{"id":195356,"date":"2024-04-05T07:00:46","date_gmt":"2024-04-05T05:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=195356"},"modified":"2024-04-12T09:11:24","modified_gmt":"2024-04-12T07:11:24","slug":"klimapolitik-in-der-schweizer-entwicklungszusammenarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/04\/klimapolitik-in-der-schweizer-entwicklungszusammenarbeit\/","title":{"rendered":"Klimapolitik in der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit"},"content":{"rendered":"<p>Entwicklungsl\u00e4nder streben nach einem gr\u00fcnen Wirtschaftswachstum, das sowohl unternehmerische Chancen als auch Arbeitspl\u00e4tze schafft. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) arbeitet mit seinen Partnerl\u00e4ndern<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> auf dieses Ziel hin. Es unterst\u00fctzt sie dabei, eine nachhaltige und widerstandsf\u00e4hige Wirtschaft aufzubauen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund hat das Seco eine neue <a href=\"https:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch\/secocoop\/de\/home\/strategie\/entwicklungspolitische-themen\/klima-und-ressourceneffizienz.html\">Klimastrategie<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> <\/a>entwickelt. Diese zielt darauf ab, dass die Aktivit\u00e4ten des Seco in Entwicklungsl\u00e4ndern ab 2025 im Einklang mit den Zielen des Klima\u00fcbereinkommens von Paris stehen. Die Strategie umfasst vier Schwerpunkte: erneuerbare Energien ausbauen, Lieferketten verbessern, nachhaltige Finanzierung etablieren und Stadtplanung optimieren.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Orientierung am \u00dcbereinkommen von Paris<\/h2>\n<p>Das Seco richtet seine Klimapolitik in der internationalen Zusammenarbeit ab 2025 vollst\u00e4ndig am Klima\u00fcbereinkommen von Paris aus, indem es den Klimawandel in s\u00e4mtliche wirtschaftlichen Entwicklungsaktivit\u00e4ten einbezieht. Klimasch\u00e4dliche Aktivit\u00e4ten sollen nach und nach eingestellt werden, insbesondere durch die F\u00f6rderung der Energiewende. Daf\u00fcr will das Seco zusammen mit der Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) des Eidgen\u00f6ssischen Departements f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA) 400 Millionen Franken pro Jahr einsetzen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Das Seco hat in jedem seiner Partnerl\u00e4nder individuell die klimatischen Herausforderungen identifiziert und will diese gemeinsam mit den L\u00e4ndern angehen. F\u00fcr jeden Wirtschaftssektor wurden Leitlinien erarbeitet, die bew\u00e4hrte Methoden ber\u00fccksichtigen. Die Klimarisiken werden im gesamten Zyklus der Seco-Projekte \u2013 von der Planung \u00fcber die Umsetzung bis zum Monitoring \u2013 beachtet.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Saubere Energiequellen f\u00f6rdern<\/h2>\n<p>Das Seco unterst\u00fctzt eine beschleunigte Energiewende und f\u00f6rdert die Integration erneuerbarer Energiequellen (Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft) in den Strommix seiner Partnerl\u00e4nder. Es f\u00f6rdert private Investitionen in erneuerbare Energien und die entsprechende Gesetzgebung in den Partnerl\u00e4ndern. Zudem entwickelt das Seco mit den Partnerl\u00e4ndern Finanzierungsmechanismen wie langfristige Darlehen in lokaler W\u00e4hrung. Es unterst\u00fctzt auch die lokalen Energieeffizienzanstrengungen in den Bereichen Industrie, Verkehr, Wohnen, Trink- und Abwasser.<\/p>\n<p>In Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Entwicklungsbank, dem Klimainvestitionsfonds und der Regierung von Ghana lancierte das Seco beispielsweise das Projekt \u00abGhana Solar-Photovoltaic Based Net-Metering\u00bb. Ziel des Projekts ist es, Ghana bei der Umstellung auf eine kohlenstoffarme, nachhaltige Entwicklung zu unterst\u00fctzen und gleichzeitig die Energiesicherheit zu st\u00e4rken. Durch das Projekt sollen ghanaische Elektrizit\u00e4tsunternehmen den Strom von 12\u2019000 Fotovoltaiksystemen auf D\u00e4chern von Unternehmen \u2013 etwa 62,5 Megawatt \u2013 in das Stromnetz integrieren.