{"id":180163,"date":"2023-03-07T07:07:36","date_gmt":"2023-03-07T06:07:36","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=180163"},"modified":"2023-08-24T01:37:17","modified_gmt":"2023-08-23T23:37:17","slug":"welche-kantone-investieren-am-meisten-in-erneuerbare-energien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/03\/welche-kantone-investieren-am-meisten-in-erneuerbare-energien\/","title":{"rendered":"Welche Kantone investieren am meisten in erneuerbare Energien?"},"content":{"rendered":"<p>Die Energiestrategie des Bundes und das Netto-null-Treibhausgasemissionsziel bis 2050 weisen der Schweizer Energie- und Klimapolitik die Richtung. In der f\u00f6deralistischen Schweiz spielen neben dem Bund auch die Kantone eine wichtige Rolle, um diesbez\u00fcglich auf Kurs zu bleiben. Ein Forschungsteam der Z\u00fcrcher Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat in einem interdisziplin\u00e4ren Prozess den <a href=\"http:\/\/www.clean-energy-index.ch\/#\/configurator\/bar\">Cantonal Clean Energy Index<\/a> (CEIS) entwickelt \u2013 eine intuitiv nutzbare Webplattform. Sie erm\u00f6glicht es, die Umsetzung der Energiestrategie 2050 auf kantonaler Ebene zu verfolgen, indem sie j\u00e4hrliche Vergleichsdaten, unter anderem zu Geb\u00e4uden, Mobilit\u00e4t oder erneuerbarem Strom, publiziert.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bund f\u00f6rdert erneuerbare Energien<\/h2>\n<p>Die Energiestrategie 2050 gab als Richtwert f\u00fcr die erneuerbare Energie vor, dass im Jahr 2020 eine inl\u00e4ndische Stromproduktion von 4400 Gigawattstunden erreicht wird. Dieses Ziel wurde unter anderem durch F\u00f6rderungen des Bundes erreicht. Zwischen 2009 und 2022 betrieb der Bund die Kostendeckende Einspeiseverg\u00fctung als F\u00f6rderinstrument f\u00fcr die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Dabei erhalten Produzentinnen von neuen Wind-, Kleinwasserkraft-, Biomasse-, Fotovoltaik- oder Geothermieanlagen F\u00f6rdergelder f\u00fcr 15 Jahre. Bei Biomasseanlagen sind es 20 Jahre. Der Verg\u00fctungstarif gleicht die Differenz zwischen den Produktionskosten und dem Marktpreis f\u00fcr Strom aus und variiert je nach Technologie, Leistungsklasse und Baujahr der Anlagen. Seit 2022 werden aber keine neuen Anlagen mehr ins Programm aufgenommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die F\u00f6rderung der Stromproduktion aus Fotovoltaikanlagen (PV-Anlagen) gibt es seit 2014 ein weiteres Instrument: die Einmalverg\u00fctung. Damit wird abh\u00e4ngig von der Leistung der Anlage ein einmaliger Beitrag an die Anlagenbetreiber bezahlt. Dabei wird zwischen kleinen PV-Anlagen bis zu einer Leistung von 100 Kilowatt und grossen Anlagen ab 100 Kilowatt unterschieden. Beide werden mit maximal 30 Prozent der Kosten einer Referenzanlage unterst\u00fctzt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">In Appenzell Innerrhoden wird pro Kopf am meisten ausbezahlt<\/h2>\n<p>Das n\u00e4chste Etappenziel im Jahr 2035 auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung erfordert aber eine weit gr\u00f6ssere Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen, genau gesagt 11\u2019400 Gigawattstunden. Daher sind weitere Anstrengungen dringend n\u00f6tig. Der Bund hat per 2023 eine dritte Kategorie von Einmalverg\u00fctungen eingef\u00fchrt: die hohe Einmalverg\u00fctung f\u00fcr PV-Anlagen ohne Eigenverbrauch. Diese betr\u00e4gt bis zu 60 Prozent der Investitionskosten einer Referenzanlage.