{"id":180298,"date":"2023-03-14T07:15:46","date_gmt":"2023-03-14T06:15:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=180298"},"modified":"2023-08-24T01:37:27","modified_gmt":"2023-08-23T23:37:27","slug":"kritik-von-aussen-ist-nicht-erwuenscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/03\/kritik-von-aussen-ist-nicht-erwuenscht\/","title":{"rendered":"Kritik von aussen ist nicht erw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<p>In Sachen Finanzkriminalit\u00e4t stand es um den Ruf der Schweiz im Ausland lange Zeit nicht zum Besten. Die Nachwehen sind immer noch sp\u00fcrbar, obwohl der schweizerische Finanzplatz inzwischen stark umstrukturiert wurde. Unterl\u00e4sst es jemand, sein Verm\u00f6gen und sein Einkommen bei den Steuerbeh\u00f6rden seines Wohnsitzlandes zu versteuern, gilt dies fast \u00fcberall auf der Welt als Betrug. Nur die Schweiz passte sich dieser Definition erst an, als sie nach 2009 gezwungen worden war, das Bankgeheimnis zu Steuerzwecken aufzuheben. Bis zu diesem Zeitpunkt galt Steuerhinterziehung nur dann als Betrug, wenn man bewusst Dokumente f\u00e4lschte und explizit log.<\/p>\n<p>Diese Unterschiede bei der juristischen Einordnung beruhen auf einem grundlegenden Missverst\u00e4ndnis: Der Schweizer Finanzplatz gewichtete das Recht seiner Kundschaft auf Geheimhaltung so hoch, dass er sie \u00fcber die Kooperation in Rechts- und Steuerfragen stellte. Eine solche Auslegung ist vielleicht in den dunklen Stunden des Nationalsozialismus gerechtfertigt, als die Schweiz das Verm\u00f6gen verfolgter Personen sch\u00fctzte. Es birgt allerdings das Risiko, illegal oder gar kriminell erworbene Verm\u00f6gen anzunehmen, Geldw\u00e4scherei zu decken oder Korruption zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>In den letzten zehn Jahren hat die Schweiz grosse Fortschritte erzielt. Die Gefahr, der Finanzkriminalit\u00e4t Vorschub zu leisten, ist deutlich gesunken. Zudem hat sie die juristische Definition von Betrug an die internationalen Standards angepasst: Steuerbetrug gilt nun als Vortat zur Geldw\u00e4scherei. Die Schweiz spricht sich zwar weiterhin dagegen aus, dass die zu steuerlichen Zwecken ins Ausland weitergeleiteten Informationen auch an andere Beh\u00f6rden als das Steueramt gehen. Trotzdem tauschen Schweizer Steuerbeh\u00f6rden jedes Jahr Millionen von Details mit ihren Kollegen im Ausland aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Die Schweiz hat sich lange gestr\u00e4ubt, passte sich aber nach und nach den internationalen Finanzvorschriften an.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dennoch bleibt noch viel zu tun, insbesondere im Bereich der Korruptionsbek\u00e4mpfung und der Geldw\u00e4scherei. Das Schweizer Parlament hat Gesetzesentw\u00fcrfe zum besseren Schutz von Whistleblowern oder zur Erh\u00f6hung des Mindestbetrags von Bussen bei Korruption abgelehnt. Die Bewertung durch die der OECD angegliederte Financial Action Task Force f\u00e4llt dennoch recht positiv aus, obwohl sie insbesondere die Praxis im Bereich der Kryptow\u00e4hrungen streng beurteilt.<\/p>\n<p>Die Schweiz hat sich lange gestr\u00e4ubt, passte sich aber nach und nach den internationalen Finanzvorschriften an. \u00abSchon viel besser, aber es bleibt Luft nach oben\u00bb, so d\u00fcrfte wohl das Fazit ihrer ausl\u00e4ndischen Kollegen lauten. Ganz nach dem bekannten Vers aus der Bergpredigt: \u00abMan sieht den Splitter im fremden Auge, aber nicht den Balken im eigenen.\u00bb Denn nat\u00fcrlich m\u00fcssten auch die anderen L\u00e4nder erst einmal \u00fcber die eigenen B\u00fccher gehen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Sachen Finanzkriminalit\u00e4t stand es um den Ruf der Schweiz im Ausland lange Zeit nicht zum Besten. Die Nachwehen sind immer noch sp\u00fcrbar, obwohl der schweizerische Finanzplatz inzwischen stark umstrukturiert wurde. Unterl\u00e4sst es jemand, sein Verm\u00f6gen und sein Einkommen bei den Steuerbeh\u00f6rden seines Wohnsitzlandes zu versteuern, gilt dies fast \u00fcberall auf der Welt als Betrug. 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