{"id":186813,"date":"2023-09-12T07:00:34","date_gmt":"2023-09-12T05:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=186813"},"modified":"2023-09-12T13:39:54","modified_gmt":"2023-09-12T11:39:54","slug":"der-fachkraeftemangel-fordert-auch-das-bildungssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/09\/der-fachkraeftemangel-fordert-auch-das-bildungssystem\/","title":{"rendered":"Der Fachkr\u00e4fte\u00admangel fordert (auch) das Bildungssystem"},"content":{"rendered":"<p>\u00abBildung\u00bb ist zuallererst eine Bezeichnung f\u00fcr die Formung des Menschen im Hinblick auf sein selbstverantwortliches Denken und Handeln. Da die \u00fcber Bildung erworbenen Kompetenzen auch wichtige Voraussetzung f\u00fcr die Erwerbst\u00e4tigkeit sind, schliesst sie monet\u00e4re Aspekte mit ein. Dies gilt f\u00fcr das Individuum selbst und, nat\u00fcrlich, f\u00fcr die Wirtschaft.<\/p>\n<p>Im Kontext des Fachkr\u00e4ftemangels ist einerseits relevant, wie viele Personen \u00fcberhaupt ins Bildungssystem eintreten, Abschl\u00fcsse erlangen und auf den Arbeitsmarkt kommen. Angesichts gestiegener Geburtenzahlen prognostiziert das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre auf allen Bildungsstufen und in allen Bildungsg\u00e4ngen eine Zunahme bei den Lernenden und Abschl\u00fcssen.<\/p>\n<p>Andererseits ist entscheidend, ob die Schweizer Bev\u00f6lkerung in Bezug auf ihre Qualifikationen so ausgebildet ist, dass sie arbeitsmarktf\u00e4hig ist. Die Terti\u00e4rquote (Abschluss Hochschule oder h\u00f6here Berufsbildung) steigt weiter an: Heute besitzt bereits jede zweite 25- bis 34-j\u00e4hrige Person einen Abschluss (beruflich oder akademisch) auf Terti\u00e4rstufe. Dies ist eine gute Nachricht, denn der Fachkr\u00e4ftemangel ist in jenen Berufen am ausgepr\u00e4gtesten, die eine terti\u00e4re Ausbildung erfordern. Dar\u00fcber hinaus zeigt das BFS, dass in Bildungsfeldern mit \u00fcberdurchschnittlichem Bedarf an Fachkr\u00e4ften erwartungsgem\u00e4ss auch die Anzahl ausgebildeter Personen \u00fcberdurchschnittlich zunehmen wird. Dies bedeutet aber nicht, dass sich Angebot und Nachfrage automatisch in allen Fachbereichen decken. Auch variiert der Fachkr\u00e4ftebedarf stark zwischen einzelnen Berufsfeldern.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Berufs- und Weiterbildung<\/h2>\n<p>Daher schafft die Bildungspolitik Anreize und gute Rahmenbedingungen f\u00fcr eine solide Ausbildung sowie M\u00f6glichkeiten zur Nach- und H\u00f6herqualifizierung. Die Aus- und Weiterbildung von Fachkr\u00e4ften liegt im ureigenen Interesse der Wirtschaft, sie sichert sich so ihren Berufsnachwuchs. Die Organisationen der Arbeitswelt (Sozialpartner, Berufs- und Branchenverb\u00e4nde) legen die Inhalte der Berufsbildungsabschl\u00fcsse praxisnah fest: Es wird gelehrt, was auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt ist. Diese N\u00e4he der Bildungsinhalte zum Arbeitsmarkt sch\u00fctzt vor Ineffizienzen beziehungsweise Transaktionskosten am \u00dcbergang von der Bildung zum Arbeitsmarkt. Denn ein Unternehmen, das eine ausgelernte Fachperson anstellt, kann sicher sein, dass diese genau jene Kompetenzen mitbringt, die in Betrieb und Branche ben\u00f6tigt werden und die auf die Anforderungen einer sich laufend ver\u00e4ndernden Arbeitswelt abgestimmt sind. In der Schweiz besteht hier ein umfangreiches Angebot an Weiterbildung. Erwachsene k\u00f6nnen sich unabh\u00e4ngig von Branche und Qualifikationsstufe rasch neue Kenntnisse aneignen und mit den Ver\u00e4nderungen in der Arbeitswelt Schritt halten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Ein- und Wiedereinstieg sollen erleichtert werden<\/h2>\n<p>Bund und Kantone unterst\u00fctzen Erwachsene beim Ein- und Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt wie auch beim Umstieg mit flexiblen und durchl\u00e4ssigen Strukturen und Beratung. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der Berufsabschluss f\u00fcr Erwachsene. Ausserdem f\u00f6rdert das Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die Weiterbildung und das lebenslange Lernen \u2013 beispielsweise mit Massnahmen zur F\u00f6rderung von Grundkompetenzen oder dem F\u00f6rderschwerpunkt <a href=\"https:\/\/www.besser-jetzt.ch\/betriebe.cfm\">\u00abEinfach besser!&#8230; am Arbeitsplatz\u00bb<\/a>. Eines der Ziele ist, die Arbeitsmarktf\u00e4higkeit gering qualifizierter Personen zu verbessern.<\/p>\n<p>Laut Bildungsbericht Schweiz 2023 sind manuelle T\u00e4tigkeiten immer weniger gefragt, kognitive Nichtroutinet\u00e4tigkeiten umso mehr. Der Bund f\u00f6rdert deshalb die h\u00f6here Berufsbildung \u2013 zum Beispiel indem er Absolventinnen und Absolventen von eidgen\u00f6ssischen Berufs- und h\u00f6heren Fachpr\u00fcfungen direkt finanziell unterst\u00fctzt und die h\u00f6heren Fachschulen im Bildungssystem besser positioniert.