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Nach dem Auslaufen der kostendeckenden Einspeiseverg\u00fctung wird die Einmalverg\u00fctung nun zum wichtigsten Instrument f\u00fcr die F\u00f6rderung von PV-Anlagen. Seit Kurzem ver\u00f6ffentlicht der Bund dazu auch Daten. Im Jahr 2021 wurden schweizweit \u00fcber 26\u2019000 PV-Anlagen mit einer Einmalverg\u00fctung unterst\u00fctzt. Dabei wurden schweizweit 216 Millionen Schweizer Franken ausbezahlt. Im CEIS lassen sich die Kantone bez\u00fcglich ausgew\u00e4hlter Vergleichswerte beurteilen. Die meisten PV-Anlagen pro Kopf baute der Kanton Jura mit 6,3 Anlagen pro 1000 Einwohner (siehe Abbildung 1). Am meisten F\u00f6rdergelder zahlte jedoch der Kanton Appenzell Innerrhoden, gut 57 Schweizer Franken pro Person (siehe Abbildung 2).<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Anzahl durch die Einmalverg\u00fctung gef\u00f6rderte PV-Anlagen pro 1000 Einwohner (2021)<\/h2>\n<p>\n<script id=\"infogram_0_e95d87da-34e2-4316-85e7-31212fa81cc4\" title=\"DV_03-23_Betz_DE\" src=https:\/\/e.infogram.com\/js\/dist\/embed.js?bJv type=\"text\/javascript\"><\/script>\n<\/p>\n<h6 class=\"content-copy\"><em>\u00a0<\/em>Quelle: BFE, CEIS (2021) \/ Die Volkswirtschaft<\/h6>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Durch die Einmalverg\u00fctung ausbezahlte F\u00f6rdergelder f\u00fcr PV-Anlagen pro Kopf (2021, in Schweizer Franken)<\/h2>\n<div class='chart chart--normal' id='BETZ-BOONEN-ROESLI_DV3-2023_ABB2_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#BETZ-BOONEN-ROESLI_DV3-2023_ABB2_DE').highcharts({\n\nchart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        credits: {ebabled: false},\n        text: ''\n    },\n    \n    \n    xAxis: {\n        categories: [\n        \n        'BS',\n'GE',\n'ZH',\n'NW',\n'BL',\n'TI',\n'UR',\n'SO',\n'BE',\n'ZG',\n'VS',\n'AG',\n'SZ',\n'VD',\n'GL',\n'NE',\n'SH',\n'AR',\n'GR',\n'OW',\n'SG',\n'LU',\n'FR',\n'TG',\n'JU',\n'AI'\n\n            \t\t\t\t\t\t\t\n\n        ],\n        crosshair: true\n    },\n    yAxis: {\n        \n        title: {\n            text: 'Franken pro Kopf'        },\n            labels: {\n            format: '{value}'\n            \n            },\n    },\n    tooltip: {\n     headerFormat: '{point.x}',\n     valueSuffix: ' Franken'\n   \n   \n        },\nlegend: {\nenabled: false\n},\n   \n    \n    plotOptions: {\n        column: {\n            pointPadding: 0.2,\n            borderWidth: 0\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: '',\n        color: '#327775',\n        data: [8.51, \n9.62, \n13.58, \n18.25, \n21.34, \n21.47, \n21.65, \n21.71, \n23.84, \n25.48, \n25.89, \n26.46, \n26.98, \n27.3, \n28.18, \n29.59, \n30.36, \n30.91, \n31.95, \n34.84, \n36.46, \n37.57, \n39.29, \n43.83, \n51.93, \n57.26\n\n]\n\n    }]\n});\n    });\n\n\n<\/script>\n<h6 class=\"content-copy\">Quelle: BFE, CEIS (2021) \/ Die Volkswirtschaft<\/h6>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Alpine Solarproduktion essenziell<\/h2>\n<p>Neben den oben erw\u00e4hnten F\u00f6rderanstrengungen des Bundes spielen lokale Energieversorgungsunternehmen und die Kantone eine \u00e4usserst wichtige Rolle: Die Energieversorgungsunternehmen k\u00f6nnen durch die H\u00f6he ihrer R\u00fccklieferverg\u00fctung f\u00fcr den eingespeisten Strom und ihrer Stromtarife direkt Anreize schaffen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Zudem f\u00f6rdern einige Kantone die Stromproduktion aus Fotovoltaik zus\u00e4tzlich zu den Einmalverg\u00fctungen des Bundes. Im letzten Jahr waren dies die folgenden sieben Kantone: Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Graub\u00fcnden, Schaffhausen, Thurgau, Tessin und Uri. Zum Beispiel wird im Kanton Appenzell Ausserrhoden die Einmalverg\u00fctung des Bundes verdoppelt. Im Kanton Glarus hingegen gibt es nur bei Kombination von Fotovoltaik und thermischer Solaranlage zus\u00e4tzliche F\u00f6rdergelder.