{"id":191692,"date":"2023-11-14T07:11:21","date_gmt":"2023-11-14T06:11:21","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=191692"},"modified":"2023-11-14T11:31:06","modified_gmt":"2023-11-14T10:31:06","slug":"ohne-schuldenbremse-droht-die-schuldenspirale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/11\/ohne-schuldenbremse-droht-die-schuldenspirale\/","title":{"rendered":"Ohne Schuldenbremse droht die Schuldenspirale"},"content":{"rendered":"<p>Der 80 Milliarden Franken schwere Bundeshaushalt ist der gr\u00f6sste und wichtigste \u00f6ffentliche Haushalt der Schweiz. Ein solider Bundeshaushalt gew\u00e4hrleistet, dass die aus ihm finanzierten Leistungen fortgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen und dass der Bund zu g\u00fcnstigen Konditionen Geld beschaffen kann. Ausserdem macht er wahrscheinlich, dass das insgesamt massvolle Steuerniveau der Schweiz auch in Zukunft m\u00f6glich bleibt. F\u00fcr die Firmen hierzulande sind das wichtige Argumente. Gesunde \u00f6ffentliche Finanzen sind deshalb ein erstklassiger Standortvorteil.<\/p>\n<p>Die finanzielle Stabilit\u00e4t des Bundes ist eine direkte Folge der Schuldenbremse. Die in den 1990er-Jahren pr\u00e4zedenzlos gestiegenen Bundesschulden konnten so stabilisiert und abgebaut werden. Die Schuldenbremse ist ein Erfolg sondergleichen.<\/p>\n<p>Haushaltsstabilit\u00e4t ist auch Krisenstabillit\u00e4t. Der Bund hat zur Bew\u00e4ltigung der Corona-Krise enorme Summen in die Hand genommen. Diese machten bekanntlich einzig darum wenig Kopfschmerzen, weil die Finanzlage im Krisenvorfeld gut und die Verschuldung tief war. Dass die Politik beschloss, die Corona-Schuld durch den Einsatz von Haushalts\u00fcbersch\u00fcssen und Gewinnaussch\u00fcttungen der Schweizerischen Nationalbank bis 2035 wieder abzubauen, ist richtig. Auch in der n\u00e4chsten Krise soll der Staat wieder gleich handlungsf\u00e4hig sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Es kann nur so viel ausgegeben werden, wie eingenommen wird.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allerdings: Die ausserordentliche Ausgabenflut w\u00e4hrend der Corona-Krise und das negative Zinsumfeld haben den Eindruck vermittelt, dass Geld f\u00fcr politische Zwecke praktisch unbeschr\u00e4nkt und kostenlos zur Verf\u00fcgung stehe. Die Folgen sehen wir heute: Ausgabenbeschl\u00fcsse mit hohen Preisschildern, aber ohne Finanzierung wie etwa die Aufstockung der Armeeausgaben oder die neue Bundesfinanzierung der familienerg\u00e4nzenden Kinderbetreuung. Es zeichnen sich Defizite ab, die an die unr\u00fchmlichen Zeiten vor der Schuldenbremse erinnern. Wo st\u00e4nde die Schweiz heute ohne Schuldenbremse? Dort, wo zahllose andere Staaten stehen: gefangen in der Schuldenspirale.<\/p>\n<p>Denn jetzt, wo die Zinsen wieder steigen, zahlt auch der Bund mehr f\u00fcr den Schuldendienst. Konkret: eine halbe Milliarde Franken Mehrkosten pro Jahr. Das bedeutet weniger Ausgaben in anderen Bereichen. Dass der Bundesrat den Haushalt im Gleichgewicht halten will und daf\u00fcr Sparmassnahmen plant, ist deshalb vern\u00fcnftig (und entspricht seinem Verfassungsauftrag). Wer nun klagt, Stabilisierung und Schuldenabbau seien angesichts der im internationalen Vergleich tiefen Verschuldung der Schweiz Selbstzweck, dem ist entgegenzuhalten, dass die Schuldenbremse etwas schafft, wozu die Politik selbst niemals f\u00e4hig w\u00e4re: Spielraum f\u00fcr neue Projekte oder Steuersenkungen.<\/p>\n<p>Die aktuell angespannte Finanzlage zeigt zudem: Ausgabenpolitik losgel\u00f6st von Finanzpolitik ist ein Unding und f\u00fchrt zu schlechten Resultaten. Einschneidende Spar\u00fcbungen und entt\u00e4uschte Erwartungen sollen m\u00f6glichst verhindert werden. Realit\u00e4tssinn und Ehrlichkeit sind nun gefragt. Deshalb Hand aufs Herz: Es kann nur so viel ausgegeben werden, wie eingenommen wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 80 Milliarden Franken schwere Bundeshaushalt ist der gr\u00f6sste und wichtigste \u00f6ffentliche Haushalt der Schweiz. Ein solider Bundeshaushalt gew\u00e4hrleistet, dass die aus ihm finanzierten Leistungen fortgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen und dass der Bund zu g\u00fcnstigen Konditionen Geld beschaffen kann. Ausserdem macht er wahrscheinlich, dass das insgesamt massvolle Steuerniveau der Schweiz auch in Zukunft m\u00f6glich bleibt. 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