{"id":191187,"date":"2023-10-09T07:00:31","date_gmt":"2023-10-09T05:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=191187"},"modified":"2023-10-31T10:59:28","modified_gmt":"2023-10-31T09:59:28","slug":"steigt-der-benzinpreis-zu-stark-gibt-es-soziale-spannungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/10\/steigt-der-benzinpreis-zu-stark-gibt-es-soziale-spannungen\/","title":{"rendered":"\u00abSteigt der Benzinpreis zu stark, gibt es soziale Spannungen\u00bb"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-copy-questions\">Herr Bundesrat R\u00f6sti, wie kamen Sie zur Politik?<\/div>\n<p>So richtig politisiert hat mich die EWR-Abstimmung 1992. Ich war auf der ablehnenden Seite \u2013 um die Freiheit der Schweiz zu erhalten. Ich war damals Student an der ETH Z\u00fcrich und dort einer der wenigen, die Nein gestimmt haben.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Waren Sie damals schon SVP-Mitglied?<\/div>\n<p>Ja. Ich bin mit 18 der SVP beigetreten. Mein ganzes famili\u00e4res Umfeld war dort. Es geh\u00f6rte irgendwie dazu. Mit 25 \u2013 bei der EWR-Abstimmung \u2013 \u00fcberdachte ich meine \u00dcberzeugung: Bin ich in der SVP am richtigen Ort? Am Schluss \u00fcberwog die h\u00e4usliche Pr\u00e4gung.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Zu Ihrem Amtsantritt im Bundesrat im Januar hagelte es Kritik: SVP, Automobillobbyist und Umweltminister \u2013 das passe nicht zusammen. Oder vielleicht eben doch?<\/div>\n<p>Es war f\u00fcr mich eine sehr gl\u00fcckliche F\u00fcgung, dass ich dieses Departement bekommen habe \u2013 auch wenn das politisch nicht allen gepasst hat. In den Themenbereichen des Departements brachte ich viel Erfahrung mit: Als Agronom habe ich auch Umwelt\u00f6konomie studiert. W\u00e4hrend meiner elf Jahre als Nationalrat war ich Mitglied in der Umwelt- und Energiekommission und habe da partei\u00fcbergreifend gearbeitet.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Das Volk hat das Klima- und Innovationsgesetz im Juni mit fast 60 Prozent deutlich angenommen. Damit gewannen Sie Ihre erste Abstimmung als Bundesrat. Waren Sie \u00fcberrascht?<\/div>\n<p>Nein. Ich war nicht \u00fcberrascht. Wenn es um Grunds\u00e4tze geht und noch nicht um konkrete Massnahmen, dann ist es einfacher, eine Abstimmung zu gewinnen. Das Gesetz ist auf einen langen Zeithorizont hin ausgelegt. Nun geht es um die Umsetzung.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Das heisst?<\/div>\n<p>Die Politik muss die Massnahmen beschliessen, damit sich die Vorgaben des Gesetzes erreichen lassen. Da ist Umsicht gefragt, denn die Bev\u00f6lkerung muss diese Massnahmen mittragen. Ist die Umsetzung nicht im Sinne des Volkes, kann man immer das Referendum ergreifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2023\/09\/BR_Roesti_20230905_164-scaled.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-191532\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2023\/09\/BR_Roesti_20230905_164-1024x552.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"431\" srcset=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2023\/09\/BR_Roesti_20230905_164-1024x552.jpg 1024w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2023\/09\/BR_Roesti_20230905_164-300x162.jpg 300w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2023\/09\/BR_Roesti_20230905_164-768x414.jpg 768w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2023\/09\/BR_Roesti_20230905_164-1536x829.jpg 1536w, https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2023\/09\/BR_Roesti_20230905_164-2048x1105.