{"id":194515,"date":"2024-03-11T06:00:43","date_gmt":"2024-03-11T05:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=194515"},"modified":"2024-03-11T06:32:24","modified_gmt":"2024-03-11T05:32:24","slug":"inflationserwartungen-ein-wertvoller-indikator-fuer-die-geldpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/03\/inflationserwartungen-ein-wertvoller-indikator-fuer-die-geldpolitik\/","title":{"rendered":"Inflationserwartungen: Ein wertvoller Indikator f\u00fcr die Geldpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizerische Nationalbank hat die Aufgabe, die Preisstabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung zu tragen. Unter Preisstabilit\u00e4t versteht die Nationalbank eine Inflation im Bereich von 0 bis 2 Prozent.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Einen bedeutenden Einfluss auf die Inflation und die Konjunkturentwicklung haben die Inflationserwartungen.<\/p>\n<p>Diese Erwartungen von Haushalten und Unternehmen zur k\u00fcnftigen Inflation haben n\u00e4mlich einen Einfluss darauf, welche L\u00f6hne und Preise sie heute fordern. Weil Lohnverhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern meist nur einmal j\u00e4hrlich stattfinden und auch die G\u00fcterpreise nicht jederzeit angepasst werden k\u00f6nnen, versuchen Haushalte und Unternehmen die k\u00fcnftige Teuerung mit einzubeziehen. Auch f\u00fcr ihre Entscheidungen, wie viel sie konsumieren oder investieren sollen, spielen die Inflationserwartungen eine wichtige Rolle.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Indikator f\u00fcr glaubw\u00fcrdige Geldpolitik<\/h2>\n<p>L\u00e4ngerfristige Inflationserwartungen sind zudem ein wichtiger Indikator daf\u00fcr, wie glaubw\u00fcrdig und damit wirkungsvoll die Geldpolitik ist.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Sind die l\u00e4ngerfristigen Inflationserwartungen gut im Bereich der Preisstabilit\u00e4t verankert, gehen Haushalte und Unternehmen bei Schwankungen der Inflation davon aus, dass diese entweder von selbst abklingen oder dass die Zentralbank wirksame Massnahmen zur Stabilisierung ergreift. Sind die l\u00e4ngerfristigen Inflationserwartungen hingegen nicht gut verankert, besteht die Gefahr, dass Haushalte und Unternehmen jegliche Inflationsschwankungen als dauerhaft einsch\u00e4tzen und in ihre heutigen Lohn- und Preissetzungsentscheide mit einbeziehen. Damit wird es f\u00fcr die Zentralbank immer schwieriger, die Inflation zu stabilisieren. Die Verankerung der Inflationserwartungen ist daher zentral f\u00fcr die Ausrichtung der Geldpolitik.<\/p>\n<p>Da Inflationserwartungen nicht direkt beobachtbar sind, werden sie h\u00e4ufig durch Umfragen ermittelt.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Diese richten sich an professionelle Prognostiker oder direkt an Unternehmen oder Haushalte. F\u00fcr die Schweiz sammeln Consensus Economics und KOF Consensus die Inflationsprognosen von Instituten wie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich (KOF), vom Basler Forschungsinstitut BAK Economics oder von Banken und Versicherungen. Wichtige Unternehmensumfragen sind die Gespr\u00e4che der SNB-Delegierten f\u00fcr regionale Wirtschaftskontakte, die Deloitte-CFO-Umfrage und die KOF-Konjunkturumfragen.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> In der UBS-CFA-Finanzmarktumfrage werden Analysten befragt, und das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) ermittelt bei der <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/?p=194520&amp;v\">Umfrage zur Konsumentenstimmung<\/a> die Erwartungen der Haushalte.