{"id":185859,"date":"2023-07-18T07:00:57","date_gmt":"2023-07-18T05:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=185859"},"modified":"2023-08-24T01:40:59","modified_gmt":"2023-08-23T23:40:59","slug":"wie-die-industriepolitik-die-europaeische-union-staerkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/07\/wie-die-industriepolitik-die-europaeische-union-staerkt\/","title":{"rendered":"Wie die Industriepolitik die Europ\u00e4ische Union st\u00e4rkt"},"content":{"rendered":"<p>Trotz Globalisierung und Wandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft macht der industrielle Sektor \u00fcber 20 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung aus, gibt 35 Millionen Menschen Arbeit und steht f\u00fcr 80 Prozent der EU-G\u00fcterexporte. 2018 wurde die Industriepolitik vom Europ\u00e4ischen Rat zur Priorit\u00e4t erkl\u00e4rt. Die Krisen der letzten Jahre haben best\u00e4tigt, dass dieser Entscheid richtig war. Aktuell fokussiert die EU-Industriepolitik auf drei strategische Schl\u00fcsselbereiche:<\/p>\n<p>Erstens will die aktuelle Kommission von der Leyen Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent machen. Zentraler Baustein daf\u00fcr ist der \u00abEuropean Green Deal\u00bb. Dieser ist Klimapolitik und Industriepolitik in einem: Er will Europa rasch zu einer Kreislaufwirtschaft umbauen, um im wachsenden globalen Markt f\u00fcr saubere Technologien Wettbewerbsvorteile zu gewinnen. Ein Drittel der 1800 Milliarden Euro aus dem 7-Jahres-EU-Budget und dem Corona-Wiederaufbaufonds \u00abNext Generation EU\u00bb wird f\u00fcr den \u00abGreen Deal\u00bb eingesetzt. Diese Investitionen sollen den Energie&shy;verbrauch reduzieren, erneuerbare Energiequellen und gr\u00fcne Mobilit\u00e4t f\u00f6rdern sowie die industrielle Produktion ressourcenschonender und die Landwirtschaft nachhaltiger und ges\u00fcnder machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Die aktuelle Kommission von der Leyen will Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent machen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zweitens will die Kommission den EU-Binnenmarkt resilienter machen. Die Covid-Pandemie hat gezeigt, welche Folgen Grenzschliessungen, Lieferunterbr\u00fcche und Unsicherheiten bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen und industriellen Produkten haben. Das neue Notfallinstrument f\u00fcr den Binnenmarkt zielt darauf ab, den freien Waren-, Dienstleistungs- und Personenverkehr sowie die Versorgung mit wichtigen Waren und Dienstleistungen auch in Krisenzeiten zu sichern. Zudem wird der EU-Binnenmarkt durch ein gezieltes Monitoring von Schl\u00fcsselbereichen krisenresistent. Dazu geh\u00f6ren etwa der Gesundheitssektor, die Energiewirtschaft, die Luft- und die Raumfahrt sowie die Elektronik- und die Verteidigungsindustrie.<\/p>\n<p>Drittens gilt es, die strategische Autonomie der EU zu st\u00e4rken. Die Pandemie und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine haben Europas Abh\u00e4ngigkeit vom Import von Energietr\u00e4gern, Rohstoffen und kritischen Industrieprodukten wie Halbleitern offengelegt. Diese Abh\u00e4ngigkeiten machen Europa verwundbar. Sie m\u00fcssen reduziert und diversifiziert werden. Bereits weitgehend gelungen ist die Entkopplung von Energieimporten aus Russland. Die EU ist aber auch in anderen kritischen Bereichen wie der Mikrochippro&shy;duktion und der Verteidigungsindustrie dabei, ihre technologischen und industriellen Kapazit\u00e4ten auszubauen.<\/p>\n<p>Die drei Pfeiler der EU-Industriepolitik sind miteinander verzahnt: So st\u00e4rkt der \u00dcbergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft die Energiesicherheit und damit die strategische Autonomie der EU. Der EU-Binnenmarkt schafft die n\u00f6tigen Skaleneffekte, damit europ\u00e4ische Unternehmen sich im globalen Markt behaupten. Ein starker Binnenmarkt ist wiederum auch ein geopolitisches Instrument: Seine Gr\u00f6sse und regulatorische Einheit b\u00fcndeln Kapazit\u00e4ten und geben der EU Verhandlungsmacht. Nur dadurch kann die EU in einem rauer gewordenen internationalen Umfeld wettbewerbsf\u00e4hig bleiben, ihre Interessen wahren und zusammen mit anderen Demokratien unsere gemeinsamen Werte verteidigen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz Globalisierung und Wandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft macht der industrielle Sektor \u00fcber 20 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung aus, gibt 35 Millionen Menschen Arbeit und steht f\u00fcr 80 Prozent der EU-G\u00fcterexporte. 2018 wurde die Industriepolitik vom Europ\u00e4ischen Rat zur Priorit\u00e4t erkl\u00e4rt. Die Krisen der letzten Jahre haben best\u00e4tigt, dass dieser Entscheid richtig war. 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