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Bessere Produktionsketten<\/h2>\n<p>Das Seco unterst\u00fctzt seit vielen Jahren eine \u00f6kologische und nachhaltige Produktion von Industrie- und Landwirtschaftsg\u00fctern in Entwicklungsl\u00e4ndern. Das Programm f\u00fcr \u00d6ko-Industrieparks hilft kleinen und mittleren Unternehmen in Kolumbien, \u00c4gypten, Peru, Vietnam, S\u00fcdafrika und in der Ukraine dabei, ihren Verbrauch von Strom, Wasser und anderen Ressourcen zu senken. Diese KMU stellen damit nicht nur auf eine \u00f6kologischere Produktion um, sondern werden auch produktiver und h\u00e4ufig wettbewerbsf\u00e4higer. Das Programm wird zusammen mit der Organisation der Vereinten Nationen f\u00fcr industrielle Entwicklung (Unido) durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Klimafreundliche Investitionen unterst\u00fctzen<\/h2>\n<p>Um die Klimakrise zu bew\u00e4ltigen, m\u00fcssen staatliche und private Akteure verst\u00e4rkt saubere und nachhaltige Energien finanzieren anstatt fossiler Brennstoffe. Zur Unterst\u00fctzung der \u00f6kologischen Umstellung der Unternehmen in seinen Partnerl\u00e4ndern hat das Seco deshalb ein F\u00f6rderprogramm ins Leben gerufen. Dieses sieht vor, dass die L\u00e4nder gr\u00fcne Anleihen ausgeben sowie Normen und Praktiken im Bereich Umwelt, Soziales und Gouvernanz (ESG) verabschieden sollen.<\/p>\n<p>Das Seco hilft schweizerischen und internationalen Finanzinstitutionen dabei, das Risiko des Verlusts von Biodiversit\u00e4t mithilfe von Tools wie der Datenbank <a href=\"https:\/\/www.encorenature.org\/en\">Encore<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a><\/a> besser zu managen. Diese Datenbank wurde insbesondere von der Schweizer Stiftung Mava und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) entwickelt. Das Seco unterst\u00fctzt die L\u00e4nder zudem bei der Erarbeitung und Umsetzung von Preisgestaltungsmechanismen f\u00fcr CO<sub>2<\/sub>, wie etwa einem Emissionshandelssystem oder einer CO<sub>2<\/sub>-Steuer. Abschliessend hilft das Seco den Zentralbanken und Regulierungsbeh\u00f6rden, die Risiken des Klimawandels im Finanzsektor zu \u00fcberwachen und gemeinsam mit dem Privatsektor Massnahmen zu ergreifen, um sie einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentlichen Finanzen der Partnerl\u00e4nder sollen nachhaltiger werden. Das Seco hilft den L\u00e4ndern, ihre Subventionen f\u00fcr fossile Brennstoffe und Energietr\u00e4ger zu senken, die Investitionen in klimafreundlichere Energiequellen (Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft) zu erh\u00f6hen und Massnahmen zu ergreifen, um die \u00f6ffentlichen Finanzen angesichts der Klimarisiken widerstandsf\u00e4higer zu machen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der St\u00e4rkung der nationalen Versicherungsm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Durch ihr Engagement zugunsten ehrgeiziger Klimaziele in den multilateralen Entwicklungsbanken setzt sich die Schweiz auf globaler Ebene f\u00fcr eine emissionsarme und resiliente Entwicklung ein. Die multilateralen Banken sind zentrale Akteure bei der Klimafinanzierung in den Entwicklungsl\u00e4ndern. Die Schweiz fordert zudem eine verbesserte Koordination der multilateralen Institutionen, insbesondere zwischen den Entwicklungsbanken und den Klimafonds.