{"id":195578,"date":"2024-03-12T07:20:39","date_gmt":"2024-03-12T06:20:39","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=195578"},"modified":"2024-03-12T08:26:18","modified_gmt":"2024-03-12T07:26:18","slug":"fake-news-nicht-nur-ein-problem-in-sozialen-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/03\/fake-news-nicht-nur-ein-problem-in-sozialen-medien\/","title":{"rendered":"Fake News \u2013 nicht nur ein Problem in sozialen Medien"},"content":{"rendered":"<p>Medien dienen der Gesellschaft als wichtiger Zugang zu Themen von politischer und \u00f6ffentlicher Bedeutung. Vor allem klassische Massenmedien wie das Fernsehen oder die Zeitungen spielen eine entscheidende Rolle dabei, komplizierte Sachverhalte einem breiten Publikum n\u00e4herzubringen. Diese Medienorganisationen folgen journalistischen Qualit\u00e4tsstandards und erstellen Inhalte basierend auf Kriterien wie Relevanz, Verst\u00e4ndlichkeit, Aktualit\u00e4t und Korrektheit.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu stehen neue Medien wie soziale Netzwerke und Videoplattformen, die nicht nach denselben institutionalisierten und regulierten Standards operieren. Hier fehlt die Rolle der Gatekeeper, also der Journalisten, die Informationen recherchieren, kritisch pr\u00fcfen und aufbereiten. In sozialen Medien kann jeder unabh\u00e4ngig vom Professionalit\u00e4tsgrad Inhalte erstellen und teilen. Trotzdem dienen diese Plattformen nicht nur der sozialen Vernetzung, sondern auch immer h\u00e4ufiger als Informationsquelle, wie aktuelle <a href=\"https:\/\/www.zora.uzh.ch\/id\/eprint\/224522\/1\/DNR_22_Schweiz.pdf\">Studien<\/a> zeigen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Besonders junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren nutzen soziale Medien vermehrt als prim\u00e4re Nachrichtenquelle. Dabei gewinnen audiovisuelle Inhalte auf Plattformen wie Youtube an <a href=\"https:\/\/www.foeg.uzh.ch\/dam\/jcr:3c03b490-642e-4ee3-b0e6-dba0a9b12527\/2018_Gesamtausgabe.pdf\">Popularit\u00e4<\/a>t.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Algorithmen bestimmen, wer was sieht<\/h2>\n<p>Der Nachrichtenkonsum \u00fcber soziale Netzwerke birgt jedoch Risiken, darunter die zunehmende Verbreitung von Falschinformationen oder Fake News. Dieses Ph\u00e4nomen ist sp\u00e4testens seit der Amtszeit von Donald Trump zu einem Schlagwort geworden. Es betrifft nicht nur die \u00d6ffentlichkeit und die Forschung, sondern besch\u00e4ftigt auch Eltern von jungen Mediennutzenden. Der Begriff Fake News wird zwar h\u00e4ufig verwendet, doch eine einheitliche Definition fehlt. Zudem ist die Abgrenzung zu anderen Ph\u00e4nomenen wie Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen oder fiktionalen Inhalten oft unscharf. Im Kern geht es bei Fake News um die absichtliche Verbreitung von Unwahrheiten im Internet, besonders in sozialen Netzwerken, oft mit dem Ziel, Lesende emotional zu beeinflussen, zu ver\u00e4rgern oder zu mobilisieren. Die Motive hinter solchen Falschmeldungen sind vielf\u00e4ltig, einschliesslich wirtschaftlicher, politischer oder ideologischer Natur.<\/p>\n<p>Die Verbreitung von Falschinformationen ist kein neues Ph\u00e4nomen. Es hat aber durch die Digitalisierung und die leichte Verf\u00fcgbarkeit von Technologien wie Smartphones und KI-Anwendungen zur Erstellung und Manipulation von Inhalten an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig verbreiten sich Falschmeldungen besonders in sozialen Netzwerken in einem rasanten Tempo. Das liegt unter anderem daran, dass Nachrichten auf diesen Plattformen durch Algorithmen verbreitet werden. Inhalte, die \u00fcberraschend oder emotionalisierend sind, erhalten mehr Aufmerksamkeit und werden eher gelesen und geteilt und daher von Algorithmen als besonders wichtig eingestuft. Als Folge verbreiten sich gewisse (Falsch-)Meldungen wie ein Lauffeuer. So beispielsweise Donald Trumps zahlreiche Posts, die den Wahlsieg seines Kontrahenten Joe Biden dementierten und letztendlich im Sturm auf das Capitol in Washington am 6. Januar 2021 m\u00fcndeten.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Fake News auch in traditionellen Medien<\/h2>\n<p>Fake News sind aber nicht nur auf soziale Netzwerke beschr\u00e4nkt \u2013 manchmal finden sie ihren Weg in traditionelle Massenmedien. Dies unter anderem deshalb, weil sich im Zuge der Digitalisierung und des damit einhergehenden neuen Medienangebots auch die Arbeit in den Redaktionen ge\u00e4ndert hat. Journalisten greifen bei ihren Recherchen auf Plattformen wie X (ehemals Twitter) als Informationsquellen zur\u00fcck, da dort unter anderem Nutzende als Augenzeugen fungieren k\u00f6nnen. Bei der Auswahl von Nachrichten orientieren sich Journalisten an bestimmten Kriterien, sogenannten Nachrichtenfaktoren, die den Nachrichtenwert einer Meldung bestimmen. Faktoren wie Aktualit\u00e4t und Relevanz, aber auch Skandalisierung oder Emotionalisierung erh\u00f6hen den Nachrichtenwert und die Wahrscheinlichkeit, dass eine Meldung von den Massenmedien aufgegriffen wird. Da Falschmeldungen h\u00e4ufig solche Faktoren aufweisen, erscheinen diese manchmal in der Medienagenda. Dieses Risiko besteht vor allem in der Online-Berichterstattung, weil dort die Schnelligkeit der Ver\u00f6ffentlichung zentral ist. Journalisten stehen daher unter Druck, schnell zu informieren, was auf Kosten gr\u00fcndlicher Recherche gehen kann.