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<h6 class=\"content-copy\">Albert R\u00f6sti in seinem B\u00fcro in Bern. (Bild: Keystone \/ Alessandro della Valle)<\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wurde das CO<sub>2<\/sub>-Gesetz im Jahr 2021 abgelehnt, weil es zu konkret formuliert war?<\/div>\n<p>Nein. Das Klimagesetz ist auch konkret. Aber das CO<sub>2<\/sub>-Gesetz h\u00e4tte unmittelbare Kosten f\u00fcr einzelne Haushalte und KMU bedeutet: h\u00f6here Benzinpreise, h\u00f6here Heiz\u00f6lpreise und eine Ticketabgabe f\u00fcrs Fliegen. Das h\u00e4tte dem Klima wenig gebracht und h\u00e4tte nur die Leute belastet. Ich vertrete mit Vehemenz: Es macht keinen Sinn, die Leute mit Geld zu zwingen, aus etwas auszusteigen, wenn die Alternative nicht da ist \u2013 und das ist gen\u00fcgend Strom.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Ist Strom demnach einer der Schwerpunkte im Klimagesetz?<\/div>\n<p>Energiepolitik steht vor Klimapolitik. Unser Land muss gen\u00fcgend Strom produzieren, um die 60 Prozent fossile Energie am gesamten Energieverbrauch zu ersetzen. Bis vor der Ukraine-Krise hatten wir gen\u00fcgend Strom. Die Krise hat die Situation aber dramatisch ge\u00e4ndert. Daher muss die Dekarbonisierung im Gleichschritt mit dem Ausbau der Stromproduktion erfolgen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wie erh\u00f6hen wir die Stromproduktion?<\/div>\n<p>Wir sind mit verschiedenen Projekten fast gleichzeitig im Parlament: die Revisionen des Energiegesetzes und des Stromversorgungsgesetzes, die Beschleunigung f\u00fcr Windparks oder generell beschleunigte rechtliche Verfahren. Mit dem Solarexpress sollen ausserdem innerhalb von zwei Jahren m\u00f6glichst viele alpine Solaranlagen gebaut werden \u2013 \u00fcber 30 Projekte sind hier am Laufen. Zudem setzen wir auf F\u00f6rderung: Jeder Stromkonsument bezahlt heute schon eine Bundesabgabe von 2,3 Rappen auf jede Kilowattstunde f\u00fcr den Ausbau neuer Energiequellen. Das gibt in der Summe etwa 1,3 Milliarden Franken pro Jahr.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Ist die Stimmung im Parlament aktuell klimafreundlich, oder herrscht einfach Wahlkampfmodus?<\/div>\n<p>Sie ist sehr pro Energieproduktion: Wir m\u00fcssen mehr Strom produzieren und damit gewisse Konzessionen beim Landschafts- und Naturschutz eingehen. Gegen\u00fcber den letzten Wahlen hat sich die Stimmung ver\u00e4ndert. Der Klimawandel besch\u00e4ftigt die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zwar nach wie vor \u2013 die Belastung durch die Krankenkassenpr\u00e4mien oder die AHV sind aber ebenso wichtige Themen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Trotzdem: Umweltverantwortungs-Initiative, Klimafonds-Initiative und weitere Klima-Initiativen sind in der politischen Pipeline. Das Thema treibt die Schweizer Bev\u00f6lkerung um.<\/div>\n<p>Jetzt m\u00fcssen wir aufpassen, dass wir mit den Initiativen nicht \u00fcbertreiben. Das Tempo bei den Gesetzgebungsprojekten ist hoch. Irgendwann \u00fcberfordert man Parlament, B\u00fcrger und Bundesrat. Wir haben die geeigneten Gesetze und Fonds \u2013 nun geht es um die Umsetzung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Die Klimakleber \u00e4rgern nur die Leute \u2013 und mich besonders.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Was sagen Sie zu Klimajugend und zu Klimaklebern?