{"id":179220,"date":"2023-02-09T07:18:22","date_gmt":"2023-02-09T06:18:22","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=179220"},"modified":"2023-08-24T01:36:31","modified_gmt":"2023-08-23T23:36:31","slug":"freihandelsabkommen-unternehmen-unterstuetzen-aber-wie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/02\/freihandelsabkommen-unternehmen-unterstuetzen-aber-wie\/","title":{"rendered":"Freihandels\u00adabkommen: Unternehmen unterst\u00fctzen \u2013 aber wie?"},"content":{"rendered":"<p>Freihandelsabkommen (FHA) regeln unter anderem den Zollabbau beim Warenhandel zwischen zwei oder mehreren Staaten. Schweizer Unternehmen profitieren jedoch nicht automatisch von den reduzierten Zollans\u00e4tzen. Vielmehr m\u00fcssen sie verschiedene Voraussetzungen erf\u00fcllen. Dazu z\u00e4hlt etwa die Einhaltung der sogenannten Ursprungsregeln. Diese verlangen, dass die G\u00fcter zu einem gen\u00fcgend grossen Anteil in der Schweiz hergestellt werden. Andernfalls bezahlen die Unternehmen trotz bestehendem FHA den regul\u00e4ren Zoll.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Verschiedene \u00f6ffentliche und private Anbieter wie das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco), das Bundesamt f\u00fcr Zoll und Grenzsicherheit (BAZG), der Exportf\u00f6rderer Switzerland Global Enterprise (S-GE) oder die kantonalen Handelskammern unterst\u00fctzen die Unternehmen mit Informationen und Anleitungen dabei, die FHA zu nutzen. Doch oft bieten sie nicht die praxisnahe Hilfe, die sich die Unternehmen w\u00fcnschen. Dies haben die Firmenbefragungen des Seco aus den Jahren <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/10\/freihandelsabkommen-importeure-zahlen-zu-viel-zoll\/\">2021<\/a> und <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2022\/11\/schweizer-exporteure-nutzen-freihandelsabkommen\/?v\">2022<\/a> ergeben.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Vielf\u00e4ltiges Informationsangebot mit Verbesserungspotenzial<\/h2>\n<p>Im Februar 2022 ver\u00f6ffentlichte der Bundesrat eine <a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/gov\/de\/start\/dokumentation\/medienmitteilungen.msg-id-87208.html#:%7E:text=Um%20eine%20dauerhafte%20Erholung%20der,St%C3%A4rkung%20des%20Wirtschaftsstandorts%20Schweiz%C2%BB%20aufzeigt.\">Gesamtschau<\/a> zur St\u00e4rkung des Wirtschaftsstandorts Schweiz. Darin beauftragte er das Departement f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung, zu pr\u00fcfen, ob \u2013 und gegebenenfalls wie \u2013 die Nutzung von FHA f\u00fcr die Wirtschaftsakteure vereinfacht und verbessert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Das Beratungsunternehmen EY Schweiz hat f\u00fcr das Seco eine entsprechende <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/dam\/seco\/de\/dokumente\/Aussenwirtschaft\/Wirtschaftsbeziehungen\/Warenverkehr\/nutzung_freihandelsabkommen\/seco_studie_verbesserung_nutzung_fha.pdf.download.pdf\/Studie_Massnahmen_Verbesserung_der_Nutzung_FHA.pdf\">Studie<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/a> erarbeitet. Die Autoren haben dazu das bestehende Informationsangebot analysiert sowie 45 Interviews mit Experten und Wirtschaftsvertretern gef\u00fchrt. Ausl\u00e4ndische Informationsangebote dienten als Vergleichsbasis.<\/p>\n<p>Die Studie zeigt: Das aktuelle inl\u00e4ndische Beratungsangebot zur Nutzung von FHA ist vielf\u00e4ltig. Es umfasst unter anderem Fachbeitr\u00e4ge auf Websites (wie etwa beim <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Aussenwirtschaftspolitik_Wirtschaftliche_Zusammenarbeit\/Wirtschaftsbeziehungen\/Freihandelsabkommen.html\">Seco<\/a>), Webinare (beispielsweise von <a href=\"https:\/\/www.s-ge.com\/de\/event\/webinar\/freihandelsabkommen-neuerungen-und-updates\">S-GE<\/a>), Seminare (etwa der <a href=\"https:\/\/www.ihz.ch\/netzwerk-anlaesse\/anlaesse\/detail\/freihandel-20230314\/\">Handelskammern<\/a>) oder E-Learnings wie die des <a href=\"https:\/\/www.bazg.admin.ch\/bazg\/de\/home\/dokumentation\/e-learning.html\">BAZG<\/a>.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Zudem gibt es Tools wie zum Beispiel die <a href=\"https:\/\/www.s-ge.com\/de\/zolldatenbank-zolltarife-weltweit\">Zolldatenbank<\/a> von S-GE, die Zollans\u00e4tze von mehr als 160 L\u00e4ndern sowie die Ursprungsregeln der FHA der Schweiz\/Efta listet, oder den elektronischen Zolltarif \u00ab<a href=\"https:\/\/xtares.admin.ch\/tares\/login\/loginFormFiller.do;jsessionid=pmaWu3BYq_mC0K83Dvr28Pn6-SDMgwmKHw5yC0gku4wJxHT7ebbg!74752862\">Tares<\/a>\u00bb des BAZG, welcher \u00fcber die Schweizer Zollans\u00e4tze informiert. Insgesamt decken die nationalen Unterst\u00fctzungsangebote viele Informationen ab, die f\u00fcr ein Unternehmen zur Nutzung von Zolleinsparungen relevant sind. Die Analyse zeigt aber auch Verbesserungspotenzial beim bestehenden Angebot.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Firmen m\u00f6chten Vereinfachung<\/h2>\n<p>Doch wie genau k\u00f6nnte eine Verbesserung aussehen? Interviews mit Unternehmen, Spediteuren, Handelskammern und Wirtschaftsverb\u00e4nden ergaben, dass die bestehenden Informationsangebote trotz vieler guter Elemente oftmals un\u00fcbersichtlich und zu wenig benutzerfreundlich sind. Zudem sind gewisse Informationen nur schwer auffindbar.