{"id":197369,"date":"2024-04-16T07:10:22","date_gmt":"2024-04-16T05:10:22","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/?p=197369"},"modified":"2024-04-16T11:31:11","modified_gmt":"2024-04-16T09:31:11","slug":"keine-politisierung-des-finanzausgleichs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2024\/04\/keine-politisierung-des-finanzausgleichs\/","title":{"rendered":"Keine Politisierung des Finanzausgleichs!"},"content":{"rendered":"<p>Der Kanton Wallis ist stark abh\u00e4ngig vom Nationalen Finanzausgleich. Das f\u00fchrt manchmal dazu, dass dem Kanton ein soziales Stigma anhaftet. Da erscheint es fast widerspr\u00fcchlich, dass wir eigentlich eine gute Finanzlage haben, dank der doppelten Ausgaben- und Schuldenbremse immer wieder positive Rechnungsabschl\u00fcsse ausweisen und der Kanton regelm\u00e4ssig Rekordinvestitionen t\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Diese Diskrepanz zwischen einer gesunden Finanzlage und der \u00f6ffentlich wahrgenommenen finanziellen Abh\u00e4ngigkeit legt nahe, dass es wohl eine Anpassung des Finanzausgleichs braucht. Denn beim aktuellen System nehmen die Finanzkraftdisparit\u00e4ten zwischen den Kantonen viel zu stark zu. F\u00fcr einen finanzschwachen Kanton wie das Wallis ist es unm\u00f6glich, mit dem \u00fcberdurchschnittlichen Wachstum der finanzstarken Kantone Schritt zu halten, obwohl auch unsere eigene Ressourcenausstattung stetig w\u00e4chst. Die Schere zwischen den Kantonen \u00f6ffnet sich zusehends.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"content-quotes\">Die aktuelle Mindestausstattung entspricht nicht mehr der wirtschaftlichen Realit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Grund daf\u00fcr ist die Mindestausstattung. Die geltende Regelung, wonach die Finanzkraft der ressourcenschw\u00e4chsten Kantone durch den Finanzausgleich auf 86,5 Prozent des Schweizer Durchschnitts angehoben wird, entspricht nicht mehr der wirtschaftlichen Realit\u00e4t und den Steuerdisparit\u00e4ten. Einige Kantone, darunter das Wallis, verlieren durch diese Indexbegrenzung Dutzende von Millionen Franken an Ausgleichseinnahmen. Aus unserer Sicht m\u00fcsste diese Mindestausstattung wiederum erh\u00f6ht werden, beispielsweise auf 88 Prozent.<\/p>\n<p>Ein anderer Grund ist der Lastenausgleich, der vom Bund finanziert und im ureigenen Interesse auch von ihm gesteuert wird. Er steht immer wieder in der Kritik der Geberkantone. Wir sind der Meinung, dass gleich viele Mittel in den geografisch-topografischen Lastenausgleich fliessen sollten wie in den soziodemografischen Lastenausgleich. Das w\u00e4re von entscheidender Bedeutung, wenn man ein gutes Gleichgewicht zwischen st\u00e4dtischen und peripheren Kantonen wahren will. Dies ist umso wichtiger, als die Randregionen zunehmend zur Finanzierung von Leistungen der Zentrumskantone und urbanen Kantone beitragen m\u00fcssen, so etwa bei der Finanzierung der Universit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Bedeutsam w\u00e4re auch, dass der Bund die indirekten Folgen von Gesetzgebungen oder Angleichungen an das EU-Recht dauerhaft in das bestehende Ausgleichssystem einbezieht und nicht nur befristet abfedert. Denn das Auslaufen solcher Abfederungsmassnahmen, wie etwa der Erg\u00e4nzungsbeitr\u00e4ge, k\u00f6nnte ressourcenschwache Kantone in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Letztlich w\u00e4re das f\u00fcr den schweizerischen Finanzplatz und den w\u00fcnschenswerten Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen kontraproduktiv.<\/p>\n<p>Es ist daher w\u00fcnschenswert, dass der Finanzausgleich ein wirtschaftliches Instrument zur Reduzierung der Disparit\u00e4ten zwischen den Kantonen bleibt. Der Finanzausgleich soll nicht zu einem politischen Instrument werden, das vom Bund gesteuert wird und so insbesondere beim soziodemografischen Lastenausgleich die st\u00e4dtischen Kantone bevorteilt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kanton Wallis ist stark abh\u00e4ngig vom Nationalen Finanzausgleich. Das f\u00fchrt manchmal dazu, dass dem Kanton ein soziales Stigma anhaftet. Da erscheint es fast widerspr\u00fcchlich, dass wir eigentlich eine gute Finanzlage haben, dank der doppelten Ausgaben- und Schuldenbremse immer wieder positive Rechnungsabschl\u00fcsse ausweisen und der Kanton regelm\u00e4ssig Rekordinvestitionen t\u00e4tigt. 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