<\/div>\n<p>Dass die Schweiz punkto politischer Einflussnahme eines der wunderbarsten L\u00e4nder der Welt ist \u2013 insbesondere f\u00fcr Jugendliche. Junge k\u00f6nnen sich als Gemeinder\u00e4te w\u00e4hlen lassen. Im Kleinen k\u00f6nnen sie aktiv sein und etwas ver\u00e4ndern, und viele kleine Steine ergeben dann etwas Grosses. Die Klimakleber hingegen \u00e4rgern nur die Leute \u2013 und mich besonders. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung hat mit der Abstimmung zum Klimagesetz ja gezeigt, dass sie der Meinung ist: Da ist ein Problem, wir m\u00fcssen es l\u00f6sen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Glauben Sie, dass wir den Klimawandel stoppen k\u00f6nnen?<\/div>\n<p>Es w\u00e4re vermessen, von einem Stopp zu sprechen. Aber wir m\u00fcssen daran arbeiten, dass sich das Klima nicht zu stark und zu schnell ver\u00e4ndert. Die Schweiz allein kann das Klima sowieso nicht beeinflussen. Daf\u00fcr ist unser Anteil am globalen CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss zu gering. Wir k\u00f6nnen aber mit unseren Innovationen, neuen Technologien und innovativen Firmen international einen angemessenen Beitrag leisten.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Sollen wir uns mit dem Klimawandel abfinden und anfreunden?<\/div>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht davon ausgehen, dass alle L\u00e4nder ihre Klimaversprechen einhalten. Vieles wird geschrieben und gesagt, aber weniger getan. Daher werde ich bei den Anpassungsmassnahmen einen Schwerpunkt setzen. Das Klimagesetz schafft eine entsprechende Grundlage. Es wird vermehrt Naturereignisse geben \u2013 das heisst, wir brauchen Schutzbauten, zum Beispiel gegen Hochwasser. Wir m\u00fcssen uns aber auch wappnen f\u00fcr den Fall, dass etwas passiert. Warnung und Alarmierung sind also auch wichtig. N\u00f6tig sind zudem Massnahmen in der Landwirtschaft: etwa Bew\u00e4sserungssysteme zur Bew\u00e4ltigung von Hitzeperioden und der Umstieg auf hitzeresistente Pflanzen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wenn es keine politischen Restriktionen g\u00e4be, wie w\u00fcrden Sie auf der gr\u00fcnen Wiese eine Schweizer Klimapolitik gestalten?<\/div>\n<p>Ich bin froh, kann ich das nicht. Sonst k\u00f6nnte es jemand anderes auch \u2013 und zwar in eine falsche Richtung. Aber: Ich w\u00fcrde bei den Einsprachen den Hebel ansetzen. Diese verz\u00f6gern \u00fcber Jahre die Weiterentwicklung von Stromproduktion, Infrastrukturen sowie \u00f6ffentlichem und privatem Verkehr.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Rettet die Marktwirtschaft das Klima? Sprich, gen\u00fcgen marktwirtschaftliche L\u00f6sungen wie eine CO<sub>2<\/sub>-Bepreisung, um die Klimaziele zu erreichen?<\/div>\n<p>Die Marktwirtschaft f\u00f6rdert Innovation. Je l\u00e4nger, je mehr entstehen so neue Produkte, deren Preis f\u00e4llt. Daher ist die Marktwirtschaft ein wichtiges Element. Woran ich aber nicht glaube, sind Lenkungsabgaben.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Aus \u00f6konomischer Sicht sind Lenkungsabgaben allerdings ein effizientes Instrument.<\/div>\n<p>Nein. Die Nachfrageelastizit\u00e4ten sind klein. Man m\u00fcsste die Preise massiv erh\u00f6hen, bis etwas sp\u00fcrbar wird. Wenn ich mit dem Auto zur Arbeit fahren muss und Sie erh\u00f6hen den Benzinpreis um einen Franken \u2013 passiert gar nichts. Und wenn Sie den Benzinpreis noch st\u00e4rker erh\u00f6hen, dann gibt es soziale Spannungen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Was sagen Sie dann zu einkommensabh\u00e4ngigen Abgaben auf fossile Treibstoffe?