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Kurzfristige Inflationserwartungen beziehen sich auf das laufende oder das kommende Jahr oder auf einen fixen Zeitraum von sechs bis zw\u00f6lf Monaten in der Zukunft. Sie werden meist monatlich oder quartalsweise erhoben. L\u00e4ngerfristige Inflationserwartungen beziehen sich auf einen Zeitraum von zwei Jahren und mehr. Sie werden weniger oft aktualisiert, meist quartalsweise oder auch nur halbj\u00e4hrlich. Gefragt wird \u00fcberwiegend nach einer Einsch\u00e4tzung f\u00fcr die Inflation gemessen am Konsumentenpreisindex. Zus\u00e4tzlich enthalten einige Umfragen Angaben zur Prognosestreuung sowie Wahrscheinlichkeiten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Professionelle Prognosen sind treffsicherer<\/h2>\n<p>Studien zeigen, dass die kurzfristigen Inflationserwartungen von professionellen Prognostikern r\u00fcckblickend im Durchschnitt n\u00e4her an der tats\u00e4chlichen Inflation lagen als diejenigen von Haushalten oder Unternehmen.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Zudem herrscht unter professionellen Prognostikern mehr Einigkeit \u00fcber ihre Inflationserwartungen. Ihre l\u00e4ngerfristigen Erwartungen sind auch weniger volatil (siehe Abbildung 1) und reagieren weniger empfindlich auf aktuelle Entwicklungen. Die Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen sind indes in vielen F\u00e4llen systematisch zu hoch.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Wichtige Informationen lassen sich daher eher aus den Ver\u00e4nderungen als aus ihrem Niveau ziehen.<\/p>\n<p>Trotzdem sind die Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen informativ f\u00fcr die Geldpolitik, da sie nah am Wirtschaftsgeschehen sind und strukturelle \u00c4nderungen fr\u00fchzeitig erfassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 1: Umfragen bei Prognostikern zur l\u00e4ngerfristigen Inflation sind stabiler (Jan 2013\u2013Okt 2023)<\/h2>\n<h6 class=\"content-copy copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class='chart chart--normal' id='SCHEUFELE_01-2024_Abb1_DE'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n\nHighcharts.dateFormats = {\n  q: function(timestamp) {\n    var date = new Date(timestamp),\n      quarter = (Math.floor(date.getUTCMonth() \/ 3) + 1);\n    console.log(quarter);\n    return quarter;\n  }\n};\n\n    $('#SCHEUFELE_01-2024_Abb1_DE').highcharts({\n      chart: {\n    type: 'line'\n  },\n\n  title: {\n    text: ''\n  },\n\n  xAxis: {\n    type: 'datetime',\n    units: [ \/\/ responsive ticks\n      ['month', [3, 6]],\n      ['year', [1]]\n    ],\n    labels: {\n      format: '{value:Q%q\\'%y}',\n      rotation: -30\n    }\n  },\n   yAxis: { \n   labels: {\n            format: '{value}%',\n           \n        },\n        \n        title: {\n            text: 'erwartete Inflation',\n           \n        }} ,\n  plotOptions: {\n  series: {\n            connectNulls: true\n        },\n\n\nline: {\n            marker: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\n\n  series: [{\n  name: 'Deloitte (Unternehmensbefragung, 2 Jahre)',\n  color: '#bcd3d3',\n    data: [1.38,1.2,1.28,1.24,1.27,1.19,1.09,0.96,0.6,0.68,0.78,0.74,0.74,0.63,0.8,0.9,1.12,1.08,1.03,null,1.25,null,1.28,null,1.07,null,1.01,null,0.65,null,0.86,null,1.03,null,1.32,null,2.03,null,2.38,null,2.16,null,1.7,null],\n    pointInterval: 3,\n    pointIntervalUnit: 'month',\n    pointStart: Date.UTC(2013, 0, 1) \/\/ 2013-01-01\n  }, \n  {\n  name: 'SNB Delegiertenumfrage (Unternehmensbefragung, 3-5 Jahre)',\n  color: '#327775',\n    data: [null,null,1.64,1.65,1.28,1.11,1.17,1.2,0.48,0.58,0.7,0.77,0.67,0.49,0.51,0.78,0.9,0.99,1.05,1.16,1.14,1.11,0.99,1.13,0.88,0.81,0.76,0.72,0.73,1.03,0.86,0.97,1.07,1.21,1.52,1.49,1.63,1.86,1.86,1.68,1.55,1.66,1.51,1.46\n],\n    pointInterval: 3,\n    pointIntervalUnit: 'month',\n    pointStart: Date.UTC(2013, 0, 1) \/\/ 2013-01-01\n  },{\n  name: 'UBS CFA (Umfrage unter Finanzanalysten, 3-5 Jahre)',\n  color: '#999999',\n    data: [1.92,1.65,1.5,1.56,1.4,null,1.22,1.31,1.14,1.05,1.09,1.07,1.25,1.16,1.01,1.14,1.37,1.23,1.14,1.2,1.19,1.43,1.21,1.11,1.11,1.1,1.08,1.1,0.8,1.05,1.14,0.98,1.21,1.37,1.4,1.3,1.66,1.87,1.73,1.8,1.78,1.77,1.7,1.37\n],\n    pointInterval: 3,\n    pointIntervalUnit: 'month',\n    pointStart: Date.UTC(2013, 0, 1) \/\/ 2013-01-01\n  }, {\n  name: 'Consensus Economics (Umfrage unter Prognostikern, 5 Jahre)',\n  color: '#9c92bf',\n  enableMouseTracking: false,\n    data: [null,1.5,null,1.32,null,1.32,1.43,1.43,1.42,1.46,1.25,1.33,1.32,1.29,1.3,1.16,1.33,1.41,1.44,1.27,1.28,1.25,1.26,1.18,1.35,1.31,1.32,1.14,1.15,1.01,1.01,0.87,1.03,1.03,0.98,1.09,1.04,1.03,1.08,1.01,1.19,1.2,1.11,1.12\n],\n    pointInterval: 3,\n    pointIntervalUnit: 'month',\n    pointStart: Date.UTC(2013, 0, 1) \/\/ 2013-01-01,\n    \n        \n    \n  },{\n  name: 'KOF Consensus (Umfrage unter Prognostikern, 5 Jahre)',\n  color: '#655c99',\n    data: [null,null,null,null,null,null,null,null,1.13,1.01,0.95,1.05,1.16,1.1,1.06,1.06,1.23,1.21,1.1,1.17,1.15,1.3,1.18,1.18,1.16,1.09,0.96,1,0.79,1.08,1.05,0.84,1.26,1.1,0.84,0.82,0.99,1.09,1.25,0.94,1.13,1.22,1.27,1.11],\n    pointInterval: 3,\n    pointIntervalUnit: 'month',\n    pointStart: Date.UTC(2013, 0, 1) \/\/ 2013-01-01\n  } ]\n\n});\n\n});\n\n\n\n<\/script>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: Consensus Economics \/ CFA Society Switzerland und UBS \/ Deloitte \/ KOF \/ SNB \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Ab 2021: Anstieg der Inflationserwartungen<\/h2>\n<p>Im Zuge des beharrlichen Inflationsanstiegs nach der Corona-Pandemie erh\u00f6hten sich auch die Inflationserwartungen in der Schweiz. Vor allem f\u00fcr fernere Erwartungshorizonte legten allerdings die Inflationserwartungen der Unternehmen und Analysten insgesamt deutlich st\u00e4rker zu als diejenigen der professionellen Prognostiker (siehe Abbildung 1). Diese Entwicklungen liessen keine eindeutigen Schl\u00fcsse dar\u00fcber zu, ob die l\u00e4ngerfristigen Inflationserwartungen noch verankert waren. Deshalb analysierte die Nationalbank die Inflationserwartungen vertieft im Hinblick auf das Risiko einer Entankerung.<\/p>\n<p>So untersuchte die Nationalbank die gesch\u00e4tzten Wahrscheinlichkeitsverteilungen der l\u00e4ngerfristigen Inflationserwartungen aus den Umfragen von UBS CFA, Deloitte und KOF Consensus. In diesen Umfragen geben die Teilnehmer neben den Punktsch\u00e4tzungen f\u00fcr die Inflationsrate auch Wahrscheinlichkeiten daf\u00fcr an, dass die Inflation in bestimmten Intervallen liegen wird. In den Jahren 2021 und 2022 erh\u00f6hten sich diese Wahrscheinlichkeiten f\u00fcr hohe Inflationsraten sp\u00fcrbar (siehe Abbildung 2). Die Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation mittelfristig gar \u00fcber 2 Prozent zu liegen kommt, erreichte Mitte 2022 in allen drei Umfragen neue H\u00f6chstwerte. Dies war ein klares Signal daf\u00fcr, dass das Risiko einer Entankerung der Inflationserwartungen zugenommen hatte.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Abb. 2: Finanzanalysten hielten 2022 eine l\u00e4ngerfristige Inflation von \u00fcber 2 Prozent f\u00fcr wahrscheinlicher<\/h2>\n<h6 class=\"content-copy copy-small-bold\">INTERAKTIVE GRAFIK<\/h6>\n<div class='chart chart--normal' id='SCHEUFELE_2-2024_Abb2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#SCHEUFELE_2-2024_Abb2_de').highcharts({\n\n chart: {\n                type: 'column'\n            },\n    \n            title: {\n                text: ''\n            },\n    \n            xAxis: {\ntitle: {\n                    text: 'erwartete Inflation'\n                },\n                categories: ['<-2%','>-2% bis 0%','>0% bis 2%','>2% bis 4%','>4%'], \n                 \n         \n                     labels: {\n         \n          style: {\n          \n            fontSize: '12px',\n            fontFamily: 'Helvetica'\n          }\n        }\n                     \n          },\n    \n            yAxis: {\n                allowDecimals: false,\n                title: {\n                    text: 'Wahrscheinlichkeiten'\n                },\nlabels: {format: '{value}%',\n},\n                stackLabels: {\n                    enabled: true,\n                    formatter: function() {\n                        return  this.stack;\n                    }\n                }\n            },\n    \n            tooltip: {\n                formatter: function() {\n                    return '<b>'+ this.x +'<\/b><br\/>'+\n                        this.series.name +': '+ this.y +'%<br\/>';\n\n                }\n            },\n    \n            plotOptions: {\n                column: {\n                    stacking: ''\n                },\n                 series: {\n            dataLabels: {\n                enabled: true\n            }\n        }\n            },\n    \n            series: [ {\n                name: '2019-Q1',\n        data: [1.74,17.83,71.52,7.57,1.35],\n                stack: '2019', \n               \n                 color:\"\t#cdc5df\"\n                \n                \n            }, {\n                name: '2022-Q2',\n                data: [0.73,5.83,59.43,26.47,7.53],\n                stack: '2022',\n                                color:\"#655c99\"\n                \n                \n            },{\n                name: '2023-Q4',\n        data: [5.03,12.75,67.19,13,2.03\n],\n                stack: '2023', \n               \n                 color:\"#649795\"\n                \n                \n            },\n            \n            ]\n             });\n});\n\n\n\n<\/script>\n<div class=\"diagram-legend\">Anmerkung: Die Abbildung zeigt die Wahrscheinlichkeitsverteilung der erwarteten Inflation gem\u00e4ss der Finanzmarktumfrage UBS CFA f\u00fcr die kommenden drei bis f\u00fcnf Jahre f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Quartale.<\/div>\n<div class=\"diagram-legend\">Quelle: CFA Sociey Switzerland, UBS \/ Die Volkswirtschaft<\/div>\n<p>Zudem analysierte die Nationalbank, inwieweit sich Ver\u00e4nderungen in den Inflationserwartungen mit n\u00e4herem Erwartungshorizont auf die l\u00e4ngere Frist \u00fcbertrugen. Sind die l\u00e4ngerfristigen Inflationserwartungen gut verankert, sollten sie nicht auf vor\u00fcbergehende wirtschaftliche Entwicklungen reagieren. Die Analysen der Nationalbank zeigten allerdings, dass die l\u00e4ngerfristigen Inflationserwartungen ab Mitte 2021 zusehends empfindlicher reagierten. Zwar blieb die \u00dcbertragung insgesamt begrenzt, aber bereits ihr Auftreten war ein weiteres Indiz daf\u00fcr, dass sich das Risiko einer Entankerung der l\u00e4ngerfristigen Inflationserwartungen erh\u00f6ht hatte.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Die Nationalbank reagiert entschlossen<\/h2>\n<p>Die Nationalbank bezog diese Entwicklungen in ihre geldpolitischen Entscheidungen mit ein und straffte die Geldpolitik entschlossen: Zuerst liess sie bereits im Jahr 2021 eine gewisse Aufwertung des Frankens zu, und ab Mitte 2022 erh\u00f6hte sie den SNB-Leitzins in mehreren Schritten um insgesamt 2,5 Prozentpunkte bis auf aktuell 1,75 Prozent. In der Folge verringerte sich die Inflation; sie liegt seit Herbst 2023 wieder im Bereich der Preisstabilit\u00e4t. Gleichzeitig sanken auch die Inflationserwartungen kontinuierlich, und das Risiko einer Entankerung der l\u00e4ngerfristigen Erwartungen hat sich wieder normalisiert.<\/p>\n<p>Die Erfahrung in den Jahren 2021 und 2022 hat gezeigt, dass verschiedene Inflationserwartungsindikatoren unterschiedliche Eigenschaften haben und daher zuweilen uneindeutige Signale geben k\u00f6nnen. Deswegen ist es f\u00fcr die Nationalbank wichtig, ein breites Portfolio an Indikatoren zu analysieren.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Tschudin und Lenz (2023).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe etwa Bernanke (2007).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Eine Alternative sind marktbasierte Indikatoren, die von Finanzprodukten mit Inflationsbezug abgeleitet werden. In der Schweiz existieren solche Produkte nicht, unter bestimmten Annahmen k\u00f6nnen aber marktbasierte Inflationserwartungen von ausl\u00e4ndischen Finanzprodukten abgeleitet werden. Siehe Gerlach-Kristen et al (2017).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Seit Oktober 2022 erhebt die KOF Unternehmenserwartungen zur Inflations- und Lohnentwicklung.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Letztere wird seit den 1970er-Jahren erhoben, bislang jedoch nur qualitativ und f\u00fcr die kurze Frist. Eine Quantifizierung kann nur mit weiteren Annahmen vorgenommen werden. Siehe Fluri und Sp\u00f6rndli (1989) sowie Rosenblatt und Scheufele (2015). Dies \u00e4ndert sich jetzt mit den neuen quantitativen Fragen, die das Seco eingef\u00fchrt hat.