{"id":193818,"date":"2024-01-04T07:00:45","date_gmt":"2024-01-04T06:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=193818"},"modified":"2024-01-04T14:43:50","modified_gmt":"2024-01-04T13:43:50","slug":"lieferketten-weniger-unterbruch-dank-fruehwarnsystemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/01\/lieferketten-weniger-unterbruch-dank-fruehwarnsystemen\/","title":{"rendered":"Lieferketten: Weniger Unterbruch dank Fr\u00fchwarnsystemen"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Jahrzehnten haben Globalisierung und steigender Wettbewerbsdruck Unternehmen dazu bewogen, ihre Lieferketten auf Effizienz und Kosteneinsparungen zu optimieren. Das hat jedoch die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Supply-Chain-Disruptionen erh\u00f6ht, wie sich unter anderem in und nach der Corona-Pandemie zeigte. Grosse Unternehmen erleiden durch unsichere Lieferketten im Schnitt Verluste von 4,2 Prozent des Ebitda pro Jahr.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> F\u00fcr die Schweiz mit einer exportorientierten Wirtschaft ohne eigene Rohstoffe sind solche Supply-Chain-Disruptionen wirtschaftlich nachteilig. Sie bieten aber auch die Gelegenheit, die Resilienz des Markenzeichens \u00abSwiss Made\u00bb \u2013 das Versprechen von hoher Qualit\u00e4t und Zuverl\u00e4ssigkeit \u2013 zu st\u00e4rken.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Erkennen statt verhindern<\/h2>\n<p>Wie Sensoren den Wasserdruck am Meeresboden aufzeichnen, um vor einem Tsunami zu warnen, gibt es auch Fr\u00fchwarnsysteme f\u00fcr bevorstehende Supply-Chain-Disruptionen, sowohl analog als auch digital. Sie erm\u00f6glichen es Unternehmen, potenzielle Risiken proaktiv zu managen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<p>In der ersten Phase einer Supply-Chain-Disruption fokussiert das System darauf, sogenannte schwache Signale zu erkennen. Dazu scannen die Systeme eine Bandbreite von Informationsquellen \u2013 von Nachrichtenartikeln bis hin zu Beitr\u00e4gen in sozialen Medien \u2013 und nutzen zur Auswertung algorithmische Verfahren und manchmal auch menschliche Expertise.<\/p>\n<p>Es geht hierbei nicht darum, das ausl\u00f6sende Moment (Triggering Event) zu verhindern, sondern diese Signale rechtzeitig zu erkennen und ad\u00e4quat zu kommunizieren. F\u00fcr ein Schweizer Unternehmen, das auf die Lieferung spezialisierter Komponenten aus den USA angewiesen ist, sind Hurrikane beispielsweise besonders relevant. Ein Fr\u00fchwarnsystem, das meteorologische Daten und Medienberichte verfolgt, k\u00f6nnte bevorstehende Unwetter fr\u00fchzeitig identifizieren. Das Unternehmen kann durch Abgleich dieser Daten mit den Lieferrouten rechtzeitig eine alternative Route planen, die sich nicht mit dem Hurrikan kreuzt.<\/p>\n<p>Ein effektives Fr\u00fchwarnsystem operiert demnach nicht isoliert, sondern ist eingebettet in ein umfassenderes Risikomanagement-\u00d6kosystem und bildet das Fundament f\u00fcr resiliente Lieferketten in einem global vernetzten Wirtschaftssystem.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Systeme entwickeln sich stetig weiter<\/h2>\n<p>Obwohl Fr\u00fchwarnsysteme noch nicht fl\u00e4chendeckend eingesetzt werden, gewinnen sie zunehmend an Bedeutung, was sich in der Investitionsbereitschaft der Unternehmen widerspiegelt. Laut einer McKinsey-Studie<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> planen drei Viertel der Unternehmen, ihre Lieferketten transparenter zu gestalten, und fast 40 Prozent interessieren sich f\u00fcr Risiko\u00fcberwachungstools. Es gibt derzeit jedoch noch keine belastbaren Zahlen, die Aussagen dar\u00fcber treffen, wie viele Unternehmen solche Systeme nutzen, wie sich die Nachfrage entwickelt hat und wie sich die Leistungsf\u00e4higkeit der