexible Wohnstrukturen oder Sharing-Ans\u00e4tze im Wohnbereich. Noch sind dies Nischenangebote. Gute L\u00f6sungen k\u00f6nnen aber einen wertvollen Beitrag zu den genannten raumplanerischen und sozialen Herausforderungen stiften.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/bevoelkerung\/geburten-todesfaelle\/fruchtbarkeit.assetdetail.23329262.html\">Bfs.admin.ch<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Eigene Berechnungen des Autors basierend auf Registerdaten: <a href=\"http:\/\/www.hslu.ch\/wohnkalkulator\">Hslu.ch\/wohnkalkulator.<\/a>&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Eigene Berechnungen des Autors basierend auf Registerdaten mittels <a href=\"http:\/\/www.hslu.ch\/wohnkalkulator\">Hslu.ch\/wohnkalkulator<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohnen ist teuer, allein wohnen ein Luxusgut. Dennoch sind Einpersonenhaushalte heute in der Schweiz die am st\u00e4rksten verbreitete Haushaltsform. Insgesamt machen sie gut ein Drittel aus. 1930 bestand gerade mal gut jeder zw\u00f6lfte Haushalt aus nur einer Person. 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