<\/div>\n<p>Wir haben das progressive Steuersystem bereits relativ intensiv ausgereizt. Der Bev\u00f6lkerungsanteil, der Bundessteuer bezahlt, ist klein. Ausserdem: Einkommensabh\u00e4ngige Abgaben haben wenig mit Marktwirtschaft zu tun. Marktwirtschaft basiert ja auf der Leistung des Einzelnen. Belohnt wird, wer Leistungen erbringt. Und wenn Sie den Einzelnen strafen, dann bestrafen Sie vor allem die T\u00fcchtigen. Damit sinkt die volkswirtschaftliche Gesamtleistung.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Gehen Sie davon aus, dass der technische Wandel den Klimawandel besiegt?<\/div>\n<p>Daran glaube ich ganz fest. Unsere Welt hat schon mehrfach gezeigt, wie entwicklungsf\u00e4hig sie ist. Und ich muss zugeben, ich war selbst \u00fcberrascht, wie in den letzten f\u00fcnf Jahren die Elektromobilit\u00e4t zugenommen hat. Fr\u00fcher h\u00e4tte ich Ihnen gesagt, die kommt nicht vom Fleck: Benzin ist viel praktischer und auch g\u00fcnstiger. Jetzt f\u00e4hrt rund ein Viertel der Neuwagenk\u00e4ufe elektrisch.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Dieser Anteil stagniert aber \u2026<\/div>\n<p>\u2026 ja. Weil es mit der Stromproduktion nicht schnell genug vorw\u00e4rtsgeht. Europaweit wissen die K\u00e4ufer nicht, ob es gen\u00fcgend Strom geben wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Verbote haben keine Chance vor Parlament und Volk.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Der Katalysator hat sich nicht freiwillig durchgesetzt. Braucht es im Klimaschutz k\u00fcnftig mehr Verbote?<\/div>\n<p>Nein. Verbote haben keine Chance vor Parlament und Volk. Aber Technologieverbote w\u00e4ren auch falsch. Sie verhindern Entwicklung.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Das Volk hat Nein zu neuen Kernkraftwerken gesagt. Kann die Schweiz ihre Energie- und Klimaziele ohne Atomkraft erreichen?<\/div>\n<p>Ich akzeptiere diesen Volksentscheid. Kerntechnologie br\u00e4uchte so oder so eine gewisse Zeit von der Planung \u00fcber Einsprachen bis hin zum Bau. Um kurzfristig auf eine Mangellage zu reagieren, ist es wichtig, dass wir auf erneuerbare Energien setzen. Aber es ist nat\u00fcrlich schon so: Wenn jedes dieser Projekte verz\u00f6gert wird, wird die Frage nach Atomstrom wieder gestellt. Und auch ich werde diese Frage wieder stellen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Es hat Jahre gedauert, bis das Pariser Klima\u00fcbereinkommen 2015 unterschriftsreif war. Das Schweizer Parlament hat es dann 2017 genehmigt. Bald endet das Jahr 2023. Kurzum: Die Zeit vergeht. K\u00f6nnen wir das Ruder \u00fcberhaupt noch herumreissen?<\/div>\n<p>Manchmal klingt es in der Klimadiskussion nach Apokalypse. Dann sind wir jedoch im religi\u00f6sen Bereich. Letztlich trage ich jetzt Verantwortung und muss versuchen, das Beste zu machen. Ich glaube immer, dass die Politik und der Mensch die Kraft haben, sein \u00dcberleben zu sichern.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Wir brauchen mehr Strom. Braucht es dann nicht rasch ein Stromabkommen mit der EU?<\/div>\n<p>Der Bundesrat strebt ein Stromabkommen an. Aber nicht um jeden Preis \u2013 beispielsweise um den Preis der Unabh\u00e4ngigkeit der Schweiz. Denn: In einer wirklichen Mangellage in Europa hilft uns auch ein Stromabkommen nicht. Wir sind jetzt in Sondierungsgespr\u00e4chen mit der EU. Da d\u00fcrfen wir auch etwas selbstbewusst hinstehen: Wir haben S\u00fcddeutschland dieses Jahr drei Mal mit Stromlieferungen ausgeholfen.