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Nachhaltige Stadtplanung<\/h2>\n<p>St\u00e4dte sind die Motoren der Wirtschaft. Sie beherbergen die H\u00e4lfte der weltweiten Bev\u00f6lkerung und stossen \u00fcber 70 Prozent der Treibhausgase aus. St\u00e4dte sind auch besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Klimarisiken wie extreme Wetterereignisse oder den Anstieg des Meeresspiegels. Das kann zu grossen Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung und massiven wirtschaftlichen Verlusten f\u00fchren.<\/p>\n<p>Um diesen Herausforderungen zu begegnen, arbeitet das Seco mit Schweizer Stadtplanern zusammen. Das Ziel besteht darin, den \u00f6ffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr in den Partnerl\u00e4ndern zu f\u00f6rdern. Das Seco unterst\u00fctzt die St\u00e4dte ebenfalls bei der Entwicklungsplanung, indem es die klimatisch bedingten Risiken von Naturkatastrophen ber\u00fccksichtigt und die Einrichtung von Fr\u00fchwarnsystemen f\u00f6rdert. Gegebenenfalls unterst\u00fctzt das Seco auch die Wahl geeigneter Finanzierungsinstrumente f\u00fcr den Wiederaufbau.<\/p>\n<p>Ein von der Weltbank und dem Seco gemeinsam finanziertes Projekt in Vietnam sollte beispielsweise die Widerstandsf\u00e4higkeit der Stadt Can Tho gegen\u00fcber klimabedingten Naturkatastrophen erh\u00f6hen. Dazu fokussierte man auf die beiden Hauptrisiken, welche die sozio\u00f6konomische Entwicklung der Stadt bedrohen: \u00dcberschwemmungen und unkontrolliertes Wachstum. Die Fonds des Seco verst\u00e4rken die F\u00e4higkeit der Stadt, ihr neues Kontrollsystem f\u00fcr \u00dcberschwemmungen und Entw\u00e4sserung effizient zu nutzen und zu verbessern. Ausserdem unterst\u00fctzen sie die Stadtplanung durch die Einf\u00fchrung einer Plattform f\u00fcr Raumplanung.<\/p>\n<p>Das Seco arbeitet intensiv mit seinen Partnerl\u00e4ndern in Asien, Afrika, S\u00fcdamerika und auf dem europ\u00e4ischen Kontinent sowie mit seinen multilateralen Partnern zusammen, um die im Klima\u00fcbereinkommen von Paris festgelegten Ziele zu erreichen und eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die Schwerpunktl\u00e4nder des Seco in der Periode 2025\u20132028 sind: Albanien, \u00c4gypten, Ghana, Indonesien, Kirgistan, Marokko, Peru, Serbien, S\u00fcdafrika, Tadschikistan, Tunesien, Ukraine und Vietnam (bedarf noch der Zustimmung des Bundesrates und des Parlaments). Siehe auch Website des <a href=\"https:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch\/secocoop\/de\/home\/strategie\/entwicklungspolitische-themen.html\">Seco<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe \u00ab<\/a><a href=\"https:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch\/secocoop\/de\/home\/strategie\/entwicklungspolitische-themen\/klima-und-ressourceneffizienz.html\">SECO\u2019s Approach to Climate Change<\/a><a class=\"icon icon--before icon--pdf\" title=\"SECO\u2019s Approach to Climate Change\" href=\"https:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch\/dam\/secocoop\/en\/dokumente\/strategie\/Position%20Paper%20Climate%20final.pdf.download.pdf\/Position%20Paper%20Climate%20final.pdf\">\u00bb.<\/a><a href=\"https:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch\/secocoop\/de\/home\/strategie\/entwicklungspolitische-themen\/klima-und-ressourceneffizienz.html\">&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Dieses Ziel ist Teil der Strategie f\u00fcr internationale Zusammenarbeit 2025\u20132028, die im Herbst und Winter 2024 vom Bundesrat und vom Parlament genehmigt werden muss.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Exploring Natural Capital Opportunities, Risks and Exposure (Encore).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entwicklungsl\u00e4nder streben nach einem gr\u00fcnen Wirtschaftswachstum, das sowohl unternehmerische Chancen als auch Arbeitspl\u00e4tze schafft. 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