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung bilden wir neu durch die Integration kantonaler Politikinstrumente im CEIS ab. Vermutlich werden hier weitere Kantone folgen, denn durch die Energiekrise ist das Thema der erneuerbaren Stromproduktion, insbesondere der alpinen Solarproduktion, in den politischen Fokus ger\u00fcckt. So hat das Parlament in rekordverd\u00e4chtigem Tempo eine \u00c4nderung des Energiegesetzes beschlossen, die bis Ende 2025 gelten soll und die Bewilligung und F\u00f6rderung von alpinen PV-Grossanlagen regelt. <a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Die Frage, ob diese Anstrengungen ausreichen, um die Richtwerte der Energiestrategie 2050 zu erf\u00fcllen, kann der CEIS aber nicht beantworten. Er kann jedoch anhand des historischen Verlaufs aufzeigen, wie sich der Zubau bisher entwickelt hat. Durch die aktuelle Solaroffensive werden vor allem grosse Ausbauspr\u00fcnge in den Kantonen Wallis und Graub\u00fcnden erwartet, da dort momentan Projekte in Planung sind.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Energiegesetz (EnG) Art. 25.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Schmid et. al (2023).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Energiegesetz (EnG) Art. 71a.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Energiestrategie des Bundes und das Netto-null-Treibhausgasemissionsziel bis 2050 weisen der Schweizer Energie- und Klimapolitik die Richtung. In der f\u00f6deralistischen Schweiz spielen neben dem Bund auch die Kantone eine wichtige Rolle, um diesbez\u00fcglich auf Kurs zu bleiben. 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Eine neue interaktive Webplattform beantwortet diese und weitere Fragen.","post_hero_image_description":"Im Jahr 2021 hat der Bund schweizweit \u00fcber 26\u2019000 PV-Anlagen mit einer Einmalverg\u00fctung unterst\u00fctzt.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>\r\n \t<li>\r\n<h6 class=\"content-copy\">BFE (2021). Einmalverg\u00fctung f\u00fcr Photovoltaikanlagen. Daten auf Basis von CEIS.<\/h6>\r\n<\/li>\r\n \t<li>\r\n<h6 class=\"content-copy\">Schmidt, T. et al. (2023). <a href=\"https:\/\/www.research-collection.ethz.ch\/handle\/20.500.11850\/596612\">Quantifying the Degree of Fragmentation of Policies Targeting Household Solar PV in Switzerland<\/a>. White Paper.<\/h6>\r\n<\/li>\r\n \t<li>\r\n<h6 class=\"content-copy\">Uebernickel, F. et al. (2015). Design Thinking: Das Handbuch. Frankfurt am Main, DE: Frankfurter Allgemeine Buch.<\/h6>\r\n<\/li>\r\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Zum Prototyp im zirkul\u00e4ren Entwicklungsprozess","kasten_box":"Der Cantonal Clean Energy Index (CEIS) wurde vom Energy Research Board der ZHAW (ZERB) gef\u00f6rdert und ist als Betaversion online verf\u00fcgbar: <a href=\"http:\/\/www.clean-energy-index.ch\">http:\/\/www.clean-energy-index.ch<\/a>.\r\n\r\nF\u00fcr die Entwicklung der interaktiven Webanwendung setzte das Team auf eine Design-Thinking-Technik als \u00abeine Innovations- und Entwicklungsmethode, die auf Basis eines iterativen Prozesses nutzer- und kundenorientierte Ergebnisse zur L\u00f6sung von komplexen Problemen liefert\u00bb.<sup>a<\/sup> Der aktuelle Prototyp des CEIS ist im Rahmen mehrerer aufeinander aufbauender und sich wiederholender Entwicklungsschleifen entstanden. Zuerst wurden in mehreren Phasen die Bed\u00fcrfnisse an eine CEIS-Webanwendung durch im Projekt priorisierte Zielgruppen erfasst. Dies geschah unter anderem via Interviews mit kantonalen Umwelt- und Energiefachstellen, mit Energiepolitikerinnen und Experten aus Energieverb\u00e4nden. Darauf folgten jeweils Phasen der Ideenfindung im Team sowie Umsetzungen. Der aktuelle Prototyp stellt keinen Endstatus der Webanwendung dar, sondern wird in Zukunft durch die Integration von zus\u00e4tzlichen Funktionalit\u00e4ten und Indikatoren weiter angepasst.\r\n\r\n<sup>a<\/sup> Siehe Uebernickel et al. 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