<\/p>\n<p>Auch universit\u00e4re Hochschulen, Fachhochschulen und p\u00e4dagogische Hochschulen spielen eine bedeutende Rolle bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkr\u00e4ften, ganz besonders in den Bereichen Mint (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, dazu weiter unten), Gesundheit, Medizin sowie Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Die Aus- und Weiterbildung ist in den strategischen Zielen der Tr\u00e4ger (Kantone bzw. Bund) und den Planungen der Hochschulen verankert. Um den Mangel zu lindern, ist die Ausbildung von Fachkr\u00e4ften 2021\u20132024 auch im Fokus der Rektorenkonferenz Swissuniversities und der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK). Sie wird auch in der Periode 2025\u20132028 priorit\u00e4r bleiben.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bund und Kantone unterst\u00fctzen die Ausbildung von Fachkr\u00e4ften<\/h2>\n<p>Bund und Kantone anerkennen die Bedeutung der Fachkr\u00e4fteausbildung und tragen dieser in der Grundfinanzierung der Hochschulen entsprechend Rechnung. Die SHK unterst\u00fctzt zudem mittels projektgebundener Beitr\u00e4ge Kooperationsprogramme der Hochschulen, welche die Fachkr\u00e4fteausbildung zum Ziel haben. Dazu geh\u00f6rte in der Vergangenheit das Sonderprogramm Humanmedizin 2017\u20132020: Die Kapazit\u00e4ten f\u00fcr Studienpl\u00e4tze konnten damit erh\u00f6ht und die Hausarztausbildung und die Interprofessionalit\u00e4t gest\u00e4rkt werden. Das nationale Netzwerk zur F\u00f6rderung der Mint-Bildung ist ein anderes Beispiel: Mit der F\u00f6rderung der hochschultypen\u00fcbergreifenden Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen bezweckt das Netzwerk, die Mint-F\u00e4cher in der obligatorischen Schule aufzuwerten.<\/p>\n<p>Wichtig sind auch die laufenden Kooperationsprogramme zur St\u00e4rkung der digitalen Kompetenzen, der Chancengleichheit und der Diversit\u00e4t sowie zur F\u00f6rderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Der Bund unterst\u00fctzt zudem \u00fcber den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) die Karrieren und das Kompetenzprofil des wissenschaftlichen Nachwuchses. Innosuisse f\u00f6rdert gezielt auch unternehmerische Kompetenzen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Informatikunterricht ist jetzt obligatorisch<\/h2>\n<p>Im OECD-Vergleich bildet die Schweiz zwar relativ viele Studierende im Bereich Mint aus. Doch der Bedarf an hoch qualifizierten Mint-Fachkr\u00e4ften ist und bleibt ein Thema. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass die Weichen f\u00fcr oder gegen eine \u00abMint-Ausbildung\u00bb schon fr\u00fch gestellt werden, n\u00e4mlich in der Phase zwischen Kindergarten und Sek I.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund f\u00fchren die Akademien der Wissenschaften Schweiz (a+), mandatiert vom SBFI, seit 2013 das Programm \u00abMINT Schweiz\u00bb. a+ entwickelt hier einerseits eigene Projekte wie etwa \u00abSwiss TecLadies\u00bb, ein Mentoringprogramm, das explizit auf M\u00e4dchen fokussiert. Anderseits unterst\u00fctzt a+ im Rahmen von \u00abMINT Schweiz\u00bb auch schulerg\u00e4nzende Angebote wie beispielsweise <a href=\"https:\/\/naturundtechnik.phtg.ch\/de\/angebote-fuer-schulklassen\/natech-bewegt\/\">\u00abNaTech bewegt \u2013 Immer einen Schritt voraus\u00bb<\/a>: Die P\u00e4dagogische Hochschule Thurgau stellt damit ein Format f\u00fcr Projektwochen zur Verf\u00fcgung, in denen Schu\u0308lerinnen und Sch\u00fcler der 5. und 6. Klasse das Thema Nachhaltige Stadtentwicklung bearbeiten.<\/p>\n<p>Angesichts der zunehmenden Digitalisierung schliesslich haben die Kantone beschlossen, schweizweit an allen Gymnasien den Unterricht von Informatik als obligatorisches Fach im Lernbereich \u00abMathematik, Informatik und Naturwissenschaften\u00bb einzuf\u00fchren. Die k\u00fcnftigen Fachkr\u00e4fte, die im Schuljahr 2022\/2023 ins Gymnasium eingetreten sind, sind die ersten, f\u00fcr die diese Neuerung gilt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abBildung\u00bb ist zuallererst eine Bezeichnung f\u00fcr die Formung des Menschen im Hinblick auf sein selbstverantwortliches Denken und Handeln. Da die \u00fcber Bildung erworbenen Kompetenzen auch wichtige Voraussetzung f\u00fcr die Erwerbst\u00e4tigkeit sind, schliesst sie monet\u00e4re Aspekte mit ein. Dies gilt f\u00fcr das Individuum selbst und, nat\u00fcrlich, f\u00fcr die Wirtschaft. 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