{"id":183036,"date":"2023-05-16T07:07:30","date_gmt":"2023-05-16T05:07:30","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=183036"},"modified":"2023-08-24T01:39:19","modified_gmt":"2023-08-23T23:39:19","slug":"banknoten-vom-druck-ins-portemonnaie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/05\/banknoten-vom-druck-ins-portemonnaie\/","title":{"rendered":"Banknoten: Vom Druck ins Portemon\u00adnaie"},"content":{"rendered":"<p>Wissen Sie, welches Sujet auf der aktuellen 10-Franken-Note zu sehen ist? Vielleicht betrachten Sie die Note selten so genau. Bestimmt wissen Sie aber noch die Farbe. Denn die Zehnernote in ihrem warmen Gelb wird immer noch h\u00e4ufig zum Bezahlen genutzt. Darauf abgebildet sind eine Hand mit Dirigentenstab, ein Uhrwerk und weitere Objekte zum Thema Organisation. Die Note findet den Weg sicher auch \u00f6fters in Ihr Portemonnaie. Aber wie eigentlich? Denn Geldautomaten geben diese Noten oft nicht aus. Dort kann man gew\u00f6hnlich nur die 20-, 50-, 100- und 200-Franken-Noten beziehen. Die Zehnernote verdeutlicht damit die vielf\u00e4ltige Reise der Banknoten bis ins Portemonnaie, die weiter zur\u00fcckreicht als zur Druckerpresse und verflochtener ist als nur deren Bezug an Geldautomaten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Etappe 1: Vom Hightech-Papier zum Geld<\/h2>\n<p>Die Reise der Schweizer Banknoten beginnt \u2013 noch vor der Druckerpresse \u2013 im b\u00fcndnerischen Landquart. Mit zwei Papierschichten und einer Kunststoffschicht in der Mitte entsteht dort quasi als \u00abSandwich\u00bb das sichere und haltbare Grundmaterial der Noten. Dieses Halbfabrikat wird danach in Z\u00fcrich bei Orell F\u00fcssli in mehreren Schritten bedruckt \u2013 beispielsweise mit einem Kupferdruck, der den Noten die sp\u00fcrbare Reliefstruktur verleiht. Zudem erh\u00e4lt dieses Hightech-Papier eine Vielzahl an Sicherheitsmerkmalen. Manche davon sind einfach erkennbar, andere werden erst unter Ultraviolett- oder Infrarotlicht sichtbar.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Station der bedruckten Banknoten ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) in Z\u00fcrich und Bern. Dort werden sie offiziell zu \u00abGeld\u00bb. Das geschieht, indem die Nationalbank die Noten \u2013 nach eingehender Kontrolle \u2013 an Geldtransporteure ausgibt und daf\u00fcr die entsprechenden Konten der belieferten Banken belastet. Ab diesem Zeitpunkt werden die Banknoten als \u00abNotenumlauf\u00bb in der Notenbankgeldmenge (M0) erfasst.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Die Neuausgabe umfasst eine betr\u00e4chtliche Anzahl an Noten. Letztes Jahr emittierte die Nationalbank 61,7 Millionen St\u00fcck im Wert von 10,9 Milliarden Franken. W\u00fcrde man sie aufeinanderstapeln, w\u00e4re dieser Turm aus Banknoten mit 9625 Metern sogar h\u00f6her als der Mount Everest.<\/p>\n<p>Wie gelangen nun aber die Banknoten ins Portemonnaie? Die Geldtransporteure bringen die Banknoten von der Nationalbank zu Banken und Post. Diese verteilen die Banknoten an ihre Filialen und Geldautomaten, von wo sie schliesslich den Weg in Ihr Portemonnaie finden.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Etappe 2: Handwechsel und Heimreise<\/h2>\n<p>Der weitaus l\u00e4ngere und wichtigere Teil der Banknoten-Reise kommt aber danach: beim Bezahlen an Kassen und Automaten, im Restaurant oder auf der Post.<\/p>\n<p>Wie oft die Noten eingesetzt werden und die Hand wechseln, ist nicht bekannt. Denn anders als beim elektronischen Bezahlen werden Bargeld\u00fcbertragungen nicht aufgezeichnet. Es d\u00fcrfte sich aber um sehr viele Transaktionen im Leben einer Banknote handeln. Die kleinen Notenst\u00fcckelungen, die oft zum Bezahlen verwendet werden, sind normalerweise drei bis sechs Jahre im Einsatz.