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Siehe Carroll (2003) f\u00fcr die USA sowie Kleinewerfers (1997) oder Rosenblatt und Scheufele (2015) f\u00fcr die Schweiz.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Haushalte gewichten Preise h\u00f6her, wenn sie ihnen h\u00e4ufiger ausgesetzt sind (z. B. stark schwankende Energie- und Nahrungsmittelpreise). Gleichzeitig nehmen sie Preiserh\u00f6hungen st\u00e4rker wahr als Preisreduktionen. Siehe Weber et al (2022).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizerische Nationalbank hat die Aufgabe, die Preisstabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung zu tragen. Unter Preisstabilit\u00e4t versteht die Nationalbank eine Inflation im Bereich von 0 bis 2 Prozent. Einen bedeutenden Einfluss auf die Inflation und die Konjunkturentwicklung haben die Inflationserwartungen. 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(2003). <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/qje\/article-abstract\/118\/1\/269\/1917034?redirectedFrom=fulltext&amp;login=true\">Macroeconomic Expectations of Households and Professional Forecasters<\/a>,\u00a0The Quarterly Journal of Economics,\u00a0118, 269\u2013298.<\/li>\r\n \t<li>Fluri, R. und Sp\u00f6rndli, E. (1989). Rationalit\u00e4t von Inflationserwartungen, Quartalsheft der Schweizerischen Nationalbank Nr. 2\/1989, 164\u2013174.<\/li>\r\n \t<li>Gerlach, P., Moessner, R. und Rosenblatt-Wisch, R. (2017). Computing Long\u2010Term Market Inflation Expectations for Countries Without Inflation Expectation Markets, Working Papers 2017-09, Swiss National Bank.<\/li>\r\n \t<li>Kleinewefers Lehner, A. (1997). Rationalit\u00e4t der Inflationserwartungen in der Schweiz und in Deutschland, Schweizerische Zeitschrift f\u00fcr Volkswirtschaft und Statistik, Vol. 133, 557\u2013574.<\/li>\r\n \t<li>Rosenblatt-Wisch, R. und Scheufele, R. (2015). Quantification and Characteristics of Household Inflation Expectations in Switzerland. Applied Economics, 47, 2699\u20132716.<\/li>\r\n \t<li>Tschudin, P. und Lenz, C. (2023). <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2023\/11\/das-geldpolitische-konzept-der-snb-bewaehrt-sich\/\">Das geldpolitische Konzept der SNB bew\u00e4hrt sich<\/a>.\u00a0Die Volkswirtschaft, 02. November.<\/li>\r\n \t<li>Weber, M., D\u2019Acunto, F., Gorodnichenko, Y. und Coibion, O. (2022). The Subjective Inflation Expectations of Households and Firms: Measurement, Determinants, and Implications, Journal of Economic Perspectives, 157\u2013184.<\/li>\r\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":"","serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[4306],"korrektor":5357,"planned_publication_date":"2024-03-11 05:00:43","original_files":null,"external_release_for_author":"20240307","external_release_for_author_time":"00:05:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/659bae7c61067"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/194515"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4498"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=194515"}],"version-history":[{"count":52,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/194515\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":196824,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/194515\/revisions\/196824"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4306"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11525"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11585"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4498"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/195656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=194515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=194515"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=194515"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=194515"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=194515"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=194515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}