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Die EU f\u00fchrt zurzeit einen CO<sub>2<\/sub>-Grenzausgleichsmechanismus ein \u2013 CBAM genannt. Schrittweise werden CO<sub>2<\/sub>-Abgaben auf Importe aus EU-Drittstatten eingef\u00fchrt. Die Schweiz solle einen solchen Mechanismus zurzeit nicht einf\u00fchren, sagt der Bundesrat. Warum?<\/div>\n<p>Letztlich ist das eine Wiedereinf\u00fchrung von Protektionismus, wie wir ihn \u00fcber eine oder zwei Generationen in der WTO abgebaut haben. Die Schweiz war lange auch ein Land mit vielen Z\u00f6llen. Wenn wir jetzt ein gleiches System \u00fcber den CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss einf\u00fchren, w\u00e4re das faktisch wieder ein Grenzschutz. Aus der \u00d6konomie wissen wir, das gibt massive volkswirtschaftliche Verluste. Denken wir auch an die Organisation und die administrativen Kosten, die dabei entstehen. Das erachtet der Bundesrat als viel zu komplex. Kommt noch dazu, dass CBAM nicht auf unsere Exporte in die EU angewendet wird. Das erleichtert uns auch diese Haltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Die Apokalypse kommt nicht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Anfang Dezember findet die n\u00e4chste j\u00e4hrliche Klimakonferenz der UNO statt \u2013 die COP28. Wie ist die Stimmung unter Ihren Diplomaten?<\/div>\n<p>Unsere Diplomaten sind zuversichtlich, dass viele Beteiligte bereit sind, das N\u00f6tige zu unternehmen, damit sich die Ziele des Pariser Abkommens erreichen lassen. Uns allen ist bewusst, dass wir uns f\u00fcr Anpassungsmassnahmen in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern einsetzen m\u00fcssen. In diesen L\u00e4ndern kommt es aufgrund der Klimaerw\u00e4rmung zu \u00dcberschwemmungen \u2013 oder es steigt dort der Meeresspiegel. Die Schweiz bezahlt bereits relativ viel \u00fcber die Entwicklungszusammenarbeit und den globalen Umweltfonds. Wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass gr\u00f6ssere Staaten und Emittenten, beispielsweise China, auch in diesen Topf einzahlen und dass private Gelder generiert werden.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Was ist Ihr ganz pers\u00f6nlicher Beitrag zum Klimaschutz?<\/div>\n<p>Als Kind wurde ich daran erinnert, dass man nicht zu viel Energie verbraucht. Damals wegen der Kosten. Das ist mir geblieben.<\/p>\n<div class=\"content-copy-questions\">Sie beeinflussen aktuell den Klimakurs der Schweiz. Wie wird die Menschheit in 50 Jahren auf Sie und uns zur\u00fcckblicken?<\/div>\n<p>Die Apokalypse kommt nicht. Es ist uns noch nie so gut gegangen. Unsere Vorg\u00e4ngergeneration hat das alles erarbeitet. Es ging immer aufw\u00e4rts. Es ist Teil meiner Verantwortung, mit der Schweizer Regierung daf\u00fcr zu sorgen, dass die heute Jungen das auch in 50 Jahren sagen k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Bundesrat R\u00f6sti, wie kamen Sie zur Politik? So richtig politisiert hat mich die EWR-Abstimmung 1992. Ich war auf der ablehnenden Seite \u2013 um die Freiheit der Schweiz zu erhalten. Ich war damals Student an der ETH Z\u00fcrich und dort einer der wenigen, die Nein gestimmt haben. Waren Sie damals schon SVP-Mitglied? Ja. 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