<\/p>\n<p>Dies wiegt umso schwerer, als die Anwendung von FHA komplex ist. Viele der Befragten gaben an, dass das Wissen darum, wie man ein FHA nutzt, im Selbststudium angeeignet werden m\u00fcsse. Das macht den Gebrauch von FHA insbesondere f\u00fcr unerfahrene Anwender schwierig. Auch die \u00fcber viele verschiedene Websites verteilten Informationen sowie die Fachsprache machen die Anleitungen schwer verst\u00e4ndlich. Zudem fehlen laut Wirtschaftsvertretern branchenspezifische Unterst\u00fctzungsangebote, praktische Anwendungsbeispiele mit Musterl\u00f6sungen, beispielsweise zum Nachweis der Ursprungsregeln, oder direkte Kontaktm\u00f6glichkeiten bei Fragen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Empfohlene Verbesserungen<\/h2>\n<p>Mit einer Gap-Analyse hat EY Schweiz das bestehende mit demjenigen Angebot verglichen, das von den Wirtschaftsvertretern gew\u00fcnscht wird. Daraus abgeleitet, schl\u00e4gt die Studie unterschiedlich aufwendige Ans\u00e4tze zur Verbesserung vor und empfiehlt, mit h\u00f6chster Priorit\u00e4t diejenigen Ans\u00e4tze umzusetzen, welche mit wenig Ressourcenaufwand eine vergleichsweise hohe Wirkung erzielen.<\/p>\n<p>Eine solche Massnahme mit geringem Aufwand w\u00e4re etwa, die Sichtbarkeit zu erh\u00f6hen, indem besonders wichtige Informationen auf den Websites der Anbieter sichtbarer platziert oder mittels Newslettern besser bekannt gemacht werden.<\/p>\n<p>Zu den empfohlenen Verbesserungen mit mittlerem Aufwand z\u00e4hlen beispielsweise didaktisch ansprechende Erkl\u00e4rvideos, in denen verbale Ausf\u00fchrungen mit visuellen Elementen untermalt werden, oder ein Entscheidungsbaum, der die Angebote \u00fcbersichtlicher macht (siehe Kasten). Sinnvoll k\u00f6nnten auch branchenspezifische Seminare oder kurze E-Learnings zu komplexen Themen sein.<\/p>\n<p>Eine Verbesserung mit hohem Aufwand w\u00e4re etwa die grunds\u00e4tzliche \u00dcberarbeitung des Webdesigns der Bundeswebsites. Dabei k\u00f6nnte die Benutzerfreundlichkeit erh\u00f6ht oder gar ein neues Informationsportal erstellt werden. Ein solches k\u00f6nnte modular auf- und ausgebaut werden. Das h\u00e4tte den Vorteil, dass die Unterst\u00fctzungsangebote an einem Ort zentralisiert werden.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Studie zeigen: Die Nutzung von FHA ist komplex. Gleichzeitig erschwert die heute un\u00fcbersichtliche Informationsaufbereitung deren Nutzung durch die Unternehmen. Eine Weiterentwicklung des Informations- und Unterst\u00fctzungsangebots, wie in der Studie von EY Schweiz empfohlen, k\u00f6nnte diese Schwierigkeiten verringern. Die in der Studie erarbeiteten Empfehlungen unterst\u00fctzen die Entscheidungstr\u00e4ger bei der Konkretisierung vorgeschlagener Massnahmen. Letztlich k\u00f6nnte so ein \u00fcbersichtliches und zentralisiertes Angebot entstehen, mit dem Schweizer Unternehmen dank FHA einfacher Z\u00f6lle einsparen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Aussenwirtschaftspolitik_Wirtschaftliche_Zusammenarbeit\/Wirtschaftsbeziehungen\/Freihandelsabkommen\/nutzung_freihandelsabkommen.html#accordion1671090948542\">Nutzung von FHA<\/a> auf Seco.admin.ch.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\"><\/a>EY Schweiz (2022). Studie zu Massnahmen zur Verbesserung der Nutzung von Freihandelsabkommen. Im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft Seco. 21. Dezember.<a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/dam\/seco\/de\/dokumente\/Aussenwirtschaft\/Wirtschaftsbeziehungen\/Warenverkehr\/nutzung_freihandelsabkommen\/seco_studie_verbesserung_nutzung_fha.pdf.download.pdf\/Studie_Massnahmen_Verbesserung_der_Nutzung_FHA.pdf\">&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Die Links sind nur exemplarisch. Es handelt sich nicht um eine abschliessende Aufz\u00e4hlung.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freihandelsabkommen (FHA) regeln unter anderem den Zollabbau beim Warenhandel zwischen zwei oder mehreren Staaten. Schweizer Unternehmen profitieren jedoch nicht automatisch von den reduzierten Zollans\u00e4tzen. 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Der Entscheidungsbaum sollte auf den relevanten Websites sowie in den Newslettern platziert werden."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":"","serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4306],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20230206","original_files":null,"external_release_for_author":"20230209","external_release_for_author_time":"00:02:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/63a45922ccc67"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/179220"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10137"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=179220"}],"version-history":[{"count":26,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/179220\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":181741,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/179220\/revisions\/181741"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4306"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10138"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10137"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/180383"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=179220"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=179220"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=179220"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=179220"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=179220"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=179220"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}