<\/p>\n<p>Die Heimreise zur SNB tritt eine Note sp\u00e4testens dann an, wenn sie abgenutzt, verschmutzt oder besch\u00e4digt ist. \u00dcber die Geldtransporteure gehen die Banknoten zur\u00fcck zur Nationalbank, die deren Gegenwert den entsprechenden Konten von Banken und Geldtransporteuren gutschreibt. Ab diesem Zeitpunkt sind die Noten nicht mehr Teil des Notenumlaufs. Die Nationalbank \u00fcberpr\u00fcft die eingelieferten Noten und vernichtet diejenigen, die nicht mehr \u00abfit\u00bb genug sind f\u00fcr eine erneute Ausgabe. Die Noten werden erst geschreddert und anschliessend der \u00f6ffentlichen Kehrichtverbrennung zugef\u00fchrt. Letztes Jahr betraf dies 51,4 Millionen Banknoten<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> \u2013 also ein Turm von rund 8000 Metern H\u00f6he. Das heisst nat\u00fcrlich nicht, dass der Gegenwert dieser Noten vernichtet wird. Er wurde zuvor Geldtransporteuren bzw. Banken angerechnet. Lediglich das Produkt Banknote wird zerst\u00f6rt und bei Bedarf durch druckfrische Banknoten ersetzt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bargeldinfrastruktur ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit<\/h2>\n<p>Die Verteilung von Banknoten wird durch ein Zusammenspiel vieler Akteure erm\u00f6glicht. Beteiligt ist einerseits der \u00f6ffentliche Sektor: Die Nationalbank hat den gesetzlichen Auftrag, die Bargeldversorgung zu gew\u00e4hrleisten, und agiert in der Bargeldverteilung als Grossistin. Die Post bietet Bargelddienstleistungen als Teil ihres Grundversorgungsauftrags im Zahlungsverkehr an. Solche Dienstleistungen beinhalten den Bargeldbezug und die Einzahlung von Bargeld.<\/p>\n<p>Anderseits beteiligt sich an der Bargeldversorgung auch der Privatsektor: vor allem Banken, Geldtransporteure und Detailh\u00e4ndler. Diese Aufgabenteilung tr\u00e4gt dazu bei, dass Bargeld heute breit akzeptiert und landesweit erh\u00e4ltlich ist. So muss die Schweizer Bev\u00f6lkerung im Durchschnitt lediglich etwa einen Kilometer gehen, um Banknoten an einem Post- oder einem Bankomaten oder in einer Filiale zu beziehen.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Dennoch ist die breite Verf\u00fcgbarkeit und Akzeptanz von Bargeld nicht selbstverst\u00e4ndlich. Denn heutzutage stehen den L\u00e4den und Konsumenten attraktive elektronische Zahlungsmittel zur Verf\u00fcgung. Beim Bezahlen werden immer \u00f6fter Bezahlkarten oder -apps wie Twint verwendet.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Immer weniger Geldautomaten<\/h2>\n<p>Dieser Trend zum elektronischen Bezahlen setzt die Bargeldinfrastruktur unter wirtschaftlichen Druck. Denn: Kassen, Geldautomaten, sichere Transportfahrzeuge und Anlagen zur Verarbeitung von Bargeld verursachen fixe Kosten. Diese fallen an, egal ob viel oder wenig Bargeld genutzt wird. Das bedeutet, dass mit abnehmender Bargeldnutzung die Kosten pro Banknote steigen. Wenn die Kosten f\u00fcr die Betreiber zu hoch werden, k\u00f6nnten Geldautomaten und Bargeldkassen unter dem Spardruck also abgebaut werden. Und tats\u00e4chlich gibt es auch schon Anzeichen daf\u00fcr: Seit 2019 hat die Anzahl der Geldautomaten in der Schweiz abgenommen \u2013 von \u00fcber 7200 auf zuletzt etwa 6400.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Das ist immerhin ein R\u00fcckgang von \u00fcber 10 Prozent in vier Jahren.<\/p>\n<p>Die Verf\u00fcgbarkeit, die Akzeptanz und die Nutzung von Bargeld h\u00e4ngen zusammen: Nimmt die Bargeldnutzung ab, lohnt es sich f\u00fcr die Anbieter immer weniger, Geldautomaten zu bedienen und Bargeldzahlungen in L\u00e4den zu akzeptieren. Und gibt es umgekehrt weniger Geldautomaten, steigt wiederum die H\u00fcrde, Bargeld zu beziehen. Immer mehr Menschen w\u00fcrden dann vermutlich von Bargeld auf elektronische Zahlungsmittel umsteigen \u2013 eine Negativspirale.