<\/p>\n<p>Vertrauensw\u00fcrdige Informationsquellen zu finden und richtige von falschen Inhalten zu unterscheiden, ist in der heutigen komplexen und dynamischen Medienlandschaft kein einfaches Unterfangen. Die regelrechte \u00dcberflutung mit Informationen kann zu einem Verdruss f\u00fchren, der den Wunsch weckt, sich g\u00e4nzlich von Nachrichten abzuwenden. Doch gerade in einer Demokratie ist es zentral, dass die Bev\u00f6lkerung Zugang zu relevanten Themen hat und sich auf Basis von Fakten informieren kann, um sich eine eigene Meinung zu bilden und politisch aktiv zu sein.<\/p>\n<h2 class=\"text__graphic-title\">Gute Recherche bew\u00e4hrt sich<\/h2>\n<p>Genau hier spielen guter Journalismus und differenzierte Recherche eine zentrale Rolle. Beides ist in sozialen Netzwerken kaum gew\u00e4hrleistet. Nat\u00fcrlich sind auch redaktionelle Anbieter heutzutage auf Plattformen wie Instagram und X aktiv und bieten fundierte Inhalte an. Die Verarbeitungstiefe aufseiten der Mediennutzenden ist aber sehr viel geringer, da man nur mit kleinen Nachrichtenschnipseln versorgt wird und eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Inhalten kaum stattfindet.<\/p>\n<p>Zudem ist ein Grossteil der Informationen, mit denen Nutzende in sozialen Netzwerken in Kontakt kommen, nicht nach redaktionellen Standards aufbereitet. Viel eher begegnet man Inhalten, die m\u00f6glichst auf das pers\u00f6nliche Nutzungsprofil zugeschnitten sind und den eigenen Interessen und Meinungen entsprechen. Das Ziel der Plattformen ist es nicht, gut zu informieren, sondern die Nutzer m\u00f6glichst lange auf den Websites und Apps zu halten. Sich ausschliesslich in sozialen Netzwerken zu informieren, birgt daher nicht nur ein erh\u00f6htes Risiko, auf Falschmeldungen zu treffen, sondern kann auch dazu f\u00fchren, in sogenannten Filterblasen der immer gleichen Inhalte zu versinken und kaum mehr kontr\u00e4re Meinungen pr\u00e4sentiert zu bekommen. Im Extremfall entsteht dadurch ein verzerrtes Bild der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund sind in der heutigen digitalisierten Medienlandschaft journalistische Standards wichtiger denn je. Gleichzeitig ist die F\u00f6rderung der Medienkompetenz von Mediennutzenden von zentraler Bedeutung. Dabei ist ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber, wie Nachrichten produziert werden, genauso wichtig wie die F\u00e4higkeit, Medieninhalte kritisch zu hinterfragen, seien sie nun aus redaktionellen Kan\u00e4len oder aus dem Internet. Das Thema Nachrichtenkompetenz und Fake News findet in vielen Schulen Platz im Lehrplan. Auch jeder Einzelne von uns kann seinen kritischen Blick sch\u00e4rfen. So kann auf das Layout und die Tonalit\u00e4t von Beitr\u00e4gen geachtet werden. Sind Inhalte sehr stark emotionalisierend, hetzerisch oder pauschalisierend, so lohnt es sich, innezuhalten und sich den Urheber der Meldung genauer anzuschauen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Udris et al. (2022).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe F\u00f6g (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medien dienen der Gesellschaft als wichtiger Zugang zu Themen von politischer und \u00f6ffentlicher Bedeutung. Vor allem klassische Massenmedien wie das Fernsehen oder die Zeitungen spielen eine entscheidende Rolle dabei, komplizierte Sachverhalte einem breiten Publikum n\u00e4herzubringen. Diese Medienorganisationen folgen journalistischen Qualit\u00e4tsstandards und erstellen Inhalte basierend auf Kriterien wie Relevanz, Verst\u00e4ndlichkeit, Aktualit\u00e4t und Korrektheit. 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Forschungszentrum \u00d6ffentlichkeit und Gesellschaft (F\u00f6g), Universit\u00e4t Z\u00fcrich.<\/li>\r\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":"","main_focus":[196183,196194],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":"","redaktoren":[9757],"korrektor":5357,"planned_publication_date":"2024-03-12 06:20:39","original_files":null,"external_release_for_author":"20240311","external_release_for_author_time":"00:02:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/exedit\/65d4da6e29365"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195578"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11653"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=195578"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195578\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":196702,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195578\/revisions\/196702"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5357"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9757"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11653"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/196194"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/196183"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/196751"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=195578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=195578"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=195578"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=195578"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=195578"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=195578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}