Lieferkette tats\u00e4chlich ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Getrieben durch technologische Fortschritte, insbesondere im Bereich der k\u00fcnstlichen Intelligenz, verbessern und vermehren sich die Angebote stetig. Ein Grossteil der Fr\u00fchwarnsysteme visualisiert die Lieferkettenstrukturen ihrer Nutzer digital, angefangen bei den Lieferanten \u00fcber die Vorlieferanten bis hin zu den Vorvorlieferanten. Dies macht die oft verschlungenen und komplexen Netzwerke von Lieferbeziehungen nachvollziehbar und transparent. W\u00e4hrend die meisten Angebote darauf abzielen, Nutzer \u00fcber Risiken zu informieren, gibt es wenige, die eigenst\u00e4ndig pr\u00e4ventive Massnahmen vorschlagen. Letztere w\u00fcrden es jedoch Unternehmen erm\u00f6glichen, schneller zu reagieren.<\/p>\n<p>Die Anbieter auf dem Markt, beispielsweise Sphera, Everstream Analytics, Resilinc und Prewave, bieten ein breites Spektrum an \u00dcberwachungsfunktionen an, die Supply-Chain-Disruptionen erkennen und gleichzeitig vielf\u00e4ltige Risiken erfassen: von geopolitischen Ver\u00e4nderungen \u00fcber wirtschaftliche Schwankungen bis hin zu ver\u00e4ndertem Konsumverhalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr pr\u00e4zisere Vorhersagen w\u00e4re die Verwendung von m\u00f6glichst vielen unternehmensinternen und unternehmens\u00fcbergreifenden Informationen wichtig. Allerdings ist diese Nutzung, einschliesslich der direkten R\u00fcckmeldungen von Lieferanten, eine Herausforderung, was teilweise dem Datenschutz und der Zur\u00fcckhaltung von Unternehmen geschuldet ist, sensible Daten zu teilen. Eine bessere Datenfreigabepraxis w\u00fcrde Fr\u00fchwarnsysteme nicht nur effektiver machen, sondern auch die Koordinierung innerhalb des Liefernetzwerks verbessern.<\/p>\n<p>Abschliessend kann festgehalten werden, dass Fr\u00fchwarnsysteme in einer von Unsicherheit gepr\u00e4gten Welt zunehmend zu einem St\u00fctzpfeiler der Lieferketten-Resilienz f\u00fcr Unternehmen werden und dazu beitragen, strategische Flexibilit\u00e4t in einer vernetzten Wirtschaft zu f\u00f6rdern \u2013 ein Schl\u00fcsselelement f\u00fcr anhaltenden Erfolg.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Lund, S. et al. (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Dieser Artikel st\u00fctzt sich wesentlich auf die Forschungen von Lukas D\u00fctsch und Daniel Langner.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe Auer, T. (2022) und Sheffi, Y., und Rice, J. (2005).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Siehe Alicke, K., et al. (2021).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahrzehnten haben Globalisierung und steigender Wettbewerbsdruck Unternehmen dazu bewogen, ihre Lieferketten auf Effizienz und Kosteneinsparungen zu optimieren. Das hat jedoch die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Supply-Chain-Disruptionen erh\u00f6ht, wie sich unter anderem in und nach der Corona-Pandemie zeigte. Grosse Unternehmen erleiden durch unsichere Lieferketten im Schnitt Verluste von 4,2 Prozent des Ebitda pro Jahr. 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Digitale Supply Chain Fr\u00fchwarnsysteme \u2013 Kategorisierung des Marktangebots und Ausarbeitung von L\u00f6sungsans\u00e4tzen f\u00fcr identifizierte Marktl\u00fccken. Universit\u00e4t St. Gallen.<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">Lund, S. et al. (2020). <a href=\"https:\/\/www.mckinsey.com\/capabilities\/operations\/our-insights\/risk-resilience-and-rebalancing-in-global-value-chains\">Risk, Resilience, and Rebalancing in Global Value Chains<\/a>. McKinsey Global Institute.<\/li>\r\n \t<li class=\"content-copy\">Sheffi, Y., und Rice, J. (2005). Resilient Enterprise. 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