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Negativspirale aufhalten<\/h2>\n<p>Ob eine solche Negativspirale beim Bargeld droht, wird sich zeigen. Die Nationalbank ist jedenfalls bestrebt, dass die Bev\u00f6lkerung beim Bezahlen weiterhin zwischen Bargeld und bargeldlosen Zahlungsmitteln w\u00e4hlen kann. Um diese Wahlfreiheit sicherzustellen, braucht es eine gut funktionierende Zahlungsverkehrsinfrastruktur und eine hohe Akzeptanz der verschiedenen Zahlungsmittel. Die SNB verfolgt deshalb mit grosser Aufmerksamkeit, wie sich der Zugang zu und die Akzeptanz von Bargeld weiterentwickeln. Beispielsweise f\u00fchrt sie dazu Umfragen bei Privatpersonen und Unternehmen durch<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a>. Mit der neuesten Umfrage will die SNB herausfinden, welche Zahlungsmittel die Haushalte nutzen und warum. Die Ergebnisse werden Anfang Juni 2023 publiziert.<\/p>\n<p>Noch unerw\u00e4hnt ist die Route der Zehnernote in ihr Portemonnaie. Wahrscheinlich haben Sie sie als Wechselgeld beim Einkaufen erhalten. Insbesondere Detailh\u00e4ndler \u00fcbernehmen hier in der Verteilung eine wichtige Rolle und erhalten auch druckfrische (Zehner-)Noten von der Nationalbank \u00fcber die Geldtransporteure.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Eine ausf\u00fchrliche Beschreibung der <a href=\"https:\/\/www.snb.ch\/de\/iabout\/cash\/cash_lifecycle\/id\/cash_lifecycle_prod\">Produktion<\/a> des Banknotensubstrats und des Drucks mit Fotos findet sich auf der Website der SNB.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Der Notenumlauf ist Teil der <a href=\"https:\/\/data.snb.ch\/de\/topics\/snb\/cube\/snbmoba\">Notenbankgeldmenge<\/a> (M0). M\u00fcnzen werden hingegen nicht zu M0 gerechnet, da die Eidgen\u00f6ssische M\u00fcnzst\u00e4tte <a href=\"https:\/\/www.swissmint.ch\/swissmint\/de\/home.html\">Swissmint<\/a> f\u00fcr die Herstellung der M\u00fcnzen verantwortlich ist. Die anderen Geldmengen M1, M2 und M3 sind weiter gefasst. Beispielsweise enth\u00e4lt M1 u. a. Sichteinlagen und Einlagen auf Transaktionskonten bei Banken (siehe <a href=\"https:\/\/www.snb.ch\/de\/mmr\/reference\/gemenge_definition\/source\/gemenge_definition.de.pdf\">Definition der Geldmengen<\/a>).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Dieser Wert ist \u00fcberdurchschnittlich hoch. Der hohe Wert ist auf die Einf\u00fchrung der neuen Banknotenserie und die damit verbundene Vernichtung der eingegangenen alten Banknoten zur\u00fcckzuf\u00fchren.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe Tr\u00fctsch, T. (2022): Swiss Money Map 2022: A Spatial Analysis of Cash Access Points in Switzerland. Universit\u00e4t St. Gallen. Sowie den <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/?p=182626&v\">Artikel<\/a> von Graf, Heim, Stadelmann und Tr\u00fctsch in diesem Schwerpunkt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Die <a href=\"https:\/\/data.snb.ch\/de\/topics\/finma\/cube\/zavezaka\">Anzahl<\/a> der Geldautomaten ist im Datenportal der SNB abrufbar.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Die Resultate der Umfragen sind auf der Website der SNB verf\u00fcgbar: <a href=\"https:\/\/www.snb.ch\/de\/iabout\/cash\/cash_paytrans_surveys\/id\/paytrans_survey_2022_2\">Zahlungsmittelumfrage bei Privatpersonen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.snb.ch\/de\/iabout\/cash\/id\/payment_survey_companies\">Zahlungsmittelumfrage bei Unternehmen<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissen Sie, welches Sujet auf der aktuellen 10-Franken-Note zu sehen ist? Vielleicht betrachten Sie die Note selten so genau. Bestimmt wissen Sie aber noch die Farbe. Denn die Zehnernote in ihrem warmen Gelb wird immer noch h\u00e4ufig zum Bezahlen genutzt. Darauf abgebildet sind eine Hand mit Dirigentenstab, ein Uhrwerk und weitere Objekte zum Thema Organisation. 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